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Die neue Welt · 1934-06-08 · Heft 371 (8.6.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 371 (8.6.1934)
Date
1934-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freftag/ den 8* Juni 1934 186 Nr. 371 Zeitung vom Verleger versendet Tnnmai expe'die' par l'€ditenf% Ti«. Universitätsbibliothek Wien, REVUE jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion U.Verwaltung,IX,Universüätsstr.8, Tel. A-20-2-78 — ErscheintDienstag und Freitag Beachten Sie Preisangaben Seite 6 Emir Abdalla von Transjordanien Seit längerer Zeit geht durch die Weltpreise die Nachricht, daß Abdalla, der Emlr von Transjordanien« sich nach London begeben werde, um mit der britischen Regierung wichtige politische Verhandlungen zu pflegen. Bei dieser Gelegenheit soll auch das Problem einer jüdischen. Kolonisation in Transjordanien berührt werden. Die ägyptischen Zeitungen wollen wissen, daß Emir Abdalla auf eine Wiedervereinigung Transjordaniens mit Palästina EU einem Köngreich aspiriert. Tatsache ist, daß die Reise Abdallas nach London außerordentlichem Interesse in den verschiedenen politischen Kanzleien begegnet. Wie die J. T, A. meldet, haben der italienische und der amerikanische Konsul in Jerusalem sich nach Abdallas Hauptstadt Aman begeben, um nähere Informationen über die Absichten Abdallas in England einzuholen. Seitens der zionistischen Exekutive steht man wohl auf dem Standpunkt, daß für die, Juden wichtige Entscheidungen zwischen Abdalla und der britischen Regierung vorläufig nicht getroffen werden, da der kompetente Faktor, der palästinensische Oberkommissär Sir Arthur Wauchope, bei den Londoner Verhandlungen nicht anwesend sein wird. Man wird bald erfahren, wie weit diese Ansicht gerechtfertigt ist. Aus Jerusalem: Die arabische Exekutive Palästinas veröffentlicht im Zusammenhang mit dem Besuch des» Emirs in London eine Erklärung, in der zum 'Ausdruck gebracht wird, daß die palästinensischen Araber ein unabhängiges Palästina als Teil eines arabischen Staatenbundes und eine auf ein Parlament sich stützende Regierung fordern und die Ziele des Zionismus zurückweisen. — Wie die J. T. A. erfährt, gedenkt der Emir Abdullah in London über eine 'Abänderung des bestehenden Abkommens zwischen ihm und der englischen Regierung, ferner über die Auflegung einer Anleihe zum Zwecke der Entwicklung der natürlichen Wirtschaftsquellen Transjordaniens, schließlich Über die Abschaffung der Zollgrenzen zwischen Transjordanien, Palästina und dem Irak und Schaffung eines diese Länder einschließenden Zollvereins zu verhandeln. Judensfaafepartei Oesterreichs (Gruppe der westliohen Bezirke Wiens) Mittwoch, den 13. Juni 198 4, um H9 Uhr abends, im Cafe Patria, VI., Mariahilferstraße 127 (Klubsaal), Vortrag Rabbiners Dr. Israel Zwi Kanner, Thema: Zionismus und Jugend. Gäste willkommen! * Treffpunkt der Mitglieder der Gruppe der westlichen Bezirke Cafe Fatri&t VI., Mariajbllferst£a£e 137, Eine Folge des Klassenkampfes in Palästina Die englische Palästina-Regierung führt jetzt den schwersten Schlag gegen das zionistische Aufbauwerk in Palästina. Sie arbeitet systematisch und mit Anwendung aller ihr zu Gebote stehenden Machtmittel daran, die jüdischen Arbeiter durch Araber zu ersetzen. Sie hat die Einwanderung jüdischer Arbeiter trotz des herrschenden Mangels an Arbeitshänden auf ein Minimum eingeschränkt, auf ein V i e r t e 1 des nachgewiesenen Bedarfes. Gleichzeitig läßt sie arbeitslose Araber aus den Nachbarländern ohne Formalitäten und unbegrenzt nach Palästina. Dann hat sie scharfe Verordnungen erlassen, welche jeden Versuch, gegen die Einstellung arabischer Arbeiter in jüdische Unternehmungen zu agitieren, unter schwere Strafen stellen. In den letzten Wochen wurden auch Juden, welche gegen die Verdrängung der jüdischen Arbeiter demonstrierten, mit Kerkerstrafe belegt. In dieser Sache berichtet .die J, T.. A.. aus Jerusalem: „Aus gutinformierter Quelle erfährt die J." T. A., daß die Palästina-Regierung unbeschadet aller jüdischen Proteste entschlossen sei, das neue Gesetz, welches Aktionen gegen jüdische Unternehmer, die arabische Arbeiter beschäftigen, verbietet, mit aller Strenge durchzuführen. Die Regierung findet hierin ein moralische Stütze bei Jüdischen Plantagenbesitzern und Bauherren, die darauf hinweisen, daß der jüdische Plantagen- oder Bauarbeiter einen weit über dem Durchschnitt stehenden Lohn verlangt. Jüdische Arbeitgeber rechnen aus, daß der Bauarbeiter in der Stadt einen Lohn erhält, der das Dreifache des Durchschnittslohnes eines Arbeiters in der Landwirtschaft oder am Toten Meer ausmacht. Der Verband jüdischer Landwirte erklärte, auch er sei für erhöhte jüdische Einwanderung, doch solange alle jüdischen Arbeiter beschäftigt sind, dürfe man jüdischen Unternehmern nicht verbieten, Araber zu beschäftigen. In verantwortlichen jüdischen Kreisen wird mit Bedauern festgestellt, daß das Gesetz gegen das Postenstehen den Kampf zwischen jüdischem Unternehmertum und jüdischer Arbeiterschaft verschärft hat. Die jüdischen Unternehmer, die sich unter dem Schutz der Regierung geborgen fühlen, Der jüdische Arbeiter wird verdrängt sie hat sie nicht geschaffen)! Die Hauptschuld tragen jene, welche die Klassenkampf-Idee naefi Palästina getragen und durch sie den Oedanken der nationalen Solidarität so schwer erschüttert haben. Die Partei der. Klassenkämpf er im Zionismus hat das jüdische Gewissen erstickt und deft Klassenegoismus geheiligt Sie hat den' jüdischen Patriotismus verhöhnt und „natürliche" Feindschaft zwischen Jud und Jud ge* predigt... „Jüdische Arbeiter und jüdische Unternehmer müssen einander bekämpfen". „. „Der arabische Arbeiter, der Klassengenosse, ist der Bruder — der jüdische Unternehmer, der Klassenfremde, ist der. Feind" * * s „ Arabische und jüdische Arbeiter, vereinigt euch gegen arabische und jüdische Kapitalisten!"..* In den Werkstätten und in den Schulen hat sie der Arbeiterschaft und der Jugend diese von fremden Ideologie erborgten Sätze eingehämmert. So hat sie: den heiligen Gedanken Theodor Herzls: „Wir Juden sind ein Volk" geschändet, und an die Stelle natio« naler Bruderschaft den Haß zwischen Brüdern und Schicksalsgenossen gesetzt. Die Partei der Klassenkämpfer hat das jüdische Volk Palästinas in feindliche Lager geschieden und hat es der antizionistischen Palästina-Regierung leicht gemacht, jüdische Helfer in ihrem Kampfe gegen jüdische Arbeit zu finden. Ebenso schwere, vielleicht schwererer-Verantwortung tragen jene Zionisten, die der Klassenkampfpartei nicht angehören, die sich „allgemein" oder sonstwie nennen, aber dem Klassenkampf im .Zionismus Handlangerdienste leisten. Jene, die sich bei den Auseinandersetzungen zwischen Klassenkämpfern und Vertretern des reinen Nationalismus immer auf die Seite des Klassenkampfes schlagen und ihre Jugend in dessen Geist erziehen lassen. Sie haben aus sträflicher Lässigkeit und snobistischer Koketterie mit „revolutionären" Ideen mitgeholfen, jenen Zustand in Palästina zu schaffen, der jetzt alle mit schwerster Sorge um das jüdische Aufbauwerk erfüllt.- Bleib treu dem guten BERNA Käse glauben, den Kampf der jüdischen Körperschaften für jüdische Arbeit in jüdischen Unternehmungen ignorieren zu können." „Richter Bodilly, der die ersten scharfen Urteile gegen die jüdischen Postensteher gefällt hat, führte in einer Urteilsbegründung aus, jeder Mensch habe ein Recht, zu beschäftigen, wen er will. Falls aber die Arbeiter die Streitaxt nicht begraben, werde die Regierung.sich bemüßigt sehen, die jüdische Einwanderung nach Palästina weiter zu beschränken." * Die Lage wird dadurch katastrophal, daß die Regierung bei ihrem Vorstoß gegen die jüdische Arbeit nicht auf eine einheitlich jüdische Front trifft, sondern auf eine gespaltene. Sie findet im jüdischen Lager Helfer im Kampfe gegen die jüdische Arbeit. Es hat in Palästina immer jüdische Unternehmer gegeben, welche aus Mangel an jüdischem Patriotismus und aus Profitgier den billigeren und fügsameren arabischen Arbeiter dem jüdischen vorzogen. Aber ihre Zahl war klein, die Verachtung der jüdischen Oeffentlichkeit lastete auf ihnen und sie waren gesellschaftlich isoliert. Jetzt ist ihre Zahl groß geworden und sie haben jede Scheu abgestreift, sie bekennen sich offen zur arabischen Arbeit und weichen dem Kampf um sie nicht aus. Wer trägt die Hauptschuld daran, daß jetzt im entscheidenden Augenblick, im Zeitpunkt höchster zionistischer Not, der jüdische Patriotismus und das Gefühl nationaler Brüderschaft so arg versagen? Nicht die antizionistische englische Regierungs- Bürokratie: Sie nützt nur die jüdische Spaltung aus, Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt- 'lichen Motiaen eiad durch sin beigefügtes B bezeichnet! Blum/ Basdi und Bloch Von unserem Pariser Mitarbeiter- Paris, 4. Mal. I Man liest jetzt in den Pariser Zeitungen sehr häufig diese drei deutsch-jüdischen Namen. Zu oft, denn sie werden in Verbindung mit nicht gerade behaglichen Betrachtungen gebracht. Leon Blum, der Führer der französischen Sozialdemokratie, bildet den Gegenstand der erbittertsten Angriffe von rechts und links. Die Rechten bezeichnen ihn als .Volksverführer und Landesverräter. Seine Angriffe gegen die jetzige Regierung der. nationalen Verteidigung.versetzen seine Gegner, in weißglühende Wut. Blum als Helfer Hitlers gegen Frankreich! Selten wird daran vergessen, diese Nebeneinanderstellung mit einem Hinweis auf die deutschisraelitische Herkunft Blums zu schmücken. Aber nicht weniger heftig sind die Angriffe, welche von links gegen ihn gerichtet werden. Von dieser Seite wird er wieder als Zertrümmerer der französischen Sozialdemokratie hingestellt. Das allerdings nicht ohne "Berechtigung. Blum, bis vor kurzem allmächtiger Beherrscher seiner großen Partei, hat durch seine zwischen Radikalismus und Opportunismus schwankende Politik "tatsächlich die vor Monaten noch allmächtigste Partei zer- Balkan*Spei§en am Rost und feinste Wiener Küche im Spritzer? Restaurant BMBMHi (ehemals ftz; II, Hammer l palmatiner Weins (1 Minute Zollner) äM6 7 v. Dianabad) Bürgerliche Preise ü! SL .IJWJ1..1

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