Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 367 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DBB NETTE WELT Nr. *6T r (Beifüge Arbeiter Jrauen, SReroöfc, ^udfetf raufe, hartleibige effen im eigenen Sutereffe bai bimfle, aromat. Simoitfifirot Sefjr bequem: ^imonabrrtpäefdjen in Stanniol. 3n allen guten fteinfoftljunbhtngeii unb ütelen SJädfereien 3U baben. <£a§ erfte ©rot in fjngicnifc&er SJerpotfung. V*Simon8brotfabrif SBien-Äagran 55. Xägf. ^oftöerf.^ Haifa wurden fünf Demonstranten erheblich verletzt. DJe Revisionisten in Jerusalem erließen einen Appell an die Judenheit Palästinas, zum Zeichen de« Protestes gegen die Inhaftbehaltung Achl Meirs. keine Theater-, Kino- und Konzertveranstaltungen zu besuchen. Die Polizei ging mit Knüppeln gegen die Demonstranten vor und trieb sie auseinander. * Nach einer jüngsten Meldung wurde Achi Melr im Zusammenhang mit den Demonstrationen in das Gefängnis von A k k o n gebracht. Das Warschauer Rabbinat hat beschlossen, daß in allen Synagogen Gebete um ein gerechtes Urteil im A rlosoroff-Mordprozeß gesprochen werden sollen. Der Besen :^ des Warschauer Rabbinats wurde auf Grund eines Eriefes gefaßt, den Rabbi Kahane von führenden Misrachisten in Palästina erhalten hat. In dem Brief wird der Fall als eine fürchterliche Blutbeschuldigung bezeichnet. Auch der Rat der Warschauer Jüdischen Gemeinde hat in einer Resolution der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die Angeklagten schuldlos sind und daß sie bald freigesprochen werden. // // Der frühere Chef der Palästina-Regierung, Sir Chaiv^ao:;, wurde allgemein als der ..schlechte" Oberkornmissär bezeichnet, ganz berechtigt. Er war nicht nur in politischer Beziehung antizionistisch eingestellt, er I"gte auch persönlich ein abstoßendes Benehmen an den Tag. Sein jetzt regierender Nachfolger, Sir W a uc h o p e, erwarb bald den Ehrentitel eines „guten" Oberkommissärs. Er benimmt sich auch reizend. Er macht häufig Spaziergänge durch Kolonien und Fabriken, unterhält sich freundschaftlich mit jüdischen Arbeitern, hört mit herzlicher Aufmerksamkeit ihre kleinen Wünsche und Be.chwerden an, notiert sich vieles, klopft ihnen jovial auf die Schulter. Gar mancher Arbeiter, der sich nach seiner fernen Schwiegermutter sehnte, bekam auf diese Weise die Einfuhrbewilligung vom Herrn Oberkommissär selbst. Sir Wauchope erhebt sich als erster, wenn man die jüdische Nationalhymne spielt. Er leiht oft zionistischen Führern sein Flugzeug und die Herren Ben Gurion und Shertok von der Zionistischen Exekutive trinken fast jede Woche bei ihm Tee, trotzdem sie keine Lords, sondern jüdische Arbeiterführer sind. Das alles steht breit und lang in den Zeitungen, wird in alle Welt telegraphiert und gibt der Exekutive die Möglichkeit, sich ihrer hervorragenden Beziehungen zur Palästina-Regierung zu rühmen und den unzufriedenen Zionisten mit der beruhigenden Erklärung zu begegnen, daß man bei Sir Wauchope ein- und ausgeht und alle „wichtigen Maßnahmen" vorher mit ihm bespricht. Nun gibt es aber eine störrische zionistische Opposition, welche mit den Spaziergängen, Flugzeugfahrten, geklopften Schultern und Teetrinkereien des „guten" Oberkommissärs nicht zufrieden ist. Und es zeigt sich von Stunde zu Stunde deutlicher, wie berechtigt diese Unzufriedenheit ist. Alles, was dieser ..gute" OberkonuTriio3är tut, ist gegen den Zionismus und die jüdische Kolonisation, gegen die jüdische Arbeit im Lande gerichtet. Behinderung der jüdischen Einwanderung! 5600 Zertifikate statt der geforderten 20.000! Anleihe für die arabische Kolonisation! Ankündigung dos Parlamentes mit arabischer Majorität! Wahrlich genug, um zu erkennen, was an politischer Denkart hinter dem ewigen Lächeln des „guten" Obsrkomrnissärs und hinter den „vorzüglichen" Beziehungen der Zionistischen Exekutive zu ihm steckt. Daß er nicht nur politisch, sondern auch persönlich ganz ungemütlich werden kann, das zeigt die folgende Meldung: Aus Jerusalem: In den letzten Tagen hat High Commissioner Sir Arthur W a u c h o p e in Begleitung des Mitglieds der Palästina-Exekutive Moschc Shertok eine Reihe jüdischer Siedlungen besucht, wobei er sich hauptsächlich für die E i ngliederung von Neueinwanderern aus Deutschland in das Siedlungswerk interessierte. Sir Wauchope sprach zwar mit einzelnen Kolonisten über ihre persönliche Wirtschaftslage, sonst aber nur von nebensächlichen Dingen. So lehnte er ab, über die Bitte, mehr jüdische Einwanderer ins Land zu lassen, auch nur zu sprechen. Als ihm in einer Kolonie eine Petition um Verstärkung der jüdischen Einwanderung überreicht wurde, antwortete er scharf abweisend: „Ich habe kein Interesse, mich mit irgendjemand in eine D ebatte über jüdische Einwanderung einzulassen. Ich habe über diese Sache schon genug mit Herrn Shertok gesprochen." Es ist also richtig, daß Herr Shertok viel mit dem ..guten" Oberkommissär spricht oder — wie letzterer sagt — genug spricht. Nur schein! die Unterhaltung etwas einseitig zu verlaufen. Herr Shertok spricht, spricht genug, spricht viel — und Sir Wauchope tut dann, was er will. Er läßt die verzweifelten Juden nicht in ihr Land, trotzdem dort Mangel an jüdischen Arbeitern herrscht. Er setzt an Stelle des jüdischen Arbeiters den arabischen, auf j Üd i s c h e n Grund, im jüdischen Nationalheim. Dafürläßt er den Judenvertreter Herrn Shertok Flugzeug fahren und nach Belieben Regierungstee trinken. Gratievergnügungen, wplche das jüdische Volk am Ende teuer zu stehen kommen. Gott schütze es vor .„guten" Oberkommissären! " Die Verteilung der neuen Einwanderung«« Zertifikate Aus Jerusalem: Das Immigrations-Departement der Palästina-Exekutive gibt folgenden Verteilungsschlüssel für die von der Regierung bewilligten Zertifikate, rund 5000, bekannt: Die Hälfte wird an Chaluzim unter der Bedingung ausgegeben, daß sie sich der Landarbeit zuwenden, 300 Zertifikate sind für orientalische Juden bestimmt, die sich derselben Bedingung unterwerfen, und 200 für Industriefachleute. Der Rest wird an gelernte Arbeiter und Handwerker, vor allem in Polen, ausgegeben; hiebei sollen zunächst solche Personen berücksichtigt werden, die Verwandte in Palästina haben. Die Immigrations-Abteilung teilt in diesem Zusammenhang mit, daß 8000 Gesuche um Zuteilung von Zertifikaten an Verwandte in Palästina ansässiger Personen vorliegen; 7000 dieser Gesuche stammen aus Polen; es könne somit mit Rücksicht auf die geringe Zahl der zur. Verfügung stehenden Zertifikate nur ein Bruchteil derjenigen, die sich um Einwanderung beworben haben, berücksichtigt werden. Besonders schwierig ist die Lage betreffend die Ansuchen, von F.rau'en. Während nicht weniger als 5000 palästinensischer Einwohner um die Zulasung weiblicher Verwandter zur Einwanderung gebeten haben, stehen der Jewish Agency nur 185 Zertifikate für Frauen zur Verfügung; 100 von diesen Zertifikaten sind für Frauen aus Deutschland reserviert. Für die Leser der „Neuen Welt" nur Die Qliten billigen Neudegget Fahrschulen Wien, VIII. Neudegpergasse 18., u. Inzersdorf (Nied.-Oest.). (Tel. B-46-5-72) Elektr. Lehrchassis! 10*000 jüdische Arbeitsplätze von Arabern besetzt Aus Jerusalem: Infolge der Drosselung der jüdischen Einwanderung und des damit verbundenen Mangels an jüdischen Arbeitskräften geht eine fortschreitende Verdrängung jüdischer Arbeiter aus den für sie bestimmten Arbeitsplätzen durch Araber vor sich. In Tel-Awiw sind derzeit nicht weniger als 1500 arabische Arbeiter beschäftigt. In Haifa beträgt die Zahl der arabischen Arbeiter, die jüdische Arbeltsplätze besetzt haben, über 700, ebenso groß ist die Zahl der von Arabern besetzten jüdischen Arbeitsstellen in Jerusalem. Die Zahl der Araber, die in jüdischen Orangenplantagen an Stelle von Juden beschäftigt werden, wird mit 7000 angegeben. Unter Hinzurechnung der etwa 3000 städtischen Arbeitsplätze sind somit rund 10.000 für Juden bestimmte Arbeitsplätze derzeit von arabischen Arbeitern besetzt. Trotzdem nimmt ein Teil der arabischen Presse die Forderung nach Berücksichtigung jüdischer Arbeiter in jüdischen Unternehmungen zum. Anlaß einer scharfen Kampagne, wobei einzelne Blätter, wie die -,,Arab Federation", sich sogar dazu versteigen, für den Fäll des Beharrens der Juden auf ihrer Forderung mit Unruhen, ähnlich denen des Jahres 1929, zu drohen. Drohung eines englischen Richters Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Der Richter Rolf B o d i 11 y verurteilte kürzlich einige junge Juden, welche dagegen Stellung nahmen, daß arabische Arbeiter in jüdischen Orangenpflanzungen. beschäftigt werden, zu einigen Wochen Arrest. Bei der Urteilsmotivierung erklärte er: Wenn die jüdischen Arbeiter weiterhin Araber nicht zur Arbeit in jüdischen Pflanzungen zulassen sollten, würde dies zu weiteren Begrenzungen der jüdischen Einwanderung führen. 5>er Kampf für jüdische Arbeit Aus Jerusalem: Die von der Assefath Haniwcharim (Jüd. Nationalrat) gegen die Verurteilung von drei jüdischen Arbeitern, die in Kfar Saba vor jüdischen Orangenpflanzungen, in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden, Streikposten gestanden haben, bei der Regierung erhobenen Vorstellungen sind erfolglos geblieben. Die drei Körperliche und geistige Frische sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondere im Alfer Bewahren und mehren Sie diese Schätze durch ständige, sparsame Pflege Ihres Körpers. 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Der sozialistische palästinensische Arbeiterverband (Histadruth) hat den Gewerkschaftsverbänden in London, New 1 o r k und Warschau von der Einführung der drastischen Strafbestimmungen Wen Postenstehen in Palästina Mitteilung gemacht/ Inzwischen hat sich die Lage in beziig auf Verwendung von arabischer Arbeit In Kfar Saba verschärft. Die Zahl der jüdischen Pflanzer, die arabische Arbeitskräfte beschäftigen, ist auf sieben gestiegen. 29 Todesopfer in Ti'beua* Aus Jerusalem wird uns berichtet: Nach den bisherigen Feststellungen sind bei der ersten Ueberschwemmung von Tiberias 29 Personen, unter Ihnen neun Juden, umgekommen. Ein Jude wird noch vermißt, ein Jude starb im Hospital, so daß sich die Zahl der jüdischen Opfer auf elf erhöht. Bei dem zweiten Wolkenbruch waren Menschenleben nicht zu beklagen. Weit mehr als 100 Verletzte, unter ihnen etwa 80 Schwerverletzte, si„« in Spltalsbehandlung. Unter den jüdischen Toten sind zwei sephardische Rabbiner, der 70jährige Mosche Yifrach und seine Frau, sowie Rabbi S am geh. Sämtliche judischen Gemeinden Palästinas sandten Lebensmittel und Kleidungsstücke an die vielen hunderte aller Mittel entblößter Opfer der Katastrophe. Die Agudan in Jerü* salem sandte 2000 Brotlaibe und 6000 Eier sowie Kleii dungsstücke für die Opfer. Nachdem das Wasser abgelaufen ist, bildet jetzt die Stadt fast zur Gänze einen Sumpf. Augenzeugen berichten, daß kein Geschäft offen ist, keine Nahrungsmittel zu haben sind und daß über 400 Wohnhäuser und Läden zerstört sind. Die Zahl der Obdachlosen wird auf 1000 geschätzt, von denen nur 150 in das Meir-Baal-Ness-Heim und 100 in das Schweitzer-Hospital aufgenommen werden konnten. Mörder wollen Bezahlung! Aus Berlin: Im Blatte des Ministers Goebbels, „Angriff", wird es als einen der krassen Fälle „jüdischer Unverschämtheit" angeprangert, daß der jüdische Möbelhändler Schümm in Kiel sich vor Gericht geweigert hat, dem SS.-Marin Wilhelm Asthalter eine Entschädigung dafür zu zahlen, daß Asthalter von Schümms Sohne am Juden-Boykott-Tay, 1. April 1038, angeblich verletzt worden sei. Der Gerichtsfall Schümm—Asthalter ist die Fortsetzung einer der grausigsten Judentragödien dea 1. Aprü 1983. An diesem Tage griff ein Trupp SA.- und SS-Leute die Möbelgroßhandlung Schümm in Kiel an, während der Sohn des Inhabers, der Berliner Rechts, amvalt Schümm, bei seinem Vater zu Besuch weilte, Bei dem Versuch, das Geschäft zu demolieren, wurde der SS.-Mann Anhalter von seinen eigenen Kameraden verletzt. Sofort verbreitete sich das Gerücht, daß der junge Schümm einen SS.-Mann angegriffen hat. Die Menge stürzte sich auf den jungen Rechtsanwalt, um ihn zu lynchen; Schümm wurde dabei schwer verletzt. Die Polizei entriß ihn der Menge und nahm ihn in Schutzhaft. Später stürmte die Menge das Gefangenenhaus, holte Schümm aus der Zelle und mordete Ihn bestialisch hin. Nunmehr soll der alte Schümm dem Asthalter eine Entschädigung zahlen. Die Weigerung des Möbclhändlers Schümm, dies zu tun, kennzeichnet der „Angriff" mit den Worten: „Das erlaubt sich ein Jude vor Gericht und kein Haar wurde Ihm gekrümmt!" 40.000 Dollars sind stärker ♦ Die in Bielitz (Polnisch-Schlesien) erscheinend« „Jüdische Wochenpost" bringt nachstehende ergötzliche Geschichte: Die Stadtvertretung von Bromberg ist in ihrer Mehrheit nationaldemokratisch gefärbt. Nationaldemokratisch ist in unseren Landen aber ein Synonym für antisemitisch. Das freilich konnte Frau Lene Co h n aus Chikago keinesfalls ahnen, als sie in ihrem letzten Willen die Stadt Bromberg mit einer Summe von 40.000 Dollar bedachte, wobei an das Legat die bescheidene Bedingung geknüpft wird, einen Teil des Geldes auch für jüdische Institutionen zu ver-, wenden. Die unverhoffte Erbschaft brachte die Mehrzahl der Stadtväter in einen peinlichen Gewissenskonflikt: Geld stinkt nicht, meinten sie, aber die Bedingung mit den jüdischen Institutionen paßte ganz und gar nicht in ihren antisemitischen Kram. Daher I e h n t e n sie mit stolzer Geste die Annahme der Erb»