Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 375 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 375 r Simonsbrot nocfj immer unerreicht als ©efunbr>eU«- unb Ätaft> ßrot. ÜReid) an ben fo midjtigen Wäljrfaljen. 6efjt bt-auem: Stnn)n§6roN@;f)nittcnpäcfc^en in Stanniol, gntcfjtenbrot: Aufbau« unb $arm.föeaulator. Qu haben in ^eiitfoftfjanbhingen unb dielen 93äcfcrcictt. V.3imon*6rotfabrtf äöicn^agran 55. Xägl. Sßofiüerl.^ Palä$li'na*Beridif an den Völkerbund ©i'e Organisation der Arbeit Das britische Kolonialamt hat den Bericht, den sie dem Völkerbundrat über die Verwaltung Palästinas (und Transjordaniensn vorlpjt-j. nunmehr veröffentlicht. Der Bericht beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen des Landes, mit den Leistungen auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet und vornehmlich mit dem Problem der Arbeitskonflikte. In dem den Arbeitsfragen gewidmeten Abschnitt des Berichtes wird auf die Konflikte während der Orangenernte infolge der Forderung des Arbeitsverbandes nach Verwendung rein jüdischer und Ausschluß unorganisierter Arbeit hingewiesen. In diesem Zusammenhang wird als Regierungsvorschlag die (inzwischen gesetzlich durchgeführte) Abänderung der Bestimmungen über das Postenstehen erwähnt. Friedliches Postenstehen soll nur in Fällen zugelassen werden, in denen es sich nicht um Rasse, Religion oder Sprache der eingestellten Arbeiter handelt. Zur Arbeitslosigkeitsstatistik wird bemerkt, daß die Erhebungen noch immer schwierig durchzuführen sind. Die Arbeitslosigkeit unter den Arabern war ziemlich stationär, der höchste Arbeitslosenstand wurde im Juli mit 20.500, der tiefste im De zember mit 15.600 Arbeitslosen, in ihrer Mehrheit land wirtschaftliche Arbeiter, erreicht. Der tiefste Stand der jüdischen Arbeitslosigkeit betrug 500 im März, der höchste 1550 im Dezember. Es werden dann der Widerstand der Unternehmer gegen die Forderung, Arbeiter nur durch Vermittlung der Arbeitsämter anzustellen, sowie die Komplikation der Lage durch Gründung der revisionistischen Gewerkschaft erwähnt. 57 Fälle von Arbeitskonflikten wurden registriert, davon 42 Streiks, 3 Aussperrungen und 12 Konfliktsfälle ohne Arbeitseinstellung infolge der Forderung des Allgemeinen Arbeiterverbandes „Histadruth" nach Verwendung ausschließlich jüdischer oder organisierter Arbeiter Die Gewerkschaftsbewegung unter den Arabern hat einige Fortschritte gemacht, und es wurden mehrfache Versuche unternommen, arabische Arbeiterorganisationen zu schaffen, zum Teil unter dem Einfluß der jüdischen Arbeiterorganisationen. Die meisten arabischen Gewerkschaften sind jedoch nicht entsprechend organisiert. Zu einem gemischten Typus gehören die mit Hilfe der jüdischen Arbeiterorganisationen geschaffenen Gewerkschaften; sie umfassen arabische und jüdische Mitglieder. Die //große Sorge" Die „illegale" Einwanderung, hauptsächlich die von Juden, wird in dem Bericht als eine der großen Sorgen der Palästina-Regierung bezeichnet. 1931 habe man 6000 unerlaubt Eingewanderten die Legalisierung des Aufenthaltes ermöglicht. Die Zahl der in den beiden letzten Jahren ohne Erlaubnis Eingewanderten wird auf 22.400 geschätzt. Durch ihre Zuwanderung könne Ueberfüllung in gewissen Berufen entstehen und die Berechnung der freien Arbeitsstellen für Einwanderer unter der Labour-Schedule über den Haufen geworfen werden. Es werden sodann die im November gegen die illegale Einwanderung getroffenen Maßnahmen angeführt: Deportierung der als Touristen ins Land gekommenen Personen, die nicht rechtzeitig um dauernden Aufenthalt angesucht haben oder deren Gesuch abgelehnt wurde; Einführung einer Kaution für Touristen, die nicht erster Klasse reisen; Rückbehaltung eines bestimmten Teiles von Einwanderungszertifikaten im Umfang der vermuteten illegalen Einwanderung. Die Palästina-Regierung plane die Errichtung eines Statistischen Amtes und gewisse Maßnahmen, um zwischen Einwanderung und Aufnahmefähigkeit des Landes eine engere Relation (!) herzustellen. Der Bericht befaßt sich sodann mit dem Widerstand der Araber gegen jüdische Einwanderung. Die Mißstimmung unter den Arabern wegen jüdischer Einwanderung und Bodenverkauf an Juden habe sich vom Anfang des Jahres an verstärkt und in den Unruhen im Oktober und November den Höhepunkt erreicht. Die Regierung habe bei jeder Gelegenheit festgestellt, daß eine Aenderung des Grundsatzes der Regelung der Palästina-Einwanderung nach der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes nicht erfolgen werde. Ein Ba3d der Einwanderung Ueber die Bevölkerungszunahme durch Einwanderung werden in dem Bericht folgende Ziffern angegeben: Die Gesamtzunahrae durch Einwanderung betrug im Jahre 1933 43.891 Personen. Von diesen wurden 29.101 als Einwanderer registriert, 13.029 kamen als Touristen. Trotzdem gab es eine unerwartet hohe Zahl illegaler jüdischer Einwanderer. Die Regierung ist entschlosen, die gesetzwidrige Einwanderung in Zukunft zu verhindern.. Was die angeblich übermäßige Einwanderung von Arabern aus Transjordanien nach Palästina zwecks Arbeitssuche betrifft, so seien im Sommer höchstens 1000 Araber (!) auf Arbeitsuche nach Palästina gekommen, die meisten seien aber noch vor Jahresschluß wieder fortgezogen. Die Zahl der Transjordanier, die sich unerlaubt in Palästina niedergelassen haben, betrage nur wenige hundert. (!) Palästina blüht Wenn es noch eines Beweises für die anhaltende wirtschaftliche Prosperität in Palästina bedürfe, heißt es in dem Bericht weiter, so wäre er durch den Verwaltungsüberschuß erbracht, der nach dem Stand vom 31. März 1934 auf fast 2% Millionen Pfund geschätzt wird. Die günstige Wirtschaftslage wird in dem Bericht auf die Einwanderung von Kapitalisten und anderen Einwanderern zurückgeführt. Wenn auch mit einer Aenderung der Wirtacnaftsver- ÄJUtnisse In Europa oder durch 4i« atreag«r« Einwanderungskontrolle gerechnet werden könne, so sei doch nicht zu befürchten, daß so etwas wie eine Wirtschafts- oder Finanzkrise eintreten könnte. In dem Bericht wird sodann die gesunde Grundlage der bestehenden Industrie unternehmung e n und die Ausweitung ihres Marktes betont. Manche Betriebe müssen ununterbrochen mit wechselnden Belegschichten arbeiten. So die Silikat- und Textilfabriken, die moderne Oelfabrik in Haifa und die Zementwerke. Erfahrene jüdische Industrielle aus Deutschland haben eine Reihe neuer Fabriken ins Leben gerufen, Ramath Gan bei Tel-Awiw entwickelt sich allmählich zu einer Fabriksstadt. Unter den neu aufgenommenen Erzeugungen werden Seidenweberei, Aluminiumwarenherstellung, Messer- und Silberschmiedcarbeit. Herstellung von Draht, Nägeln, Rasierklingen. elektrotechnischen Bedarfsartikeln, Metallwaren und Schokolade erwähnt. Nach Beratung der Regierung mit den Vertretern des Citrush a n d e 1 s wurde im November eine Exports teuer für Citrusfrlichte eingeführt, deren Erträgnis für die Finanzierung der Exportpropaganda bestimmt ist. Ein einheitlicher palästinensischer Typ Die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims wird in dem Bericht eingehend geschildert: 1920 betrug die Billige Ferienreisen nach POLEN fftä Paßerlelohterungen für polnische Staatsangehörige! Büro Dr. S. Tocker ffiÄK Nähere Auskünfte Für die L«s«r dar „Nauen W I *" nur: Die Qlltei) billigen Neudegger Fahrschulen Wien, VIII. ^^UizerardorffNIedL;gergasse 18., (T< •Pest.). - Elektr. LehrchissiBl jüdische Bevölkerung Palästinas 66.574 Seelen, von denen 51.000 in Städten und 15.000 auf den Farmen und in den Siedlungen wohnten. Ende 1933 war die städtische Bevölkerung auf 175.000, die Landbevölkerung auf 65.000 in 126 landwirtschaftlichen Siedlungspunkten gestiegen. Vor dem Kriege gab es in Palästina 1235, zum größten Teil arabische, Gewerbebetriebe. Heute beträgt die Zahl der Betriebe annähernd 5290, davon fast 3000 jüdische mit einem investierten Kapital von rund. 41/2 Millionen Pfund. Der Umfang des jüdischen Landbesitze» ist von 450.000 Dunam im Jahre 1920 auf 1,110.000 Dünam im Jahre 1933 gestiegen. Die Ernte aus dne jüdischen Orangenplantagen macht etwas, mehr ■ als die Hälfte der gesamten Orangenernte aus. Ein ausgedehntes Netz jüdischer Krankenhäuser, Kliniken und Ambulatorien, die Ausbreitung der hebräischen Spra.che in Palästina, drei Tageszeitungen und 35 Zeitschriften, darunter eine Anzahl von Gewerbe-, Kunst- und sonstigen Fachzeitschriften, gut eingerichtete Verlagsanst.alten in Tel-Awiw und Jerusalem, jüdische Maler und Bildhauer, die H a b i m a-Truppe und der „O h e 1" bezeugen den starken Kulturwillen. Tel-Awiw selbst ist ein Mikrokosmos eines jüdischen Nationalheims. Besonders bezeichnend ist das allmähliche Aufkommen eines einheitlichen palästinensischen Typs bei der heranwachsenden Generation. RUNDSCHAU Ein The©dor*HerzIffMaiisoIeiim? Aus Jerusalem (J. T. A.): Die zionistische Exekutive in Palästina und die Exekutive des Wa&d Leumi (Nationalrat des Jlschuw) haben gemeinsam beschlossen, in Palästina ein Theodor-Herzl Mausoleum zu errichten, welches die sterblichen Reste Dr. Theodor Herzls beherbergen wird. Für die Errichtung des Mausoleums wird ein s p e z i e 1 i e 1 Fonds geschaffen. Der im August 1933 in Prag abgehaltene 18. Zionistenkongreß hatte eine Resolution gefaßt, in der die zionistische Exekutive aufgefordert wurde, sofort Schritte zur Ueberführung der sterblichen Reste Doktor Herzls vom jüdischen Friedhof in Wien-Döbling nach Palästina zu unternehmen. Die Ueberführung solle möglichst im Frühjahr 193 4, jedenfalls nicht später als zum 20. Tamus d. J., an dem Sich der Todestag Herzls zum 3 0. Male jährt, erfolgen. * Diese Nachricht der Jüd. Telegr.-Agentur verdient mit Zweifel aufgenommen zu werden. Das Kapitel „Ueberführung Herzls" ist wohl eines der beschämendsten in der Geschichte der Zionistischen Organisation. Mit der Abkehr vom Herzischen Judenstaats-Zionismus hat die Gleichgültigkeit gegenüber dem Andenken Theodor Herzls Platz gegriffen. Eine ganze zionistische Generation ist aufgewachsen, welche Herzl nicht kennt. Auf vielen Zionistenkongressen und sonstigen zionistischen Tagungen wurden wohl Resolutionen betreffend die „sofortige" Ueberführung gefaßt. Aber widerwillig und nur um die lästigen Herzl-Phantasten und Mahner los zu werden! Sowie auch die letzte, die vom „Frühjahr 1934" und vom „Tamus" spricht. Das Frühjahr ist vorüber und der Tamus wird vorübergehen, ohne daß etwas anderes als leeres Gerede zu verzeichnen ist. Weder die Zusammensetzung der Exekutive noch die des Waad Leumi geben eine Gewähr dafür, daß der Beschluß diesmal ausgeführt wird. Zum antideut§dien Boykott in Amerika In Amerika ist der antideutsche Boykott-Gedanke überaus populär. Erst kürzlich haben sich zehntausende Studenten ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität in die mächtige Boykottfront eingereiht. Auf die geringste Sabotage der Boykottaktion reagieren die Leiter dieser Aktion empfindlich und scheuen sich nicht, ihrem Unwillen Ausdruck zu geben. Kürzlich wurde bekannt, daß der berühmte amerikanische Schauspieler George .Arliss, ein Nichtjude^ In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd zu erhalten, gibt es nichts Besseres als ständige Körperpflege. Ein ideales Mittel dazu finden Sie in dem seit Jahrzehnten bewährten, in tausenden Familien beliebten DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Erhält durch tägliche Massagen (Einreibungen) die Spannkraft, kräftigt Muskeln und Nerven, verleiht Ausdauer. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken. Das anerkannte Hausmittel. Inledem besserenQescbäfte erhältlich. Aber verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sie nur „DI A N A\ Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. auf seiner Reise von New York nach England einen deutschen Dampfer benützte. Daraufhin wendete sich Dr. Joseph Tenenbaum, der Leiter des vom American Jewish Congress eingesetzten Boykottkomitees, an George Arliss mit einem Schreiben, worin es u. a. hieß; „Die amerikanischen Juden waren von der in der Presse gemeldeten Nachricht, daß Sie auf Ihrer Europareise einen deutschen Dampfer benützt haben, peinlich überrascht. Von einem Künstler Ihres Ranges, der mit so großem Talent und mit so großer Darstellungskraft Figuren, wie Disraöli und Amschel Rothschild* verkörpert, kann das jüdische Volk mit Recht erwarten, daß er nicht einem Regime wie dem hitleristischen Vorschub leistet, einem Regime, das die Freunde der menschlichen Ideale und der Zivilisation verachtet und verfolgt." Georg Arliss antwortete nach Erhalt des Briefes, daß, Grund für diese Vorhalte bestehe, entschuldigte sich aber damit, daß ihm im Zeitpunkt seiner plötzlich, notwendig gewordenen Reise nur ein deutscher Dampfer zu Verfügung gestanden sei. Man sieht aus diesem Briefwechsel, daß in weiten amerikanischen Kreisen die Boykottierung Hitler- Deutschlands mit dem Schutz der Zivilisation identifiziert wird. STRENG KOSCHER SEEFELD (Tirol)/1200m iiinnniiniiiniiiiiiiniiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiitiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiri Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wassersport. PENSION GESCHWISTER SCHEER im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung, Bestialität rings um Horst Wessel Im Jänner 1930 wurde Horst Wessel erschossen«. Seine Ermordung hat nichts mit Politik zu tun. Er war ein „ewiger Student" und Nazisturmführer. Ohne Erwerb und Verdienst, bezog er seinen Lebensunterhalt aus den Einkünften seiner Lebensgefährtin von der Straße. In seinem Umkreis gab es Zuhiltertum, Messerheldentum, Unterwelt. In solchem Milieu: empfing Horst Wessel von einem Zuhälter namens Köhler gelegentlich eines Streites den tödlichen Schuß. Der erste Horst-Wessel-Prozeß wurde denn auch als Totschlägerprozeß zwischen Gestalten eines Zuhältermilieus geführt, die Angeklagten erhielten Zuchthausstrafen. Unter dem Einfluß der Goebbels-Propaganda wurde von der Nazipartei Wessels Leben und Tod zu einer Heldensage gemacht und die Legende von seiner Ermordung durch Kommunisten in die Welt gesetzt. Horst Wessel, der verbummelte, in einem gewissen „Milieu" lebende Student, wurde weiters zum Autor eines Marschliedes gestempelt, das allmählich zur Nationalhymne avancierte, dem selbst die in Deutschland lebenden auswärtigen Diplomaten Reverenz erweisen müssen. Richtig scheint nur zu sein, daß der Vers „Wenn's Judenblut vom Messer spritzt, dann gehtfs noch mal so gut", vom nazideutschen Heros Horst Wessel stammt. Im zweiten, soeben abgeführten Horst-Wessel- Prozeß wurde auch der aus Polen stammende jüdische Maler Sally Epstein zum Tode verurteilt, obwohl er nicht das geringste mit der Ermordung Horst Wessels im Jänner 1930 zu tun hatte, sondern unversehens in die Ansammlung vor Wessels Wohnung geraten war, ja, obwohl er weder Wessel noch seine Kumpane auch nur kannte. Schon vor Monaten gab es jüdische,. Todesopfer rings, um Horst Wessel. Ein Mädchen namens Else, Cohn,,