Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 371 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 371 DIE NEUE WELT Seite 5 Da§ Hakenkreuz über Palästina! Anfrage im englischen Parlament — Palästina-Polizei mit Hakenkreuz Aus London: In der Sitzung des englischen Unterhauses richtete Colonel Josiah Wedgwood an den Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister die Frage, ob er Berichte über neuere Umtriebe nationalsozialistischer Agitatoren in Palästina habe, namentlich über Nazipropaganda im Zusammenhang mit der Levantc-Messe in Tel Awiw; ob ihm bekannt sei, daß unter den Arabern Palästinas eine Naziorganisation gebildet wurde; ob der Minister eine Untersuchung anordnen wolle, um zu erkunden, ob arabische Zeitungen in Palästina Geldmittel aus Deutschland erhalten. Cunliffe-Lister erwiderte: Hinsichtlich des ersten Teiles der Frage habe ich keine Berichte erhalten; der zweite Teil der Frage ist meines Wissens mit Nein zu "beantworten; ich habe keinen Anlaß, die im dritten Teil der Frage vorgeschlagene Untersuchung führen zu lassen. Wedgwood fragte, ob der Minister in den Zeitungen gelesen habe, daß eine Gruppe Polizisten zur Messe in Tel-Awiw mit Hakenkreuzen an ihren Uniformen und Helmen aufmarschierte. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, er habe von einem solchen Gerücht gehört, er würde aber so etwas nicht wiederholen, bevor er sich nicht von dessen Wahrheit überzeugt habe. Als <>♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦»♦+♦♦♦♦»»»♦♦»♦♦♦»»♦♦♦»»♦♦♦«♦♦»♦♦♦♦♦ SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI «; Zentrale: IX.,Bergsasse f9,Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ^>Eielsch ■BaHBBBBOOaBnBnBBBBHHBHHMBMBBBBBBBIM <• unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. f Kultusgemeinde Wien Autozusteilung kostenlos :: Ix. 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Alfred Heß ist in Kairo anläßlich der Klage des Juden Umberto Jabea gegen die Verbreitung antisemitischer Naziliteratur in Aegypten als Wortführer der Kairoer Nationalsozialisten aufgetreten. Als das Kairoer Internationale Gericht die jüdische Klage zurückwies, telegraphierte der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels an Alfred Heß: „Sie haben der deutschen Sache einen großen Dienst erwiesen." Die palästinensische Presse bringt genaue Nachrichten über Instruktionen, die Dr. Goebbels der illegal arbeitenden Palästina-Nazipartei, die mehrere hundert, meist junge, Arab'er zu ihren Mitgliedern zählt, gesandt hat. Auch ist bekannt, daß eine Menge Naziliteratur unter den Arabern Palästinas zirkuliert. Die hebräische Presse fordert eine energische Untersuchung dieser Umtriebe, bis jetzt ist von dergleichen jedoch nichtszumerken. Die Presse berichtet, daß der stellvertretende Polizeiinspektor Stafford, als man bei ihm über das Verhalten einer Gruppe englischer Polizisten, die mit Hakenkreuzen an den Helmen auf der Levante-Messe erschienen, Beschwerde führte, gelacht und nichts veranlaßt hat, daß die Hakenkreuze entfernt werden. Die hebräische Presse fordert den Waad Leumi und die Jevvish Agency auf, von der Regierung eine Erklärung über dieses Verhalten ihrer Organe zu fordern. von Palästina will Gleichstellung im österreichischen Außenhandelsverkehr Von Gustav Wilder, Wien Der Verfasser/ ist einer der bedeutendsten Palästina - Exporteure und seine Betrachtungen sollten von den zuständigen österreichischen Stellen (Handelsministerium, Handels- ' kammer, Industriellenverband usw.) in ernste Behandlung gezogen werden. Sie sind als Warnung j aufzufassen. Der Aufschwung des österreichischen Außenhandels im letzten Jahre hat nach keinem Lande einsostarkesAusmaß angenommen wie nach Palästina. Dieses kleine, in voller Entwicklung stehende Land dürfte, wenn die österreichische Ausfuhr in den kommenden Monaten dieses Jahres den gleichen Umfang haben sollte wie in der ersten Hälfte, österreichische Waren im Werte von etwa 300.000 Pfund einführen, was einem Wert von rund 8 y2 Millionen Schilling entspricht. Man braucht sich aber gar nicht in eine Diskussion über das voraussichtliche Ergebnis des Außonhandelsverkehrs einzulassen, um die Bedeutung des palästinensischen Marktes für Oesterreich zu kennzeichnen. Schon die Statistischen Ziffern des letzten Jahres, in welchem Oesterreich Waren im Werte von 180.530 Pfund, also im Werte von rund 5 Millionen österr. Schilling nach Palästina ausführte, zeigen, daß dieses Land ein ganz bedeutendes Absatzgebiet für österreichische Erzeugnisse ist. Die Steigerungsfähigkeit, der Ausfuhr zeigt sich auch aus der nachfolgend gezeigten. Entwicklung des Außenhandelsverkehrs zwischen Oesterreich und Palästina. Außenhandelsverkehr Oesterreichs mit Palästina Einfuhr Ausfuhr in Pfund 1931.......» 14.Q92 92.179 1932 ........ 5.991 94.125 1933 ........ 2.292 180.530 Im Jahre 1934 aber dürfte der Wert der österreichischen Ausfuhr nach Palästina 300.000 Pfund betragen. Aber noch etwas anderes zeigt sich aus dieser Tabelle: Das außergewöhnliche Mißverhältnis zwischen Einfuhr und Ausfuhr. Oesterreich führte nur den 8 0. Teil d.e r Waren aus Palästina ein, den es selbst dorthin exportierte. Ferner: während Oesterreich Beine Ausfuhr nach Palästina in den letzten zwei Jahren verdoppeln konnte, ist Palästina kaum mehr in der Lage, den 5. Teil des Wertes seiner Einfuhr aus dem Jahre 1931 nach Oesterreich einzuführen. Man muß sich über diese Daten Klarheit verschaffen, um zu verstehen, warum man in Kreisen der palästinensischen Exporteure, die auf eine möglichst rege Gestaltung des Warenverkehrs mit Oesterreich Wert legen, eine Erleichterung der Importmöglich- Kinder ins Gebirge Das bestrenommierte Ferienheim Wienerbruck bei Mariazell (800 Meter) nimmt Kinder (3 bis 15 Jahre) auf. Erstklassige Referenzen, mäßige Preise. Anmeldung Elly Rothwein, VII., Mariahilferstraße 72/17, Tel. B-36-0-52. keiten nach Oesterreich gefordert wird, oder genauer ausgedrückt, warum man die Beseitigung der ungerechtfertigtenBenachteiligung der palästinensischen Exporteure zugunsten anderer Länder -verlangt. Den Hauptexportartikel Palästinas bildet nämlich, wie bekannt sein dürfte, die Jaffa-Orange. Von der gesamten palästinensischen Ausfuhr des Jahres 1933 nach Oesterreich entfielen 90 Prozent auf den Export von Orangen, und es ist kein Geheimnis, daß die Steigerung dieses Exportes bereits eine Existenzfrage der palästinensischen Wirtschaft geworden ist. Im Handelsverkehr mit Oesterreich ist der Palästinä-Orangenexporteur gegenüber dem italienischen Konkurrenten allein schon durch die Ungunst der Frachtverhältnisse stark benachteiligt. jflöreflichselbst!g3 Schallplattenaufnahmen jeder Art lophan-Studlo» Margaretenstr. 22, Tel. ß-20-2-19 Der italienische Orangenexporteur expediert die Ware per Achse in loser Schüttung, ohne besondere Sorgfalt bei der Verladung beachten zu müssen. Der palästinensische Orangenexporteur hingegen ist auf Grund der Transitvorschriften gezwungen, für den- Seeweg nach Triest die Orangen in Kisten zu verpacken, sie nach Größe zu sortieren und einzeln in P apier zu wickeln. Durch diese Manipulation ist die Palästina- Orange von vornherein um etwa 15 Prozent für Kosten der Emballage gegenüber der italienischen Orange vorbelastet. Diese Benachteiligung in den Frachtbedingungen wirkt sich um so unangenehmer aus, als die italienische Eisenbahnverwaltung in Triest nicht gestattet, daß die palästinensische Ware vom Schiff aus in die Waggons aufgeschüttet wird, so daß die Kisten in der Originalverpackung 'den Weg von Triest nach Wien machen müssen. Dies hat zur Folge, daß jeder Waggon Orangen, der in Wien einläuft, mit 2500 Kilogramm Tara für Fracht, Orangenzoll, Warenumsatzsteuer und Krisensteuer vorweg belastet ist. Trotz dieser sehr hohen Vorbelastung würde die Jaffa - Orange gegenüber der Orange italienischer Provenienz infolge ihrer überlegenen Qualität konkurrenzfähig sein, wenn nicht durch das österreichische Präferenzensystem eine künstliche Bevorzugung des italienischen Orangenexportes nach Oesterreich erfolgen würde. Die italienischen llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll! Wiener Jüdisches Familienblatt II. Jahrgang, Nr. 8, Juni-Heft, soeben erschienen! 44 Seiten, reich illustriert s 1._. Bei den Kolporteuren erhältlich oder direkt zu beziehen vom Verlag, I., Petersplatz 7. mm - rcMt wochen I M SCHWEDEN KiNO TEL» A 49-0-6Q URAUFFÜHRUN ö AB HEUTE: €ONBAI> WEtPT IN DEM MONUMENTALEN MEISTERWERK DER EWIGE JUDE Orangenexporteure erhalten nämlich auf Grund besonderer Vereinbarungen mit der österreichischen Regierung eine Refaktie, eine Rückvergütung, von 18 Lire pro 100 Kilogramm. Hiedurch wird der Preis der italienischen Orange gegenüber dem der Jaffa-Orange künstlich so stark herabgesetzt, daß an eine Konkurrenz nicht mehr zu denken ist. Tatsächlich ist auch der Konsum der Jaffa- Orangen in Oesterreich in den letzten Jahren immer stärker zurückgegangen, und diese können heute nur noch in mühseligem Kleinverkauf an interessierte Konsumenten abgesetzt werden. Diese künstliche Unterbietung der palästinensischen Orangenexporteure hat in Palästina viel Erbitterung hervorgerufen. Man weist auf die starke Aktivität Oesterreichs im Handelsverkehr mit Palästina hin, während der Handelsverkehr mit Italien annähernd ausgeglichen ist, man weist ferner auf die großen Absatzmöglichkeiten in Palästina hin, die um so größer sind, als sich der Boykott deutscher Waren in Palästina neuerdings wieder sehr stark bemerkbar macht, und man verlangt, daß die österreichische Regierung die künstliche Benachteiligung der palästinensischen Orangenexporteure zugunsten der italienischen Konkurrenz beseitigt. Es kann nicht verschwiegen werden, daß man in Kreisen der palästinensischen Exporteure bereits heute die Frage erörtert, wie der Bezug von Waren aus Oesterreich eingestellt werden könne, wenn die österreichische Regierung den berechtigten Forderungen der palästinensischen Orangenexporteure nicht Rechnung tragen sollte. Palästinas Bedeutung für den tschechoslowakischen Export Aus Prag: Die Bedeutung Palästinas für den tschechoslowakischen Export wird in dem Aufrufe zur Gründung der tschechoslowakisch-palästinensischen Handelskammer wie folgt geschildert: „Die Bedeutung Palästinas in unserem Außenhandel ist nicht nur durch die Ziffer unseres Exports von 32 Millionen nach Palästina gegeben: die Reexport- und Transportziffer bestätigt die Erfahrung der Exporteure, daß nämlich Palästina ein Stützpunkt für die Exportexpansion nach, dem nahen Orient ist, demnach nach Syrien, Libanon, Transjordanien, Irak, Persien, Arabien und Aegypten." 45 jüdische Kreditgenossenschaften mit vier Millionen Pfund Kapital Aus Jerusalem: Nach einer soeben veröffentlichten Statistik sind in Palästina 45 jüdische Kreditgenossenschaften mit 37.000 Mitgliedern und mehr als vier Millionen Pfund Kapital registriert. Zusammenstoß zwischen, jüdischen und arabischen Arbeitern Aus Jerusalem: An der Bahnstrecke bei der jüdischen Kolonie Kirjath Anawim (11 englische Meilen von Jerusalem entfernt auf der Straße gegen Jaffa) kam es zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern, in dem die Araber die arbeitenden Juden mit Steinen bombardierten. Sieben Juden wurden verletzt, vier Araber wurden verhaftet. STRENG KOSCHER SEEFELD (Tirol)/1200m uiMiuimiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiitiiiiiiiiir Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wassersport. PENSION GESCHWISTER SCHEER im Hotel Hochalra Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise Fahrpreisermäßigung Tag des Brüh Hakannaji'm Die am Dienstag, den 39. Mai d. J., tagende Führer« schalt des B. H. für Oesterreich hat beschlossen, den 23. Juni d. J. als den „Tag der Barkaiw" zu erklären. Anläßlich dieses Tages findet am 23. Juni d. J. im Helme der Juden staatsparte i, Wien, I., Wer* dertorgasse 14, eine Weihefeier statt mit folgendem Pro« gramm: 1. Feierliche Einweihung. 2, Fest- und Programmrede: Mefaked Arzi, Rab« biner Dr. I. Z. Kanner. 8. Fahnenubergabe und Fahneneid. 4. Hymne der Barkaüu.