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Die neue Welt · 1934-06-15 · Heft 373 (15.6.1934) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 373 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 373 aufgaben Gemäß unserer vorwöchigen Ankündigung setzen wir in unserer heurigen Nummer die Serie der Preisrätsel fort, die insgesamt zehn Wochen laufen wird. Fragen, Aufgaben und Kreuzworträtsel werden den Inhalt dieser Serie bilden, Avobei auf jüdisches Material besonderes Gewicht gelegt wird. Als Preise wurden für die besten Lösungen folgende Werke ausgesetzt: 1. Freis: E. M. Lilien: „Die Bücher der Bibel". 3 Bde. (Originalpreis 108 Schilling.) 2. Preis: Hans Tietze: „Die Juden Wiens". 3. Preis: Lion Feuchtwanger: „Der jüdische Krie g". * Die. in Rede stehenden zehn Kupons mit der Lösung sind aufzubewahren und nach Ablauf insgesamt in einem Kuvert mit dem Vermerk „Preisaufgaben" an die Verwaltung unseres Blattes, Wien, IX., Universitätsstraße 8, einzusenden. 2. COUPON (Ausfüllen und ausschneiden!) Frage: Wie lautet die hebräische Uebersetzung (in lateinischen Buchstaben) von „Die großen Steine"? Antwort: ,,.*»<•* i Fritj Pollak gestorben Ein treuer Herzl-Zionist, Fritz Pollak, Mitglied des Parteirates der österreichischen Judenstaatspartei, ist aach langem schwerem Leiden, 58 Jahre alt, verschieden. In Kostel in Mähren, geboren, schloß er sich schon als junger Mensch mit Feuereifer Theodor H e r z 1 an und arbeitete vor allem in Mähren und Schlesien an der Popularisierung des Zionismus und des jüdischen Volk3gedankens. Später wurde er Mitglied und dann Alter Herr der zionistischen Studentenverbinü mg „Libanonia" in Wien. Auch als er in Wien in schwerem Berufsleben stand, widmete er seine ganze freie Zeit in nimmermüdem Idealismus dem Zionismus. Als schwer Leidender arbeitete er zionistisch, vom Krankenlager aus verfolgte er mit brennendem Interesse alle Vorgänge im jüdischen Leben. Allen seinen Freunden, insbesondere seinen Freunden von der Judenstaatspartei, wird er unvergeßlich bleiben. Wolf Teitelbaum, einer der ersten Beamten des Jüdischen Nationalfonds in Wien, ist im Alter von 76 Jahren in Toronto (Kanada) gestorben. Sein Sohn Heinrich wirkt im Sinne des Verstorbenen zionistisch erfolgreich fort. 4 Ring der Alten Herren der zionistischen Verbindungen S p o r t g r u p p e. In der Ausschußsitzung vom d. M. wurde beschlossen, eine Sportgruppe ins Leben zu rufen. Zunächst sollen die Sportzweige Fechten, Leichtathletik und Gymnastik, Schwimmen, Touristik und Wintersport und eventuell Boxen betrieben werden. Mitglieder des Alt-Herren- Ringes und deren Angehörige, die beabsichtigen, sich an einem dieser Sportzweige zu beteiligen, werden ersucht, unserem Sekretariat (I., Biberstraße 17) jetzt schon Namen und Adresse bekanntzugeben, damit über die zu erwartende Beteiligung ein Ueberblick gewonnen werden kann. — Näheres wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Protestkundgebung in Innsbruck In der Vorwoche hielten die Zionisten Innsbrucks eine Versammlung ab. in welcher gegen die Behinderung der Einwanderung durch die Palästina-Regierung aufs schärfste protestiert wurde. In der an die Adresse der englischen Mandatarmacht gerichteten Kundmachung heißt es: „Durch die Ankündigung eines arabischen Parlaments für Palästina, die Razzien nach sogenannten „illegalen" Einwanderern, die fortwährenden Schikanen bei der Erteilung von Einreisevisen, die Aufnahme einer fast ausschließlich den Arabern zugute kommenden Anleihe, durch die Unterbindung der jüdischen Arbeitereinwanderung mit dem Ziele, die Juden zur Arbeitseinstellung von Arabern zu swingen, werden die Mandatsbestimmungen direkt sabotiert. Proleslversammlung in MährisduOstrau Ueber Initiative der Judenstaatspartei fand in Mähr.-Ostrau eine Protestversammlung g e g ein EIn gland statt, an welcher sich, zum ersten Male seit fünf Jahren, alle zionistischen Parteien beteiligten. Als erster Redner sprach hebräisch der Vertreter des ..Misrachi". Herr Rabb. Doktor F a e r b e r. der die geistige Not der Juden darlegte und auf die Notwendigkeit gemeinsamen Vorgehens hinwies. Dann sprach ein Redner der „Allgemeinen" Uber die Einwanderungspolitik der Mandatsregierung und unterstrich den schöpferischen Willen des jüdischen Volkes in bezug auf Palästina. Nach ihm erwach Dr. Lftwinger, der Vorsitzende der Ortsgruppe der ,'J u d e n s t a a t s p a r t e i", entwickelte den Werdegang des jüdischnationalen Gedankens, der in der Schaffung eines Judenßtaates seinen Höhepunkt findet, stellte ausführlich die Lage der Juden in der Galuth dar. In scharfen Worten wandte er sich gegen England, das versuche, den Juden die Tür in Ihr Land zu schließen, zog eine Parallele zum tschechischen Volk, das, ohne Geschenke anzunehmen, doch einig im Willen, durch die Kraft der Legionen seinen Staat erkämpft hat. Zum Schlüsse sprach ein Vertreter der Linken (Iber die Notwendigkeit der jüdischen Arbeit in jüdischen Unternehmungen In Palästina. Einstimmig wurden zwei Resolutionen angenommen. Die eine hat den Protest der Zionisten gegen die Mandatsverletzung durch England zum Inhalt und schließt mit der Forderung an die heutige zionistische Leitung, alles zu unternehmen, um eine Einwanderung, entsprechend der Not des Weltjudentums, zu erkämpfem Reaoiutjon beinhaltet den Protest der Ostrauer Zionieten gegen die Beschäftigung arabischer Arbeiter in jüdischen Unternehmungen Palästinas. Die Versammlung, die einen würdigen Verlauf nahm, wurde mit der Tikwah geschlossen. Nach langer Zeit erlebte Mähr.-Ostrau, wo eonst Störungen durch Terror der Linken an der Tagesordnung taren, eine vllrdige Kundgebung. » ' -V*b m Provinzversand per Nachnahme Gewebte Dirndl-Stoffe, licht- und waschecht, Modedessins . . . . S Leinenartige Voile Muster für jeden Geschmack . . 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Herren S 12.50, 9.80, 90 2 «•90 r r° g.80 r° i Auf xur Lustree'se Von Tunkeier Der bekannte humoristische Schriftsteller Tunkeier schlägt hier keine heitere Note an. Es wird ihm traurig ums Herz. Seine Worte richten sich gegen die 200 Juden, die sich an einer Reise nach Hitler-Deutschland beteiligen. Als ich in den Zeitungen las, daß sich für eine Reisegesellschaft nach Deutschland auch 200 Juden gemeldet hätten, erinnerte ich mich an den Aphorismus: „Das jüdische Volk ist zwar klein, aber ... usw." Wenn ein anderes Volk in einem anderen Land so gemartert, bespien und verfolgt wäre mit so viel moralischem und physischem Weh, wenn es so all seiner elementaren menschlichen Rechte beraubt und dem Boden seiner Existenz entwurzelt worden wäre — ich glaube nicht, daß es 200 seiner Volksgenossen erlaubt sein würde, eine Lustreise in das Land seiner grausamen Unterdrücker zu machen. Ich weiß, welch ein Sturm von Protesten in einem Volk sich erhebt, wenn es seitens eines zweiten Volkes eine Beleidigung empfindet, besonders in Dingen nationaler Ehre. Ich erinnere mich daran, wie die Polen seinerzeit Max Reinhardt boykotierten, weil er keine polnischen Stücke aufführte. Eine ganze Reihe amerikanischer Filme wird jetzt nicht nach Polen hereingelassen, weil sich die amerikanischen Filmproduzenten erlaubten, unsaubere Filmfiguren mit polnischen Namen zu benennen. Und wir? Ich habe nicht gesehen, daß Juden ein Cafe" rigoros boykottieren, wo sie schändlich behandelt worden sind. Ich habe nicht gesehen, daß Juden die „Zivilkourage" aufbrachten, den Rücken einem Theater zu kehren, wo man sie lächerlich macht. Wir Juden müssen erst die große Katastrophe erleben, ins Gesicht bespien werden, um zur Besinnung zu komme», aber selbst (Warschau) da fehlt es uns nicht an erbärmlichen Elementen, die sagen: „Es regnet!" Man spricht von jüdischen Kaufleuten, die ihre Waren in der berüchtigten antisemitischen Zeitung „Sztafeta" anoncieren und die selbst die judenfresserischen Blätter mit Todesanzeigen füttern. Es ist ein Wunder, daß ein Teil der besseren Judenschaft die antideutsche Boykottidee aufgefangen hat; selbst hier begegnet man reichlich viel Zynismus. Es ist ein Wunder, daß der Boykott dem Feind einen spürbaren Hieb versetzt hat. Und der Aerger und der Schmerz werden noch größer, wenn man bedenkt: Was könnte werden, wenn das ganze jüdische Volk sich zu einer gemeinsamen Boykottfront zusammenschließen würde! Der Feind weiß, was das für Folgen hätte. Leider aber haben wir ein wenig zu viel Kriecher, Renegaten, Moschkos — und darauf spekulieren sie, unsere Feinde! 200 jüdische Seelen haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, mit einer Reisegesellschaft nach Deutschland /u fahren. Gibt's denn dort so viele Merkwürdigkeiten und Attraktionen für Touristen zu sehen? O ja — sie werden dort überfüllte. Konzentrationslager mit den .modernsten Inquisitionsmethoden s*hen. Sie werden die Gräber der unbekannten ... Juden, wie auch die Gräber „unbekannt wohin'« verschwundener Menschen anschauen. Man wird sie mit der neuesten Technik i'.ur Ritualmordproduktion bekannt machen, mit den Methoden der Menschenjagd, der blutigen Judenhetze bis auf die Friedhöfe und mit ähnlichen Sportvergnügungen. In dieser Hinsicht wird die Reise nach Deutschland rentabel sein. Man wird ersparen, sich in das Innere Afrikas zu begeben, zu den Papua-Negern, zu den Buschmännern und anderen. Wilden ... Viel.Glüqk auf die Reise, meine Herren Judenl

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