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Die neue Welt · 1934-05-31 · Heft 369 (31.5.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 369 (31.5.1934)
Date
1934-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 369 DIE NEUE WELT Seite 3 Vorsprache einer Abordnung beim High Commissioner bewenden zu lassen. Der Plan der Entsendung einer Delegation nach London sei eine Konsequenz des von der Assefath Haniwcharim (Plenum des Nationalrates) gefaßten Entschlusses, die derzeitige Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung mit allen Mitteln zu bekämpfen. Auf der letzten Tagung der Assefath sei die durch den Mangel an jüdischen Arbeitskräften geschaffene Lage Hauptgegenstand der Beratung gewesen. Im Zusammenhang damit habe man sich mit den Einwänderungsbeschränkungen befaßt, durch die der Arbeitermangel noch verschärft werde. Die Versammlung habe auch der Empörung Ausdruck gegeben, die im Lande über das Verbot des Postenstellens gegen arabische Arbeit in jüdischen Pflanzungen herrscht. * Aus New York: Im großen Saal des New Yorker Rathauses fand eine von den Zionisten veranstaltete ♦ Massenprotestversämmlung gegen die Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung statt, in der das ehemalige Mitglied der Zionistischen Exekutive, Josef Sprinzak, der Dichter David Pinski, der ehemalige Gesandte und jetzige Chefredakteur des Jewish Daily Bulletin, Hermann Bernstein, und der Sekretär des nationaljüdischen Arbeiterverbandes, Segal, Ansprachen hielten. Die Senatoren B o r a h und Wagner hatten Begrüßungsschreiben gesandt, in denen sie ihre Sympathie für die Ziele der Versammlung zum Ausdruck bringen. , 19.000 Hitler-Deutsche demonstrieren in New York Aus New York: In Madison Square Garden zu New York versammelten sich etwa 19.000 Hitler-Deutsche auf Einladung des DAWA (Deutsch-Amerikanischer Wirtschaftsausschuß ), um gegen den jüdischen Boykott deutscher Waren zu demonstrieren. Etwa 700 Polizisten hielten die Ordnung aufrecht. Es kam zu k 1 e ineren Schlägereien, in deren Verlauf sechs Personen verhaftet wurden. Im Saale selbst, der mit Hakenkreuzen geschmückt war, versahen 600 uniformierte Hitler-Leute den Ordnungsdienst. Als erster Redner erklärte Henry S p i e r, Direktor des DAWA, der DAWA-Adler werde über den gesamten Vereinigten Staaten schweben. Auf seine Forderung erhob sich die" Versammlung zu einem donnernden „Heil!" Der Schriftsteller Georg Silvester Viereck, angeblich ein Abkömmling der Hohenzollcrn, der sich bis zum Siege Hitlers als Judenfreund gab und immer hinter jüdischen Führern her war, war der Hauptredner auf der Kundgebung. Er teilte mit, daß mehrere Mitglieder des vom amerikanischen Kongreß zur Untersuchung der Nazi-Umtriebe in Amerika eingesetzten Ausschusses der Versammlung beiwohnen. Die Juden, fuhr er fort, seien eine Rasse von Lärmschlägern. Der Versailler Vertrag und das bolschewistische Terror-Regime seien von Juden gemacht worden. Ich spreche, sagte er, im Namen von 35.000 amerikanischen Deutschen. Hinter der jüdischen Aktion verbergen sich die Feinde Deutschlands. Es sprachen noch die Redakteure des Hitler-Organs „Deutsche Zeitung", Walter Kappe und E. McLaughlin, sowie der Führer der „Freunde des Neuen Deutschland", Reinhold Walter. Von dem berüchtigten' antisemitischen Kongreßmitglied McFadden wurde eine zustimmende Botschaft verlesen. Zum Schluß wurde eine Protestresolution gegen den jüdischen Boykott Deutschlands gefaßt, in der die Regierung aufgefordert wird, Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen. Der Mordprozeß ArIo§oroff Verhandluugssdiluß * Anfang Juni Anschließend an die Aussagen vom 24. Mai bezeugten Joschua Glücksmann und der Kolonisteneohn Henoch S t r e 1 e z, daß Zwi Rosenblatt der so oft erwähnten Sitzung in Kfar Saba beigewohnt und einigemal das Wort ergriffen habe. In der Nachmittagssitzung wiederholte Polizeikorporal Isaak Steinberg mit voller Bestimmtheit, daß Frau Arlosoroff ihn ersucht hat, ihr nicht nur jüdische Verdachtige, sondern auch ein Album mit Photos arabischer Verdächtiger zu zeigen. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob er nicht überrascht sei, daß Frau Arlosoroff diese Tatsache vor Gericht nicht erwähnt habe, erwiderte Steinberg: „Ich bin wirklich überrascht. Sie hätte sich daran erinnern müssen." Der Polizist Friedmann sagt aus, der Barackeninhaber C h a s a n (der seinerzeit von allen Beschuldigten als Lügner bezeichnet wurde) habe dem Inspektor Tenenbaum gesagt, daß er selbst, Chasan, Stawsky am Freitag nicht gesehen habe, sondern seine Frau. Der Polizist Friedländer gab bezüglich des Fußspuren-Sachverständigen Abu Regaig an, daß dieser beim Suchen nach Abdrücken verzweifelt ausgerufen habe: „Da ist nichts zu sehen. Wenn wenlstens ein einziger Tropfen Blut da wäre!" Mit dieser Zeugenaussage schließt die fünfte Prozeßwoche. » « PUSZTA ( SAR DA HIETZING gMEDR8TLAiWg 58 Täglich abends, Sonnu. Feiertag Vi 6 Uhr Tanz im Freien oder Diele. FRANK DICK and hfs band — Ungarlsc he Spezialitäten sowie Wiener Küche — Herrliche Gärten — Liegestühle — Kegelbahn — Heurlgenschank RAUHECK Bi'ro Bickcfaan — ein Manöver gegen Palästina Aua der Fülle von Nachrichten, die sich auf die neue „Judenrepublik" Biro Bidschan beziehen, wollen wir zunächst die Pariser J. T. A.-Meldung vom 27. Mai hervorheben. Auf Einladung des Komitees für die deutschen Flüchtlinge kam Lord M o r 1 e y, der Vizevorsitzende des britischen Oberhauses, nach Paris und hielt ein Referat Uber die Möglichkeiten der Kolonisation im sowjetrussischen Biro Bidschan, Lord Morley erklärte hiebei, daß Biro Bidschan das einzige Territorium für eine größere jüdische Ansiedlung wäre, da vorauszusehen sei, daß die englische Regierung in Zuj kunft die Einwanderung nach Palästina noch mehr be-; schränken werde. Wieweit diese Darstellung in bezug auf Englands Palästina-Politik richtig ist, wollen wir hier nicht prüfen, Bezeichnend aber ist der Versuch des englischen Lords, für einen Judenstaat Propaganda zu machen, der nicht in Palästina, sondern im fernöstlichen Sibirien liegt. mam" Die „Hilfsbereitschaft" für die deutschen Juden kommt auch an anderen Stellen zum Ausdruck, vornehmlich in Amerika. Wie aus New York gemeldet wird, hielt das AmerlkanischeKomiteezurAnsiedlung deutscher Juden in Sowjetrußland eine Kundgebung ab, in der die Hoffnung ausgesprochen wurde, daß die Sowjetregierung Biro Bidschan den deutschjüdischen Flüchtlingen öffnen werde. Dieses Komitee verpflichtete sich auch, die nötigen Mittel aufzubringen und sparte in einer Resolution auch nicht mit Komplimenten für die weitherzige und judenfreundliche Sowjetunion, die bekanntlich jede jüdische Regung als konterrevolutionär brandmarkt. Eine zweite Organisation, der American Jewish Agro-Joint, begrüßt den Beschluß der Sowjetunion, Biro Bidschan zu einer autonomen jüdischen Republik auszugestalten, geradezu enthusiastisch und stellt sich den Sowjetbehörden bei der Arbeit zur Verfügung. Und die Organisation, die in Amerika zur Aufbringung neuer Mittel für das Hilfswerk zugunsten deutscher Juden geschaffen wurde, rühmt sich, von den gesammelten Geldern 527.000 Dollar für Auswandererhilfe (davon insgesamt 18.000 Dollar für Palästina!) ausgegeben zu haben. In diesen zwei Ziffern liegt der Versuch der verschiedenen Organisationen, Palästina gegenüber den an-, deren „Auswanderungsländern" in den Hintergrund zu rücken, obwohl die ganze Welt weiß, daß nur Palästina — und sonst kein anderes Land — eine namhafte Zahl deutscher Juden (über 10.000) aufgenommen, zu produktiver Arbeit umgeschichtet und verwurzelt hat, während die deutschen Flüchtlinge in den anderen Ländern als Emigranten und lästige Ausländer auf Almosen angewiesen sind und Gefahr laufen, abgeschoben zu werden. Das Spielen mit Sowjetrußland, bzw. mit dem Paradies Biro Bidschan wird allerdings nicht verfangen, wenn man es der Wirklichkeit gegenüberstellt. Sogar die sowjetrussischen Ziffern lassen die jüdische und jüdisch-deutsche Zukunft im fernöstlichen Sibirien düster erscheinen. Seit Beginn der Biro Bidschaner Judenkolonisation, die bekanntlich im Fünfjahrplan einen wichtigen Platz angewiesen bekam, sind knapp 7000 Seelen angesiedelt worden, also weniger, als Palästina an deutschen Flüchtlingen im Verlauf einiger Monate aufgenommen hat. Wie skeptisch die Russen selbst den Plan einer Ansiedlung deutscher Juden in Biro Bidschan betrachten, ersieht man aus einer Aeußerung des Leiters von Biro Bidschan, Boris Trotzki, der diesbezüglich sagt: „Wir haben von dem Plan einer deutsch-jüdischen Ansiedlung in Biro Bidschan erst aus den ausländischen Pressemeldungen erfahren. Uns sind keine konkreten Vorschläge hierüber gemacht worden. Sollte uns ein solcher Vorschlag gemacht werden, so werden wir prüfen, von welcher Seite er ausgeht, was er bezweckt, und wer die Umschichtung finanzieren will. Heute davon zu reden, ist verfrüht." Die Russen selbst also wollen sich auf derlei Experimente nicht einlassen, und wenn schon, dann auf fremde Kosten. Sie wollen auch wissen, wer hinter dem Kolonisationsprojekt steckt; ob es nicht gar nationaljüdische, also „reaktionäre und konterrevolutionäre Kreise" sind, die ein Menschenmaterial nach Biro Bidschan bringen, das sich gegenüber den sowjetrussischen Tendenzen vielleicht nicht als „zuverlässig" erweisen könnte. Daß Biro Bidschan in jener Gegend liegt, die bei der bevorstehenden kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Rußland und Jaj»an als:erste4n. Mitleidenschaf t gezogen werden muß, JESAIAS PRESS NEUES PALÄSTINA- HANDBUCH Der vollkommenste Reiseführer mit 31 Karten und Stadtplänen GENERALKARTE von PALASTINA Aufgenommen nach dem Stande vom 1. Jänner 1934 Maßstab 1 :500.000 HUGO HERRMANN PALASTINA, WIE ES WIRKLICH IST Das beste Informationsbuch mit 64 Bildern und Tafeln PALASTINAKUNDE In vier Lieferungen: Geographie, BUrgerkunde, Geschichte, Das Jüdische Aufbauwerk FIBA VERSANDBUCHHANDLUNG Wien VI, Gumpendorfer8traße 10 Telephon B-24-9-78 läßt die Aussichten dieser projektierten deutschjüdischen Kolonisation gewiß nicht rosiger erscheinen. Je mehr für eine sowjetrussische Judenkolonisation Stimmung gemacht wird, desto krasser erscheint der Bluff mit Biro Bidschan, das immer wieder als Potemkinsches Dorf herhalten muß. Die Kreise rings um die verschiedenen jüdisch-deutschen Hilfskomitees, von denen die meisten zu der erweiterten Jewish Agency in nahen Beziehungen stehen, bemühen sich hartnäckig, Palästina, das jüdische Palästina, zu bagatellisieren. Das zionistische Aufbauwerk paßt ihnen nicht in ihren assimilatorischen Kram. Aber eben dieses Palästina, das sie in den Schatten einer jüdischen Republik Biro Bidschan stellen wollen, macht alle ihre Vertuschungsbemühungen durch seine Kraft, durch sein Blühen und durch seine —> Attraktionsfähigkeit zuschanden. Die antisemitische Welle in Polen Eine Bombe zerstört das Lemberger ZioiHstenheim Aus Lemberg: In den Morgenstunden am 29. Mai explodierte im Lokal der Lemberger Zionistischen Organisation eine Höllenmaschine, durch die das Lokal vollkommen demoliert wurde. Der Explosionsbrand konnte erst durch die Feuerwehr lokalisiert werden. * Die Täter wurden bisher nicht festgestellt, Von Seiten der Polizei wird angedeutet, daß die Täter unter den jüdischen politischen Gegnern zu suchen seien. Der Obmann der Allgemein-Zionistischen Organisation, Doktor Schmorak, und Abg. Dr. Rosmarin haben dies beim Verhör energisch abgelehnt. In der Bevölkerung herrscht die Ansicht vor, daß das Attentat von polnischen Radikalnationalen verübt wurde. Reste einer Höllenmaschine mit Zeitzündung wurden unter den Trümmern gefunden. Zur Zeit der Explosion weilte niemand im Heim. * Aus Warschau: „Gazeta Warszawska" teilt mit, daß in Polnisch-Teschen (Cieszyn)' die antijüdischen Exzesse sich wiederholt haben und daß einige jüdische Geschäftsläden demoliert wurden. Die ersten antisemitischen Ueberfälle in Teschen (Cieszyn) waren, wie sich nachträglich herausstellt, schwerwiegender als aus den ersten Meldungen hervorging. Nach dem Ueberfall der Radikal-Nationalen auf eine Veranstaltung des revisionistischen Brittt Trumpeldor, zu dem die Radikal-Nationalen durch zwei Revolverschüsse das Signal gaben, begann im ganzen Stadtviertel eine Jagd auf Juden. Die Überfallenen Betharim stellten sich gegen 12 Uhr nachts auf dem Hauptmarkt den Huligans entgegen. Polizei trennte die Streitenden. Die abmarschierenden Huligans schlugen die Fensterscheiben in mehreren jüdischen C?e- Schäften ein und demolierten die Drogerie des Judert Kurzberg. Am Tage darauf erfolgte ein Angriff auf zwei Synagogen, auf das Lokal der Zionistischen Organisation und, auf einige jüdische Häuser. In allen diesen Gebäuden wurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert* Hierauf wurde das Haus des chaluzischen Kibbuz „Hanoar Hazioni" demoliert und die darin wohnenden Chaluzim mörderisch geschlagen. Zwei Chaluzim wurden sehr schwer verwundet, dem Chaluz Mendel Apel wurden einige Rippen gebrochen. In Lemberg haben nationaldemokratlscne Studenten und Huligans jüdische Passanten in mehreren Straßen überfallen und schwer mißhandelt. Man zählt sehr viele verletzte Juden, von denen einige schwere Ver- KINDER ANS MEER! 4 Wochen Meer Sonne bietet Ihnen das hygienisch und modern eingerichtete JüD. KINDERHEIM in Selce bei Crikvenica, Dalmatien. Leiterin: Frau Helene überall, Schuldirektorin. Anmeldungen, Auskünfte und Prospekte: Wien VIII., Alserstraße Nr. 23, täglich von 9 bis 12 und 5 bis 7 Ufar.v Telephon A.-2Ö-2-87, Süden

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