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Die neue Welt · 1934-06-15 · Heft 373 (15.6.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 373 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag/ den 15* f* i«38 186 Nr* 37» V« b* b* Teilung vom Verleger versende! lrnal exp6die par rediteur4^ Titl. Universitätsbib? Rmam tm m a m ■■■ BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.30. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— V M ■ ■ Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.»; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich BäT ■ ■ HB 40-_» vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig ■r^ WM H Mi Bff^ Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. viertel- ■jD] Wv ^ttP HB iätirig Schwelzer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, leU A-20-2-78 — Erscheint Dienstag und Freitag Große HerzI * Gedenkfeier Aus Anlaß des 30. Todestages des großen Führers veranstaltet die Judenstaatspartei am 27. Juni 1934 um 1/ß Uhr abends im Festsaale des Hotel „Continental", II, Taborstraße, eine große Gedenkfeier Reichhaltiges Programm — Gedenkrede: Oberbautat Robert Stricker — Darbietungen bervonagender Konstkräfte Karten bei: „Die Neue Welt". Tel. A-20-2-78, und Frau Paula Stricker, Tel. A-48-1-89, Abendkassa. Preise: S 2.—, S 1.—, für Jugendliche S —.30, Für Befreiung Staw§ky§ Rosenblatt kommt nach Polen Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Am 11. Juni hat der Oberrabbiner Kuk mit einer Aktion zur Befreiung des unschuldigen Stawsky begonnen. Oberrabbiner Kuk hat mehr als 100 Telegramme an die größten jüdischen Gemeinden, Rabbiner und führende jüdische Persönlichkeiten Europas und Amerikas geschickt. Der Text dieser Telegramme lautet: „Auch Stawsky ist rein und unschuldig. Kämpft mit allen Kräften für den Sieg der Gerechtigkeit." Ein spezielles Telegramm hat Oberrabbiner Kuk an das Haupt der anglikanischen Kirche Großbritanniens, den Erzbischof von Canterbu r y, geschickt, das folgenden Wortlaut hat: „Bezüglich des Todesurteils, das am vorigen Freitag Uber Abraham Stawsky ausgesprochen wurde, erkläre ich, daß dieser Mensch unschuldig Ist. Ich bitte Sie innigst, mit allen Kräften im Namen der Heiligkeit der Wahrheit und Gerechtigkeit für die Ehre Englands, die auch mir teuer ist, zu kämpfen." Weiters wird gemeldet, daß Zwi Bosenblatt in kurzer Zeit Palästina verlassen und sich nach! Polen begeben wird, um sich der Front für den. Kampf zur Befreiung des unschuldigen Stawsky einzureihen. Gegen den schändlichen Wien, 14. Juni 1934. Die tiefe Aufgewühltheit, die in der jüdischen Welt durch das Schandurteil des englisch-arabischen Gerichts in Jerusalem hervorgerufen wurde, hat in einer großartigen Kundgebung der Wiener Judenstaatszionisten ihren Ausdruck gefunden. Der Festsaal des Hotel Continental konnte'die Massen nicht aufnehmen, die gekommen waren, um Zeugen einer elementaren Protestaktion gegen einen Justizmord und Teilnehmer einer Solidaritätsmanifestation zu se}n. Mit ebensoviel patriotischem Gefühl wie sachlicher Beweisführung wurde die Prozedur gegen die drei jüdischen Angeklagten Achi Meir, Stawsky und Rosenblatt gebrandmarkt, das Schandsystem, das sich im Jüdischen Nationalheim unter der Duldung, ja Förderung der linken zionistischen Kreise etabliert hat. Wie dem größten Teil der Versammelten das Prozeßmaterial bekannt war, konnte sich der erste Redner des Abends, Dr. Oskar R o s e n:f e 1 d, auf die Analyse dieses Materials und auf die politischen, psychologischen und moralischen Hintergründe des Arlosoroff-Mordprozesses beschränken. Frau Sima Arlosoroff, die nach dem Todesurteil Palästina verließ und sich zur Erholung ins Ausland begab, war die „Tatzeugin", auf Grund deren Aussagen die Polizei und später das Gericht die Untersuchung führte. Obwohl sich diese Zeugin als durchaus unzuverlässig erwies, ihre Aussagen jeweils änderte, auf gut Glück unbescholtene Menschen als Mörder „agnoszierte", wurden ihre lügnerischen Aussagen als Hauptargumente gewertet. Dazu kam, daß die sozialdemokratische Arbeitergewerkschaft „Histadruth" vom ersten Augenblick an sich darauf verlegte, der Polizei zu suggerieren, daß die Mörder Juden seien (weder Araber noch Kommunisten) und bei diesem Unternehmen auf die weitgehendste Bereitwilligkeit der britischen Behörde stieß, die unter dem wohlwollenden Augenzwinkern der Histadruth-Führer aus einem Affektmord einen von jugendlichen Zionisten verübten politischen Mord konstruierte. Nachdem das Gericht durch Freilassung Achi Mei'rs die Schuld des sogenannten Brith Habirjonim ad acta legen mußte, hielt sie sich, ohne den Schein eines stichhaltigen Beweises, an das von bestochenen, hinterhältigen, feigen und verleumderischen Zeugen herbeigeschaffte Indizienmaterial, um schließlich den einen Angeklagten, Zwi Rosenblatt, freisprechen zu müssen. So stellt sich das Todesurteil für Stawsky als sachlich absurd, politisch verbrecherisch, moralisch korrupt-antisemitisch dar. Die zionistische, unter linker Vorherrschaft stehende Exekutive hat durch ihre schwächliche, den Klassenkampf und damit den Bruderzwist fördernde Haltung der Palästina-Regierung den Mut zu »11 Ihren Justizmord an Stawsky bis ins Rechtsgebiet dringenden infamen Maßnähmen gegeben; sie hat zum Schutz üirer Machtposition und zur Erhaltung des britischen Prestiges einen unschuldigen zionistischen Patrioten, den jungen Chaluz Abraham Stawsky, dem Henker preisgegeben. Nach diesem sachlichen Referat stellte der Misrachist Kulturrat Dr. Mendel Rosenberg das Pro- Für mitnehmen BernaKäse zeßverfahren und die ganze Atmosphäre in das Licht der jüdischen Religion und der jüdischen Ethik. Es war diesem kenntnisreichen Redner nicht schwer zu zeigen, daß all das, was im Gang der Voruntersuchung und des Prozesses selbst zutage trat, mit der jüdischen Lehre und Tradition im Widerspruch stand und daher nicht als rechtsgültig und bindend anerkannt werden könne. Im jüdischen Nationalheim darf nicht ein Rechtsgeist am Werk sein, der die erhabensten Gefühle und sittlichen Prinzipien des jüdischen Menschen mit Füßen trete. Schon aus diesem Gesichtspunkt allein ist das schändliche Urteil der antisemitischen Palästina-Behörde abzulehnen. Dr. Willy Perl wendete sich vornehmlich an die zionistische Jugend. Ihr obliegt es nicht, im Gestrüpp krimineller Prozeduren einen Weg und eine Wahrheit zu suchen, sondern das große Ideal nicht aus den Augen zu verlieren. Der Fall Stawsky ist kein juristisches Problem, sondern eine nationale Angelegenheit. Wir müssen für den Freispruch des unschuldigen Chaluz bis ans Ende arbeiten. Denn wer hier im Kampf gegen die antizionistische Palästina-Regierung und gegen die unpatriotische, klassenhetzerische linke Histadruth versagt, hat auch dem Judenstaatsgedanken Schaden gebracht. Der Kampf in der Sache Stawsky bedeutet den Kampf für den Judenstaat. Paul H a 11 e r konnte, gestützt auf das analysierte Prozeßmaterial, seinen Blick auf die Mandatarmacht England richten. In temperamentvoller und zielsicherer Weise zeichnet er das britische Gesicht in Palästina, die Versuche der Administration, durch eine heuchlerische Rechtsprechung ihre politischen Absichten zu verschleiern, durch eine zur Schau getragene Loyalität der Welt ein Regime des Rechts und der Wohlfahrt vorzutäuschen. Der Kampf des Herzl-Zionismus gelte dem schändlichen antizionistischen Regime. Den Abschluß der großen, ernsten und würdigen Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlUdwn Notizen «ind durch ein beigefügtes E bezeichnet, BalkamSpei'sen am Rosf und feinste Wiener Küche im Spritzer - Restaurant ■■■■Hl (ehemals Zollner) nur II, Kammer Dalmatiner Weine "03SS0 7 v! Dianabad) Bürgerliche Preise Beachten Sie Pfceisaufgaben seitee HbWHHMBHI Manifestation, der hunderte Mitglieder der Judenstaatspartei, der revisionistischen Union und der Misrachi beiwohnten, bildete das Referat des Präsidenten der Judenstaatspartei Oberbaurat Robert Stricker. In erschütternder Weise schilderte er das Schicksal des unschuldig verurteilten Stawsky, die Partei- und Regierungshetze, welche gegen ihn geführt wurde, und die moralischen Verfallserscheinungen in der Zionistischen Organisation, welche die Atmosphäre in der Organisation und im jüdischen Palästina vergiftet, mit mörderischem Bruderhaß und tückischer Denunziation geschwängert haben. Seine Rede war ein Appell: Zurück aus der fremden Haßideologie des Klassenkampfes eines Marx zur kristallreinen; Ideologie eines Theodor Herzl! * Die Versammlung tagte unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Leop. Sitzmann (Judenstaatspartei) und Kultusrates Graubart (Revisionisten)'. Wegen des riesigen Andranges mußte " der Zutritt noch vor Beginn polizeilich' gesperrt werden. Anii'zi'om'sti'scher Kurs in England Brodefzkys alarmierende Ankündigung , Auf einer Pressekonferenz im Londoner Hauptbüro der Zionistischen Organisation gab der politische Referent der Exekutive Prof. Selig Brodetzky Erklärungen über die Politik der Exekutive. Bei dieser Gelegenheit kündigte Brodetzky antizionistische Attacken im Oberhaus und Unterhaus an, indem er nach der J. T. A. ausführte: Es liegen Mitteilungen vor, daß in Indien die antizionistische Propaganda wieder entfacht wurde. Die Führung der Bewegung hat Schaukat Ali übernommen, der dem Vizekönig ein Memorandum überreicht hat, in dem gegen die ganze Politik des Jüdischen Nationalheims Protest erhoben und die Regierung aufgefordert wird, die jüdische Einwanderung einzustellen und den Bodenkauf durch Juden zu verbieten. Die Exekutive wird die notwendigen Schritte in dieser Sache tun. Es verlautet, daß der Vizekönig, der sich gegenwärtig in England aufhält und auf seiner Reise kurze Zeit in Genf gewesen sein soll, das Memorandum durch das Indien-Amt der Regierung vorlegen will. In diesem Zusammenhang bemerkte Dr. Brodetzky, daß es in letzter Zeit gelungen ist, in der indischen Presse auch den zionistischen , Standpunkt darzulegen. Am 27. Juni wird Viscount Templetown dem Oberhaus vier Anfragen vorlegen, die sich mit der Inkraftsetzung von Bestimmungen des Passfiel d- . sehen Weißbuches befassen. Eine ähnliche Anfrage ist von Lord Templetown vor einigen Monaten eingebracht worden, der Gegenstand jedoch vertagt worden. Anläßlich dieser Anfragen sind heftige Angriffe der Freunde der antizionistischen Araber und eine Wiederholung des alarmierenden Zustandes von vor vier Jahren zu erwarten. Alles ist vorbereitet, diesem Angriff zu begegnen. Was den Legislative Council (Parlament); betrifft, so hat die Regierung keine Vorschläge ausgearbeitet und man erwartet nicht, daß in den nächsten Wochen oder Monaten solche Vorschläge erörtert werden. Doch muß die jüdische Oeffentlichkeit wissen, daß es hier um eine Sache geht, die nach Ansicht der Palästina-Regierung behandelt werden muß. Die Exekutive ist in dieser Angelegenheit wachsam. Ihr oppositioneller' Standpunkt zu der Frage bleibt unverändert. Ueber den Zweck des Londoner Besuchs von Emif Abdalla sprach sich Brodetzky optimistisch aui,

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