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Die neue Welt · 1934-05-31 · Heft 369 (31.5.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 369 (31.5.1934)
Date
1934-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DDÖ NTCÜE WELT Nr. 369 gflöre dich seihst! Scnailpittttnaufoanröert jeder An im Tllophan-StndlOi MsfgaretenMr. 32, Tel. B-20-2-19 letstungen davontrugen. Die Polizei verhaftete menrere Studenten. Als eine größere Gruppe nationaldemökratlfscher HochschUler die Inneneinrichtung des Büros des akademischen Hilfsvereines demollerten, kam es zu Zufammenstößen mit jüdischen Hochschülerrt, von denen einige verletzt wurden. Ueberfälle auf Juden werden aus den Städtchen Lomaz, Wyszniec und Pyczacz im Kreise Mezryc, wo mehrere schwerverletzte Juden ins Hospital überführt werden mußten, sowie aus Komaruwka, wo eine Synagoge zerstört wurde, gemeldet. In Sandom i e r s z überfielen junge Arbeiter, die an der Weicttaeiregulierung beschäftigt sind, jüdische Spaziergänger im Park und verletzten den 26jährigen zionistischen Funktionär Levi Fruchtmann durch Messerstiche sehr schwer. In Wolomin bei Warschau wurden bei dem Ueberfall Radikal-Nationaler auf Juden das Makkabi-Mitglied Israel Lichtmann, Rosa Saphirstein, Chaim Stafman und seih Sohn Madek schwer verletzt, die jiddische Bibliothek „Kultur" würde zum Teil zerstört. In Warschau selbst haben Radikal-Nationale in drei Gruppen Ueberfälle auf jüdische Spaziergänger im Sächsischen Garten veranstaltet und mehrere Spaziergänger verletzt. Die Bestattung des in Bialystok seinen Wunden eriegenen Mendel Lubinsky gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung der Bialystöker Judenheit. Viele tausende Personett schritten hinter dem Sarge. Die Redakteure der „Gazeta Warszawska" Bielecki und Olszewski wurden wegen Aufhetzung der Studenten gegen den Dekan Prof. Handelsman, der auch tatsächlich von seinen Hörern brutal attackiert wurde, zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt. Handeisman weigerte sich, einen Antrag auf Einführung des Arierparagraphen in die Universität zur Abstimmung zu bringen und wurde deswegen attackiert. Er selbst ist als Jude geboren, trat aber vor Jahren aus dem Judentum aus. Aus Lettland Nach dem Umsturz Aus Riga: Zur Minderheiten- und Judenfrage in Lettland haben zwei Mitglieder der neuen Regierung, der stellvertretende Ministerpräsident S k uj e n i e k und der Kriegsminister General B a 1 o d i s, Erklärungen abgegeben. Kriegsminister Balodis emflng eine Abordnung jüdischer Teilnehmer an den lettländischen Freiheitskämpfen und erklärte ihr gegenüber, die neue Regierung werde Antisemitismus nicht dulden. Der stellvertretende Ministerpräsident Skujeniek, der als Antisemit gilt, sagte in einer Rundfunkänsprache unter anderem, die Regierung wolle die Minderheiten nicht unterdrücken und ihnen nicht das Leben verbittern. Es sei ihr Ziel, den lettländischen Vaterlandgeist zu stärken und Gewähr dafür zu schaffen, daß alle Bürger, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses und der Nationalität, sich für die Verteidigung des Vaterlandes einsetzen, wenn Lettland bedroht sein sollte. Die letzte jüdische Zeitung verboten Aus Riga: Nun ist auch das A g u d a h- Organ „Unser Stime" durch die Behörde verboten worden. Einer Abordnung der arbeitslos gewordenen jiddischen Journalisten erwiderte der Diktator Ulmanis, er wolle jeder nationalen Minderheit nicht mehr als eine Zeitung erlauben; die Juden müssen sich bis auf weiteres mit der russischen Zeitung „Sewodnja" begnügen. — Einem Vertreter des Krakauer „üustrowani Kurjer" erklärte Ulmanis, wer die Staatsinteressen über seine persönlichen stellt, hat hier nichts zu fürchten; damit ist die Frage nach dem Schicksal der Juden von selbst beantwortet. * Das Nebeneinander dieser beiden Meldungen beweist, wie vorsichtig die Versicherungen des Wohlwollens der neuen Machthaber zu beurteilen sind. Das Verbot des Organs der Orthodoxen Agudah ist um so bezeichnender, ab ihre Vertreter immer die treuesten Gefolgsleute jeder Regierung waren. Ein sonderbares Wohlwollen, das sich darin äußert, daß man den Juden alle Zeitungen wegnimmt und sie auf eine russische verweist. ZionistemSozfalfclen verhaftet Aus Riga, 29. Mai. (J. T.-A.) Nachdem der Führer des jüdisch-Hozialistischen „Bund", Prof. Meisel, am Tage der Ausrufung der Diktaturregierung in Lettland neben anderen jüdischen Sozialisten verhaftet worden war, ist nun auch der Führer der Zionistensozialisten (Poale Zion-Hitachduth) in Lettland, Professor Laserson, verhaftet worden. Auch andere Führer der ZionistensoziaUsten und des „Bund" wurden neuerdings verhaftet. Nachdem die jüdischen Zeitungen aller Richtungen bereits verboten sind, ist nun auch die Einfuhr der Warschauer jüdischen Tageszeitungen „Hajnt" und ..Dos W o r t" verboten worden. Der Unterrichtsminister Dr. Adamowitsch leitete eine administrative Schulkonferenz, in der beschlossen wurde, das Schulsystem in Lettland neu zu organisieren und das administrative Schulsystem der nationalen Minderheiten, auch der Juden, zu liquidieren. Aus Deutschland Die Judenpolitik der Monarchisten Aus Saarbrücken: Die Tageszeitung „Deutsche Freiheit", die regelmäßig Berichte aus gutinformierten Kreisen in Deutschland bringt, veröffentlicht einen Bericht aus Berlin, aus dem hervorgeht, daß sich die nationalsozialistischen Führer dadurch sehr beunruhigt fühlen, daß die Monarchisten im Reiche immer mehr an Boden gewinnen. Die monarchistischen Gegenrevolutionäre nennen sich „V o I k s m o n a rc h is t e n" und tun ihres Erfolges sehr sicher. Sie prophezeien den Untergang dör jetzigen Reichsregierung innerhalb weniger Monate. Sie weisen darauf hin, daß auch führende Nationalsozialisten den Umsturz wittern und sich auf ihre Seite schlagen. Die Reichswehr, so behaupten sie, sei nach wie vor monarchistisch. Die Volksmonarchisten erklären, die von ihnen geschaffene Regierung werde sehr stark und autoritär sein müssen, streng national und auch antisemitisch, aber ohne jede Gewalttat und Ausnahmegesetzgebung gegen die Juden. Der letzte Jude Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, verläßt der berühmte Bariton Alexander K 1 p n i s, der letzte Jude, freiwillig die Berliner Staatsoper. Die Zeitung weist aus diesem Anlaß darauf hin, daß im Vorjahr der erste Bassist der Staatsoper, Emanuel List, als Nichtarier ebenfalls freiwillig seine Stellung aufgegeben hat. Kipnis ist amerikanischer Staatsangehöriger und hatte einen langjährigen Vertrag mit der Staatsoper. Nur diesen Umständen ist es zu verdanken, daß er es an der Staatsoper bis jetzt aushalten konnte. Um sein Judentum zu dokumentieren, ist Alexander Kipnis in Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes in Berlin aufgetreten. Arisch-jüdische Ehen werden gerichtlich getrennt Aus Breslau: Das Landgericht Breslau fällte ein bedeutsames Urteil iö bezug auf arisch-jüdische Mischehen. Ein Mann hatte im Jahre 1927 eine Frau geheiratet und da diese ihren Geburtsschein beim Standesamt persönlich eingereicht hatte, erfuhr er erst einige Jahre später, daß seine Gattin jüdischer Ab- Kinder ins Gebirge Das bestrenommierte Ferienheim Wienerbruck bei Mariazell (800 Meter) nimmt Kinder (3 bis 15 Jahre) auf. Erstklassige Referenzen, mäßige Preise. Anmeldung Elly .Rothwein, VII., Mariahilferstraße 72/17, Tel. B-36-0-52. stammung war. Er focht die Ehe an. Das Landgericht erklärte die Ehe für nichtig und führte unter anderem aus, daß die Rassezugehörigkeit eines Menschen eine persönliche Eigenschaft von wesentlicher Bedeutung sei. Der Charakter, die Wesensart und die Lebensanschauung der Persönlichkeit beruhen in erheblichem Maße mit auf Blut und Rasse. Diese Eigentümlichkeit vererbt sich auf die Nachkommen. Die Blutmischung zwischen arischen und nichtarischen Rasseangehörigen führt zu einer Nachkommenschaft, die als Menschenrasse als minderwertig anzusehen ist. Eine Vermögenskonfiskation steht bevor Aus London: Unter der Ueberschrift „Die deutschen Juden gehen finstersten Tagen entgegen" teilt „Daily Express" in einem zweispaltigen Artikel auf Grund Spezieller, in Berlin eingeholter Erkundigungen mit, daß die Hitler-Regierung einen Plan zur Beschlagnahme jüdischen Eigentums in Deutschland zwecks Kompensierung des durch den antideutschen Boykott im Ausland der deutschen Wirtschaft zugefügten Schadens ausarbeitet. „Daily Express" schreibt weiter: Die wirkliche Tragödie beginnt erst jetzt, da die meisten Juden ihre Ersparnisse aufgebracht haben. Ihrer wirtschaftlichen Existenz und Ihrer Bürgerrechte beraubt, geschmäht, verachtet, bleibt vielen deutschen Juden nichts anderes übrig, als dem unmenschlichen Rat der Beamten zu folgen: „Das Beste, das ihr tun könnt, ist, zu sterben." Das neue Anschwellen der Judenhetze gibt den Dieben einen Freibrief, in jüdische Wohnungen einzudringen und jüdisches Eigentum sich anzueignen. „Daily Express" ist kein pro-jüdisches Organ, sondern steht sonst dem Hitler-Regime objektiv gegenüber. Nicht ganz ausrotten... Aus Berlin: In einer Massenkundgebung in Harburg-Wilhelmsburg erklärte der braunschweigische Ministerpräsident Klagges, von den ISOprozentigen Nationalsozialisten sei behauptet worden, in der Judenfrage hätte die Regierung versagt. Es müsse doch zugegeben werden, daß die Juden aus allen öffentlichen Aemtern entfernt worden seien und daß sie nirgends mehr einen Einfluß hätten. Man könne natürlich das jüdische Volk nicht vollständig ausrotten. s Theodor-Herzl-Saaä Schöner Saal I. Bezirk, Werdertorgasse für Veranstaltungen, Vorträge, Festlichkeiten, Hochzeiten etc. zu vermieten. 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April eine Schrift „Bolschewismus und Judentum", von Hermann Fchst, herausgegeben vom „Institut zur Erforschung der Judenfrage" (Berlin 1934, Ekhart-Kampf-Verlag), deren Ergebnisse sie einfach als bare Münze nimmt. Das Buch von Fehst beruhe „ausschließlich aus ersten Quellen sowjetischer oder jüdischer Herkunft". Die Ergebnisse '„überträfen alle Mutmaßungen", es werde die fast ausschließliche Verantwortung des Judentums für den bolschewistischen Umsturz und die Errichtung der kommunistischen Diktatur und das bis auf den heutigen Tag unveränderte Bestehen der jüdischen Machtstellung in Moskau „erwiesen** Wir finden, daß auch unsere Mutmaßungen übertroffen worden sind: Wir hätten nie geahnt, daß eine schweizerische Zeitung, die als seriös gelten will, deutsche antisemitische Kampfliteratur als bare Münze nimmt. Der neue Charakter der Arbeitgeberzeitung zeigt sich auch in der nächsten Nummer 17 vom 28. April, wo der Vorsitzende der roten Gewerkschaftsinternationale, Losowski, durch eine von dem Blatt vorgenommene Hinzufügung ohne weiteres als Jude bezeichnet wird. 9Ö0-Jahr-Feier der Wormser Synagoge Aus Worms: Am 3. Juni 1934 findet in Worms aus Anlaß des 900jährigen Bestehens der Synagoge ein Weihegottesdienst statt. Die Synagoge, eine Stiftung des kinderlosen Ehepaares Jakob und Rahel, ist im Jahre 1034 vollendet worden* Sie spiegelt in ihrem Bau die wechselnden Schicksale des Wormser Gemeinde wider. Aufreizung durch antisemitische Flugzettel Aus E g e r: In einer Versammlung der NSDAP* (verbotene nationalsozialistische Partei in der Tschechoslowakei) in Ludnitz wurde im Vorjahr von einem Gartenarchitekten aus Dresden ein Flugblatt verteilt, in dem es hieß: „Kauft nicht bei Juden, in Warenhäusern und Konsumvereinen" usw. In dieser Textierung erblickte die Staatsanwaltschaft den Tatbestand der Aufreizung. Der Flugzettelverteiler selbst konnte nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil er sich in Deuschland aufhält, doch; wurde wegen Vorschubleistung der Obmann der Ortsgruppe der NSDAP., der Kaufmann Franz Trotzauer, unter Anklage gestellt, weil er die Verteilung der Flugzettel nicht verhindert hatte. Trotzauer wurde zu zehn' Tagen Arrest mit einem Fasttag unbedingt und zum Kostenersatz verurteilt. Gegen die Mitglieder des Pogrom-Konvents Aus Warschau: Wie die Blätter melden, ergab die Voruntersuchung gegen die in der Ortschaft Miedzylesie bei Warschau verhafteten 150Mitglieder der radikalnationalen Partei, die mit der Organisierung antijüdischer Exzesse in Warschau befaßt waren, daß 500 uniformierte Parteimitglieder am zweiten Pfingsttage einen Demonstrationsmarsch nach Warschau planten. Die Organe der politischen Partei setzten die Verhaftungen unter den Mitgliedern dieser Partei fort. Insgesamt wurden bisher 380 Mitglieder der radikal-nationalen Partei verhaftet. Gegen alle diese wird die strafgerichtliche Untersuchung eingeleitet werden. Die neue Regierung Bulgariens und die Juden Aus Sofia: Der Präsident des Konsistoriums der bulgarisch-jüdischen Gemeinden, Dr. Chaim Farchi, und der Präsident der bulgarisch-palästinensischen Handelskammer, Dr. Saul Mezan, erklärten gegenüber dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, daß in ganz Bulgarien völlige Ruhe herrscht, daß die Juden um ihre Situation nicht besorgt sind, da die neue bulgarische Regierung die jüdischen Kreise dahin informiert hat, daß unter dem neuen Regime die physische Sicherheit und die volle bürgerliche und politische Gleichberechtigung der bulgarischen Juden garantiert seien. Keine jüdische Armee in Biro-Bidschan Aus Moskau: Von maßgebender Stelle wird dem J.-T.-A.-Vertreter mitgeteilt, daß die Berichte der europäischen Presse, wonach Biro-Bidschan über eine eigene jüdische Armee und ein eigenes M Unzsystem verfügen wird, grundlos sind. Biro-Bidschan erhält eine autonome jüdische Verwaltung mit Jiddisch als offizieller Sprache. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstraße 59, Tel. A-42-3-16, bittet die p. t. Arbeitgeber, angesichts der Notlage der jüdischen Arbeitslosen um Anmeldung ihres dauernden oder vorübergehenden Bedarfes an qualifizierten kaufmännischen Angestellten, Arbeitern, Handwerkern, Sekretären, Nachhilfelehrern Und Hauspersonal aller Art bei dem angeführten Vereint Mitgeteilte Wünsche werden sorgfältigst berücksichtigt

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