Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 373 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DBB NETTE WELT KURHAUS PEMMERING Physikalisch » diätetische Hfthen » Kuranstalt ErmaHtf^« PreH» in dar VoruHon._Chcfarstt Ob t r-M« d.-R a< Dr. FRANZ HAN5Y RUNDSCHAU Judas und Hagen Ueber den Kampf, den der Natiöjialsdzialismus in Oesterreich gegen Oesterreich« Kultur, gegen Oesterreichs Existenz führt, herrscht In der gesitteten Welt nur eine Meinung. Und diese besagt, daß hier ein Banditentum reinsten Wassers am Werk ist. Sie besagt aber auch, daß deutscher Einfluß, deutscher Druck, kurzum, daß der Hitlerismus, Deutschlands Erwachen, hinter diesen frivolen und gefährlichen Machinationen steht. Bundesminister Schuschnigg hat im Zusammenhang mit den jüngsten hakenkreuzlerisehen Terrorakten erklärt, daß nicht Idealismus, sondern Geld, schmutziges auslärtdi- «ches Geld, am Werke ist...", und bei dieser Gelegenheit ausgerufen: „Judas Ischariot geht um im Lande!" Wir glauben nicht, daß es notwendig war, die Verräterei der deutschen Christen Oesterreichs an ihrem Lande mit der alten Legende von Judas Ischariot zu verknüpfen. Auch Dr. Schuchnigg scheint einen Augenblick dieses Gefühl gehabt zu haben. Denn er fügte dieser allegorischen Wendung eine zweite, ebenfalls allegorische hinzu: „Ihr seid deshalb zusammengekommen, damit nicht wieder irgend ein Hagen den Siegfried erschlägt." Die Assoziation an die Nibelungensage scheint uns zwingender. Das Heldengedicht der germanischen Jugend Deutschlands und Oesterreichs, das Epos, in welchem angeblich deutsche Treue gepriesen wird, hat durch die Terrorakte, durch die heimtückischen Aktionen der erwachten Nazideutschen in Oesterreich erhöhte Aktualität bekommen. So wie Hagen den Recken Siegfried erschlägt, der finstere Verräter den frühchristlichen blonden, blauäugigen Helden, so versucht das finstere, bolschewistische Hakenkreuzlertum mit „Dolch, Handgranate, Ekrasit und Dynamit" das friedliche Oesterreich zu überfallen. Wieder will irgend ein Hagen den Siegfried erschlagen. Der Hagen ist das christlich-deutsche Deutschland, der Siegfried ist das christlich-deutsche Oesterreich. Die Wiener „R e i c h s p 0 s t" läßt mit großen, fetten Lettern Minister Schuchniggs Allegorie „Judas Ischariot geht um im Lande!" ihren Lesern In die Augen springen. Hingegen geht ihr die Wendung von Hagen und Siegfried wider den Strich. Die hakenkreuzlerisehen Banditen diesseits der Grenze müssen „im Interesse des christlich-deutschen Oesterreichs" in Schranken gehalten werden, die Pogromhelden jenseits der Grenzen bleiben nach wie vor „unsere deutschen Brüder". Wenn ein bezahlter Naziterrorist am Werk ist, dann geht Judas Ischariot im Lande um, aber es ist kein Hagen da, der einen Siegfried erschlägt. Immer muß der arme Judas herhalten. Die ganze Wiener Presse hat Minister Schuschniggs Wendung von Hagen und Siegfried veröffentlicht. Der „Reichspost" hat sie nicht gepaßt. Sie hat sie unterdrückt. Wozu auch an den Verräter Hagen erinnern, wenn man einen Judas auf Lager hat! Ein Talent/ doch kein Charakter Der 70. Geburtstag des berühmten Komponisten Richard Strauß wird von einem Teil der Internationalen Presse mit zwiespältigen Gefühlen registriert. Nicht etwa um der künstlerischen Bewertung willen, die ohne Einschränkung positiv ausfällt, sondern wegen menschlicher . . . Unzulänglichkelten. Die Zeitungen erinnern nämlich daran, daß Richard Strauß am Beginn seiner Laufbahn und auch auf seinem weiteren Weg aufs stärkste von Juden gefördert wurde, aber gleich bei Durchbruch des nationalsozialistischen Regimes sich in die hitlerlstische Laube begab und seinen alten jüdischen Freunden den Rücken kehrte. Richard Strauß hat, so führt ein Blatt aus, auch in seiner Glanzzeit fast nur mit Juden verkehrt, in Oesterreich und in Deutschland. Beim Berliner jüdischen Großkonfektionär David L e v 1 n hat er viele Jahre kostenlos gewohnt und gegessen, aber nicht etwa als mittelloser Student, sondern als Schwiegersohn des steinreichen Brauers P s c h o r r und als hochdotierter Dirigent der Staatsoper. Seine „Elektra" hat er dem Juden Levin gewidmet. Sein Sohn ist mit der Tochter des jüdischen Großexporteurs Grab verheiratet. Sein Enkel hat zwar eine arische Großmutter, aber eine jüdische Mutter. Das wären gesellschaftliche und familiäre Beziehungen, die vielleicht die künstlerisch-schöpferischen nicht berühren. Aber weit gefehlt. Der Judenstämmling Hugo von Hoffmannsthal hat ihm die Texte zu den Opern geliefert, der Jude Stefan Zweig ist der Autor des Textbuches „Die schweigsame Frau", mit dessen Vertonung sich Richard Strauß, der soeben von Hitler ein Porträt mit Widmung ehrfurchtsvoll übernommen hat, seit längerer Zeit beschäftigt. Goethes „Ein echter deutscher Mann kann keinen Franzen leiden, doch seine Weine trinkt er gern" läßt sich im Fall Richard Strauß und seiner hltleristlschen Neigung reizend variieren. Besser vielleicht noch Heinrich Heines „Kein Talent, doch ein Charakter". Weiß man im Dritten Reich nichts von Straußen! jüngsten „Verfehlungen"? Oder läßt man sie Uber sich ergehen, nur um einen Mann vom großen Namen des Salöme-Komponisten in seinem Register zu haben? Seitens gewisser jüdischer Elemente Die unerhörte antisemitische Propaganda, die jetzt in Polen von den „nationalpolnischen" Gruppen in Szene gesetzt wird und bereits mehrfach zu blutigen Angriffen auf jüdische Staatsbürger geführt hat, veranlaßte den pol nischen Rabbinerverband, drei Delegierte zu dem War schauer Kardinal Dr. Alexander Kakowski zu entsenden und ihn in einem Memorandum zu bitten, durch einen Hirtenbrief an alle Gläubigen der katholischen Kirche zu Ruhe und Ordnung zu mahnen. (Wir haben über diese Aktion in der vorigen Rümmer unseres Blattes berichtet. Anm. d. Red.) Nun erfährt man Näheres Über die Vorsprache der rabbinischen Delegation beim Warschauer Kardinal-. Nach dem Kommunique" des Rabbinerverbandes führte der Redner, Rabb. Kanal, aus, daß die gesamte Kulturwelt, mit den katholischen Fürsten an der Spitze, den Nazismus kategorisch verurteile, daß aber leider ein Teil der gottesfürchtigen katholischen Bevölkerung, sich „nationalpolnisch" nennend, die Methoden des deutschen Hakenkreuzes nachahme. Die Judenheit Polens hoffe, daß „der Ruf des ehrwürdigen polnischen katholischen Episkopats zur Besinnung und zur Rückkehr zu den Prinzipien der christlichen Religion zweifellos ein Aufhören der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung bewirken werde". Kardinal Dr. Kakowski verurteilte in seiner Erwiderung alle Gewalttaten, als im Widerspruch zu den CAFE VICTORIA AH SCHOTTENTOR WIEN I. SCHOTTENTOR Geboten dr christlichen Ethik stehend. Aber er beklagte sich gleichzeitig über Provozierung und Beleidigung der religiösen Gefühle der christlichen Bevölkerung „seitensgewisserjüdischerElement e", die gotteslästerliche und pornographische Schriften verbreiten und sich an der atheistischen und kommunistischen Propaganda beteiligen. Die „gewissen jüdischen Elemente" in Polen wie in anderen Ländern jüdischer Massensiedlung sind jene Desperados, denen jede Möglichkeit einer menschenwürdigen Existenz verschlossen ist und die sich daher — wie ihre Gleichgearteten aller Länder — den radikalsten Strömungen hingeben. Ohne nationalen und religiösen Halt, erhoffen sie aus einem Umsturz der staatlichen Ordnung etwas für sich zu ergattern. Sie sind es — und darauf machte die Rabbinerdelegation in ihrer Erwiderung aufmerksam —, die das nationale und religiöse Judentum mit noch größerem Eifer bekämpfen als die christliche Gesellschaft. Auf sie hat der jüdische Geistliche keinerlei Einfluß. Für diese Erscheinung gibt es nur eine Remedur: Gesellschaftliche Umschichtung; Einordnung in normale Berufe; kurzum Normalisierung, wie der Zionismus sie anstrebt und im jüdischen Palästina verwirklicht. Dazu ist aber eine freie Einwanderung notwendig. Polen könnte für seine innere Befriedung mehr leisten, wenn es, als Mitglied des Völkerbundes, die britische Mandatarmacht zur Oeffnung der Tore Palästinas ermuntern wollte, als durch Nachahmung der deutschen Nazimethoden. Mißbilligung des Rabbinerbesuchs beim Kardinal Kakowski Aus Warschau: Der Besuch der Abordnung des polnischen Rabbinerverbandes beim Kardinal Kakowski wird in allen jüdischen Kreisen, einschließlich der Agudah, scharf mißbilligt. Die vom Kardinal kontrollierte katholische Presse-Agentur veröffentlichte ein Kommunique" über den Besuch, das für das Judentum beleidigend ist. Darin wird mitgeteilt, daß der Kardinal den Rabbinern entgegengehalten hätte, daß das internationale Judentum die kommunistische Bewegung in STRENG KOSCHER B SEEFELD (Tirol)/1200 m iiiiiiittiiiiiiiiiiiiiitiiaiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Einzigartiger Höhenkurort, Intensivste Höhensonne, Wassersport. PENSION atscHw»TM SCHEER Im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise Fahrpreisermäßigung. Polen finanziell unterstützt. Man fragt in jüdischen Kreisen, warum sich die Rabbiner vor ihrem Besuch nicht über die Geist esrichtung des Kardinals, der unter dem Einfluß der scharf antisemitischen Nationaldemokraten steht, informiert haben. Der Vorsitzende des Rates des Rabbinerverbandes, der Sejm-Deputierte Rabbiner L e w i n, hat. zum Protest gegen den Besuch der Rabbiner-Delegation beim kardinal Kakowski seinen Vorsitz im Rat niedergelegt. Das Kommunique* der katholischen Presse-Agentur hat die Organe der Nationaldemokratie zu einer Verstärkung der antijüdischen Hetzei ermutigt. //Die Prolokolle der Weisen von Zion" Ihr Schweizer Verkünder kneift aus. Au9 Basel wird berichtet: Der Baseler Prozeß in Sachen der „Protokolle der Weisen von Zion" Ist zum Teil in die Phase eines Vergleichsverfahrens getreten. Der von den Herren Dreyfus-Brodski und Doktor Markus Cohn als Vertretern des Schweizer Israelitischen Gemeindebundes und des Zionistischen Landesverbandes sowie von Dr. M. Ehrenpreis, Oberrabbiner von Stockholm, angeklagte Redakteur des „Eisernen Besen", Dr. Zander, hat sich grundsätzlich bereit erklärt, den folgenden Vergleichsvorschlag zu unterzeichnen: * „Hiemit erkläre ich, daß mir Beweise für dia Echtheit der sogenannten .Zionistischen Protokolle' fehlen, daß ich insbesondere keine Anhaltspunkte dafür habe, daß der in diesen Protokollen entworfene jüdische Weltbeherrschungsplan am ersten oder an einem späteren Zionistenkongreß zum Gegenstand irgend welcher öffentlicher oder g eh e i m e r Beratungen gemacht wurde. Ich erkläre ferner, daß ich keine Anhaltspunkte dafür habe, daß der Kläger Ehrenpreis mit diesen sogenannten Protokollen irgend etwas zu tun gehabt hat, und schließlich nehme ich meine Behauptung im Artikel ,Und trotzdem echt', Ehrenpreis habe die Echtheit der sogenannten Zionistischen Protokolle bezeugt, mit Bedauern zurück, ebenso die im selben Artikel gemachte Andeutung, der Zionistenführer Theodor H e r z 1 habe am Zionistenkongreß von 1897 den in den „Geheimnissen der Weisen von Zion" enthaltenen jüdischen Weltherrschaftsplan aufgestellt." Es ist noch nicht bekannt, ob die Kläger diesen, beiden Parteien vom Präsidenten des Gerichtes unterbreiteten, Vergleichsvorschlag annehmen werden. Es sei bemerkt, daß es sich hier nur um den Ehrenbeleidigungsprozeß gegen Dr. Zander als Vertreter der vom verstorbenen Theodor Fritsch, Leipzig, herausgegebenen „Zionistischen Protokolle" und als Verfasser eines im „Eisernen Besen" veröffentlichten Artikels unter dem Titel „Und trotzdem echt" handelt. Der Prozeß gegen Zander als Verbreiter der „Protokolle" wurde — nach Beschlagnahme von gegen 800 Stück dieser Broschüre — aus formalen Gründen eingestellt. Ein weiterer Prozeß über die Frage der Berechtigung der Beschlagnahme ist jedoch noch in Schwebe und wird erst später, nach Vorlage von Gutachten über die Bchtheit der fraglichen Schandschriften, entschieden werden. Dieser Teil des Baseler Prozesses steht in einem gewissen Zusammenhang mit einem ähnlichen Prozeß in Bern, wo einer Expertenkommission die Prüfung der Echtheit der „Protokolle" vor einiger Zeit übertragen wurde, Ein Süberlöffel Die in Wien erscheinende Monatsschrift „P aästina" erzählt in einem Artikel „Bank- und Kreditwesen in Tel-Awiw" von Dr. Kurt Grünwald folgende Anekdote aus Palästina: „Anno 1925 kam ein Jude ins Land; Geld hatte er natürlich keines, doch von besseren Tagen war ihm noch ein schwerer Silberlöffel verblieben. Auf diesen, Silberlöffel hin lieh ihm ein ehemaliger Landsmann 2 pal. Pfund, mit denen unser Freund Mitglied einer Kredit-Kooperative wurde und eine Anleihe von 20 Pfund erhielt. Mit diesem Kapital ging er zur Terraingesellschaft und erwarb mit einer ersten Anzahlung ein Grundstück, auf das er dann eine stolze Tafel setzte: Baugrund des Mr. N. N.' Kaum war das geschehen, da begannen schon die Agenten zu laufen: ,Sie werden doch keine ausländischen Ziegel benutzen. Unsere sind 150mal so stark, und Sie sind doch ein Zionist. Was, Sie haben jetzt kein Geld? Aber wozu, ein paar Wechsel genügen.* Kaum werden am anderen Tag die Ziegel abgeladen, da kommt schon der Vertreter der Bankkooperative. ,Als guter Jude werden Sie ddch nur mit uns bauen. Ach, das mit dem Zahlen erledigen wir ein anderesmal.' Und bevor noch das erste Stockwerk fertig war, hatte unser Freund alle drei Stockwerke vermietet gehabt und die Miete auf drei Jahre vorausbezahlt erhalten. Und das alles durch einen Silberlöffel. Und nun noch, pst, ein Geheimnis, das Silber war nicht echt!" Diese Geschichte ist in einer Zeit entstanden, da Tel-Awiw als Währung den — prolongierten Wechsel hatte. Tel-Awiw ironisiert sich hier selbst, aber das Körnchen Wahrheit, das in der Anekdote steckt, läßt erkennen, wieweit eine Wirtschaft auf Kredit aufgebaut werden kann. „GU-GU", der GUte, gebrauchsfertige GUlaschsafl« in allen Kunz-Filialen zu haben.