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Die neue Welt · 1934-06-08 · Heft 371 (8.6.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 371 (8.6.1934)
Date
1934-06-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE WELT Nr. 371 FAMILIEN-PENSION Restauration, KarSfee:tair$ .' Täglich S-Ufir-Te« RiffJSSiVWJSS!?"-43 Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts.' Zentralheizung, fließendes Warm und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 und bei dieser Gelgenheit an all das erinnert werden, was mit dem Namen dieses j ü d'i sehen Oberkommissärs von Paiästina verknüpft ist. Der Stadtrat von Tel-Awiw ist sehr vergeßlich ... Es ist keine angenehme Sache, das Regime des jüdischen Oberkommissärs Sir Herbert Samuel rückschauend zu analysieren. Seine „segensreiche" Tätigkeit begann dieser Mann damit, den größten Feind des jüdischen Aufbauwerkes und chauvinistischen Hetzer, den Mufti von Jerusalem, aus dem Gefängnis zu holen und zum religiösen Oberhaupt der palästinensischen Mohammedaner zu machen. Auf diese Weise hat Harber* Samuel elnrn Punkt geschaffen, von dem aus alle jene Versuche, die Besiedlung Palästinas durch Juden zu stören, unternommen wurden; ven dem alle Attacken gegon das jüdische Nationalhelm, alle blutigen Unrnhen, angefangen von 1920 bis zu den blutigen Exzessen vom August 1929 und Oktober 1933, ausgingen. He« Herbert Samuel war es auch, der im September 1922 dem Memorandum der britischen Regierung, wodurch das Ostjordanland (Transjordanien) abgetrennt und als Emirat dem Abdallah, Sohn des damaligen Königs von Hedschas, Hussein, Ubergeben wurde, nichts entgegengesetzt und so ein großes, fruchtbares Kolonisationsgebiet preisgegeben hat. Und schließ-* lieh sind — wir wollen das Sündenregister des Agency- Lleblings abkürzen — alle, die jüdische Einwanderung beschränkenden Maßnahmen der Paläs^inaregierung auf das Konto Herbert Samuels zu setzen, der den englischen Beamten, beziehungsweise seinen Nachfolgern auf dem Stuhl des Oberkommissärs das Stichwort für die Niederhaltung der jüdischen Entwicklung an Land und Menschen gab. Ein vor aufrechten, selbstbewußten, judenstaatlerischen Elementen geführtes Palästina hätte lange schon eine Atmosphäre geschaffen, in der die „Ehrung" eines Herbert Samuel durch eine jüdische Gemeinschaft unmöglich wäre; hätte längst schon einem Manne wie Herbert Samuel den Mut genommen, in Palästina als prominenter Ga3t des jüdischen Nationaiheims zu erscheinen; gar nicht zu reden davon, daß dieser Herbert Samuel sich In der Hoffnung wiegt, gegebenenfalls der Nachfolger Sir Arthur Wauchoprs zu werden, also auf den Posten des palästinensischen Oberkommissärs aspiriert. Wir werden allmählich die bis zur Mißachtung gehende Nonchalance verstehen, mit der die britischen Regierungskreise die Vertreter des jüdischen Jischuws behandeln, wenn wir uns vor Augen halten, mit welchen Gefühlen die britische Administration solch eine Ehrung Herbert Samuels begleitet. „Seht", wird sie sagen, „wie die palästinensischen Juden, die zionistische Oefientlichkeit einen Mann ehren, dem zweifellos die Ehre gebührt, die jüdisch-palästinensischen Interessen in schändlicher Weise verraten zu haben. Solch ein Volk, solch eine Gemeinschaft hat den Anspruch auf unseren Respekt verwirkt und wird auch die Behandlung verdienen, die wir ihr noch zugedacht haben .. Ghettopolitik im Jüdischen Nationalheim i Erweiterte Agency-Mentalität gegenüber dem britischen Vertragspartner! Ehrung eines antizionistischen „jüdischen Führers"! All das die Folgen der antijuden3taatlerischen Einstellung seitens der — zionistischen Führung. Protest der SfaaäszäoiaBstem S>eu$sdh!«inds Aus Berlin: Die Pressestelle der Staatszionistischen Organisation gibt bekannt, daß bei den am 30. und 31. Mai in Berlin stattgefundenen Protestkundgebungen der Staatszionisten gegen die Einschränkung der Palästina-Einwanderung folgende Resolution gefaßt wurde: Die von der Staatszionistischen Organisation einberufenen, von über 2000 Berliner Juden besuchten Massenkundgebungen erheben einstimmig Einspruch gegen die Rechtsverweigerung, deren sich die Palästina-Regierung durch die in Widerspruch mit den Bedürfnissen des Landes stehenden Drosselung der jüdischen Einwanderung schuldig macht. Angesichts der Lage des jüdischen Volkes, die die Auswanzu billigsten Pauschalpreisen mit und ohne Landarrangement allmonatlich. Sichern Sie sich jetzt schon tinen Platz für unsere Reise //RosdhsHasdaanah im Heiligen Lande"« Auskünfte und Prospekte: RESSEBÜRO „MARIENBRÜCKE'1 (Palästinadienst. Leitung: BERTA TAUBES) WIEN, I., ROTENTURMSTRASSE 26 Tel. R-24-2-86, R-24-2-87 defung von Hunderttausend«! tur zwingenden ftotwen digkeit macht, appellieren sie an das Weltgewissen und beauftragen die Leitung der Staatszionistischen Oragnisation, diesen Protest In geeigneter Weise zur Geltung au bringen. In der am Donnetstag, den 81. Mai, im großen Saal des Hackeschen Höfs abgehaltenen aweiten Protesti kundgebung der Staatszionisten sprachen der Bundes j leiter der Nationalen Jugend Willi W. Cegla und das I Prasidialmltglied der Staatazionistischen Organisation Ernst Hamburger, Die Redner betonten, daß sieh der Protest der Staatsaiönlsten nicht nur gegen die Maadatsreglerung, sondern auch gegen die Zionisti sehe Exekutive richte, die die Interessen des jüdischen Volkes nicht in der notwendigen Form wAlirgenom men haben. Ernst Hamburger erklärte, die aäonistlschen Stellen Deutschlands hätten bisher gegen die Einwände rungsdrosselung nicht wirksam protestiert. Eine paple rene Protesterklärung sei wertlos. Die Staatszionistische Organisation müsse heute die Führung des Zionismus Ubernehmen. Zum Schluß forderte der Vorsitzende, Direktor Georg Kareski, der frühere Präsident der Berliner Judengemeinde, die Versammlung auf, ihrem Protest gegen die Palästina-Regierung und gegen die Haltung der Zionistischen Exekutive in deutlicher Form Ausdruck 2u geben. — Die Kundgebung war außerordentlich stark besucht. Der Saal mußte wegen UeberfUllung lange vor Beginn geschlossen werden. Die Protestaktion in Warschau Aus Warschau: Das Protestkomitee der Organisationen: Revisionisten, Misrachi, Eth Liwnoth, Judenstaatler, Handwerkerverband und kaufmännischer Verband veranstaltete am Montag seine ersten großen Kundgebungen und veranlaßte, daß zum Zeichen des Protestes die Geschäftsläden in den jüdischen Vierteln an diesem Tage geschlossen blieben. Die eine Kundgebung fand für die Jugend Im Kino „Splendid", die zweite im Theater „Nowosczczi" statt; beide Kundgebungen waren außerordentlich stark besucht, bie Redner gaben in scharfen Ausführungen dem Protest gegen die mit der Balfour-Deklaration und dem Mandat in eklatantem Widerspruch stehende Einwanderungs- und Bodenpolitik der Administration der Mandatarmacht in Palästina Ausdruck. Die angenommenen Resolutionen schließen mit dem feierlichen Gelöbnis, daß das jüdische Volk in dem Kampf um sein Recht auf Palästina nicht erlahmen wird. SCHWEDEN-KINO " Tabors 1 Tel.: A-49-0-60 Anläßlich der Fesispielwochen: Uraufführung des Monumental-Films „AHÄSVER" «. mit CONRAD VEIDT Beginn: 5, y48, 7,10 Uhr er ewige lud«) // Zionistische //Führung In allen Tonarten, bittend und drohend und schmeichelnd und fluchend, fordert die Zionistische Exekutive „Disziplin" und Achtung ihrer „Autorität". Wer sich jetzt innnerhalb der Zionistischen Weltorganisation eine Ansicht zu äußern oder eine Aktion zu unternehmen erlaubt, wird mit dem großen „Bann" belegt. Man entzieht ihm organisatorische Rechte und schließlich auch das Recht der Einwanderungnach Palästina. Der Arbeiterführer Herr Berl Locker, jetzt Organisationsreferent der Exekutive, Überträgt die Gewaltmethoden der marxistischen Orthodoxie in zionistische. Er arbeitet ständig in „Disziplin" und hält fürchterliche Musterung unter der Opposition. Je schwächer eine Führung ist, je mehr sie eines einheitlichen Willens entbehrt, desto krampfhafter klammert sie sich an „Disziplin". Die Richtigkeit dieser Feststellung erweist sich auch im Falle der derzeitigen Exekutive. Sie will, daß man ihr gehorcht, weiß aber selbst nicht, was sie will. * Als gemeldet wurde, daß die Zionistische Exekutive ggeen das Unrecht der Unterdrückung der jüdischen Einwanderung ein „Blau-Weiß-Buch" herausgeben will, erklärte der Präsident der Exekutive, S o k o 1 o w, daß die Exekutive nicht daran denke, ein solches Buch herauszugeben. Das war vor zehn Tagen. Dafür erklärt jetzt der politische Referent der Exekutive, Herr Ben Gurion, in dem zionistischen Regierungsblatte „Selbstwehr" (Prag) wörtlich: „Die Zionistische Exekutive hat eine Reihe von Gegenmaßnahmen beschlossen. Wir geben eine Schrift heraus, das sogenannte „Bläu-Weiß-Buch", darin genau und gründlich die Entwicklung der Dinge und ihre Ursachen tn der Regierungspolitik dargestellt sind..." Das nennt sich „Führung" und „Autorität". * Der Vorsitzende der Londoner Abteilung der Exekutive, Herr Professor Brodetzky, erklärte in öffent- KINDER ANS MEER! 4 Wochen Meer Sonne Süden bietet Ihnen das hygienisch und modern eingerichtete JüD. KINDERHEIM in Selce bei Crikvenica, Dalmatien. Leiterin: Frau Helene überall, Schuldirektorin. Anmeldungen, Auskünfte und Prospekte: Wien VIII., Alserstraße Nr. 23, täglich von 9 bis 12 und 5 bis 7 Uhr. Telephon A-29-2-87. licher "Rede, daß es politischer Wahnwitz wäre, irgend eine andere Macht um Hilfe gegen England und seine Palästina-Politik anzurufen. Sein Kolleg-e, Herr Ben Gurion, aber erklärt in der obenerwähnten „Selbstwehr" wörtlich: „Die Erziehung der englischen öffentlichen Meinung wird nur ein Teil der Aktion sein. Wir wenden uns daneben mit denselben gerechten Argumenten an, die Meinungderganzen Welt mit der Bitte, uns zu helfen..." Das nennt sich „Führung" und fordert unbedingt« Anerkennung als „Autorität". * Die Exekutive hat es den zionistischen Gruppen strenge untersagt, irgend eine politische Tätigkeit neben der Exekutive zu entfalten, sich mit anderen zionistischen Gruppen oder gar mit außenstehenden Faktoren politisch, in Verbindung zu setzen. So wurde die Judenstaats» p a r t e i strenge getadelt und mit dem Entzug ihrer organisatorischen Rechte als Sonderverband bestraft, weil sie eine politische' Beratung aller zionistischen Fraktionen angeregt hatte. Wegen ihrer an England und den Völkerbund gerichteten „Petition" wurden die Ziönisten- Revisionisten mit dem großen Bann belegt und ausgestoßen. Dagegen wird aus Palästina gemeldet, daß sich dia sozialdemokratisch-zionistische Arbeiterorganisation „Histadruth" mit Protesten und Forderungen um Abhilfe gegen die antijüdische Palästina-Regierung an die internationalen Gewerkschaftszentralen in New York, London und Warschau gewendet habe. Dabei gehören die Herren der Exekutive Berl Locker, Ben Gurion, Shertok, Kaplan u. a. der „Histadruth" an. Dieser „Disziplinbruch", dieses Verbrechen an der „Autorität" wird mit respektvollem Schweigen hingenommen. Was auch die Opposition tut, ist Verbrechen, die „Freunderln" können so weit gehen, als es ihnen beliebt. * Das nennt sich „Führung", fordert blinden Gehorsam und arbeitet mit Gewaltmitteln. Ganz logisch. Man muß wirklich blind sein, um einer solchen Führung folgen zu können. Und ohne Gewalt läßt sich eine solche Autorität wirklich nicht erhalten. Aus Griechenland In Castoria kam es zu ernsten antisemitischen Ausschreitungen. Auf dem jüdischen Friedhof wurden Grabsteine zertrümmert, in jüdischen Häusern wurden die Fenster eingeschlagen. Mitglieder der antisemitischen Organisation E. E. E. marschierten durch die Straßen und riefen im Chor: „Griechen, töten dia Juden!" Isaak Eliahu, Sohn des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde in Castoria, wurde angegriffen und erheblich verletzt. Die Polizei verhielt sich passiv * Die griechische Deputiertenkammer, hat mit 108 gegen 60 Stimmen das neue Wahlgesetz angenommen, durch das die besondere Wahlkurie für Juden in Saloniki endgültig abgeschafft wird« Bei der Vorlage des Gesetzes erklärte der Bericht* erstatter, das neue Gesetz sei nicht auf die Absicht zurückzuführen, eine bestimmte Partei zu begünstigen. Wenn es zutreffe, daß die Juden Salonikis eher der Regierung zuneigen, so sei es nicht minder richtig, daß die thrazischen Mohammedaner, deren Wahlkurie ebenfalls abgeschafft wurde, vorwiegend Oppositionsanhänger sind. Die Juden hätten nicht ganz 8000, die Mohammedaner Uber 16.000 Wähler. Das Gesetz gewährleiste somit durchaus gerechte Wahlen. Im Namen der venizelistisehen Opposition erklärte der Abgeordnete M. A. Melaus, die Annahme des neuen Gesetzes werde das Land in den Bürgerkrieg stürzen. * Bei der Neuwahl des Rates der Jüdischen Gemeinde Saloniki konnten die Zionisten ihren Besitzstand von 34 auf 42 Prozent der Mandate, die im „Gemäßigten Block" zusammengefaßten Nichtzionisten den ihrigen von 14 auf 20 Prozent erhöhen. Die Zionisten erhielten 21 von den 50 Mandaten; auf die .Nationale Aktion" entfielen drei, auf den „Gemäßigten Block" zehn, auf den linksstehenden Volksblock acht Mandate; die restlichen Mandate verteilen sich auf kleinere Gruppen. „GU-GU", der Güte, gebrauchsfertige GUlaschsaft, in allen Kunz-Filialen zu haben. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt II., Pmterstraße 18 (Uoydhof), Mezz. Klub „Erez- Israel" Tel. R-42-407 Einziges Wortkonzert Herz Großbart (Auf der Durchreise) Dienstag, den 12. Juni 1934, um halb 9 Uhr abends, im Ohajes-Saale der Zionistischen Bezirkssektion II. Im Programm: I. Perez, Scholen» Alejchem, Mosche Nadir, M. L. Halpern, A. Lutzki, Elieser Steinberg, Mosch» Kulbak, Itzig Manger u. v. a. Ka rten erhältlich im Sekretariat der Sektion und bei allen Vorstandsmitgliedern.

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