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Die neue Welt · 1934-05-29 · Heft 368 (29.5.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 368 (29.5.1934)
Date
1934-05-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WEL1 Nr. 368 Mörderiidher Wahnwitz ♦ ♦ ♦ T>ber Drängen seiner Finanzberater und diplomatischen Auslandsvertreter hat Hitler bekanntlich die Ritualmord-Nummer der Zeltung „Stürmer", von s?einem besten Freunde, Regierungskommissar Streicher, herausgegeben, einziehen lassen, nachdem sie vierzehn Tage verbreitet war. Aber die anderen Genossen Hitlers haben den Sinn dieser Heuehelei wohl verstanden und sorgen dafür, daß in der Mordhetae keine Unterbrechung eintritt. Wieder melden sich zwei der intimsten Freunde des „Führers" zum blutrünstigen Wort. F. C. H o 11 z überschreibt die letzte Nummer seines .,F r 1 d e r i c u s" mit dem Riesentitel „Mord- Juden!" und führt im Text aus: daß bedeutende Männer, wie Herder und Theodor Fontane, den Ritualmord wissenschaftlich und dichterisch behandelten, daß der ungarische Graf Andrässy behauptet hätte, daß Ritualmord in Tisza-Eszlar erwiesen sei. Er nennt eine Reihe jüdischer Aerzte bei Namen und wirft ihnen vor, daß sie christlichen Kindern Syphilisserum einspritzten. Er schließt: „Der Jude ist die Gefahr, ist der Feind. An dem Juden sterben die Völker und ihre Kultur. Wenn das Volk die Juden erst wirklich kennt, dann wird für die Juden in Deutschland kein Platz mehr sein!" Wilhelm Kube, Gauleiter der Kurmark, schreibt im „Märkischen Adler" vom 20. Mai: „... Was Pest, Schwindsucht und Syphilis für die Menschheit gesundheitlich bedeuten, das bedeutet das Judentum sittlich für die weißen Völker. Darum ist die Judenfrage eine internationale Frage, die gemeinsam von allen Kulturvölkern gelöst werden muß! Der Pestträger muß ausgemerzt und isoliert werden. Wie der Weltkrieg ein abgefeimtes Werk, der Juden und Freimaurer war, so sind die heutigen Krisen, die die Ruhe der Welt immer wieder erschüttern, ebenfalls ihr Werk. Die zwei Millionen deutscher Toten kommen ebenfalls auf das Schuldkonto Judas wie die zehn Millionen Toten der anderen Völker der Welt. Daran sollten die Mütter der Welt immer denken, wenn sie einen Juden sehen oder von ihm hören..." Kube fordert dann die Unfruchtbar- Aus Kattowitz (Poln.-Schlesien) wird uns gemeldet: Nach zweitägiger Verhandlung wurde das Urteil in dem „Talmudprozeß" gefällt, der gegen den Redakteur der nationalsozialistischen Zeitung „Blyakowyca", Eduard Chowanski, wegen Fälschung und Religionsbeleidigung angestrengt worden war. Neben dem Staatsanwalt trat als Privatbeteiligte die Kultusgemeinde Kattowitz auf. Chowanski hatte in seiner Zeitung zum Boykott gegen die Juden aufgefordert und zur Begründung Zitate aus dem Talmud angeführt, die beweisen sollten, daß sich die Juden eine möglichste Schädigung aller Andersgläubigen zum Ziele gesetzt hätten, wirtschaftlich wie moralisch, daß ferner im Talmud Ritualmo r d e gefordert werden. Der Gerichtshof hatte, da der Angeklagte den Wahrheitsbeweis verlas, als Sachverständige den Professor der katholischen Theologie und der Orientalistik in Krakau Dr. Arbutowskl sowie den Professor der Warschauer Universität Doktor S c h o r r geladen. Professor Arbutowski führte in seinem Gutachten unter anderem aus: Irgend welche Spuren für die vorgeschriebene Benützung von Christenblut finden sich in den jüdischen Gesetzbüchern nicht, und jeder Blutgenuß ist nach den jüdischen Speiaegesetzen verboten. Ob allerdings etwa irgend weiche Geheimsekten, wie in Auf der Tagung wurde auch die Aufnahme Palästinas In den olympischen Kreis beschlossen. Auf Grund dieses Beschlusses wird jetzt an Palästina die Einladung zur Berliner Olympiade 1936 ergehen. * Aus New York: Der Ehrenpräsklent des American Jewish Congress, Dr. Stephen 8. W i s e, und der Präsident Dr. Bernard Deutsch richteten an die amerikanischen Mitglieder des Olympischen Komitees telegraphisch die Anfrage, wie sich die Erklärung der deutschen Vertreter im Olympischen Komitee, Staatssekretär machung von Juden und Ariern, die eine Mischehe eingehen. Er spricht vom „Sauherdento n", der in den früher jüdisch geleiteten Theatern im Reiche herrschte, und fährt fort: „Wenn diese krummnasigen Theaterhure h männlicher und weiblicher Anatomie heute nicht überwiegend in Prag, Wien usw. säßen, sollte man sie noch nachträglich sterilisieren und einsperren." Kube erklärt, im Geiste des Reichspropagandaministers Doktor Josef Goebbels zu sprechen, und gibt den Jagdruf aus: „Sau tot!" Der Brandartikel Kubes schließt: „Und die Welt wird immer hellhöriger. Mehr als euch frechem Geschmeiß lieb ist! Seid und wart ihr international verbunden, um die nordischen Völker dieser Männererde zu betrügen und gegeneinanderzuhetzen, so sind wir bereit, euch international an die Kette zu legen, wie es der Hyäne und den stinkenden Coyoten gebührt!" Die Mordhetze wird exportiert Die hier zitierten Hetzblätter bleiben aber nicht auf Deutschland beschränkt. Sie werden Ins Ausland gelassen. So schreibt die „Prager Presse": „ ,Mord-Juden!' brüllt es in Balkenlettern von den Zeitungsständen der Brunnenkolonnade eines westböhmischen Weltkurortes (Marienbad). Wer darf es wagen, ungestraft und bis dato unbeschlagnahmt, auf tschechoslowakischem Boden sö zu brüllen? Es ist der unbegreiflicherweise noch immer zum öffentlichen Verkauf zugelassene Berliner „F r i d e r i c u s", dessen Leitaufsatz „Mord-Juden!" ausgerechnet in jenem Weltbad gelesen werden soll, wo vor wenigen Monaten nicht Mord-Juden, sondern feige Mord-Buben einen Gelehrten und Dichter ermordet haben." Die Klage der „Prager Presse" gegen die Behörden, welche die Verbreitung der Hetzschriften dulden, ist dankenswert. Aber doch etwas eigentümlich! Die „Prager Presse" ist nämlich ein Regierungsorgan. Es ereignet sich also der sonderbare Fall, daß eine Regierung Im eigenen Blatte gegen sich selbst Klage führt . . . anderen Völkern, zu mythischen Zwecken Blut verwendeten, kann man nicht wissen. Den Talmud solcher Mißbräuche zu beschuldigen, ist aber sicher grundlos. Für eine Reihe anderer Zitate des Angeklagten lassen sich, wie Professor Arbutowski feststellt, keinerlei tatsächliche Quellen im jüdischen Schrifttum nachweisen, trotzdem sie immer w i e d er in der nichtjüdischen Literatur auftauchen. Professor Schorr legte unter anderem dar: Die Kritiken des Talmuds am Christentum entsprechen gänzlich dem Geist der Entstehungszeit, einer Kulturepoche, die mit der heutigen nicht zu vergleichen ist. Das lasse sich auch aus dem nichtjüdischen Schrifttum deutlich nachweisen. Der Angeklagte wurde hierauf wegen der Artikel „Man soll die jüdischen Religionsbücher konfiszieren" und „Ein Rabbiner legt ein Geständnis ab" zu neun Monaten Kerker verurteilt, da alle von ihm angeführten Stellen aus dem Talmud sich als gefälscht erwiesen haben und der Wahrheitsbeweis gänzlich mißlungen sei. n dem Prozesse ist bemerkenswert, daß er vom Staatsanwalt, also von der Regierung, angestrengt wurde, während man in anderen Ländern, auch in höchstzivilisierten, solche Beleidigungen und Verhetzungen ungesühnt läßt und äußerstenfalls Beschlagnahme verfügt. Aus Washington: Das jüdische Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten, C e 11 e r, forderte das American Olymplc Commlttee auf, eine Verlegung der Olympiade 1936 von Berlin nach einer anderen europäischen Hauptatadt zu verlangen, da man den Versicherungen der reichsdeutschen Regierung nicht trauen könne, daß sie das Versprechen, jüdische Teilnehmer an der Olympiade nicht zu diskriminieren, halten würde. In der Presse wird darauf hingewiesen, daß die großartige Leichtathlctin Fräulein Martel Jakob, der Tennismeister Daniel P r e n n, der ßoxdoppelmeister Erich S e e Ii g, die Weitfechtmeisterin Helene Meyer u. v. a. gezwungen wurden, Deutschland zu verlassen, und nicht zur Olympiade kommen können. Kein Land, das auf seine Würde hält, kann es verantworten« daß seine Sportler aus rassischen GrUn- In der jüdischen Gemeinde In Kopenhagen ist die Stelle eines Kantors frei. Verlangt wird klangvolle Stimme, gute musikalische Ausbildung, ausreichende hebräische und talmudische. Kenntnisse. Könen können, nicht In Betracht kommen. Bewerbung mit Lebenslauf, Familienstand, Zeugnisabschriften, Lichtbild und Angabe der Größe sind bis 15. Juni an das Sekretariat der jüdischen Gemeinde in Kopenhagen, Nybrogade 10, einzusenden. In der Synagoge Chor ohne Orgel. Kopenhagen, Mai 1934. Der Synagogenvorstand. mmmmmmmmmmuammmmmmammmmmmmmmBgammmmmmmmmm Hena Lewin hak Lewin gtb. Frledminn V c r m 1 h I t e Wien, im Mal 1934 d e n in Berlin Unannehmlichkeiten ausgesetzt werden. Man fragt sich, was das Schicksal eines ausländischen jüdischen Sportlers, der eventuell einen Deutschen besiegt, sein wird, wenn zum Beispiel der Film Max B a e r s in Deutschland nicht laufen durfte, weil Baer den Deutschen Schmeling besiegt hatte. Ob die Vertreter der Staaten den verlogenen, feigen Versprechungen der Vertreter Hitler-Deutschlands Glauben schenken werden oder nicht; ob sie die Gefühle ihrer jüdischen Staatsbürger unberücksichtigt lassen undr nach Berlin gehen werden, weiß man nicht. Aber ungeachtet, wie die Entscheidung ausfallen wird, hat das jüdische Volk die Pflicht, schon heute zu erklären, duß es die Berliner Olympiade als Beleidigung empfindet und jeder jüdischen Sportler oder Gast, der zur Olympiade nach Hitler-Deutschland fährt, ein ehrvergessener Lump ist. Schon heute ist zu verlangen, daß das jüdische Palästina eine Einladung zur Berliner Olympiade als beleidigende Zumutung zu behandeln und mit entsprechender Motivierung zurückzuschicken hat. Ein ehrlich verdienter Fußtritt Aus Berlin wird uns berichtet: Eine der widrigsten Assimilationserscheinungen ist wohl der „Verband Nationaldeutscher Jude n". Er führt das Hakenkreuz im Banner und fordert die Entrechtung und Ausweisung der „Fremdjuden", worunter Zionisten und Ostjuden zu verstehen sind. Aber seine Anbiederung an die Hitler-Leute hat dieser Sorte von Juden bisnun wenig genützt. So ist in dem Verordnungsblatt der Obersten SA.-Führung vom 15. März 1934 folgende Information veröffentlicht worden: „Betrifft: Gelündesport. Der „VerbandNationaldeutscherJuden'* hat sich an den Chef des Ausbildungswesens der SA, betreffs Teilnahme am Geländesport gewandt und gebeten, zu diesem Zweck den Verbandsführer sowie den Führer seiner Sportabteilung' zum pcrsö&lichen Vortrag zu empfangen. Der Chef des Ausbildungsw»*ens hat daraufhin wie folgt geantwortet: An den Verband Nationaldeutscher Juden e. V., Berlin W. 35, Blumeshof 9. Hiermit bestätige ich den Eingang Ihres Schreibens vom 16. Februar 1934. Es ist mir leider nicht möglich, Ihrw» Wunsche zu entsprechen, da nach den Richtlinien des Stabschefs der SA., Reichsminister Röhm, eine Ausbildung im Geländesport nur für diejenigen deutschen Volksgenossen durch mich erfolgt, die rassisch und weltanschaulich auf unserem Boden stehen. Heil Hitler! Gez. Krüger, Obergruppenführer. — Dieswr ÄWefwechsel wird zur Kenntnis gebracht, um allen dfertigen Bestrebungen von Ausländern von vornherein zu begegnen, (Z. Nr. 3724/34.)" _ Rund 2000 jüdische Kassenärzte ausgeschlossen —• B. B. gilt als kommunistisch! Aus Berlin: Der Ministerialrat im Reichsarbeitsministerium, Dr. Karstedt, berichtet im „Reich sarbeitsblat t", daß nach Durchlaufen des Beschwerdeweges rund 1000 jüdische, beziehungsweise kommunistische Aerzte von der Kassenpraxis ausgemerzt worden sind. Da nur in etwa der Hälfte aller Fälle die Beschwerde eingelegt sei, ergebe sich also, daß rund 2000 Juden, beziehungsweise Kommunisten aus der Kassenpraxis in Deutschland ausgemerzt wurden. Die Kommunisten machten noch nicht 10 Prozent der Ausgeschlossenen aus, so daß über 1800 der Ausgeschlossenen Nichtarier waren. Aus den Einzelheiten, die der Referent von der Aktion erwähnt, sei hervorgehoben, daß in einem süddeutschen Ort die Zugehörigkeit zu einer jüdischkonfessionellen Freimaurerloge (gemeint ist die B n e Brlth-Logc, die in Wirklichkeit kein© Freimaurerloge Ist. D. Red.) als Beweis für Betätigung im kommunistischen ■ o angesehen wurde. Die Orthodoxen geben nicht nach Das in Deutschland erlassene Verbot des Schächtens ohne Betäubung hat zu einer Auseinandersetzung zwischen liberalen und orthodoxen Juden geführt. Wir haben vor kurzem die Resolution gebracht, in welcher jüdisch-liberale Kultusvorsteher und Rabbiner an dia orthodoxen Rabbiner die Aufforderung richten, von ihrem „Fanatismus" abzulassen und die Betäubung der Schlachttiere für statthaft zu erklären. Jetzt liegt die Antwort des Dozentenkollegiums des orthodoxen Berliner Rabbinerseminars vor. Sie lautet: „Es ist nicht wahr, daß seitens der Orthodoxie aus anderen als halachischen Gründen Zurückhaltung gegen die Betäubung geübt wird. Tatsächlich sind die orthodoxen Rabbiner dauernd bemüht, halachisch zulässige Möglichkeiten für Anwendung der Betäubung zu finden. Zu unserem großen Bedauern ist es aber bisher nicht gelungen, eine religionsgesetzlich statthafte Form der Betäubung festzustellen. Bei aller Sorge um die Ernährung der deutschen Juden hat kein Rabbiner, der sich der Verantwortung gegenüber Judentum und Judenheit bewußt ist, das R e c h t, eine Form des Schächten* gutzuheißen, die nicht ohne jeden Zweifel dem göttlichen Gesetz entspricht" Rifualmordlüge — neun Monate Kerker Hein Jude zur Berliner Olympiade! Aus Athen: Soeben wurde in Athen der diesjährige Olympische Kongreß beendet. Auf Anfragen der amerikanischen und der englischen Delegation antworteten die Vertreter Deutschlands, Dr. L e w a 1 d und Ritter von Halt, daß jüdische Sportler bei den Berliner Spielen ebenso gern gesehene (!) Gäste sein werden wie alle anderen. Sie erklärten sogar, daß jüdische Athleten ins deutsche olympische Team eingereiht werden, falls sie die nötigen Limite erreichen werden. Dr. Lewald und Ritter von Halt, betreffend die Gleichberechtigung der Jüdischen Sportler, mit der letzten Sportpalastrede des Reichsministers Dr. Goebbels, wonach die Juden nicht den Anspruch erheben dürfen, als gleichberechtigt und gleichwertig behandelt zu werden, vereinbaren lasse. Wise und Deutsch fordern eine Untersuchung über die faktische Lage In Deutschland, bevor sich die amerikanischen Sportler entschließen, an der Berliner Olympiade teilzunehmen.

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