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Die neue Welt · 1934-05-25 · Heft 367 (25.5.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 367 (25.5.1934)
Date
1934-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 367 In der Karanstalt Dianabad wurde eine Abteilung für Diagnostik und Therapie der Herz- und Gefäßkrankheiten, für Elektrokardiographie und Sportuntersuchungen neu eröffnet, deren ärztliche Leitung dem Facharzt für innere Krankheiten Dr. Edmund Ronald übertragen wurde. unheilvolle Folgen nach sich ziehen muß. Jener Mangel, auf welchen der Vertreter der Judenstaatspartei auf der A. C.-Sitzung hingewiesen hat. Leider vergeblich! Präsident Sokolow gegen Kampf Zum traurigen Beweis der Unzulänglichkeit der politischen Führung kommt aber der ebenso traurige, ihre Zwiespältigkeit, hinzu. Noch ein dritter Führer hat gesprochen, der angeblich der oberste ist: Der Präsident der Exekutive, Herr Nahum Sokolow. Auch er hat. sich den Vertreter der J. T. A. kommen lassen und eine Rede gehalten. Aber eine Rede gegen seine Kollegen in der Leitung, gegen Ben Gurion und Shertok. gegen jeden Kampf gegen die englische Mandatarmacht. Sokolow sagte dem J. T. A.-Vertreter: Völlig grundlos sind die Gerüchte, daß die Exekutive ein gegen die englische Palästina-Politik gerichtetes „Blau- Weiß-Buch" herausgegeben wird. Die Exekutive, wiederholte er nachdrücklich, ist nicht gesonnen, unter irgendwelchen Umständen irgendweiche gegen die englische Regierung gerichtete ,.Bücher" herauszugeben. Sie werde sich wahrscheinlich darauf beschränken, eine Broschüre über das vorliegende statistische Material betreffend die jüdische Einwanderung zu veröffentlichen, damit jedermann Gelegenheit geboten sei. das Material zu studieren (!). Er fügte hinzu, daß noch nicht alles verloren sei. Man braucht nicht zu kämpfen. ,,Wir können an höhere Instanzen appellieren, um mehr Zertifikate zu erlangen," Zum Schlüsse erklärt er noch, im Gegensatze zu Ben Gurion, daß die Nachrichten über eine politische Gefahr im Orient übertrieben seien. Er unterläßt allerdings, zu sagen, wer die ..höheren Instanzen" sind, wo man gegen den Willen der Mandatarmacht und noch dazu „ohne Kampf" Zertifikate bekommen kann .... Diese Reden wurden von den verantwortlichen Leitern der zionistischen Politik in der gleichen Zeit und in der gleichen Stadt gehalten. Ein Bild der Planlosigkeit und Zerrissenheit, das in diesen Stunden schwerer zionistischer Bedrängnis doppelt niederdrückend wirkt. An ihm erkennt man, daß die Warnung und der Antrag des Vertreters der Judenstaatspartei nicht Ausfluß von Oppositionslust, sondern Ausdruck politischer Einsicht und zionistischer Gewissenhaftigkeit waren. Der „Märtyrer" Gustav Mahler In der Berliner „Jüdischen Rundschau" v/idmet ein Mu3ikessaiist dem verstorbenen Gustav Mahler eine Betrachtung. Man weiß, daß Mahler, gleich nachdem er den Bereich der Wiener Hofoper betrat, die Taufe nahm und sich in seiner christlich-liberalen Umgebung zu verankern versuchte. Diese war nicht intolerant. Sie machte ihm seine Abstammung vergessen... und die Juden, in der Blüte der Assimilation, sonnten sich im Glanz seines aufsteigenden Ruhms. , Die zionistische „Jüdische Rundschau" allerdings versucht (der Autor des Artikels heißt Erich Werner, Saarbrücken) zu beweisen, daß Gustav Mahler eigentlich immer — Jude war, ja sogar ein jüdischer Märtyrer, der sein Leben lang die verzehrende Sehnsucht nach dem ,,Zurück", zurück zum Judentum besaß. Von dem Mann, der seine Volksgemeinschaft verließ und sich an sie nicht erinnern wollte, sagt Herr Erich Werner: ..Inmitten der geistigen Enge, in der Zeit einer öden Indolenz in religiösen Dingen, wie sie hei dem saturierten und assimilierten Bürgertum am Ende des 19. Jahrhunderts vorhanden war, verdankt Gustav Mahler seine Größe doch dem Gewissen des Judentums." Herr Werner will in Mahlers Werk chassidische Hymnen, hebräischen Geist und die Melodik der ostjüdischen Seele finden, kurzum alles, wai Mahler ostentativ ablehnte. Märtyrer? Mahiers Unrast entstammte dem Gefühl, daß er sich vom Judentum doch nicht loslösen und im Christentum doch nicht verwurzeln könne. Mahlers Märtyrertum bestand auch äußerlich darin, daß Ihn die deutsch-christliche Umwelt, sogar im liberalen Zeitalter, nicht als vollwertigen Deutschchristen anerkannte, als das, wozu er sich immer wieder bekannte. Der Versuch der „Jüdischen Rundschau", aus Gustav Mahler und seinen vom Judentum abgeirrten Sch one oommerwo hnung en beste Lage, großer, schöner Qarten, fließendes Wasser, Bad im Hause, komfortable Einrichtung, mit und ohne Wäsche, staubfreie Lage, in Sauarbrunn, Badgasse 15, billig zu vermieten. Telephon U-22-9-51. Ruhiger Aufenthalt- Keine Belästigung. Schicksalsgenossen Märtyrer zu machen, muß Immer mißglücken. Kulf urpropaganda In seiner letzten Kulturpropagandarede versprach Minister Dr. Goebbels, den Juden bis ins vierte Geschlecht aus dem deutschen Kunst-, Literatur- und Musikleben auszumerzen. Es sollen sogar diejenigen „Arier' angeprangert werden, die noch irgend welche Beziehungen zu Juden haben ... Aber man weiß sich in Hitler-Deutschland zu helfen. Man fälscht einfach. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten' vom 20. April bringen die Bekanntmachung eines Musikprogramms, einer Platzmusik, worin angeführt ist: Ouvertüre zur Operette „Orpheus in der Unterwelt" von Suppe". Jeder Laie weiß, daß die klassische „Orpheus"- Operette vom berühmten jüdischen Komponisten Jacques Offenbach stammt. Aber da Goebbels keine Juden auf dem Programm haben will, muß der minder berühmte Wiener Arier Suppe" herbalten. Wenn Julius Streicher in Nürnberg in der Ritualmord-Nummer seiner Zeitschrift „Der Stürmer" Gerichtsakten fälscht, um Juden des Ritualmordes zu bezichtigen, so sieht daneben ein Suppe" statt eines Offenbach harralos aus. Die Hauptsache bleibt: Kulturpropaganda... FAMILIEN - PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich 3-Uhr-Tee UMMEDIIIA Telephon 11, Hochstraße 43 1*11*1 Eft«!H\J neben Hotel Pannen« Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U-27-6-24 Frieden ist schön, aber nicht dann, wenn er nur rein äußerlich kleistert und scharfe innerliche Gegensätze bestehen bleiben. Dann wird der Frieden zum Stifter noch ärgerer Unruhe. Um des lieben Friedens willen haben die Berliner Jüdischnationalen auf die fälligen Neuwahlen in die Berliner Judengemeinde verzichtet und der Verlängerung der Amtsdauer des Vorstandes zugestimmt. Kaum war der Pakt geschlossen, so schrieb auch Herr Bruno W o y d a. Führer der assimilatorischen Gruppe im Gemeindevorstande, die angesichts des Bankrottes des AntiZionismus in Deutschland im Falle von Neuwahlen kaum gut abgeschnitten hätte, im jüdisch-liberalen Organ: „Die Verlängerung der Legislaturperiode ist die Beibehaltung der deutschen Führung in der Gemeinde. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß nationaljüdischen Kreisen in der Einheitsgemeinde nicht auch ihr Recht werden soll. Aber die Führung und Tendenz der Berliner jüdischen Gemeinde wird fortan wie bisher eindeutig deutsch in nationaler Hinsicht orientiert sein." „Es wird nunmehr neben der bisherigen Gemeindearbeit, die selbstverständlich fortgeführt werden muß, besonderer Wert der Pflege deutscher Gesinnung und deutscher Kulturverbundenheit durch die Gemeindeführung beizumessen sein." Die gewiß nicht radikale zionistische „Jüdische Rundschau" schreibt dazu: „Wir nehmen an, daß die deutschen Juden soviel Einsicht in die Situation haben, daß sie diese Bemerkungen des Herrn Woyda als eine grobe Taktlosigkeit empfinden werden. Es ist schon angesichts der allgemeinen Lage recht fragwürdig, wenn ein Jude proklamiert, die Jüdische Gemeinde werde nunmehr „eindeutig deutsch" sein und ihr die Pflege deutscher Gesinnung zur Aufgabe macht; denn die d eu t s c h e Welt wird höchst erstaunt sein, daß eine jüdische Gemeinde jetzt solche Aufgaben haben sollte. Die Bemerkungen Woydas können nur als eine Provokation der Berliner Judenschaft aufgefaßt werden. Der Artikel des Herrn Woyda beweist, wie begründet die Bedenken gegen einen vorschnellen Abschluß des Kompromisses gewesen sind." Wie zu ersehen, dürfte der noch vor wenigen Tagen wortreich und weihevoll begrüßte „innere, jüdische Frieden" nicht von langer Dauer sein. Der Gegensatz zwischen Zionisten und Antizionisten ist eben kein persönlicher oder auf Gegenstände minderer Bedeutung beschränkter, daher durch Friedensreden allein nicht aus Die schönsten Palästinareisen zu billigsten Pauschalpreisen mit und ohne Landarrangement allmonatlich. Sichern Sie sich jetzt schon einen Platz für unsere Reise //RosdiffHasdianah im Heiligen Lande"« Auskünfte und Prospekte: REISEBÜRO „MARIENBRÜCKE" (Palästinadienst, Leitung: BERTA TAUBES) WIEN, I., ROTENTURMSTRASSE 26 Tel. R-24-2-86, R-24-2-87 VILLA Kurarzt Dr. Loebel der Welt zu schaffen. Programme sind nicht da, um im entscheidenden Augenblicke zurückgestellt zu werden. Die deutschen Juden müssen jetzt entscheiden, welchen Weg sie zu gehen haben. Ein Frieden, der diese Entscheidung verhindert, ist faul. Das wahre Gesicht der „Liga für das arbeitende Palästina — Assimilatorische Verlegenheiten Unser Prager Mitarbeiter schreibt: Die „Liga für das arbeitende Palästina" wurde seinerzeit von der sozialdemokratischen Poale-Zion begründet, um ihre Herrschaft über die zionistische Weltorganisation zu befestigen und der gewerkschaftlichen Klassenkampforganisation „Histadruth" in Palästina neue Mittel zuzuführen. Man schuf die „Liga" als neutrale Organisation, um Personen aus dem Lager der bürgerlichen, allgemeinen Zionisten einspannen zu können. Das gelang auch. In vielen Ländern, besonders aber in der Teschechoslowakei, traten viele allgemeine Zionisten der „neutralen" Liga bei und halfen so beim Kampfe gegen die national eingestellte zionistische Jugend und. Arbeiterschaft mit. Wenn man den allgemeinen Zionisten deswegen Vorhalte machte, entschuldigten sie sich mit dem Hinweis auf den neutralen Charakter der Liga. Nun ist dieser Vorwand weggefallen. Die Liga zeigt ihr wahres Gesicht. Auf ihrer letzten, in Mährisch-Ostrau abgehaltenen Tagung erklärte der Vorsitzende, daß wohl die Liga bisher Mitglieder ohne Rücksicht auf ihre parteipolitische Einstellung zur „Histadruth" gesammelt habe, daß sich aber nunmehr — zwecks Bekämpfung des Faschismus (?) im Zionismus — die Liga in den Dienst der Histadruth stelle. Ob das Verprügeln von national orientierten jüdischen Arbeitern und Kindern, das Demolieren von Werkstätten, die auch national organisierte Arbeiter einstellen, das Verdrängen der blau-weißen Fahne durch die rote, marxistische Erziehung der Jugend und ähnliche Aktionen der „Histadruth" im Kampfe gegen den faschistischen Zionismus unbedingt notwendig sind, bleibe dahingestellt. Aber es ist gut, daß endlich einmal reiner Tisch gemacht ist und das Fischen im Trüben aufhört. Jetzt weiß jeder, wie er mit der „Liga" daran ist und die Ausreden gewisser „allgemeiner" Zionisten haben auch jede äußerliche Berechtigung verloren. * Als nach dem Kriege die Slowakei von Ungarn an die neugegründete tschechoslowakische Republik fiel, gerieten ihre Juden in große politische Verlegenheit. Sie hatten sich bisher als nationale Magyaren und Deutsch© ausgegeben und vom Bekenntnis zu ihrer jüdischen Nation nichts wissen wollen. Nun siegte die Einsicht und die Juden der Slowakei bekannten sich in Uberwiegender Majorität bei Volkszählungen und Wahlen zum eigenen jüdischen Volkstum. Das aber ließ die unentwegten Assimilanten nicht ruhen und sie, die „Magyaren" und „Deutschen" von gestern, wurden plötzlich „s 1 owakisch-national" und gründeten unter Führung des Primarius Dr. Roth aus Preßburg den „Verband slowakischer Juden". Hauptzweck: Kampf der „vaterländischen" Judenschaft gegen die Jüdischnationalen. . Nun ist im Verband eine Krise eingetreten und Dr. R o t n hat seine Demission gegeben. Die Kaschauer Mitglieder haben nämlich beantragt, den „Verband slowakischer Juden" in „Verband tschechoslowakischer Juden" umzutaufen. Der Antagonismus, der zwischen den herrschenden Tschechen und den nach Autonomie strebenden Slowaken besteht, macht diesen Antrag zu einem hochpolitischen. Jetzt tobt im assimilatorischen Lager der Streit, ob man „slowakischer" oder „tschechoslowakischer" Nation ist, ob man vor Preßburg oder Prag nationale Liebedienerei betreiben soll. Die Jüdischnationalen sind der Verlegenheit dieses Streites enthoben, aber die anderen stecken tief drin. In der Slowakei ist es jetzt wirklich nicht leicht, ein Assimilationsjudo zu sein. Kinder ins Oefeirge Das bestrenommierte Ferienheim Wienerbruck bei Mariazell (800 Meter) nimmt Kinder (3 bis 15 Jahre) auf. Erstklassige Referenzen, mäßige Preise. Anmeldung Elly Rothwein, VII., Mariahilferstraße 72/17, Tel. B-36-0-52. üvaxew Brie Am 8. Mai fand die konstituierende Sitzung des neuen Kultusrates statt. Er war auf Grund eines Kompromisses zwischen den Zionisten und den anderen jüdischen Gruppen gewählt worden. Die Zionisten hatten mit Rücksicht auf die allgemeine Situation auf einen Wahlkampf verzichtet und sich mit 1 4 Mandate n zufrieden gegeben. Die Nichtzionisten erhielten 10 Mandate. Zum Präsidenten der Gemeinde wurde der bekannte Grazer Zionist und bisherige Präsident der Gemeinde, Herr Dr. Robert Sonnenwald, einstimmig wiedergewählt. Als Vizepräsidenten fungieren die Herren Gustav Pollak (konservativ) und Karl Schwarz (Zionist). In den Vorstand wurden noch von zionistischer Seite die Herren Elias Grünschlag, Oskar Freudmann, Alfred Klein, Milan Freibergcr entsendet. Präsident Dr. Sonnenwald betonte in seiner Antrittsrede, daß er die Geschäfte der Gemeinde als aufrechter Jude und bewußter Zionist, aber in streng objektiver Weise führen werde. Auch die beiden Vizepräsidenten betonten, daß die Arbeit, wie bisher, in objektiver und sachlicher Weise geführt werden müsse. Hernach erfolgte die Wahl in die einzelnen Sektionen. Neu geschaffen wurde die Palästina-Sektion, die sich mit der Alijah zu beschäftigen haben wird. Bei der konstituierenden Sitzung wurden S 100— für den „Jüdischen Nationalfonds" gesammelt. Dr, Lichtensteln, )

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