Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1934-06-22 · Heft 375 (22.6.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 375 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711952-2711998--4425-2717905
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Ffeete 20 Groschen Jahrgang 8 Preftag, den 28* Juni' 1934 Nr» 375 V* b* Ii« Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par Tedilear1** BEZUQSBEDINQUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S4.-, pranzjährif? S 16.—;Polen monatlich Zloty2.—.vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Vniversitätsstr. 8, leL A-20-2-78 — ErscheintDienstag und Freitag REVUE Nach dem Tode§urieiI im ArIo§oroff*Prozeß Stawsky wird nach dem Todesurteil abgeführt Im Urteilsbegründung im Arlo§oroff-Prozeß Bekanntlich haben von vier Richtern drei, und zwar ewei Engländer und ein Araber; den Schuldspruch gegen S t a w s k y gefällt. Der jüdische Richter de Valero hat sich für die Unschuld der Angeklagten ausgesprochen und sein Urteil in einer Weise begründet, die sowohl mit den Tatsachen als auch mit der Stimmung aller objektiven Beurteiler konform geht. De Valeros Minderheitsgutachten lautet: Nach sorgfältiger Prüfung dieses Falles erkenne ich,auf Grund der Tatsachen folgendes zu Recht: 1. Die Attentäter gingen einige Male an dem Opfer und seiner Gattin vorbei und sahen sie an; einer von ihnen stellte sich, bevor der Angriff ausgeführt wurde, ihnen in unziemlicher Weise zur Schau. 2. Das Verbrechen geschah zu einer Zeit und an einem Orte, wo bekanntermaßen Sittlichkeitsattentate versucht und durchgeführt werden. 3. Die von Frau Arlosor o f f zuerst gegebene Beschreibung der beiden Attentäter ist vollkommen verschieden von dem Aussehen sowohl Stawskys als auch Rosenblatts, bis auf eine Aebnlichkeit Stawskys in den Umrissen der Gestalt. 4. Frau Arlosoroff hat, wenn auch in gutem Glauben, irrige Angaben bei der Identifizierung der Angeklagten gemacht. 5. Das Alibi der Angeklagten ist ausreichend nachgewiesen. 6. Die Staatsanwaltschaft konnte keinerlei wesentliche Verbindung zwischen Stawsky imd Rosenblatt nachweisen. 7. Das von der Staatsanwaltschaft angenommene Mordmotiv wurde nicht erwiesen. Unter diesen Umständen bin ich bei der Gesamtbetrachtung des Falles zu folgenden Schlüssen gelangt: 1. Das Verbrechen war kein politisches, es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen Ueberfall aus sexuellen Motiven. 2. Keiner der Angeklagten stand mit dem Mord irgendwie im Zusammenhang. Deshalb erkläre ich sie der ihnen zur Last gelegten Tat nicht schuldig und spreche sie frei. Gezeichnet de Valero, 15. Juni 1934." * Der Hauptverteidiger im Arlosoroff-Prozeß, Horace Samuel, ist an Blinddarmentzündung erkrankt und mußte sich einer Operation unterziehen. Mit Rücksicht auf die Erkrankung des Verteidigers wird das Berufungsverfahren zur Revision des Urteils gegen Abraham Stawsky nicht vor Mitte Juli eröffnet werden können. Vorläufig sind vereidigte Gerichtsübersetzer damit beschäftigt, die Zeugenaussagen ins Arabische zu übertragen, da dem Berufungssenat zwei arabische Richter angehören. Der Prozeß gegen Brifth Habirjoium Stawskys Freunde angeklagt Die Verhandlung gegen die Mitglieder der sogenannten „Brith-Habirjonim"-Organisation, welche wegen Erkrankung des Gerichtsvorsitzenden unterbrochen war, wurde am 18. Juni wieder aufgenommen. Auf der Anklagebank sitzen, nachdem mehrere Revisionisten bereits in der Voruntersuchung freigelassen worden waren, sieben Angeklagte, darunter Aohi Meir und Doktor tY e w i n. Üach Freilassung dem Angeklagten Joftef Kat*- nelson erklärte der sich selbst verteidigende A c h i Meir, daß ein Brith Habirjonim nicht existiere, sondern bloß eine Gruppe revisionistischer Maximalisten, die den Marxismus in den zionistischen Reihen bekämpfe. Er persönlich sei gegen Terror, doch gebe er zu, seinerzeit die Demonstrationen gegen den britischen Unterstaatssekretär Dr. Shiels und gegen Norman Bentwich an der Jerusalemer Universität organisiert zu haben. * Wie aus Jerusalem gemeldet wird, soll die Berufungsverhandlung im Arlosoroff-Prozeß betreffs Oer beste Weekend- Proviant BERN A- Käse Judenstaatspartei Mittwoch, 27. Juni 1934, 7,9 Uhr, Festsaal des Hole! Continental Gedenkfeier * Oberbaurat 8ng. Robert Stricker Mitwirkend: Wiener Jüdischer Gesangsverein (Leitung Kapellmeister Israel Brandmann); Kammermusik'Trio Prof. Holländer; Jakob Feldhammer: Rezitationen aus Werken Th. Herzls und Max Nordaus/ Moseheh Lichtmann (Tenor). Hebräische Lieder, am Klavier Walter Pisk; Künstlerisches Arrangement: Jüdische Kulturstelle (Kunststelle) Karten ä S 1.— und S 2.— Vorverkaufsstellen: „Die Neue Welt", IX., Universitätsstraße 8, Tel. A-20-2-78; Frau Paula Stricker, II., Hollandstraße 10, Tel. A-48-1-89 und Abendkassa. Stawskys Verurteilung erst im Juli stattfinden, da sich die Appellationsrichter zurzeit auf Urlaub in England befinden. Das Zentralkomitee der vereinigten jüdischsozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion-Zeire Z i o n erließ eine Erklärung, wonach die Unparteilichkeit des britisch-arabischen Gerichtshofes nicht angezweifelt werden könne, aber unbedingt für die A bänderung des Urteils (?) gewirkt werden müsse. Gleichzeitig protestiert die Arbeiterpartei „gegen die wilde und schädliche Propaganda" der Revisionisten. Die bürgerliche jüdische Presse Amerikas sympathisiert mit dem Aufruf der palästinensischen Rabbiner, die den Schuldspruch gegen Stawsky als Fehlurteil bezeichnen und eine Kampagne zugunsten des unschuldig Verurteilten verlangen. Die //ßiffjonim" verteilt Aus Jerusalem wird gemeldet: Im Prozeß gegen die sechs Mitglieder des sogenannten „Brith Habirjonim" wurde der Hauptbeschuldigte Achi Meir zu 21 Monaten Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt. Chaim Dawiri erhielt 15 Monate Gefängnis mit Zwangsarbeit, Jakob Bornstein 9 Monate Gefängnis, Joschua Lichter (Administrator des „Chassit Haam") S Monate Gefängnis. Das Urteil über Dr. Yewin (Redakteur des „Chassit Haam") wird in einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden. Mosche Sacharja wurde freigesprochen. Die Juden§faaf§parfei greift ein! Aus T e 1 - A w i w wird uns gemeldet: Die Erregung um den Mordprozeß Arlosoroff ist hier eine ungeheure. Djr jüdisch-innerpolitischer Charakter droht die Zionistische Organisation zu sprengen und schwere, vernichtende Störungen des jüdischen Aufbauwerkes hervorzurufen. Das unverständliche, als ungerecht empfundene Todesurteil über Stawsky hat die Leidenschaften ins Maßlose gesteigert. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, welche als Partei im Kampfe angesehen wird, ist unfähig, hier einzugreifen. Nunmehr hat die Weltleitung der Judenstaatspartei die Initiative zur Herstellung des Friedens im jüdischen Palästina und in der Organisation ergriffen. Das von Meir Großmann geleitete Zentralkomitee der Judenstaatspartei hat an Bürgermeister Dizengoff die Aufforderung gerichtet, die Initiative zur Bildung einer Kommission jüdischer Führer aus dem Ausland zu ergreifen, die Pension Irma Meister. Meran Idealer aanzjütirlger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise. Verlangen Sie Prospekt! Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen eind durch ein beigefügtes E bezeichnet. eine objektive Untersuchung des Falle« Stawsky durchführen soll, um so endlich diesen gefährlichen Konfliktsstoff aus dem jüdischen Leben Palästinas zu entfernen. Aufgabo des Bürgermeisters von Tel-Awiw sei es, diesen Schritt zu tun, weil fast alle jüdischen Einrichtungen der Stadt an einer Klärung dieser Fragen interessiert sind, weil der Mord an Dr. Arlosoroff in Tel- Awiw geschah und weil die vom letzten Kongreß unter großen Schwierigkeiten eingesetzte Untersuchungskommission sich aufgelöst hat, ohne ihre Aufgabe erfüllt zu haben. In dem Schreiben an Dizengoff wird darauf hingewiesen, welche vergiftete Atmosphäre In der Oeffentlichkeit Palästinas infolge der mehr als einjährigen Untersuchung, des Prozesses und seiner Begleiterscheinungen entstanden ist. Nur eine von ausländischen zionistischen Führern durchgeführte unparteiische Untersuchung werde die Wahrheit über die mit dem Arlosoroff-Mord zusammenhangenden Vorgänge vor dem Zionistenkongreß, während des Kongresses und nach ihm ermitteln könne;! Beachten §b<c Preisangaben Seite 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.