Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 367 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen lahrgang 9 Freitag, den 25« Mai 1934 Nr« 307 V« b* b» Zeitung vom Verleger versendet »Journal expedie par reditenr» BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S4.-, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6.- Tscfaectaoslowakel monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel* jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, leL A-20-2-78 — ErscheintDienstag und Freitag REVUE Sieben Stunden Generalstreik in Palästina Jüdischer Protest gegen die Palästina-Regierung Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Assefat-Haniwcharim, die Gesamtv ertretung der palästinensischen Judenheit, welche ihre Tagung Freitag, den 18. Mai, beendete, hat für Mittwoch, den 23. Mai, einen Generalstreik der ganzen jüdischen Bevölkerung Palästinas als Protest gegen die letzten Begrenzungen der Palästina-Regierung auf dem Gebiet der jüdischen Ein wanderung und der jüdischen Arbeit proklamiert. Der Streik wird um 12 Uhr mittags beginnen und bis 7 Uhr abends dauern. Alle jüdischen Unternehmungen werden geschlossen, die ganze Arbeit im Land wird eingestellt sein. Die Zusammenstöße in Tel-Awiw Aus Jerusalem wird unter dem 23. Mai gemeldet: Der angekündigte jüdische Generalstreik ist heute durchgeführt worden. Das Geschäftsleben lag in vielen Teilen des Landes vollkommen still. In Jerusalem und vielen anderen Städten wären alle. Geschäfte, Fabriken, Restaurants und Cafös geschlossen. Der Verkehr ruhte so gut wie vollständig. Es wurden zahlreiche Massenversammlungen abgehalten, in denen die Redner sehr scharf gegen die von der Regierung verfolgte Einwanderungspolitik gegenüber den Juden Stellung nahmen. Während des Proteststreiks kam esinTel-Awiw zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, als diese versuchte, die demonstrierende Menge zu zerstreuen. Hiebei wurden vierzig Personen verletzt. Auch in Jerusalem ereigneten sich Zwischenfälle. Reitet 5000 Juden! Wie im Saargebiet der Pogrom vorbereitet wird Nächste Nummer erscheint Dienstag früh Preis 10 Grosehen mit den vorzüglichen, grölten Solonithilfen der direkten Eillinie TRIEST-JAFFA des LLOYD TRIESTINO Ab f a h r t e n j eden Mi ttwoch um 13 Uhr Fernen Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komlon Auskunft: Lloyd Triestino, Wien I, Kärntnerring 6, Tel. U-A7-5.60 In der Art, wie vorstehendes Bild dies zeigt, wird unter den Augen der vom Völkerbund eingesetzten Regierung im Saargebiete gegen Juden agitiert. In beklemmender Seelenangst bangen 5000 Juden der Abstimmung entgegen, welche im Frühling 1935 entscheiden soll, ob das Land an Hitler-Deutschland zurückfällt. Wohl werden jetzt beim Völkerbund in Genf Verhandlungen darüber geführt, welche „Garantien" man von Hitler- Deutschland zum Schutze der Saarjuden verlangen soll. Aber die Saarjuden können nur bitter lachen, wenn sie von „Garantien" hören. Sie werden ausgerottet werden, mit oder ohne Garantien. Wer fliehen kann, flieht schon jetzt. Schon haben große jüdische Firmen ihre Geschäfte verkauft, die Inhaber fliehen weg. Was aber sollen die anderen tun, die nicht in der glücklichen Lage sind, ausreichendes Kapital mitzunehmen?. Konferenzen und Garantien können da wenig nützen. Wenn man diesen unglücklichen Juden helfen will, muß man sie in die Lage [versetzen, wegzuziehen und ihnen ein Asyl schaffen, ihnen (vor allem die Möglichkeit bieten, nach Palästina zu gehen, Ein Bericht der Saarland-Kommission Aus Genf wird gemeldet: Der 57. Viertel Jahresbericht der Regierungskommission für das Saarland an den Völkerbund wurde soeben hier veröffentlicht. Ihm ist ein Sonderbericht des Mitgliedes der Regierungskommission M a r i z e beigegeben, der in Genf allgemeines Aufsehen erregt hat, weil er die saarländischen Justizverhältnisse beleuchtet. Marize erklärt, er könne nicht länger schweigen, wenn er zusieht, wie die Rechtsprechung der saarländischen Gerichte sich immer mehr der im nationalsozialistischen Reiche anpaßt. Die ganze Saarbevölkerung wird unter einem schrankenlosen Druck gehalten, der yon keinerlei Skrupel gehemmt ist und vor keiner gleichwie gearteten Bedrohung zurückschreckt. Die Regierungskommission mußte feststellen, wie wenig sie sich auf die lokale Polizei verlassen kann. Die saarländischen Richter folgen der Nazi-Rechtsentwicklung, die einzig und allein im „nationalen Interesse" die Quelle jeden Rechtes erblickt. Das Gefühl der Unsicherheit ist so groß, daß Saareinwohner, besonders Franzosen und Juden, die geschädigt und mißhandelt waren, es vorziehen, keine Klage zu erheben. Im Bericht wird u. a. auf folgende Beispiele hingewiesen: „Ein Landgerichtsdirektor, der bis zum 31. Dezember 1933 Vorsitzender der Strafkammer war, mußte Aeußerungen über R i t u a 1 m o r d, die er während einer Verhandlung gemacht hatte, richtigstellen und erklären. Der Antisemitismus, der an den Saargrenzen wütet und der sogar in eine . gewisse Gesetzgebung eingedrungen ist, müßte von den Gerichten eines Landes vollständig ferngehalten werden, das vom Völkerbund verwaltet wird. Diesist aber nicht der Fall, Mit. Staunen läs ich in einem alltäglichen \Scheidungsurteil, das zwei Ehegatten jüdischer Religion betraf, folgende Begründung: „Unter Juden spielt in allen Dingen des Lebens die Geldfrage eine besonders wichtige Rolle." Im Bericht wird eine Reihe von Fehlurteilen aufgezählt, die ein Gericht unter Vorsitz eben dieses Landgerichtsdirektors, der in öffentlicher Sitzung von Ritualmorden sprach, gefällt hat. Aus Saarbrücken: Die Saarbrückener Zeitungen veröffentlichen als Beispiel des herrschenden Naziterrors den Text eines Drohbriefes, den der Führer der Freiheitsfront im Saarland, Max Braun, ein Nichtjude, erhalten hat.' Der Brief schließt: „Verschwinde am besten sofort nach dem Westen und hole Deine Verbrecherkumpane K n o x (der englische Vorsitzende der Saarkommission!) und Heimburger mit. Wir brauchen Euch landfremdes Gesindel nicht in unserer Saarheimat. Du Judenlümmel wirst gekillt. Max Braun, verrecke! II Saardeutscher, erwache!!! Heil Hitler!" Achimen* freigelassen und wieder verhaftet Zum Arlosoroff-Mordprozeß wird aus Jerusalem gemeldet: Sofort nachdem der Angeklagte Dr. A c h i m e i r auf Antrag des Gerichts freigelassen worden war, wurde er von der Polizei verhaftet, weil gegen ihn noch eine zweite Anklage, und zwar wegen Schaffung einer sogenannten revolutionären Organisation, des „Brith Habirjonim", schwebe. Ein Antrag des Verteidigers, Achimeir, ebenso wie seinerzeit die anderen Mitglieder des Brith Habirjonim, gegen Kaution fre zulassen, wurde vom Gericht abgewiesen. Daraufhin ist Achimeir in den Hungerstreik getreten, der bereits vier Tage andauert. In den Gassen Jerusalems und Tel-Awiws sammeln sich Gruppen junger Zionisten und verschiedener Bürger an, welche stürmisch die Freilassung Achimeirs verlangen. Vor dorn Geschwornengericht geht der Prozeß gegen Stawsky und Rosenblatt weiter. Beide Angeklagte haben am letzten Verhandlungstag ausführlich dargelegt. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. wo sie sich in der Mordnacht aufhielten, und ihre Un, schuld nachdrücklichst betont. Zwi Rosenblatt erklärte im Kreuzverhör, daß er den Mitangeklagten Abraham Stawsky überhaupt nicht kenne, vielmehr erst nach seiner Verhaftung von der Existenz Stawskys erfahren habe. Die Aussagen der beiden Angeklagten gestalteten sich sehr bewegt. Demonstrationen um Achi Meirs Freilassung Die Bemühungen des Anwalts Horace Samuel und des Oberrabbiners Kook um Achi Meirs Freilassung sind gescheitert, doch nimmt man an, daß der Prozeß gegen die Mitglieder des Brith Habirjonim in den nächsten Tagen beginnen werde. Rabbi Kook sandte eine Botschaft an den seit 4 Tagen hungernden Achi Meir in die Zelle, mit der Aufforderung, den Hungerstreik einzustellen. Die Gefängnisverwaltung weigerte sich jedoen, Achi Meir die Botschaft zu überbringen. Die jüdische Bevölkerung veranstaltete in T e 1- Awiw und in Jerusalem Massenkundgebungen für die Freilassung Achi Meirs. Es versuchten etwa 2000 Personen in das Gerichtshaus einzudringen, wurden aber bald von der Polizei zerstreut. Bei einer Straßenschlägerei in getafftmetfer befttcfycn Oos beliebte grtther tteftauraten* int «atonal" eprtye^effattmnt .„ „ gamme^urgftailg* 7 fteinlie Wiener nn* internationale ©peiftn (1 SHinntc Pom 2>iana«$ad)