Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 373 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 373 DIE NEUE WELT Seite 7 Die Juden in Norwegen Z"7 In der „Jüdischen Rundschau" schreibt der Rabbiner der,norwegischen Hauptstadt Oslo, Herr Julius Samuel, In/einem Artikel Uber die Juden Norwegens:; Skandinavien kenne keinen Antisemitismus, das ist für manche eine Binsenwahrheit geworden, die sie immer wieder in die Welt hinausrufen. In Wahrheit muß das Land, das keinen Antisemitismus kennt, wohl noch werden. Das Judentum in Norwegen hat noch keine Tradition. Vor 50 bis 60 Jahren zeigten sich erst die ersten Ansätze zu einer Gemeindeblldüng in Oslo und vor;36" Jähren wurde die zweite große Gemeinde In T r o n d- 3 e m gegründet. In diesen beiden Gemeinden leben die allermeisten der kaum 2000 Juden des Landes, und nur wenige wohnen zerstreut in den kleinen Städten und Städtchen. Trondjem ist die nördlichste jüdische Gemeinde der Welt. Das Judentum Norwegens ist erst bekannt geworden, als die Welt von dem Schächtverbot in Norwegen erfahren hat. Wenn man die psychologischen Gründe für das Schächtverbot untersucht, dann wird man finden, daß eine falsche Auffassung vom Wesen der Schechita dabei eine große Rolle gespielt hat. Nichtsdestoweniger wäre es aber grundfalsch anzunehmen, daß das Motiv des Antisemitismus dabei ausgeschaltet gewesen sei. Vielmehr ist es von den Gegnern des Schächtverbotes im Storthing mit aller Deutlichkeit gesagt worden, daß die betonte Tierliebe der Schechitah- Gegner vielfach eine Maskerade für Judenhaß gewesen sei. Hier herrschen auch starke Gegensätze, und einem verhältnismäßigen Reichtum auf der einen Seite steht auch besondere Armut gegenüber. Dieser Gegensatz hat sich noch verschärft, als durch eine Regierungsverordnung der Hausierhandel, von der die ärmere Schicht der jüdischen Bevölkerung lebt, verboten worden ist. Die Tatsache des Mangels einer lokalen geschichtlichen Tradition tritt hier mit allen ihren Vor- und Nachteilen als entscheidender Paktor in Erscheinung. Ein Geschlecht ist herangewachsen, das bereits im Lande geboren ist und dessen Kulturstreben zunächst darauf gerichtet ist, sich im Rahmen der geistigen Bildung des Landes zu vervollkommnen. Die Tatsache des Mangels einer intensiv jüdischen Erziehung im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich verhängnisvoll ausgewirkt. In den allerletzten Jahren Ist ein intensiveres Streben nach Vervollkommnung im Geiste des Judentums festzustellen, das im wesentlichen Hand in Hand geht mit dem Erstarken des zionistischen Gedankens. Die Juden Afghanistans rechtlos Aus Kabul: Die Regierung des neuen Emirs von Afghanistan hat sämtliche Juden in Afghanistan ihrer Bürgerrechte beraubt. Alle jüdischen Einwohner Kabuls und der Provinz wurden aufgefordert, ihre Bür- -gerpässe bei der Polizei abzugeben. Die afghanischen Konsulate in London, Paris und Berlin wurden angewiesen, den in Europa weilenden afghanischen Juden die Pässe wegzunehmen. Ein Nichtjude verteidigt das Hebräische gegen Juden Aus Berlin: In einer am 7. Juni abgehaltenen, sehr stark besuchten Versammlung des „Verbandes -nationaldeutscher Juden" schloß sich an die dem Thema „Nationaldeutschtum, nicht All- Judentum" gewidmeten Ansprachen vön Herrn Roten- -busch und dem Verbandsvorsitzenden Dr. Max Naumann eine Diskussion, in der, u. a. verlangt wurde, daß das Hebräische aus dem Gottes hause verschwinde. Gegen diese Forderung .erhob der einzige nichtjüdisehe Redner des Abends, Prof. Sandkühl, Einspruch. Er erklärte, der jüdische Gottesdienst sei ein wunderbarer Kultus; die Kultur würde durch die Abschaffung des Hebräischen sehr viel verlieren. Jüdische Kunststelle II., Aspembrückengasse 5i, Tel. R-48-2-91, Büro 9 bis halb 7 Uhr Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für folgende Theater zur Verfügung: Bundestheater, Scala: Gastspiel Albert Bassermann in „Großstadtluft". Deutsches Volkstheater: „Das kleine Cafe". Theater an der -A'ien: „Die gelbe Lilie". Raimund-Theater: „Straßen^nusik". Das große internationale Sehwimm-Meetlug aev Hakoah Im Rahmen der Wiener Festwochen veranstaltet die Hakoah im Stadionbad am 16. und 17. Juni ein großes internationales Sc Ii wimmfest. Nicht weniger als 200 Starter haben ihre Meldungen abgegeben, darunter 4 2 Ausländer. Diese Uberaus große Beteiligung stellt einen Rekord dar. Acht inliindische Vereine haben 160 Bewerber genannt. Unter den Ausländern befinden Bich fast durchwegs Landesmeister, die zur Weltklasse zählen und die Weltrekordlerin Willy den Ouden. 19 Schwimmvereine aus der C. S. R., Ungarn, Holland. Jugoslawien, Italien und Polen werden vertreten sein. Das Programm wird durch Turm- und Kunstspringen sowie Wasserballspiele vervollständigt. Alle Vorbedingungen sind gegeben, daß dieses Pest eines der glänzendsten wird, das Wien in den letzten Jahren sah. Hohe Vertreter der Behörden haben ihr Erscheinen zugesagt. Hakoah erfüllt mit der Durchführung dieser Veranstaltung nicht allein eine große sportliche Aufgabe, sondern leistet auch große Propaganda für den österreichischen Fremdenverkehr. Die Kämpfe beginnen an beiden Tagen um halb 5 Uhr nachmittags. KINDER ANS MEER! 4 Wochen Meer Sonne bietet Ihnen das hygienisch und modern eingerichtete JÜD. KINDERHEIM in Selce bei Crikvenica, Dalmatien. Leiterin: Frau Heiehe überall, Schuldirektorin. Anmeldungen, Auskünfte und Prospekte: Wien VIII., Alser- Bfcraße j*r. 23, täglich von 9 bis 12 und H bis'T Uhr. Telephon A-20-2-S7. S&äen 98qs gibt es Neues? (Sine fjrojjc Sinken)! neue, Ijeroorragenb flünfttße ÄaufgeleQeu&eiteu in aßen 91&teilungeu bes „'JBarcnfjaufes ber Sparfamen", bei Sdjiffmann. Slftuette SBafcfc unb Scibcnftoffe für jebc 9t it üou Sommerflcibung, retjenbe Sttnbl, Smprim^Ietber, 93iufen, ^aleiots, Koftüme, in ßrofoer Stusirafil 511?tetn|ten greifen. 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Der Wiener Jüdische Turnverein ..Makkabi", IX., Liechtensteinstraße 20, unterhält auch weiterhin seinen Turnbetrieb Im Saale. In allen Abteilungen werden Mitglieder aufgenommen (mäßige Beiträge!). — Am 24. d. M. wird sich der „Makkabi" am Schauturnen des ,,Makkabi" NikoJsburg (C. S. R.) beteiligen. Alle Mitglieder, Freunde und Gönner des „Makkabi" sind, zu dieser großangelegeten Veranstaltung herzlichst eingeladen! — In Kürze wird auch der Turnbetrieb auf dem Platze der Israelitischen Ktiltusgemeinde im, Augarten aufgenommen werden O. F. Der Gesnmtverbartd jüdischer Hochsohüler Oesterreichs „Judäa" veranstaltet während der Sommerferien eine Reise nach Novi (Dalmatien) und Varna (Bulgarien), mit anschließendem Ausflug nach Istanbul (Konstantinopel). Die Reise nach Novi kostet für zwei Wochen S 125.—, für drei Wochen S 154.—, für vier Wochen S 183.—. Die Reise nach Varna (15. Juli bis 13. August, 29. Juli bis 27. August) kostet S 175. In den Preisen inbegriffen sind Fahrt, Verpflegung, Unterkunft, Kurtaxen, Bädergebühren und Trinkgelder. Auskünfte und Anmeldungen Montag bis Freitag zwischen 12 und 1 Uhr und Montag bis Donnerstag zwischen 6 und 8 Uhr abends im Sekretariat der „Judäa", IX., Al3erstraße 26 (Tel. A-25,2-28). Ferner wird ein Lager vom J. A. Technikerverband in Hvar (Dalmatien) vom 30. Juli bis 20. August durchgeführt. Preis komplett S 135.—. Der Hilfsverein für arme, erholungsbedürftige jüdische Schulkinder (Sitz: Caf6 Nizza), II.. Taborstraße 60, wird heuer, dank der unermüdlichen Tätigkeit des Obmannes Jakob M o rfe n s t e r n, eine beträchtliche Anzahl von jüdischen Schulindern für einige Wochen auf dem Lande unterbringen. Der Vorstand ersucht um gütige Beiträge, welche auf das Postsparkassenkonto B. 193.177 erlegt werden mögen. „Der Legitimist" heißt eine neue Zeitschrift, die von der unter der Führung des Generalmajors Emil Sommer stehenden Vereinigung legitim/istischer jüdischer Frontkämpfer herausgegeben wird. Unter der Chefredaktion von Uriel Birnbaum und Herbert Schneeberg wurde hier ein Blatt geschaffen, das in ruhig-sachlicher Form für den legitimistischen Gedanken eintritt. Probenummern versendet kostenfrei die Verwaltung des Blattes, Wien, I., Parkring 4. __V- Amtliche Verlautbarungen die? Ifrael« Kultußgeineinde Wien« Aus dem Täffskeitfsberidil der Wiener Kullusgememde pro 1933 Allgemeine Fürsorge: Der Gesamtaufwand des Fürsorgewesens hat 1933 S 2,847.404.— betragen gegen S 3,557.877.— im Jahre 1932. Die Steigerung des Gesamtaufwandes ergab sich vornehmlich aus der Aktion für die Deutschland-Flüchtlinge und aus der Errichtung der Ge m i 1 u t h - C h e s e d- Kassa. Außer den im vorangegangenen Berichte verzeichneten Aufwendungen für das Spital, die Versorgungsanstalt, das Kinderambulatorium und für die Jugendfürsorge sind für sonstige FUrsorgezwecke S 1,277.643.— verausgabt worden. Darunter befinden sich die durch besondere Aktionen aufgebrachten Auslagen für die Unterstützung und fallweise Abbeförderung von Deutschland- Flüchtlingen auagegebenen S 199.168.—, ferner S u bventionen an jüdische Wohltätigkeitsvereine per S 78.472.—. Der Zuschuß zum Fürsorgewesen aus den eigenen Mitteln der Gemeinde hat S 1,072.286.— gegen S 1,027.894.— im Jahre 1932 betragen. Friedhofwesen: Im Jahre 1933 wurden 2442 Beerdigungen. 40 Ueberführungen, 6 Exhumierungen und 127 Kremations-Transporte durchgeführt. Von den Beerdigungen entfallen auf den Zentralfriedhof, isr. Abt, 627, den Neuen Friedhof 1766, den Floridsdorfer. Friedhof 17 und den Döblinger Friedhof 32. Insgesamt fanden im Jahre 1933 um 33 Eegräbnisse weniger statt als im Jahre 1932 und um 124 Begräbnisse weniger als im Jahre 1931. Die Einnahmen aus dem Friedhofweseh beliefen sich' im Jahre 1983 auf S 1,241.987.—, gegen S 1,396.824.— im Jahre 1932. Der Rechnungsabschluß weist auf dem Konto Friedhofwesen einen Ueberschuß von S 423.416.— gegen S 504.369.— im Jahre 1932 auf. doch ist dieser Ueberschuü nur fiktiv, da der Wert der veräußerten Grab- und Gruftstellen, durch deren Abgabe eine Minderung des unbeweglichen Gemeinden- Vermögens stattfindet, nicht in Abzug gebracht ist. Soweit sich Ueberschüsse aus dem Friedhofwesen ergeben, werden dieselben zur teilweisen Deckung der Zuschüsse der Kapitel „Kultus" und „Fürsorge" verwendet. Matrikenwesen: Im, Matrikenamt wurden 13.062 Dokumente ausgefertigt, gegen 14.812 des Vorjahres. Hievon entfallen 3670 auf taxpflichtige, 1306 auf taxfreie und 8005 ex-offo-Ausfertigungen für behördliche Zwecke. In der Zeit vom 1. Jänner bis 31. Dezember 1933 ergaben sich die nachfolgend verzeichneten Matrikenfälle (denen in Klammer die korrespondierende Zahl des vorangegangenen Jahres beigefügt ist): G e b u r t e n 900 (976), Eintritte, bezw. Rücktritte 355 (290). A u s t r i 11 e 713 (805), S t e rb e f all e 2689 (2641). Gesamtergebnisse des Rechnungsabschlusses pro 1933: Den Gesamteinnahmen von S 7,043.372.— standen Gesamtausgaben von S 7,064.124.— gegenüber, so daß sich für das Jahr 1933 ein unbedecktes Defizit von S 20.752.— ergibt, welches auf neue Rechnung vorgetragen wurde. Da aus früheren Jahren ein Defizit von S 143.583.— besteht, resultiert ein Gesamtabgang von S 164.285.—. Jüdisch-kuIturclLer Elternbund. Am 15. Mai fand die Gründungsversammlung des „Jüdisch-kulturellen Elternbundes" statt. In Vertretung des Kultusvorstandes erschienen der Obmann der Unterrichtskommission, Herr Prof. Rath, und der Obmann der Fürsorgekommission Herr Dr. Klaber; namens des Schulinspektorats Herr Insp. Oehler und in Vertretung der Fürsorgezentrale Herr Dr. Blauer und Frl. Schwarz.- Namens der Proponenten erörterten in ausführlicher und klarer Weise die Herren Richard S t b* ß 1 und Arnold Donath den Zweck des neuzugründenden Elternbundes. In allen Bezirken sollen ElternbUnde geschaffen und unter einheitlicher Führung geleitet werden, die sich zum Ziele setzen, den jüdischen Schulkindern und den jüdischen Eltern in religiöser und kultureller Beziehung zur Seite zu stehen. Nach einer eingehenden Debatte erfolgte die Wahl des Herrn Prof. Rath zum Obmann, die der Herren Dr. Klaber und Arnold Donath zu Stellvertretern und die des Herrn Richard Stößl zum Schriftführer. Alle jüdischen Eltern, deren Kinder die öffentliche Schule besuche^, sollen diesem neugegründeten Elternbund beitreten. Sie fördern damit das Wohl ihrer eigenen Kinder und stärken die Zukunft des Judentums. Jüdisch-Kultureller Elternbund. Ueber Einladung des Elternbundes wird Herr Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang am Donnerstag, den 21. Juni 1934 um 8 Uhr abends im Festsaale des Hotel „Continental", II., Taborstraße 6, einen Vortrag über das Thema: ,,D i e Rolle der Eltern auf dem Gebiete der jüdischen Jugenderziehung" halten. Kundmachung Die Prlvatisten Prüfungen aus israelitischer Religion für Schüler und Schülerinnen an Volks- und Haupt« schulen für das II. Halbjahr des Schuljahres 1933/34 finden durch die zuständigen Religionslehrer in den Sammelstationen statt. Die Termine für die Prüfungen können bei den Schulleitungen oder im Schulamte der Israelitischen Kultusgemeinde ■IIIIItlllllllllffllllllllllffllllllllllllllllf«lllfflllllllllllllllllllfIllllfJ JOdlsoher Wehrsport und Sohtttzenvereln HAGANAH" und „HACHALU2 HA LEU MI*', Verein zur Förderung der Palästina - Einwanderung EINLADUNG zu dem am Samstag» den 16. Juni 1934, im Cafe" Konstantinhügel, Wien II, Prater Hauptallee, stattfindenden Beginn 20.30 Uhr Entree S 1.S0 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiifiiiiiiiifiiiiiiiiii i im iimi ii imiitiiiiiaif ii»