Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 371 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 D\h NEUE WELT Nr. 371 ^©iöbctifcer, 6titf)foe*ftopfte^ effen mit Vorteil baS feit Saljrjefittten bewährte Gimonöbtot in bünnen ©£§nitteit mit ©utter unb 3d)infeit. Seicht üerbaulidj, ängtridj beüföt. @e|r bequem: ©imon3brtrt*@djnittenpa<fd)«! in Stanniol. 3n offen guten fyeinfoft^anbl. u. &ädfer«en gu fcaben. Vs.Simon3&rotfabttt 2Bien»ßagran 66. Xägl. Sßojtoett.«^ trümmert. Man vergleicht ihn mit Otto Bauer, dem Führer der zerschlagenen österreichischen Partei. Hier und dort ist es ein Jude, der Unglück gebracht hat. Auch Professor Alexander Bäsch, der Vorsitzende der „Liga für Menschenrechte", wird jetzt allzu häufig genannt. Die „Liga" wird — auch nicht mit Unrecht — als eine Deckfirma für linksradikale und kommunistische Bestrebungen angesehen. Man mißt dem „Juden" Bäsch die Schuld bei, obzwar anzunehmen ist, daß der alte Herr schwerlich das treibende Element gebildet hat. Aber die Rechten halten sich an den Augenschein. Doch auch bei den Linken hat er kein Glück. Vor kurzem wurde Minister H e r r i o t aus der Liga ausgeschlossen, weil er nicht gegen die Ausweisung Trotzkis protestiert hatte. Als Bäsch erschrocken gegen dieses offene Bekenntnis semer „Liga" zu Trotzki Stellung zu nehmen wagte, wurde er auch dieser Seite verhaßt. Jetzt ist noch ein dritter, ähnlich klingender Nameaufgetaucht. Gegen Blum und Bäsch Ist Herr Bloch aufgestanden, der Präsident des Pariser „Bundes der Frontkämpfe r". Er hat jetzt mit einigen Freunden die ,,Union jüdischer Patrioten" (Union Nationale des Israe'lites patriotes) gegründet. Im Aufruf dle^r patriotischen Israeliten wird unverhohlen erklärt, daß die Gründung in erster Linie gegen die zersetzende Tätigkeit der Juden Blum und Bäsch gerichtet ist. Die Gründung soll beweisen, daß nicht alle französischen Juden links stehen. In überpatriotischen Worten wird der Unterschied zu Blum und Bäsch hervorgehoben. Auch von den deutschjüdischen Flüchtlingen wird in wenig nobler Art abgerückt. Es ist hervorzuheben, daß es sich bei der „Union" um Leute handelt, welche bisnun nie ihr Judentum deklariert hatten. Jetzt glauben sie sich dazu gezwungen. . Daß die „Union" von den Linken nicht gerade freudig begrüßt wird, ist begreiflich. Aber auch die Rechten sind von ihr nicht sehr entzückt. So kommt es, daß der Dreiklang Blum-Basch-Bloch" auf keiner Seite angenehme Gefühle auslöst. Brief aus Italien Von unserem römischen Mitarbeiter Rom, 4. Juni Die durch die Aufdeckung und Verhaftung der antifaschistischen jüdischen Gruppe entstandene' Affäre, hat eine Entwicklung genommen, die geeignet ist, dem Z i o n i.s m u s in Italien auf Jahre hinaus den schwersten Schaden zuzufügen. Wohl hat die faschistische Regierung jetzt an die Tageszeitungen die Weisung hinausgegeben, über diese Angelegenheit nichts mehr zu veröffentlichen und nach außen hin herrscht nach heftigen Angriffen Stillschweigen. Aber um so eifriger sind im italienischen Juden tu m selbst Kräfte am Werke, dem jüdisch-nationalen Gedanken ein für allemal den Garaus zu machen. Die durch das siegreiche Vordringen der. zionistischen Idee in den letzten Jahren mundtot gemachten Assimilanten wagen sich wieder vor. Sie malen der nach der Verschwörungsgeschichte von panischer Angst ■ erfaßten_ italienischen Judenheit Schreckensbilder an die Wand. Sie gehen zur Generalattacke gegen den Zionismus über. Seit einem Monat erscheint eine anti zionistische jüdische Wochenschrift in Turin „La nostra bandicra" (Unsere Fahne), die in gehässiger V/eise den Zionismus und den jüdischen Nationalsozialismus als eine Idee darstellt, die sich mit den staatsbürgerlichen Pflichten des jüdischen Menschen durchaus nicht verträgt. Ja selbst dem Hitler haben, so wird in einem Artikel dieses Blattes behauptet, die Zionisten die Waffen gegen die Juden in die Hand gedrückt. Das Blatt schreibt, daß es aus weiten Kreisen des italienischen Judentums zustimmende Erklärungen erhält. Ueberhaupt wird jetzt der Versuch gemacht, das jüdische Leben auf einen Ultrapatriotismus um-, zustellen. Am 17. Juni d. J. sollen die Wahlen in die Turiner jüdische Gemeinde stattfinden. Während früher die Zionisten führten, gilt jetzt als aussichtsreichste die Liste der ehemaligen Kriegsteilnehmer. Als Präsident ist ein ehemaliger G enera 1 und Korpskommandant in Aussicht genommen. Aus allen Umständen geht mit Klarheit hervor, daß die so viel gelobte Freiheit der italienischen Juden jetzt CAFE VICTORIA AM SCHOTTENTOR WIEN I. SCHOTTINTOR sehr gefährdet ist. Mit Zittern und Zagen glaubt die ganze italienische Judenheit sich verantworten zu müssen, weil eine Gruppe jüdischer Jugendlicher eine antifaschistische Handlung beging. Diese ganze Affäre wird aber hoffentlich allen denen eine Warnung sein, welche die jüdische Jugend der Agitation volksfremder Ideen bisher überlassen haben. Der italienische Zionismus, der Gruppe der allgemeinen Zionisten A (Weizmann- Ziortisten) angehörend, leistete stets und willig der sozialdemokratischen „Histadrut" treue Gefolgschaft und stellte die jüdische Jugend, in ihre Dienste. Leider wirkt sich die ganze Sache auch sehr ungünstig auf die nationalen Fonds aus, die in ihrer Tätigkeit durch Mißtrauen und Verdächtigung behindert werden. Die Delegierte des Keren Kayemeth, Frl. Fanny Weill, hat das Land bereits verlassen. Die Arbeiterschaft Eni billiger Rat Vor kurzem fiel sogar schon dem Landespräsidenten von Karpathorußland (Ostprovinz der Tschechoslowakei) auf, daß in seinem Verwaltungsgebiet der Antisemitismus sich immer mehr ausbreitete. Die3e Erscheinung ist zum Teil darauf zurückzuführen, daß die nationale Trennung in Kärpothorußland — es leben hier Tschechen, Slowaken, Russen, Ruthenen, Magyaren, Juden und Deutsche — nicht streng durchgeführt ist und bei Wahlen die Juden in die verschiedenen Lager gedrängt werden. Auch ist die Not bekanntlich eine billige Gelegenheit zu antisemitischer Hetze. Dieser Landespräsident nun berief die Vertreter der größten jüdischen Kultusgemeinde Uzhorod zu sich, erklärte ihnen, daß er die Verantwortung „für diescEntwicklun g" nicht mehr tragen könne und empfahl den jüdischen Gemeinden, Ausschüsse zur Bekämpfung des Antisemitismus ins Leben zu rufen. Die Juden wußten im ersten Moment nichts Besseres, als solche Ausschüsse zu bilden. Der Herr Landespräsident hat sich seine Sache sehr leicht gemacht. Statt von Amts wegen etwa3 zu tun oder wenigstens den Versuch einer Abhilfe zu unternehmen, gibt er den Juden einen Ratschlag, dazu noch einen solchen, der sich seit Jahr und Tag als untauglich erwiesen hat. Im Lande Masaryks, in <}er tschechoslowakischen demokratischen Republik wird man diesen Vorfall als Groteske empfinden ... II nur: Tür die Leser der „Heuen Welt DI« SQten billigen Neudegger Fahrschulen Wien, VHI. Neudeggergasse 18., u. Inxersdorf (Nied.-OesO. <T*t. B-48-5-72) Elektr. Lchrchmalsl der Judenstaatspartei Aus T e 1 - A w i w wird uns berichtet: Am 26. Mai fand hier die erste Delegiertenkonferenz der Arbeiterschaft der Juden- Staatspartei statt. Siebzig Vertreter aus verschiedenen Teilen des Landes waren erschienen, ebenso Vertreter der Weltexekutive und des palästinensischen Zentralkomitees. Schneidermann eröffnete die Konferenz als erste Tagung der Arbeiter der Judenstaatspartei, des Barak und des Judenstaats-Chaluz. Zu Vorsitzenden wurden Schneidermann, Daromi, Markowsky, zum Schriftführer Rud gßählt. In seinem Referat schilderte Herr Schneidermann zuerst den moralischen Niedergang der Arbeiterbewegung in Palästina, ihre Zerklüftung und den mörderischen Kampf zwischen Arbeiter und Arbeiter. Um diesen Zuständen ein Ende zu bereiten, ist es unbedingt notwendig, eine Vereinigung aller jener Arbeiterorganisationen zu schaffen, welche den Klassenkampf ablehnen und den Primat der nationalen Idee anerkennen. Ohne nationale Konzentration wird es keinen Frieden" in der jüdischen Arbeiterschaft und im Jischuw geben. An der Debatte Uber das Referat beteiligten sich: Großmann, Rossow, Weinstein, Dr. Donner, Daromi, Fein, Biermann, Bornstein, Markowsky u. a. S.chneidermann hielt das Schlußwort. Nach Annahme verschiedener Resolutionen wurde die Konferenz mit der „Hatikwah" ge« schlössen. Die angenommenen Resolutionen lauten: 1. Die Arbeiterschaft der Judenstaatspartei lehnt die Klassenkampfidee ab und steht auf dem Standpunkt des nationalen Primats. Sie fordert die Einrichtung nationaler Arbeitsschiedsgerichte und neutraler Arbeitsvermittlungstellen. 2. Bis zur Schaffung einer Gewerkschaft, welcne alle nationalen Arbeiter Palästinas vereinigt, organisiert sich die Arbeiterschaft der Judenstaatspartei, des Barak und Judenstaats-Chaluz als „Arbeiterorganisation der Judenstaatspartei" zum Zwecke der Vertretung gewerkschaftlicher Interessen und der Arbeit für die Gesundung der Arbeiterbewegung in Palästina. 3. Die Konferenz unterstellt sich der Weltexekutive und dem palästinensischen Z. K. der Judenstaatspartei. 4. Die Organisation steht auf dem Grundsatze jüdischer Arbeit in der jüdischen Wirt* schaft. 5. Bis zur Schaffung einer neutralen Arbeitsvermittlung wird ein eigenes Büro für Vermittlung von Arbeit an Arbeiter der Judenstaätspartei eingerichtet. 6. Die Arbeiterorganisation ist ein integrierender Bestandteil der Juden staatspart ei und unterwirft sich allen ihren Beschlüssen. Es wird die Einrichtung eines Landesbüros iri Tel-Awiw und von Lokalbüros an den wichtigsten Plätzen beschlossen. In die Leitung ' der Arbeiterorganisation wurden gewählt: Schneidermann, Libin, Daromi, Markowsky, Biermann, ferner je ein Vertreter der Ortsgruppen Haifa und Jerusalem. Das Ehrenwort des Ministers Abschluß der Palästina-Debatte im Unterhaus Aus London: Das Ermächtigungsgesetz für die 2 y3 -Millionen-Pfund- Anleihe für Palästina wurde am 1. Juni vom Unterhaus in dritter Lesung unverändert angenommen. Der Annahme ging eine Debatte voraus. Abgeordneter Rhys-Davies wies auf den dem Völkerbund von der Jewish Agency unterbreiteten Bericht für 1933 hin, aus dem hervorgehe, daß im abgelaufenen Jahre in Palästina auf allen Gebieten wesentliche Fortschritte erzielt wurden. Der Abgeordnete erklärte weiter, der Lebensstandard der Araber in Palästina habe sich um 200 Prozent, derjenige der aus Europa stammenden Juden um 25 Prozent gehoben. Er sprach den Wunsch aus, daß die Regierung auf eine Beseitigung der noch bestehenden Differenz zwischen dem Lohn- Niveau der jüdischen und dem der arabischen Arbeiter hinwirken möge. Auf eine Frage, betreffend die Verteilung der A r b e i t bei den Arbeiten der Regierung zwischen Juden und Arabern, erklärte der Kolonienminister, die Regierung beabsichtige, eine angemessene Verteilung in der Weise vorzunehmen, daß den Juden etwa 30 Prozent, den Arabern etwa 70 Prozent der Arbeit zugeteilt werden. Diese Erklärung erläuterte der Minister auf eine Frage Colone 1 Wedgwoods dahin, daß sich diese perzentuelle Verteilung auf die Lohnsuramen bezieht. Nachdem Colonel Wedgwood noch auf den Lohndruck durch eingewanderte arabische Arbeiter hingewiesen hatte, kam er auf die W i e d e r a n- Kennen Sie schon die grandiose Wirkung des FRANZBRANNTWEIN Jeder Gesunde und Jeder Kranke wird es Ihnen bestätigen, daß die denkbar beste Wirkung durch DIANA-Franzbranntwein mit Monihol erzielt wird UBERALL ERHÄLTLICH! Siedlung von Arabern zu sprechen und beantragte, daß der hierfür vorgesehene Betrag von 250.000 Pfund auf 50.000 Pfund reduziert werde. Infolge des starken industriellen Aufschwungs in Palästina hätten wohl die meisten der insgesamt 800 dislozierten Araber Arbeit gefunden. Der Jüdische Nationalfönds habe seinen Boden nicht nur zu sehr hohen Preisen gekäuft, sondern gleichzeitig auch den Nomaden, die früher auf diesem Boden lebten, Entschädigung gewährt und ihnen die Mittel, gegeben, sich anderswo eine Existenz zu schaffen. All dies sei vergessen worden, als man die Legende von den Arabern, die Grund zu Beschwerden gegen die Juden hätten, schuf. Der Minister Cun1iffe- Lister erwiderte, die Regierung würde sich eines Wortbruchs schuldig machen, wenn sie diesem Amendement Colonel Wedgwoods zustimmte. Die Arbeiterregierung habe sich verpflichtet, sich mit den Fällen der von ihrem Boden e n t« f e rnten Araber zu befassen. Auf Grund der durchgeführten Untersuchungen sei die Zahl der Bewerber um; Wiederansiedlung auf .899 reduziert worden. Sodann wurde das Gesetz in dritter Lesung angenommen. * Der Herr englische Minister nimmt es mit seinem Ehrenworte, das er — wie man jetzt erfährt — den Arabern gegeben hat, sehr genau. Aber um das Ehrenwort, welches das ganze englische Volk und alle seine Regierungen dem jüdischen Volke gegeben haben, kümmert er sich nicht. Er läßt es zu, daß die ihm unterstehende Palästina-Regierung die jüdische Kolonisation stört, statt sie zu fördern, wie es feierlich im Mandat beschworen wurde. Das den Juden gegebene Wort der großen britischen Nation gilt nichts. Aber ein unter Bruch dieses Wortes den Arabern gegebenes Versprechen des Ministers ist heilig! Merkwürdig ist auch die neue Auslegung wegen der Arbeitsverteilung an Araber und Juden. Es hieß 70 zu 30, also 70 Prozent arabische und 30 Prozent jüdische Arbeiter. Jetzt heißt es aber: nach der Lohnsumme. Da nun die Araber Schundlöhne nehmen, dürften auf 100 Araber kaum 15 Juden entfallen. Dabei werden die. Juden gut 60 Prozent der Anleihe bezahlen müssen. Der Herr Minister hält Wort, aber nur, wie und wann es ihm paßt! Wissen Sie, wio fein . . , saftiges, frisches Fleisch. — am Rost gebraten — schmeckt? Versuchen Sie diese Delikatesse einmal im beliebten Restaurant Spritzer (ehemals Zollner), jetzt nur II., Hammer-Purgstall-Gasae T (1 Minute vom Dianabad). Auch feinste Wiener KücbJ^ Dalmatiner Weine — bürgerliche Preise, 9 ,