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Die neue Welt · 1934-06-15 · Heft 373 (15.6.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 373 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 37« 1040 Meter Seenöne Streng rituell Kurpension Dr Hedil, Semmering 600 Mtfr SeaAdA« Erholungsheim Aue Ideale Lage. Sämtliche Diätkuren. Separierte Kinderabteilung mit pädagogisch geschultem Pflegepersonal. Freibad. Liegehalle, Arzt im Hause. Eigener Park. Spielwiesen. Mäßige PreiBe. Auskunft:-H.-Sch.-Lehrer J. Elsenberg, Wien, II., Große Pfarrgasse 8, Tel. A-45-4-92. Ans Deutschland Die Synagogen kommen dran Nach dem Umstürze in Deutschland konnte man in ganz rechts stehenden jüdischen Blättern, besonders in denen der trennungsorthodoxen Agudah, Aeußerungen lesen, in welchen eine gewisse Befriedigung darüber zum Ausdruck kam, daß nunmehr eine „religiöse" Richtung in Deutschland zur Herrschaft gekommen sei. Wohl seien gewisse antisemitische Ausschreitungen zu beklagen, aber die jüdische Religion wird respektiert werden. Gegen den jüdischen Glauben wird nichts unternommen werden, im Gegenteil, vom streng religiösen Standpunkt besehen, sei die Situation eigentlich besser als unter den früheren, von religionslosen und feindlichen Sozialisten, Kommunisten und Demokraten beeinflußten Regierungen. Auch die Hitler-Leute legten Wert auf die Feststellung, daß sie nicht daran dächten, das Religiöse der Juden zu stören. Nun zeigt es sich, wie voreilig die Orthodoxen waren, als sie die Versicherungen der „religiös eingestellten" Hitler-Leute als bare Münze nahmen. Nachdem der Kampf gegen die „jüdische Rasse" siegreich erledigt ist, kommt die „jüdische Verbrecher-Religion" dran. Gedanklich arbeitet man mit dem „Ritualmord" als wesentlichem jüdischen Glaubensgebot, praktisch mit der Enteignung von Synagogen. Aus Berlin wird gemeldet: Die überhandnehmende Ritualmord-Propaganda bereitet den deutschen Juden viel Sorge. Die „Jüdisch-liberale Zeitung". Berlin, legt gegen die Ritualmord-Eeschuldigungen feierlich Verwahrung ein und schließt: „Leider treffen uns gehässige Schlagworte außerhalb der Bezirke des Gesetzes immer wieder von neuem und versuchen es, uns zu Menschen minderen Wertes zu machen, obwohl wir keine andere Schuld haben — als Juäm zu sein." Die „Jüdische Rundschau" bringt ein Beiblatt zum Problem der Ritualmordbeschuldigungen an weil „in der letzten Zeit verschiedene Publikationen verbreitet wurden, in denen in direkter und indirekter Form die Ritualmordbeschuldigungen gegen die Juden erhoben wurden". In Hamburg, Gröbzig und in anderen deutschen cidten sind in letzter Zeit Synagogen in Heimatmuseen umgewandelt wo r den. Ein Vorstellung, wie es in Wahrheit dabei zugeht, gewinnt man, wenn man einen Artikel des Nürnberger „8 U h r - B 1 a 11" liest, in dem darauf hingewiesen wird, daß in äulzbach-Rosenberg die Synagoge i e e r steht, weil in der Stadt nur eine einzige jüdische Familie wohnt. (Die jüdische Einwohner- Echaft ist, vtic dies auch in anderen fränkischen Orten der Fall uar, dem " Streicher-Terror gewichen.) Der Artikel endet: „Wir meinen, daß sich die Synagoge — naqh geziemender Ausräucherung und Reinigung — als Heimatmuseum recht gut eignen würde. Also nicht so zaghaf t, ihr Sulzbach-Rosenberger, euer Heimatmuseum ist wichtiger als eine leerstehende Synagoge," ■fr Wenn sich orthodoxe Juden mit dem Hitlerismus als Gegengewicht gegen den religionsfeindlichen Bolschewismus befreundet haben, so erleben sie jetzt wahre Wunder. Die Bolschewiken machen aus Synagogen Arbeiterklubs und Kasernen, die Nazis Heimatmuseen. Kein jüdischer Religionsunterricht an Staatsschulen Aus Stuttgart: In Württemberg wird, nach einer soeben erlassenen Verordnung, israelitischer Religionsunterricht an den höheren Schulen nicht mehr erteilt. Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln für Religionsunterricht der jüdischen Gemeinden werden nicht gewährt. Jesus — ein „Halbjude" Aus Berlin: Eine merkwürdige Ansicht über die Frage, ob Christus Jude war oder nicht, entwickelt der „Deutsche Sonntag", das Organ der Deutschen Christen in Württemberg. Es heißt dort, daß die Bibel Wert darauf lege, daß Christus kein V o 11 j u d e gewesen sei. Da n u r seine Mutter wahrscheinlich Jüdin gewesen sei, könne man ihn höchstens einen Halbjuden nennen. Da er nicht aus jüdischem Samen geboren sei, müsse man sehr bezweifeln, ob das Gebildetwerden seines Körpers durch eine jüdische Mutter entscheidenden Einfluß auf sein Wesen gehabt habe. Höchstens könne man sagen, daß sein Leib halb jüdisch gewesen sei. Seine Seele und seine Charakteranlage seien es nicht gewesen, da er sich gegen das Judentum erhob. Sein Geist aber könne noch weniger jüdisch gewesen sein, da er nach Matthäus aus dem Heiligen Geist geboren sei. Daß Christus im Judenland die Welt betreten habe und unter das jüdische Gesetz ging, habe seinen Witz darin, daß er, wenn er das Judentum bekämpfen und angreifen wollte, er nicht fernab, .-w $mmfami& V.v ' Girat!© M y a 3 e z e s s nm3 Pension ümnglaa mit Rinderheim unter ärztlicher Leitung, direkt am Strand, mit großer Terrasse und herrlichsm Ausblick aufa Meer. Zeitgemäß reduzierte Preise. Prospekte und Auskünfte daselbst sowie Konditorei Tcdesco, Wien, I., Rabensteig JM. etwa in Germanien, geboren werden durfte, wo es gar keine Juden gab. Der Kämpfer müsse doch in das Land seines Feindes gehen. Gegen getaufte Juden Aus Nürnberg : Der Nürnberger Oberbürgermeister L i e b e l hat erklärt, daß bei der Unterscheidung von deutschen und nichtdeutschen Geschäften die Bezeichnung „christlich" als durchaus u nangebracht grundsätzlich zu vermeiden sei. Es gäbe nur deutsche und jüdische Geschäfte. Es sei zumindest für die nationalistische Stadtverwaltung durchaus belanglos, ob der eine oder andere der in Frage kommenden Juden katholisch, protestantisch oder sonstwie getauft sei. er sei und bleibe Jude. Für die Leser der „Neuen Welt" nur: Die gillen billigen Neudegge* Fahrschulen Wien, Vill. Neudeggergasse IS., (Tel. B-46-5-72) u. Inzeradorf (Nied-Oes*.). - Elektr. Lehrch'sslsl Die Goethe-Universität will einen Ururgroßvater Aus Weimar: Während es im Deutschen Reich nach dem Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums genügt, wenn jemand seine arische Abkunft bis zu den Großeltern nachweist, ist nunmehr von den Professoren der thüringischen, nach Goethe benannten Universität in Jena, befristet bis zum 15. Juni, der Nächweis arischer Abstammung bis in die fünfte Generation, also zu den Ururgro fiel t e r n, abverlangt worden. Da es sich hier begreiflicherweise um ältere Personen handelt, so bedeutet dies den Nachweis arischer Abstammung bis hinauf zur Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763). Weiter hinaufzugreifen wäre schon deswegen unmöglich gewesen, weil während dieses Krieges die meisten Kirchenbücher in dem Gebiet des heutigen Deutschen Reiches, aber auch in Böhmen, durch Brand oder Verwüstung der Pfarren zugrunde gegangen sind. Martyrium eines türkischen Juden in Deutschland Aus Prag: Die Prager Zeitungen melden: Der türkische Jude Wolf Rose, der seit sechs Jahren mit einem Interimspaß für Staatenlose in Deutschland lebt, wurde am 22. Februar 1934 von der Geheimen Staatspolizei verhaftet, weil er, der Jude, mit einem deutschen Mädchen in Kameradschaftsehe gelebt hat. Nach wochenlanger Haft wurde er am 31. Mai ins Polizeipräsidium Berlin-Alexanderplatz geschafft. Dort wurde er in ein rotes Auto gesetzt und entführt. Die Fahrt ging nich Görlitz in Schlesien, von dort weiter. Rose wurde in' den Keller eines Hauses gesperrt, dann herausgeholt und mit vorgehaltenem Revolver gezwungen, den Hut vor das Gesicht zu halten. So wurde er in einen Wald geführt und dort an einem Baum aufgeknüpft. Durch ein Geräusch wurden die Täter verjagt, so daß sie nicht kunstgerecht die Hinrichtung vollziehen konnten. So gelang es Wolf Rose, sich freizumachen und die Flucht zu ergreifen. Er erreichte am frühen Morgen das Haus des Hermann Lorenz in Ober-Herzdorf bei Friedland, der ihn, der über und über mit Blut befleckt und vollkommen verstört war, aufnahm. Nur noch 4,3 Prozent Nichtarier Aus Dresden: Die Zahl der nichtarischen Rechtsanwälte in Sachsen hat sich in Auswirkung des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und des Berufsbeamtengesetzes in der Zeit vom April 1933 bis zum 1. Jänner 1934 von 120 auf 76 verringert. Das entspricht einem Rückgang um rund 3 6,7 Prozent. Die Gesamtzahl der sächsischen Rechtsanwälte beträgt zur Zeit 1747, der Anteil der jüdischen Rechtsanwälte danach nur noch 4,3 Prozent. Noch stärker hat sich das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums auf die nichtarischen Notare auagewirkt. Von 56 jüdischen Notaren sind 33, also rund 59 Prozent, entlassen worden. Da in Sachsen zurzeit 638 Notare amtieren, sind von diesen nur rr.-\d 3,6 Prozent Nichtarier. Im Landgerichtsbezirk Leipzig sind entlassen worden von 60 im April 1933 zugelassenen nichtarischen Anwälten 19, von 29 im April 1933 amtierenden jüdischen Notaren 17. QoebheV* „Angriff" gegen die Zi'onifien Aus Berlin: Das Organ des Relchapropaganda- Minlsters Dr. Goebbels, „Der Angriff", gefällt sich seit einiger Zelt darin, zionistische Kundgebungen als marxistische Geheimkundgebungen zu denunzieren. Nachdem kürzlich ein solcher Bericht des „Angriff" von offizieller zionistischer Seite bereits richtiggestellt worden war, bringt das nationalsozialistische Regierungsorgan neuerdngs auf der ersten Seite unter der Balken- Uberschrift „Getarnte Marxisten - neue jüdische Gehelm-Versammlung" ein Mitteilung aus „zuverlässiger Quelle", wonach in der Landaberger Straße Nr. 87 eine jüdische marxistische Geheimversammlung stattgefunden hat, die bei der Polizei als „Abend für hebräischen Unterricht" angesagt worden war. Juden, die aus dem Versammlungslokal hinausgeprügelt jyurden, hätten auf der Straße wilde Drohungen aus- («stoßen und geschrien, ea möge nun doch die Oeffent- Jacob Japhet 4 Co. Ltd. Bankiers JERUSALEM Mamillah Koad / Julians's Way P. O. B. 897 Tel.-Adresse: Rem einher Haifaer Vertreter: Joseph HIRSCH Hadekalim street, gegenüber Messageries Maritimes. lichkeit wissen, daß im dritten Stock des Hauses 87 in der Landsberger Straße die Marxisten tagen. „Der Angriff" macht zum Schluß die folgenden Andeutungen: „Zu welchem Zwecke gestern abends zum .hebräischen Unterricht' ein Mann mit einer großen Kiste erschien, wird Herr Wolfermann (der Vorsitzende der Versammlung) ebenfalls erklären müssen. Eines wollen wir ihm aber heute schon versichern, daß er uns nicht erzählen kann, es habe sich um Lehrbücher und Hefte gehandelt, die er zum Unterricht nötig gehabt habe. Dia Kiste war nämlich sorgfältig in eine große Zeltbahn gehüllt! Diese Herrschaften scheinen die Großmütigkeit, mit der sie von den Nationalsozialisten bisher behandelt wurden, mißzuverstehen, sonst würden sie nicht die beispiellose Frechheit besitzen, sich eine uniformierte Leibgarde beizulegen, obwohl sie von einem autoritären Staate in jeder Hinsicht vollen Schutz genießen. Die Wolfermann und Konsorten aber sollen wissen, daß die bodenständige Bevölkerung nicht gewillt ist, diese unerhörte Provokation ruhig hinzunehmen.'* Goerings jüdischer Adoptivvater gestorben Aus Paris: Wie die offiziöse französische Telegraphen-Agentur Havas aus Wien meldet, starb in Bauterndorf unweit von Innsbruck im Alter von 85 Jahren der Arzt Dr. Hermann von Epstein, der einer alten jüdischen Familie entstammte und Adoptivvater des preußischen Ministerpräsidenten und Antisemitenführers Hermann Goering gewesen ist. Der Verstorbene erfreute sich als Arzt und Philanthrop eines großen Ansehens. BAD FUSCH ,P&TKur* 1213 Seehöhe, bei Zell a. See. Saisonbeginn 28. Juni. Vollpension S 9.— bis 14.—. Zimmerbestellung. Prospekte bis 20. Juni bet Dr. Arditti, Wien. XIII., Wattmanngasse 29. Telephon R-30-6-43, später Bad Fusch, Telephon Nr. 2, oder Baitaxe, Wien, Mariahilferstraße 126-128, von 9 bis 11. Krawalle in Palästma-jVonterii Wir haben vor kurzem über bedauerliche Vorgänge im Warschauer Palästinaamt berichtet, wo es zur Demolierung des Lokales und Insultierung von Beamten kam. Kaum war es um diese Angelegenheit ruhiger geworden, als in verschiedenen zionistischen Blättern in Wien und im Auslande über Krawalle im Wiener Palästinaamte geschrieben wurde. Auch hier ist ea zu unliebsamen, der Würde der wichtigen Aemter gewiß nicht zuträglichen Vorfällen gekommen. Wir haben festgestellt, daß die Zusammenstöße in Wien im Grunde auf dieselben Ursachen zurückzuführen sind, wie in Warschau. Hier und dort ist in die Palästinaämter, denen als Hauptaufgabe die unparteiische Verteilung der E i nwanderungs-Zertifikatc für Palästina obliegt, Parteipolitik hineingetragen worden, und zwar von der zentralen Stelle der Weltorganisation, von der Exekutive in London und Jerusalem. Die Klagen darüber, daß die Linken — heute die Träger der zionistischen Weltleitung— alle Macht in den Palästinaämtern an sich gerissen haben und rücksichtslos ausnützen, sind alt. Nun wurde durch die Verfügung der Exekutive, daß wegen „Dlsziplinbruch" der revisionistischen Opposition das Recht auf Zertifikate beschränkt, bezw. abgesprochen wird, die ohnehin gereizte Stimmung ins Unerträgliche gesteigert. Ei. ist ein Recht der Exekutive, organisatorischen Uebergriffen einer Gruppe mit organisatorischer Maßregelung entgegenzutreten. Aber unter keinen Umständen darf es die linke Exekutive wagen, jungen jüdischen Menschen das Recht auf Palästina abzusprechen, auch wenn sie noch so weit rechts und in noch so ungebärdiger Opposition zur Exekutive stehen. Es hat wenig Bedeutung, darüber zu streiten, ob bei den Zusammenstößen der oder jener Teil ärger exzedlert hat. Im Grunde trägt an allem die unerhörte Verfügung der Exekutive schuld. Sie muß raschestens beseitigt werden, weil es sonst zu öffentlichen Skandalen und damit zu einem Eingreifen fremder Faktoren kommen könnte. Es gibt Stellen, welche gerne jede Gelegenheit benutzen werden, die zionistische Organisation des autonomen Verfügungsrechtes Uber die Einwanderungs-Zertifikate zu berauben. Der Vorwand, daß die zionistischen Palästinaämter ruhiger, objektiv geleiteter Arbeit nicht fähig sind, wäre ein allzu willkommener. Darum Schluß mit der Parteiwirtschaft in den Palästinaämtern! * Zum Konflikte im Wiener Palästinaamte erhalten wir von der Leitung der Judenstaatspartei Oesterreich« folgende Mitteilung: „Aus Anlaß der Zusammenstöße im Wiener Palästlnamte hat das Organ der „radikalen" Zlonisten unseren Vertreter in diesem Amte, Herrn Theodor G r u b n e r, in niedrigster Welse geschmäht. Wir lehnen es ab, mit solchen Gegnern zu diskutieren. Wir werden pflichtgemäß unserem hochverdienten, der zionistischen Sache mit seltener Hingabc dienenden Mitgliede den Ehrenschutz vor dieser unflätigen Beschimpfung In ausreichender Welse gewähren." Trauung. Sonntag, den 17. d., lindet um 1 Uhr mittags in der Schiffschul, II., Schiffgasse 8, die Trauung des Mitgliede» der Judenstaat «Jugend Herrn Dav|d Rosenberg mit Frl. Stella Bernau statt.

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