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Die neue Welt · 1934-05-29 · Heft 368 (29.5.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 368 (29.5.1934)
Date
1934-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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"Wä M> W flHH BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S4.—, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6.— MB 'MM ■'■ Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jngoslawrlen monatlfch Dinar 14.-, vierteljährig Dinar ■ m Bai mm Mm wmm Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig ■jAr V U ■ ■ Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel* ■Vi ■hj WM TAVr iährlS Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, leL A-20«2-78 — ErscheintDienstag und Freitag Protest! Mittwoch, am 30. d. M-, um halb 9 Uhr abends, veranstaltet die Judenstaatspartei im neuen Herzl-Saal, I., Werdertorgasse 14, eine Kundgebung gegen die Einwanderungssperre In Palästina durch die anti-zionistische Palästina-Regierung. Referenten: Oberbaurat Robert Stricker und Th. Grub n er. Juden, kommet! Es geht um euer Recht und eure Zukunft! Oesterreich — ein Judenparadies Erklärt der österreichische Gesandte in Washington. Die Jüdische Telegraphen-Agentur (J, T. A.) meldet unter dem 24. d. M. aus New York: Herr G. L. P r o c h n i k, der österreichische Gesandte in Washington, erklärte bei seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur u. a.: „So etwas wie eine besondere jüdische Situation gibt es in Oesterreich nicht. Oesterreich war von je ein ParadiesfürJuden, denen dort stets eine liberale Behandlung zuteil wurde. Sie sind dort Professoren, Künstler, Musiker; sie haben ein größeres Maß an wichtigen Positionen inne, als es ihrem zahlenmäßigen Verhältnis zur Gesamtbevölkerung entsprechen würde. Wohl gibt es in' Oesterreich einen Antisemitismus, aber er hat auf die Regierung keinen Einfluß. Was die nationalsozialistische Propaganda betrifft, so wird diese konsequent von der Regierung bekämpft. Von dieser Richtung her sind Unruhen nicht zu befürchten." Ueber die Zukunft der Juden in Oesterreich äußerte sich Gesandter Prochnik optimistisch. Die Juden, sagte er, werden die Positionen, die sie inne haben, weiter behalten. # Wir haben für das Bestreben des Herrn Gesandten, tendenziösen Berichten über die Behandlung der Juden in Oesterreich zu begegnen, volles Verständnis. Ist doch unser Blatt, als nach dem Februar- Umsturz Greuelmeldungen und bösartige Lügen über Verfolgung und Mißhandlung von Juden systematisch verbreitet wurden, diesen Machenschaften energisch entgegengetreten. Die Organisation der volkbewußten Judenschaft Oesterreichs,' die Jüdische Volkspartei, hat in Erklärungen und Versammlungen das gleiche getan. Die Berichte über diese Versammlungen und die Meldungen unseres Blattes haben in der Presse des weitesten Auslandes Verbreitung gefunden und die vielfach mit Absicht aufgepeitschte Stimmung beruhigt und geklärt. Aber die von uns erstrebte, überaus günstige Wirkung ist nur darum eingetreten, weil diese Berichte sich von jedem Ueberschwang fernhielten und den Charakter strikter Sachlichkeit und Wahrheit unverkennbar aufwiesen. Sie waren frei von jeder Beschönigung und darum wertvoll. In Interesse der guten, österreichischen Sache muß daher darauf hingewiesen werden, daß die von der Jl T. A. verbreiteten Aeußerungen des österreichischen Gesandten nicht geeignet sind, dem angestrebten Zweck zu dienen. Bei aller Anerkennung des Bemühens maßgebender Männer der österreichischen Regierung um anständige Behandlung der Juden, muß es doch als unangebracht und wenig überzeugend angesehen werden, wenn man von Oesterreich als von einem „ParadiesfürJuden" spricht. Es hat auch gar keinen Zweck, das Vorhandensein einer „besonderen jüdischen S i t u a t i o n", also einer Judenfrage in Oesterreich, zu leugnen. Es gibt eine Judenfrage in Oesterreich und sie kann nicht versteckt, sie muß ehrlich und gutwillig, von beiden Seiten, betrachtet und behandelt werden. Beim Verleugnen kommt nichts Gutes heraus, weder für Oesterreich noch für die Juden. Auch die Behauptung, daß die Juden ein „größeres Maß" an wichtigen Positionen inne haben, also ihrem „zahlenmäßigen Verhältnis" entspricht, kann nicht widerspruchslos hingenommen werden. Sie entspricht nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Wir Juden haben kein „größeres Maß" an „wichtigen Positionen", wir wünschen auch keines, wir wollen nur das uns gebührende gleiche Maß. Der Mordprozeß Arlosorotf Die Zeugengruppen der Verteidigung Nachdem am 22. Mai Rosenblatt bezüglich der dem Gericht vorgelegten Schuhe erklärt hatte, daß diese nicht sein Eigentum, sondern das der Plugah (Siedlungs- JtQllektiv) seien, führte Horace Samuel die Verteidigung Weiter, indem er den bisherigen Stand des Prozesses analysierte: Die erste Zeugengruppe ist zur Bekräftigung der Alibi-Beweise, die zweite zur Widerlegung der von der Polizei angeführten Verdachtsmomente, die dritte zum Beweis geführt worden, daß es sich hier nicht um einen politischen Mord handle. Horace Samuel erklärte, daß durch die Aussage der zweiten Zeugengruppe dargetan Werden solle, daß Frau Arlosoroff offenkundig falsch ausgesagt habe, da sie in den ersten beiden Stunden nach dem Mord davon überzeugt war, daß einer der Attentäter ein Araber war oder zumindest orientalische Kleider trug. Weiters erklärte Samuel, daß das erste Geständnis Abdul Medschids aufrichtig gewiesen sei, Die Atfbi'Zeusen i Bezüglich Stawskys erklärten sowohl die Tochter des Hoteliers Turgemann als auch die Jerusalemer Advokatensgattin A v n i e 1 i, daß sie Stawsky am Freitag, den 16. Juni, gegen Abend gesehen haben. Am 23. Mai erklärten weitere sieben Zeugen, daß sie Stawsky am Abend des 16. Juni im Restaurant Hascharon gesehen haben. Eine weitere Verstärkung erhielt das Alibi Stawskys durch die Aussage von Mosche Mandelbaum und Jakob Friedmann. Sie bezeugten, daß eie Freitag zwischen 11 und 12 Uhr nachts Stawsky in tinern Schlafraum des Hotel Turgemann feseben, beaw, ihn als denjenigen erkannt haben, der ihnen später als Stawsky im Polizeihaus gezeigt wurde. Abraham Alma 1 i a, Mitglied der Exekutive des Waad L e \i m i, bezeugte, daß er Achi Meir am Freitag um 6 Uhr nachmittag in einem Jerusalemer Cafe gesehen habe; dadurch ist Stawskys Behauptung, daß er in diesem Cafe" Achi Meir gesucht habe, gestützt. Si'ma Arlosoroff/ die //größte Lügnerin" Achi Meir wurde am 24. Mai von Akko nach Jerusalem gebracht, wo er als Zeuge aussagte. Er wurde in Ketten vorgeführt, sah nach dem Hungerstreik sehr angegriffen aus, lehnte aber ab, sitzend auszusagen, da er nicht den Stuhl der größten Lügnerin (Frau Sima Arlosoroff); benützen wolle. Achi Meir äußerte sich zunächst über seine Ansicht betreffs terroristischer Methoden zu politischen Zwecken und schwor dann bei der Bibel, er habe dem Polizeiinspektor G o f f e r erklärt, daß er Stawsky am Mordabend um 7 Uhr in Jerusalem gesehen habe. Das Zimmer habe er mit Stawsky wegen der verbilligten Miete und auch aus Parteiinteresse („illegale" Einwan-» derung); geteilt. Rosenblatts Alibi Eine Reihe von Arbeitsgenossen R o s e n b 1 a 11 s sagte aus, daß er am Mordabend, Freitag, den 16. Juni, mit ihnen einem Meeting in Kfar Saba beigewohnt und zweimal das Wort ergriffen habe. Das sei auch im Protokoll verzeichnet. * Wie berichtet wird, soll der Brith Habirjonim-Prozeß erst nach Beendigung des Arlosoroff- Prozessea in Jerusalem stattfinden, Kuranstalt Dianabad NEUE ABTEILUNG FÜR HERZKRANKE Herzklappenfehler, Arteriosklerose, Angina-Pectoris, Blutdruckerhöhung, Basedow, Herzneurose etc. Neueste Untersuchungsmethoden ELEKTROKARDIOGRAPHIE Modernste Behandlung, Physikalische Therapie jeder Art PAUSCHALKÜREN Vertragsanstalt sämtlicher Krankenkassen Präsident Masaryk Ein alter Freund der jüdischnationalen Bewegung Zum vierten Male ist Thomas Garrigue MasaryK zum Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, an deren Spitze er seit 16 Jahren steht, für weitere sieben Jahre gewählt worden. Die Wiederwahl Masaryk3 wird in jüdischen Kreisen überall in der Welt mit Genugtuung begrüßt werden. Dieses hervorragenden Denkers und Staatsmannes Gefühl für Gerechtigkeit brachte ihn oft dazu, sich angegriffener JudeBt anzunehmen und gerechte jüdische Forderunge n zu unterstützen. Im Polnaer Prozeß gegen H i ls n e t trat er scharf gegen den Ritualmordglauben auf und wies als Abgeordneter des österreichischen Reichsrates und in Reden außerhalb des Reichsrates sowie in Broschüren die Haltlosigkeit der Anklage und der Ritualmord-Legende im allgemeinen nach, auch warnte er davor, das Volk mit antisemitischen Lügen zu vergiften. Als er während des Weltkrieges im Ausland für die Idee eines tschechoslowakischen Staates warb, verschaffte ihm die Erinnerung an seine Haltung im Polnaer Prozeß die Sympathie der Juden, insbesondere in England, Frankreich und in Amerika, die ihn in seinen Bestrebungen unterstützten. Er stand mit führenden Juden und Zionisten in Verbindung und äußerte wiederholt seine Sympathien für den Zionismus als einer großen sittlichen Bewegung im jüdischen Volke. Unter seiner Präsidentschaft erfolgte zum erstenmal die staatliche Anerkennung der jüdischen Nationalität. * Aus Anlaß der Wiederwahl des Präsidenten Masaryk sei an seine politische Tätigkeit in Wien erinnert, welche ihn mit jüdischnationalen Führern in engere Fühlung brachte. Präsident Masaryk gehörte mit den Jüdischnationalen Luzian B r u n n e r, Dr, K a d i s c h, Abg. Dr. Straucher, Dr. S c h a 1 i t und Ing. Robert Stricker der Leitung des Vereines „Nationale Autonomie" an. Dieser Verein wurde von einer Gruppe von Politikern gegründet, welche in der deutschen und magyarischen Herrschaft über die anderen Nationen das Unglück der österreichischen Monarchie erkannten. Sie forderten im Interesse der Erhaltung Oesterreich-Ungarns die Befreiung und kuturelle und politische Gleichstellung, d. h. die Autonomie der Nationalitäten Oesterreich-Ungarns. Der Verkehr in diesem Kreise brachte damals Prof. Masaryk der jüdischnationalen Idee nahe. Nicht zuletzt diesem Umstände haben es die Juden der Tschechoslowakei zu danken, daß sie gesetzlich als gleichberechtigte Nation anerkannt sind. Verurteilung jüdischer Arbeiterführer in Palästina Aus Jerusalem: Elf jüdische Arbeiterführer, die auf Grund der neuen Verordnung, durch die das Postenstehen vor Betrieben, die arabische Arbeiter beschäftigen, verboten wird, in letzter Zeit verurteilt wurden, haben die Schewuoth-Felertage im Gefängnis verbracht. Vier von ihnen sind erst am Freitag verurteilt worden, und zwar zu je zwei Monaten Zwangsarbeit ohne Berufungsrecht. Ein Strafaufschub bis nach den Feiertagen gegen Hinterlegung einer Kaution wurde ihnen verweigert. Bei Verkündung des Urteils erklärte der Richter, Commander B o d i 11 y, die Regierung werde genötigt sein, die jüdische Einwanderung einzuschränken, falls der Kampf durch Postenstehen fortgesetzt werde. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt» Heben Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichji^

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