Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 370 (5.6.1934)
- Date
- 1934-06-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 370 ^1M1111 f f f 111111111111111 f 111111 f 1111111111 f I f 111111111111 (l | M111111111111 f 111 (11111 (1111 l(l | (l | (11,, Mittwoch, am 27. Juni, veranstaltet die Judenstaatspartei anläßlich des30.ten Todestages im Saale des Hotel Continental eine große___________ ^fiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiifiiiiiiiiiififiiiiiiiiiniiiiiiiif 111111111111111111' iffiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiititiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiitiiiiitiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiii^ Voranzeige Herzl-Feier jüdische Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung fand. Und für die teure, die Juden belastende und von niemandem gewünschte Anleihe konnte er nur sagen, daß sie im Interesse der englischen Maschinenindustrie erfolgt. Hat der Völkerbund das Mandat geschaffen, um jüdische Menschen nach Palästina zu bringen oder englische Maschinen? Eiise iifig>o$anfe Kundgebung Am 30. Mai tagte im überfüllten großen Herzl- Saale die von der Judenstaatspartei Oesterreichs einberufene Protestversammlung gegen die Drosselung der jüdischen Einwanderung in Palästina. Nach Eröffnung durch Vizeobmann L. Sitzmann sprach namens der Judenstaats-Jugend und des Chaluz haleumi Theodor G r u b n e r, welcher der Empörung der in ihrer Zukunft bedrohten zionistischen Jugend wirkungsvollen Ausdruck zu geben wußte. Das Hauptreferat erstattete Oberbaurat Robert Stricker, welcher die Entwicklung der englischen Politik von ihrem zionistischen Ausgangspunkte bis zum heutigen Stande darlegte. Er schilderte das systematische Vorgehen der antizionistischen englischen Politiker, und wie es kam, daß sie gegenüber den Pro-Zionisten Vorteil auf Vorteil erlangten. Er besprach die verhängnisvolle Rolle der zionistischen Führer, welche durch' Preisgabe der Judenstaatsidee und bedingungslose Fügsamkeit gegenüber der Palästina-Regierung den Mut der Zionisten brachen und den Uebermut der feindlichen Kolonialbürokratie förderten. Durch Hineintragen des Klassenkampfes nach Palästina haben sie noch ein Uebriges getan, die jüdische Einheit zerstört und den Antizionisten den billigen Vorwand geliefert, den Orient vor dem zionistischem Bolschewismus schützen zu müssen. Nach stürmischer Zustimmung der Versammelten verlas und begründete Vizeobmann Fritz Richter die einhellig angenommene Resolution, in der es u. a. heißt: „In treuer nationaler Pflichterfüllung macht die Judenstaatspartei auf die tiefe Verzweiflung und Empörung aufmerksam, welche große Massen des jüdischen Volkes ob dieses Rechtsbruches erfaßt haben. Die Judenstaatspartei erhebt ihre Stimme gegen diejenigen, die ungeachtet der trostlosen Lage des jüdischen Volkes dem bitteren Unrechte, das dem unglücklichen jüdischen Volk von so vielen Seiten angetan wird, ein neues, himmelschreiendes hinzufügen. Die österreichische Judenstaatspartei fordert aber auch den Rücktritt der gegenwärtigen Exekutive der Zionistischen Weltorganisation und den Ausbau der Leitung im Sinne des Zusammenschlusses aller wahrhaft nationalen Kräfte. Die einseitig gebildete Exekutive hat durch schwächliche Politik die Feinde des Zionismus ermutigt, die Zionistische Weltorganisation im entscheidenden Zeitpunkte ihrer Kraft beraubt und zum Schauplatz zerstörender Fraktionskämpfe gemacht. In schwerer Stunde gelobt die Judenetaatspartei, daß sie unbeirrt weiterarbeiten und kämpfen wird; im Sinne Theodor Herzls, für den Judenstaat zu beiden Seiten des Jordans. igungen gegen die //Union" In der letzten Nummer des Organs der „Allgemeinen Zionisten" Oesterreichs „Die Stimme" werden im Leitartikel gegen die „Union österreichischer Juden" schwere Beschuldigungen erhoben. Die Leitung der „Union" wird bezichtigt, den Juden des In- und Auslandes unter falschen Angaben große Geldbeträge entzogen zu haben. Nach den Angaben der „Stimme" hat der administrative Direktor der „Union", ein Herr P., im Auftrage der Leitung und mit ihren Informationen versehen, jüdische geldkräftige Persönlichkeiten in Oesterreich, der Schweiz, Frankreich und England besucht und um Geldspenden für die „Union" angesprochen. Er habe angegeben, daß die „Union" dieses Geld für humanitäre und wichtige politische Zwecke . benötige, wie Unterstützung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland, politische Abwehrmaßnahmen, finanzielle Förderung der von der christlichen Frau Harand eingeleiteten Bewegung gegen den Antisemitismus usw. Unter diesen Angaben sei es Herrn P. gelungen, große Beträge hereinzubringen, welche aber, wie die „Stimme" behauptet, teils dem Herrn P. al3 Provision zufielen, teils für Auffüllung der Vereinkasse. Bezahlung von Sekretären und Miete kostspieliger Vereinslokale verwendet wurden. Nun sei die Sache ruchbar geworden, die getäuschten Geldgeber, insbesondere die englischen, fordern von der „Union" Rechenschaft über die Verwendung ihrer Gelder. Nachdem auch ein Konflikt zwischen Herrn P. und der Leitung der „Union" ausgebrochen sei, drohe ein öffentlicher jüdischer Skandal. Es ist abzuwarten, was die „Union österreichischer Juden" auf diese Behauptungen der „Stimme" erwidern wird. Das ist wichtig, denn die antizionistische Oeffentlichkeit wird nicht verfehlen, diese Auseinandersetzungen in ihrem Sinne auszubeuten. Wie wir erfahren, gründet sich die Anklage der „Stimme" auf Mitteilungen und Anfragen aus dem Auslande, welche an den Kultuspräsidenten Dr. D. Friedmann ergangen sind. Warten Sie auf das neue, praktische Lehrbuch »LERNE HEBRÄISCH« von Ben-Chaviv England hat den Judenstaal gewollt! Und versprochen t Nicht nur die Antizlonlaten aller Art haben behauptet und zu beweisen gesucht, daß bei Erlaß der Baifour-Deklaration und Schaffung des Palästina- Mandats nicht ein Judenstaat gemeint war, sondern nur eine jüdische „Siedlung" in Palästina. In verhängnisvoller Schwäche haben Führer der Zionistischen Organisation, vor allem Weizmann und seine linken und allgemein-zionistischen Anhänger, dieser antizionistischen Behauptung beigepflichtet und die Herzische Judenstaatsidee preisgegeben. Auf diese Preisgabe jüdischerseits gründen sich jetzt letzten Endes alle die Maßnahmen der englischen Palästina-Regierung, welche dahin gerichtet sind, den Juden in Palästina die Rolle von geduldeten Siedlern und nicht von Trägern des Rechtes auf den Judenstaat zuzuweisen. Der Kampf gegen die unheilvolle Politik des zionistischen Verzichtes hat zuletzt seinen Ausdruck in der Gründung der Judenstaatspartei gefunden, welche jene Zionisten umfaßt, welche trotz heftiger Anfeindung und Hohn und Spott den Standpunkt vertraten, daß dem jüdischen Volke der Judenstaat feierlich versprochen wurde und daß nur auf dieser Grundlage fruchtbare und gesicherte zionistische Arbeit geleistet werden kann. Jetzt ist neuerlich ein berufener Zeuge für die Richtigkeit der Auffassung der Judenstaatspartei hervorgetreten. Aus London wird berichtet: Auf einem im Woburn House abgehaltenen Vortragsabend sprach der hervorragende Journalist Hei'bert Sidebotham, der in der Bewegung zur Gewinnung Englands für die Politik des Jüdischen Nationalheims eine bedeutende Rolle gespielt hat, über das Thema „England und die Krise der Judenheit". England, so führte der Redner aus, habe ein Privileg und eine Pflicht, dem jüdischen Volk bei der Ueberwindung der von ihm jetzt durchlebten kritischen Periode beizustehen. Während des Krieges, sagte Herbert Sidebotham, habe er die Notwendigkeit erkannt, daß England ein Territorium zur Sicherung eines so wichtigen Verbindungsweges, wie es der S u e z k a n a 1 ist, besitze. Er habe gewußt, daß die palästinensischen Araber nicht das richtige Material für einen solchen Zweck seien; und im Jahre 1915 habe er als der erste Engländer in der Geschichte die Forderung aufgestellt, daß Eng» land die Juden nach Palästina zurückführe und dieses zu einem selbständigen Land unter britischer Oberhoheit mache. Bald darauf sei er von den Zionisten Dr. Weizmann, Harry Sacher, Simon Marks und Israel Sieff beauftragt worden, ein Memorandum über dieaa Frage zwecks Vorlage an das Foreign Office auszuarbeiten. Es könne nicht daran gezweifelt werden, daß die englische Regierung bei Erlaß der Balfour-Deklaration einen Juden Staat unter englischer Garantie unter Sicherungen für die bereits im Lande befindliche Bevölkerung beabsichtigt hatte; daß sie der Auffassung war, Palästina solle ebenso jüdisch werden, wie England englisch ist. Zweifellos wäre die Regelung auch in der Form nach diesen Grundsätzen erfolgt, wenn das Mandat 1918 oder 1919 erteilt worden wäre. Dies sei jedoch erst 1922 geschehen. Damals hatte sich bereits die Lage und die Stimmung der Beteiligten geändert. In England habe eine starke Abneigung gegen alle Verwicklungen geherrscht, und die Araber, die anfänglich den Zionismus begrüßt hatten, begannen mit ihren Intrigen. Der politische Aspekt der Frage wurde nicht länger betont, Palästina war zu einer Heimstätte bloß in kulturellem Sinne geworden; dies bildete den Kernpunkt des Weißbuches vom Jahre 1922. Die Krise der deutschen Juden, schloß Sidebotham, schafft eine neue Position. Es scheint, als ob eine von Gott geschaffene Gelegenheit zur Befestigung der Allianz zwischen den Juden und Großbritannien eingetreten sei, die gleichzeitig den britischen Interessen dient. Aber die englische Administration Palästinas hat unter Hinweis auf die wirtschaftliche Absorptionsfähigkeit des Landes die jüdische Einwanderung scharf reduziert. Es gibt aber eine größere Gefahr als allzu freie Einwanderung, nämlich die, ein aufstrebendes Land in seiner Entwicklung zu hemmen. Die Vorsehung hat England die Möglichkeit in die Hand gegeben, das älteste Unrecht in der Welt wieder gutzumachen. Dieser Aufgabe sollte sich England gewachsen zeigen. Nazi-He^fe überall In Palästina Aus Jerusalem : Die Zeitungen „Haare z" und „I t o n Mejuchod" bringen Mitteilungen über Umtriebe der in Palästina gebildeten nationalsozialistischen Organisation unter Arabern und fordern die Regierung auf, zu untersuchen, wie weit dieae Bewegung mit deutschem Oelde gespeist wird und ob nicht auch einige diese Bewegung unterstützende arabische Zeitungen Geld aus Deutschland erhalten.' Großes Aufsehen erregte es, als eine Gruppe englischer Polizisten auf der Levante-Messe in Uniformen eintrafen, die mit Hakenkreuzen versehen waren. Die hebräische Presse fordert eine strenge Untersuchung. In der Türkei Aus Konstantinopel: Die antisemitische Hetze des mit deutschem Gelde herausgegebenen türkischnationalsozialistischen Grgans „M i 11 i I n k i 1 a p" hat unter der jüdischen Bevölkerung starke Beunruhigung hervorgerufen. Die jüdische Gemeinde sandt «Ine Abordnung zur Regierung nach A n k a r o, um gegen die von der genannten Zeitung verbreiteten blutrünstigen antijüdischen Legenden zu protestieren. Die türkischen Behörden haben die Redakteure des „Milli Inkilap" wegen Verleumdung des Judentums zur Verantwortung gezogen. In Brasilien Aus Rio de Janeiro: Mehr als 3000 „Grünh e m d e n" hielten am 27. Mai in Rio de Janeiro eine Konferenz ab, in der das Programm Hitlers, das antijüdische inbegriffen, voll angenommen wurde. Die Redner ließen keine Zweifel darüber, daß sie nicht nur ideell vom deutschen Nationalsozialismus gestützt werden. Die brasilianische Presse warnt die Nazi- Deutschen in Brasilien, die Ordnung im Lande zu stören. Die liberale Zeitung „Avanguarda" enthüllt, daß die antisemitische Introgalist-Partei eine Million Goldmark von deutschen Nazi erhalten hat. In Holland Aus Amsterdam : Soeben erschien In einem miserablen Holländisch eine Ausgabe von Streichers „Der Stürme r", die neben dem allgemeinen antisemitischen Material auch scharfe Angriffe auf prominente holländische Juden enthält. Man glaubt allgemein, daß es sich hier um ein Werk der deutschen Propaganda handelt. Vorläufig fehlt noch die Handhabe, gegen die antisemitische Hetzpropaganda In Holland einzuschreiten, da das von Minister van S c h a i k eingebrachte Gesetz gegen Aufreizung zu Klassenhaß, das von der zweiten Kammer bereits verabschiedet ist, noch der Erledigung durch die erste Kammer und der Sanktion durch die Königin bedarf. In Peru und Chile Aus Lima: Unter dem Einfluß deutscher Nationalsozialisten betreibt ein Teil der spanischen Presse in Peru eine scharfe antijüdische Hetze. Die jüdische Gemeinde in Lima ernannte eine Kommission zur Bekämpfung des aus Deutschland importierten Antisemitismus und erhob auch schon bei der Regierung Vorstellungen gegen die Verbreitung antijüdischer Legenden. In Santiago de Chile ist eine vom Berliner Reichspropagandaministerium ausgerüstete Theatertruppe eingetroffen, die auch in Argentinien, Uruguay und Brasilien Vorstellungen geben wird, Wieder ein Badeverbot Aus Berlin: Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, hat der Stadtrat von Bruchsal in einer seiner i letzten Sitzungen beschlossen, Nichtariern den Be- ' such des städtischen Schwimm- und Sonnenbades zu verbieten. Den Juden in Ostpreußen ist jede Sportbetätigung verboten Aus Berlin: Der Leiter der Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Königsberg hat den konfessionellen Jugendverbänden bis auf weiteres jedes geschlossene Auftreten in der Oeffentlichkeit und jede sportliche oder volkssportliche Betätigung verboten. (Bei den Olympia-Beratungen hat allerdings Deutschlands Vertreter offiziell erklärt, daß jedem Staatsbürger die freie Ausübung der Sporttätigkeit gewährleistet ist.) Die Buden in Afghanistan Aus Jerusalem: Aus Kabul trifft die Meldung ein, daß die Regierung von Afghanistan ein neues Gesetz in Geltung brachte, das die Juden aller ihrer bürgerlichen Rechte entkleidet und ihnen Sondersteuern auferlegt. Ferner darf gegen einen Juden, der das Landesgesetz auch nur im mindesten übertritt, mit Vermögenskonfiskation vorgegangen werden. Auch werden Juden nur begrenzte Wohnray o n e zugewiesen. Neuer Feldzug gegen Synagogen in Rußland Aus Moskau: In letzter Zeit hat in einer Reih© von Städten mit starker jüdischer Bevölkerung, darunter Odessa, Kiew, Baku und Njepropetrowsk, ein Feldzug gegen jüdisch-religiöse Einrichtungen eingesetzt, der zur Schließung zahlreicher Synagogen führte. Die lokalen Behörden geben keinerlei Grund für diese Maßnahme bekannt. Besonders radikal wurde die Kampagne in Njepropetrowsk durchgeführt, wo von. 45 Synagogen nur drei kleine Bethäuser an der Stadtperipherie mit einem Fassungsraum für 700 Personen ihrer ursprünglichen Bestimmung erhalten geblieben sind. Dabei beträgt die jüdische Bevölkerung 100.000 Seelen, von denen mindestens 10.000 streng religiös leben. Unter Führung der Rabbiner Lewik Schneierson und Aron Liachoff hat sich eine Abordnung aus Njepropetrowsk nach Moskau begeben, um dem Kommissär für jüdische Angelegenheiten, Smidowitsch, ein Memorandum au überreichen, A.-H.-Verbund d. akad. Verbindung ^ibanonfa' gibt geziemend Nachricht von dem am 2. Juni 1. J. erfolgten Ableben ihres 1. A. H. und Gründungsfuchsen Herrn FRITZ POLLAK Wir haben unseren unvergeßlichen C. B. am Montag, den 4. Juni, zu Grabe getragen. I. A. d. A. H. C. Hans Adler, Dr. Fritz Ticho, dzt. Schriftführer. dzt. Präse»,