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Die neue Welt · 1934-06-15 · Heft 373 (15.6.1934) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 373 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sitei 3 DIE NEUE WELT Nr. 373 Witzige Köpfe Die witzigen Köpfe waren unter den Juden immer sehr > beliebt, und es darf gesagt werden, daß selbst die größten Geistesheroen des Judentums viel an Popularität gewonnen haben, wenn man sich von ihnen auch ein witziges Wort, ein feines Apercu erzählen konnte. Rabbi Jonathan Eybaschütz, dessen scharf sinnige Werke noch heute die Bewunderung und Verehrungder Talmudgelehrten erregen, soll bereits als kleiner, siebenjähriger Knabe durch seine witzigen Antworten die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben. Eines Tages schickt ihn sein Lehrer um Bier. Der Knabe nimmt den Krug und bittet mm Geld. Der Lehrer sagt mit scheinbarem Ernst: „Ist es eine Kunst, Bier für Geld zu '■rringen? Eine Kunst ist, Bier ohne Geld zu bringen." Jonathan geht ruhig weg, kommt nach einiger Zeit zurück und serviert seinem Lehrer den Krug. „Wo ist das Bier?" fragt der Lehrer unwirsch. Darauf der Knabe: ,.Ist es eine Kunst, aus einem Kruge Bier zu trinken, in welchem Bier ist? Die Kunst ist, Bier zu trinken aus einem Kruge, in welchem keines ist." Wenn der kleine Jonathan mit seiner Rechentafel unter dem Arm früh morgens in den Cheder ging, trug er gewöhnlich in der anderen Hand sein Frühstück, ein Stück Butterbrot. Einmal kommt es vor, daß ein kecker Hund ihm in den Weg läuft und ihm das Butterbrot mit genäschigen Zähnen aus der Hand reißt: Jonathan wirft dem Hund die Rechentafel an den Kopf und schreit ihm zornig zu: „Wenn du das Butterbrot hast, dann geh' du in den Cheder!" In Prag lebte damals ein sehr otfeineller Kauz, den man, als er schon längst das wenig ■srasenschaftliche Metier eines Kutschers betrieb, noch itHner „L e s e r 1 Bochur" nannte (vielleicht darum, weil er noch immer in seinen freien Stunden fleißig den Talmud studierte); er war durch seine drastischen Aussprüche sehr bekannt. Einmal brach im Prager Ghetto ein Brand aus, dem mehrere Häuser zum Opfer fielen. In seiner nächsten Predigt tröstete der Rabbiner die Gemeinde und ermahnte sie, sich demütig in den Willen Gottes zu fügen, was er tut, ist wohlgetan, denn er ist immer gerecht. Halblaut ruft „Leserl Bochur", mißbilligend den Kopf schüttelnd: „Gebt ihm noch recht, zündet er morgen ganz Prag an!" Einer der hervorragendsten jüdischen Prediger, der, auf der Höhe seines Ruhmes stehend, vor etwa sieben Dezennien nach einer großen Gemeinde in Deutschland berufen wurde, sagte eingangs zu seiner Antrittsrede, er fühle sich in einer peinlichen Verlegenheit. Er höre, daß Ihm der Ruf eines Redners und Gelehrten vorangegangen sei und daß er diesem die ehrenvolle Aufnahme verdanke. Er selbst verhehle sich aber nicht, daß seine Rednergabe nicht bedeutend und sein Wissen nur gering sei. Einem jungen, erst flügge gewordenen Rabbiner, der unter den Zuhörern sich befand, gefiel diese Einleitung so gut, daß er den Redner bat, er möge gestatten, bei gegebener Gelegenheit diese Einleitung — ohne Quellenangabe — zu verwenden. „Gerne", meint lächelnd der ältere Amtsijrude?, „aber ich mache Sie aufmerksam, es kann Ihnen gassieren, daß man es Ihnen glaubt." 33Lner der bekanntesten „Magidim", Hirsch Woi- &&3tSW, hielt Ja einer Qemeinde, die Ihn zu einer Preääg$ eingeladen hatte, eine scharfe Mahnrede, wohl in dem Bewußtsein, daß die Juden, wenn sie auch nicht gleich Buße tun, doch immer gerne Bußpredigten anhören. Witzig führte er aus: „Die Mischna sagt: Auf drei Dingen ruht die Welt: Auf Thora, Gottesdienst und Wohltun. Alle drei Dinge sind leider Gottes bei euch fast verschwunden. Worauf steht nun die Gemeinde? Darüber habe ich lange nachgedacht. Aber erst durch meine Köchin habe ich die Antwort gefunden. Neulich kaufte sie ein „Reindl", das auf drei Füßen stand. Ungeschickt, wie sie ist, bricht sie einen Fuß ab und legt ein Stück Holz unter, aber da sie auch sehr ungeduldig ist, bricht bei der Gelegenheit der zweite Fuß ab. In ihrem Zorn wirft sie das „Reindl" hin, und richtig ist der dritte Fuß weg. Nunmehr steht das „Reindl" fest, grade, weil es keinen einzigen Fuß mehr hat; aber ein wirkliches „Reindl" ist es nicht mehr. So steht eure Gemeinde ohne Thora, ohne Gottesdienst, ohne Wohltun ganz fest da, aber eine wirkliche ,Kehilah' ist sie nicht mehr." Der durch viele lustige und treffende Aussprüche populär gewordene Steinamangerer Rabbiner L. K ö n i g sberger — er starb in hohem Alter im Jahre 1865 — war in seinen jungen Jahren, bevor er sich dem Rabbinerstande zuwandte, Kaufmann gewesen und hatte sich wohl aus dieser Zeit die Neigung zu Reisen bewahrt. Die Gemeinde, die ihren sehr populären Seelenhirten gerne immer in ihrer Mitte gesehen hätte, machte zarte Andeutungen, daß sie von diesen Reisen nicht sehr erbaut sei. Der Rabbi, der bei seiner großen Frömmigkeit sehr tolerant war, meinte jedoch lächelnd: „Laßt ihr mich fahren, laß ich euch gehen!" Man berichtete dem sehr gutherzigen Rabbiner Königsberger von dem Resultat zweier Sammlungen, die er für zwei Bedürftige veranlaßt hatte: für einen armen jüdischen Gelehrten und für einen Blinden. Es ergab sich, daß ein Reicher für den Blinden einen ansehnlichen Betrag, für den Gelehrten aber eine verhältnismäßig geringe Summe gespendet hatte. „Ich begreife das" — sagte der Rabbiner — „N. denkt, Gott behüte, er könnte auch blind werden; daß er ein armer Gelehrter v/erden könnte, befürchtet er nicht!" In Zalaegerszeg, der Nachbargemeinde von Steinamanger, lebte zur selben Zeit ein ebenfalls durch seine Aussprüche populär gewordener alter Dajan, den alle Welt nur unter dem Namen Reb Gumperich kannte. Er ließ sich einmal aus einem schwarzen Tuch, das er selbst gekauft hatte, einen langen Rock machen, den ihm der Schneider pünktlich zur versprochenen Zeit mit der Rechnung brachte. Zufällig hatte der gutmütige alte Dajan Kenntnis davon erhalten, daß der Schneider von dem Tuch ein Stück erübrigt und daraus seinem Sohne eine Weste angefertigt hatte. Auf eine die Weste betreffende zarte Anspielung erklärte der Schneider sehr entrüstet, man habe ihn verleumdet. „Dann muß ich Ihnen sagen" — sagte lächelnd der Dajan —, „lieber Freund, daß Sie mir eine viel zu große Rechnung gemacht haben. Hätten Sie aus meinem Tuch auch eine Weste gemacht, hätte ich natürlich auch für sie den Arbeitslohn zahlen müssen. Aber für den Rock allein verlangen Sie zu viel." Ein armer jüdischer Gelehrter, der, wie das früher in manchen Gegenden der Brauch war, durch Wanderpredigten sein und seiner Familie Leben fristete, war gewohnt, alljährlich, wenn er den Vorsteher der Gemeinde T. besuchte, von diesem eine ansehnliche Spende zu erhalten. Einmal hört er zu seinem Kummer, wie der reiche Mann sich entschuldigend sagt: „Diesmal kann ich nur eine geringe Gabe bieten... ich hatte heuer sehr große Ausgaben ... ich habe meine Tochter verheirate t." Darauf der Wanderprediger: „Ja, wer hat Ihnen erlaubt, mit meinem Geld Ihre Tochter zu verheiraten?" Zum Schluß noch ein geistreiches Wort einer durch ihre originellen, witzigen Bemerkungen einst berühmten Frau Kela Neustadtl aus Prag, deren Name übrigens auch durch geistig hervorragende Söhne und Enkel im Gedächtnis ihrer Landsleute erhalten blieb. Zu ihrem Sohne sagte sie: „Lerne bei Tag und schlafe bei Nacht. Du gewinnst dabei doppelt: du bleibst gesünder und ersparst nebenbei Licht." Frau Neustadtls Arzt meinte einst halb im Ernst, halb im Scherz: „Sie sind doch eine so kluge Frau! Ich begreife daher nicht, daß Sie mir, dem Sie ihr Teuerstes, Leben und Gesundheit, anvertrauen, nicht den vierten Teil der Summe zuwenden, die Sie Ihrem Advokaten, der doch nur Ihre Geldangelegenheiten besorgt, gewähren." „Mein lieber Herr Doktor", meinte Frau Kela, „meinem Advokaten übergebe ich die Prozeßakten und er trägt sich meine Krankheit hübsch nach Hause. Wenn Sie meine Krankheit mit nach Hause nehmen, dann sollen Sie zehnmal so gut wie mein Advokat honoriert werden." Wien, I., Seitenstettengasse 2, I. Stock, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags, ab 15. Juni 1934 erfragt werden. Die Prüfungstaxe beträgt S 5 pro Halbjahr und ist im vorhinein an der Kasse der Israelitischen Kultusgemeinde, I.. Seitenstettengasse 4, I. Stock oder bei den Bezirksämtern, XV., Turnergasse Nr. 22. XVI., Hubergasse 8, und XXI., Holzmeistergasse 12, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags, bezw. beim Bezirksamte, XVIII., Schooenhauerstraße 39, von 3 bis 5 Uhr nachmittags zu erlegen. Die Quittung ist dem zuständigen Religionslehrer vor der Prüfung zu übergeben. Der schriftliche Bescheid des Stadt-, bezw. Ortsschulrates über die bewilligte Diapens vom Besuche des öffentlichen israelitischen Religionsunterrichtes i3t dem Prüfer vorzuweisen. Kundmachung Der Kultusvorstand hat mit Rücksicht auf die durch Sommerurlaube bedingten Schwierigkeiten bei der Heranziehung von Gemeinderabbinern zu Funktionen für die Zeit vom 15, Juni bis 30. Sept. 1931 Herrn Prof. Rabb. Dr. Moritz L e w i n, Wien, XIII., Penzingerstraße 97, damit betraut, im Bedarfsfalle in Stellvertretung von Gemeinderabbinern, bezw. Verelns-Gemelnderabbinern staatlich rechts wirksame Funktionen zu vollziehen. Diese Verfügung wurde vom Wiener Magistrat im staatlichen Wirkungskreis mit Erlaß vom 4. Juni 1984, Zahl M. Abt. 49/5790/34 genehmigt. Vom Friedhofsamt. Ueber Anfragen gibt das Friedhofsamt der israelitischen Kultusgemeinde bekannt, daß vom religionsgesetzlichen Standpunkte kein Hindern i s obv/altet, Grabsteine schon nach Ablauf von dreißig Trauertagen c^s?) errichten zu lassen. — Die Bethausvereine werden aufmerksam gemacht, daß für die V e rg r a b u n g von alten, unbrauchbar gewordenen hebräischen Druckschriften auf dem alten israelitischen Friedhofe in Währung, vor Durchführung des Transports die erforderliche schriftliche Bewilligung beim Friedhofsamte einzuholen ist. Israelitische Jugendgottesdienste. 1. Jugendg,o 11 e s d i e n s t für Volks-, Haupt- und M i 11 e 1-. ° •_______ ~7CT schüler (-Schülerinnen). Samstag, den 16. Juni d. J., um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und Vereinssynagogen. 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler und -Schülerinnen der Unterklassen im II. und IX. Bezirk. Samstag, den 16. Juni d. J., um i/*5 Uhr nachmittags im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 5, und in der Vereinssynagoge, IX., Müllnergasse 21. 3. Gottesdienste für die reifere Mittelschuljugend (IV. bia VIII. Klasse). Freitag, den 15. Juni d. J., um 1/47 Uhr abends im Stadttempel, I., Seitenstettengasse 4. (Ansprache des Herrn Oberrabbiners Dr. D. Feuchtwang über das Thema „Anfang und Ende".) Ferienreisen nach Polen. Unter bewährter Leitung finden die bekannten billigen Reisen nach Polen auch im Juli statt. Krakau, Lemberg, Stanislau usw. Reservierte Plätze. Billigste Preise. Näheres: Büro Dr. S. Tocker, I., Kärntnerring 12. Tel. U-40-301. Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser. — Erstklassiges Restaurant und Cafe\ — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Angemessene Preise! Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Caf6s etc. Bestaurant Billct, vorzügliche streng orthodoxe Küche, II., Hammer-Purgstall-Gasse, bei Salztorbrücke. Caf6-Restaurant Edison (Inh. 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März 1900 Pilsen, ledig, IV., Lothringerstr. 16. — Bertha Johne, geb. 6. August 1905 Wien, ledig, XV., Tannengasse 4/6. — Hermine Bermann, geb. 1. Juli 1909 Wien, ledig, XIV., Goldschlagstraße 64. — Georg Berger, geb. 2. Jänner 1913 Wien, ledig, IX., Hahngasse 17. — Karl Schlesinger, geb. 10. Februar 1896 Wien, ger» gesch., XXI., Pragerötraße 43/47. — Egon Schlesinger, ge» boren 12. März 1920 Wien, ledig, XII., Arndtstraße 17. — Walter Hitschmann, geb. 3. Juli 1918 Wien, ledig, i.V., Hauptstraße 3. — Alfred Hitschmann, geb. 20. Dezember 1919 Laibach, ledig, IV., Hauptstraße 3. — LeopofcS Segall, geb. 19. September 1905 Wien, ledig, XII., Rotes*» mühlgasse 64. — Erich Hans Feigl, geb. 26. Mai ISO® Reichenberg, ledig, XIII., Cumberlandstraße 13. — Nathan Feingold, geb. 23. Februar 1910 Wien, ledig, III., Hohlweggasse 32. — Hans Weinberger, geb. 11. September 1901 Wien, ledig, I., Kohlmarkt 5. — Alice Labak geb. Weißberg, geb. 28. August 1894 Wien, ledig, Mauer. — Hermine Links geb. Grünbaum, geb. 16. Dezember 1860 Temesvar, verw., V., Hamburgerstraße 14. —-• Selma Salzer geb. Reiner, geb. 21. Juli 1881 Wien, Prag. —•» Georg Weiß, geb. 5. Dezember 1908 Wien, verh., IL, Glockengasse 10. — Heinrich Heimovltsch, geb. 18. Februar 1914 Wien, ledig, IL, Franzensbrückenstraße 30. ~* Rosa Ehrenberger geb. Hirsch, geb. 4. August 1899 Wien, verh., II., Lassallestraße 6. — Käthe Schnürmacher, geboren 19. Februar 1911 Wien, ledig, V., Castelligasse 23< — Otto Reinlsch, geb. 17. April 1890 Wien, verh., XIX., Boschstraße 18. — Paul Wolf, geb. 18. August 1904 Wien, verh., I., Graben 27. — Herbert Sinek, gebore** 1. Jänner 1912 Wien, ledig, VII., Schottenfeldgasse 51.-h Sigismund Wollmann, geb. 25, Juni 1909 Bremen, ledig", IL, Castellezgasse 20. SpidcecUt t/<M yewaktti V\£ R.W.E N.D.E.T E.UJt.E o TREFFER ANLEIHE Fö RHEINE phOnix LEBENSVERSICHERUNG 4-'Ea^tü^er,-vVerl^r9^Z^n^e^c -u»d verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. - Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G, Ignaz Steinmann, beide Wie* Him 3Univerflität*8traße «-- ■

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