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Die neue Welt · 1934-06-05 · Heft 370 (5.6.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 370 (5.6.1934)
Date
1934-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis tO Groschen Jahrgang 8 Dienstag* den 5* Juni 1934 Nr* 370 V* b* b* Zeitung vom Verleger versendfit «Journal expedie par l'editeut*< REVUE BEZUOSBEDINOUNQEN! OestefrelCh monatlich S 1.30, vierteljährig S4.—, ganzjährig;S 16.-- jPoifc... _____________,____........_____.......^______...... . 2.-, vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, viertel jäta.* 40.— Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Balgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion a. Verwaltung: IX, Universitatsstt. 8, 7 et. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag und Freitag Nächste Nummer Freitag früh Oesterreich hat keinen Bedarf ♦ ♦» Das Wiener Landesgericht hat Alfred Rosenbergs Buch „Der Mythos des 20. Jahrhunderts" wegen ^Verbrechens der Religionsstörung beschlagnahmt. Das Buch Rosenbergs, des deutschen inoffiziellen Außenministers und Ideologen des Dritten Reichs, bekämpft das Christentum als Religion der Schwäche und Askese, stellt Christus als einen mit dem heroisch-germanischen Ideal in Widerspruch stehenden vorderasiatischen Typus dar und propagiert eine neudeutsche, heidnische, heldische Religion. Solcherart bedeutet Rosenbergs „Mythos des 20. Jahrhunderts" eine Gefahr für die Grundlehren des Christentums, und es ist natürlich, daß sich Oesterreich als „christlicher Staat" gegen das Eindringen antichristlicher Thesen wehrt. Die „Reichspost", das Hauptorgan der christlich-deutschen Bevölkerung Oesterreichs, versieht die Meldung der Beschlagnahme mit dem Titel: „Kein Bedarf für importierte Religionsstörung." Solch ein Titel regt zu einer naheliegenden Betrachtung an. Seit Jahr und Tag erscheinen in Oesterreich/vornehmlich in Wien, ganz- und halbgetarnte Hakenkreuzblätter, auch noch nach Verbot der Nazipartei und ihrer Presse und sogar auch noch nach dem Einsetzen des intensiven vaterländischen Kurses, der bekanntlich ein friedliches, alle Staatsbürger in gleicher Weise schützendes Oesterreich gewährleisten sollte. Diese ganz- und halbgetarnte Antisemitenpresse kann sich in Beschimpfungen der jüdischen Staatsbürger Oesterreichs gar nicht genugtun. Religionsstörung ist das Geringste, das man von dieser Presse behaupten kann; ja sie hetzt zu Gewalt *und Verfolgung. Diese grenzenlose Hetze ist eine ganz und gar einheimische, made in Austria, man mußte sie nicht erst importieren. Wenn die „Reichspost" gelegentlich der Beschlagnahme von Rosenbergs „Mythos des 20. Jahrhunderts" erklärt, daß bei uns kein Bedarf für importierte Religionsstörung sei, so muß man ihr und ihrem Kreis sagen, daß für einheimische Religionsstörung und einheimische Pogromhetze genau so wenig Bedarf ist. Man wird für die Feststellung der „Reichspost" und ihrer christlich-vaterländischen Anhänger wenig Verständnis haben, wenn diese zum Verbrechen einheimischer Religionsstörungen und Aufreizungen Schweigen. „Illegale" Einwanderer in Kellen Aus Jerusalem: 63 orientalische Juden, iunter ihnen Greise und Kinder, die am 28. Mai mit einem Segelboot aus Aegypten nach Palästina gekommen waren, wurden hei der Landung als allegale Einwanderer verhaftet und in Ketten in das Gefängnis von Ghaza gebracht. * Unbescholtene Menschen werden in Ketten geworfen, weil sie das Verbrechen begangen haben, in ihre Aus London wird gemeldet: In der Sitzung des englischen Unterhauses am 29. Mai unterbreitete Kolonienminister Cunliffe-Lister dem Hause die Palästina-Anleihe-Bill zur zweiten tesung. In der Bill ist die Bedingung niedergelegt, daß faire Arbeitslöhne gezahlt werden und daß Aufträge für Betriebsanlagen und Ma- Bchinen in England placiert werden müssen. In eingehender Debatte schilderte Abgeordneter RHys-Davies die Eindrücke seines Besuches in Palästina. Die Fortschritte der jüdischen Arbeit im Lande sind sehr hoch einzuschätzen, aber die englische Regierung habe es schwer, die Ansprüche der Juden und der Araber in Ausgleich zu bringen. Er meinte aber, daß England seine Mandats- Verpflichtungen in Palästina auch ohne Anleihe durchführen könnte. Davies behandelte auch die Frage der An¬ Siedlung dislozierter Araber und sagte, Viel Schuld an dem Unfrieden hätten die hohen Heimat zurückkehren zu wollen, auf die feierliche Zusage der Weltmacht und Mandatarmacht England bauend. Und das zur gleichen Zeit, da der Vertreter der Palästina-Regierung in Genf vor dem Völkerbund den blühenden Wohlstand Palästinas rühmt, der — wie alle Welt weiß — ausschließlich den jüdischen Einwanderern zu verdanken ist. Die Juden, welche diese segensreiche Arbeit fortsetzen wollen, werden in arabische Gefängnisse geworfen , Bodenpreise. In Palästina sagte man ihm, die Juden können mit ihrem Gelde das beste Land kaufen, während den Arabern nur sehr dürftiger Boden bleibt. Aber Palästina als Ganzes würde ein wundervolles Land sein, wenn eine moderne Bewässerung geschaffen wäre. Der gesamte Boden würde dann Früchte tragen. Die Wiederansiedlung der dislozierten Araber würde dann kein Problem mehr sein. . „Ich sehe", schloßRhys-Davies., „keinen Grund zu der Beschränkung jüdischer Einwanderung." Nachdem sich auch Abgeordneter L o f t u s gegen die Anleihe ausgesprochen hatte, ergriff Colonel Josiah Wedgwood das Wort: Ich bin gegen die Anleihe, weil sie weder Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. von den Juden noch von den Arabern in Palästina wirklich gewünscht wird. Die Regierung preßt Kapital in das Land und treibt Arbeiter hinaus; wie soll man sich diese sich selbst widersprechende Politik erklären? Die Gewerkschaften in Palästina betteln förmlich die Regierung an, ihnen zu gestatten, mehr Arbeiter ins Land zu bringen. Die Regierung aber bleibt unerbittlich und weist sogar Unglückliche aus, die illegal ins Land kamen und dort Arbeit fanden. Einem jungen Lande mehr Geld aufdrängen, als es benötigt, ist eine Extravaganz. Das Uebermaß an Kapital würde nur zur Erhöhung der Boden- und Mietpreise führen, der ärmeren Bevölkerung aber keinen Nutzen bringen. Was ich aber, fuhr Wedgwood fort, vor allem gegen die Anleihe einzuwenden habe, ist, daß sie nicht beiden Bevölkerungsteilen gleichmäßig zugute kommt, sondern die Araber begünstigt, wie überhaupt die Administration Palästinas in ihrer Politik gegenüber Arabern und Juden nicht fair vorgeht, sondern die ersteren begünstigt und die letzteren benachteiligt. Dies läßt befürchten, daß auch das Anleihegeld nicht fair verwaltet werden wird. Die neuen zivilisierten Einwanderer werden eine weit größere Steuerlast als die einheimische Bevölkerung zu tragen haben. Die Bodensteuern werden von Jahr zu Jahr reduziert, dagegen werden die Steuern für Importe immer wieder rhöht. Die Einwanderung jüdischer Arbeiter und das Kommen jüdischer Touristen nach Palästina werden immer mehr unterbunden, dagegen dürfen Araber aus Transjordanien, Syrien und Aegypten unbeschränkt einwandern. Neue Straßen werden nur nach Bedarf der arabischen Bevölkerung und ohne Rücksicht auf die jüdischen Interessen Iangelegt. Wo ist der Grund dafür, daß den Juden nicht die gleichen Dienste wie der übrigen Bevölkerung geleistet werden sollten? Das ist ungerecht und unenglisch. Ungerecht ist es, daß die Regierung für die arabische Bevölkerung Postämter errichtet und die jüdische Bevölkerung leer ausgehen läßt, daß kleinen arabischen Gemeinden Selbstverwaltungen bewilligt werden, die zehnmal größeren jüdischen Gemeinden verweigert werden. Die Regierung bewilligte 23.000 Pfund jährlich für das arabische Gericht, während das jüdische Religiöse Gericht keinen Penny erhält. So reiht sich Ungerechtigkeit an Ungerechtigkeit. Die Juden verlieren immer mehr das Vertrauen zur englischen Regierung und werden entmutigt. Sie sind von der gleichen Stimmung beherrscht wie die Juden in Polen: „Für uns gab und gibt es ja doch keine Gerechtigkeit und wird es auch keine geben." Wedgwood schloß: Weil ich England liebe, erfüllen mich diese Verhältnisse mit Erbitterung; denn sie gefährden Englands Ruf als Hort der Gerechtigkeit! Der Kolonienminister trat den Ausführungen Wedgwoods scharf entgegen und sagte, Wedgwoods Rede werde den Abscheu vieler Juden (!) ebenso wie vieler anderer, die nicht seiner Meinung sind, hervorrufen. Die Finanzen Palästinas seien heute viel besser als 1926, in welchem Jahre ja auch eine Anleihe für Palästina seitens Englands garantiert wurde. Es sei zu hoffen, daß die durch die Anleihe ermöglichten Aufträge für Maschinen im Werte von 600.000 Pfund den notleidenden englischen G e b i e te n eine Hilfe sein werden. Die zweite Lesung der Bill wurde sodann ohne namentliche Abstimmung angenommen. * Es verdient hervorgehoben zu werden, daß der Minister kein Wort der Rechtfertigung für die. antih JUDEN/TA AT/P ARTEI Mittwoch, am 6. Juni 1934, um 7a 9 Uhr abends im großen Herzl^Saal, I, Werdertorgasse 14 PALÄSTINA IN BLUTE UND STURM (REISEEINDRUCKE) Referent! Df, JAKOB WEINER Gäste willkommen! „Ungerechtigkeit reiht sich an Ungerechtigkeit!" Englische Maschinen sollen nach Palästina — Juden nicht

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