Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 366 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2711989--4364-2717835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
Nr. 366 DIE NEÜE WELT Seite T RUNDSCHAU Von Totengräbern des Zionismus Die Ernennung des bisherigen Chefsekretärs der Palästina-Regierung E. Mills an Stelle des sattsam bekannten Einwanderungsdirektors A. Hyamson sowie die Zuteilung von Edwin Samuel (Sohn des gewesenen Oberkommissärs Sir Herbert Samuel) an das Einwamlorungsamt sind ein Akt von zweifellos politischer Bedeutung. Wir waren mit der Amtaausübung Hyamsons, »lea jüdischen Beamten, unzufrieden und wünschten uns immer, daß er abtrete. Aber die Führung der Geschäfte durch Herrn E. Mills wird nicht unser Vertrauen finden. Herr Mills gehörte nämlich zu jener Sorte der britischen Palästina-Beamten, die jeden von den Juden ins Land gebrachten Fortschritt störend empfanden, ciic die arab» ■ seh- Wünsche betreffs der jüdischen Einwand" " sperre befürworteten und Schuld an dem S;.-'-■> ' n, daa heute das jüdische A fbauwerk niederhalten will. Sollte E d w i n Samuel in oie ußstnpfcn seines Vaters treten, so wäre auch von ihm nichts Erfreuliches zu erwarten. Wir haben in den Novembevnummern unseres Blattes vom Jahre 1Ö29. also nach den blutig c n arabischen A u g ustunr.ulicn, unter dem Titel „Die Totengräber des Zionismus" die tragische Geschichte des neuen Palästina beleuchtet und gezeigt, wie die englischen Beamten an den Zioniston Er Pressungen versuchten, und das unter den Augen ihres jüdischer. Chefs, wie sie versuchten, die Halfour- Deklaration zu sabotieren, die Araber gegen die Juden aufzuhetzen, politische Kulissenmanöver zu Betreiben ■-- unter besonderer Mitarbeit des politischen Sekretärs der Palästina-Regierung Mills, des jetzigen Einwanderungsdirektors. Es ist notwendig, diese Reminiszenzen ins Licht des Tages zu rücken. Oder wollen die Verkleinerer des Herzl-Zionismus wieder die Formel vom „braven" Ei \- wanderungsdirektor sohaf -? luden werden abgesägt Die in London erscheinende Zeitschrift „N e w J u d a e a", das Organ der zionistischen Exekutive, stellt in der Nummer vom April 1934 Betrachtungen über die Verwaltung Palästinas an und beschäftigt sich bei diwsai Gelegenheit auch mit dem neuernannten Einwanderungsdirektor E. Mills. „Gegen Mr. Hamson, den Vorgänger von Mills' schreibt das Blatf. „w dieselben Einwände erhoben wie gegen Herbert Samuel, den ersten OberkommirfSär Palästinas, und gegen Norman Bontwlch, den gewesen Generalstaatsanws.lt, nämlich die. daß ihr jüdisches Gewissen gegen die jüdischen Bestrebungen strenger war, als eine objektive Unparteilichkeit es zugelassen hätte. Wenn wir uns auch psychologisch in die Gedankenwelt dieser Menschen einleben können, so müssen wir doch zugeben, daß durch sie die Entwicklung des antizionistischen Kurses gefördert wurde." Nach dieser Konstatierung fährt „New Judaea" in bezug auf die durch Mills' Ernennung geschaffene Situation fort: „Es gibt Menschen, die in der Ernennung von E. Mills die Möglichkeit sehen, daß von nun ab Juden zu höheren Regierungsstellen nicht zugelassen werden. Man kann daran erinnern, daß im britischen Parlament offen zugegeben wurde, Bentwich sei seinerzeit abgesägt worden, weil er ein Jude war. Diese Tendenz muß festgestellt werden. In Haifa z. B. wurde kein jüdischer Richter ernannt, wo doch die Bevölkerung zu mehr als einem Drittel aus Juden besteht." Zum Schluß gibt das Blatt der Hoffnung Ausdruck, daß E. Mills die Wertschätzung der Juden gewinnen werde, wenn in seinem Einwanderungsdepartement tlott gearbeitet würde, und das sei auch zu erwarten. Bei aller Skepsis sind also die offiziellen zionistischen Stellen wieder optimistisch ... Was englische Gäste nicht sehen «vollen Dieselbe „New Judaea" macht einige Bemerkungen über den Aufenthalt der englischen Prinzessin Mary und ihres Gatten in Palästina, des königlichen Paares, das in das jüdische Nationalheim gekommen sei und sich ausschließlich für die Moslems und Araber interessiert habe. Das Blatt staunt, daß das Paar so wenig Pflichtbewußtsein im englischen Mandatsland an den 'iXg gelegt habe, und meint, Tel-Awiw, die große jüdische Stadt, hätte gewiß nichts unterlassen, um die englische Königstochter, wäre sie auch inoffiziell erschienen, würdig zu empfangen. Wir haben nicht viel von dieser Feststellung bezüglich des gastfreundlichen Tel-Awiw. Jedenfalls aber muß der Affront seitens der Gäste aus England, der Mandatarmacht, zu denken geben. Hakenkreuzpropaganda im Vorderen Orient Aus Jerusalem wird berichtet: Das Geheimnis der Reise des deutschen Innenministers Dr. F r i c k nach Palästina lüftet sich allmählich, vornehmlich durch den Umstand, daß die arabische Presse in einer Reihe von Ländern rings um Palästina mit einem Male das Naziregime zu loben beginnt und die Propaganda gegen die Juden verstärkt. In Beirut (Syrien) und in Bagdad (Irak) nahen arabische Zeitungen mit dem fortsetzungsweisen , Abdruck von Hitlers Buch „Mein Kampf" begonnen. In Palästina selbst verbinden einige arabische Zeitungen ihre antijüdische Propaganda immer intensiver mit Lobpreisungen des Hitler-Regimes. In Verbindung mit der offenen prohitleristischen Propaganda, welche jetzt über den ganzen Vorderen Orient ausgebreitet wird, erfährt man, daß zahlreiche arabische Zeitungen in Aegypten schon seit langer Zeit direkte Zuwendungen von den Nationalsozialisten erhalten und daß diese Subventionen nach Dr. Fricks Besuch nunmehr auch an die arabische Presse der anderen Länder erteilt werden. In Kairo besteht bereits eine gut organisierte nationalsozialistische Propagandastelle, welche Geld direkt aus Berlin bekommt und nach den Instruktionen des deutschen Reichspropagandaministeriums arbeitet. Die Propaganda selbst wird durch arabische Agenten geleitet, welche von Zeit zu Zeit nach Deutschland geschickt werden, um dort ihre „spezielle Ausbildung" zu erhalten. Erhöhte» Polizeiaufgebot gegen jüdische Streikposten Aus Jerusalem: Die Inkraftsetzung des neuen Gesetzes, welches die Stellung jüdischer Streikposten als Demonstration gegen die Beschäftigung arabischer Arbeiter in jüdischen Plantagen verbietet, wurde durch Entsendung von polizeilichen Verstärkungen nach Kfar Saba und die anderen Kolonien im Tale Sharon demonstriert. Gleichzeitig haben jüdische Plantagenbesitzer ihre Söhne in die Sharon-Kolonien entsandt, damit sie neben den Arabern arbeiten, um auf diese Weise das Prinzip gemischter Arbeit zu verteidigen. Das sozialistische Arbeitcrblatt ,,Dava r" beschuldigt den Verband jüdischer Pflanzer und seinen Leiter! Smiliansky, das neue Gesetz zu unterstützen. Der j Pflanzer-Verband, sagt „Davar", sieht in dem Gesetz einen i Sieg der Pflanzer-Interessen. Von B. Weinstein (Tel-Awiw) Der Druck, den die klassenkämpferische linke Arbeiterorganisation „Histadruth" in Palästina auf den ganzen aufbauenden Teil der jüdischen Bevölkerung ausül«t, hat sich ins maßlose gesteigert. Die kürzlich abgehaltene A.-C- Tagung hat nichtszur Befriedung des Landes beigetragen. Im nachstehenden gibt B. Weinstein, der Generalsekretär der „Jude nstaatspartei", ein Bild der Lage und ruft alle patriotischen Elemente zum nationalen Zusammenschluß auf. In diesem Wort liegt nicht die geringste Uebertreibung. Die gesellschaftliche Atmosphäre im Jischuw erinnert mit gewissen Abweichungen an die russischen Oktobertage. Noch sieht man in den Straßen Palästinas keine Barrikaden, noch hört man keinen Kanonendonner, aber die Luft ist elektrisch geladen. Die niedrigsten Instinkte lauern in den Gassen und keine Vorschriften — außer die der palästinensischen Polizei — könnten auch nur die primitivste Ordnung wahren. Von einem tatsächlichen inneren Flieden gar nicht zu reden! Bürgerkrieg oder Bruderkrieg, das sind Worte, die den tatsächlichen Zustand bezeichnen. In der letzten stürmischen Sitzung des Waad Leumi, die der Ausbreitung der Ueberfälle der Histadruth-Arbeiter auf die nationalen Arbeiter gewidmet -"ir. erklärte man allgemein: Wir befinden uns im Zustand des Bürgerkrieges. Und sie hatten recht. Wir sind wohl noch nicht bei Revolvern und Maschinengewehren angelangt, aber Steine, schwere Steine —und in niehtgerade geringer Zahl — sind Hilfsmittel zur „Bereinigung" der an der Tagesordnung stehenden Angelegenheiten geworden. Und Steine haben ihre „aufklärende" Wirkung. Man sagt: Schande! Ja, der bürgerliche Teil des Jischuw staunt und sagt es. Wo sind wir angelangt und wohin wird das führen? Der Jischuw ärgert sich, ist verbittert und vorbereitet . . . Ein großes Rätsel ist dieser bürgerliche Jischuw. Eine abstrakte Feststellung der Lage hat gar keinen Wert. Resultate und praktische Beschlüsse — das brauchen wir. Die Gefahr ist groß und an des Messers Schneide. Ich sagte oben: Wir sind wohl noch nicht bei Maschinengewehren angelangt, aber Messer werden schon verwendet, und die Zeit, da man mit Dolchen kämpfen wird, ist auch nicht mehr fern. Die Presse der letzten Woche berichtet über neue Ueberfälle und „unangenehme Begebenheiten" in Rechobot, Chedera, Nahalal usw. Diese Zeilen erwecken in uns ein Zittern um unsere Zukunft. Eine Gruppe, die durch Ausnützung eines traurigen Ereignisses (Arlosoroff-Mord. Anm. d. Red.) die Macht an sich gerissen hat, brachte eine neue Haltung in unser Leben. Nicht durch Ueberredung und Propaganda, sondern mit Hilfe von Steinen. Wer ist fähig, diesen Zustand zu ertragen? Leider ist die Zahl derer, die Geduld haben (ich möchte sagen: Eselsgeduld), sehr groß. Man ärgert sich und man tut nichts. Und gerade in dieser Situation, umbrandet von Wellen des Terrors und der Intrigen, müssen wir patriotische Zionisten, Aufbauer des jüdischen Palästina unsere Energien zur Abwehr unerhörter Ueberfälle mobilisieren. Die Regierung steht abseits und In die Sommerfrische nur mit dem einzigen jüdischen Mietauto, naw iew Uebersiedlungen werden gewissenhaft und billigst ausgeführt 1RNST BRUNNER H, Große Schiffgasse 13/5, Tel. A-47-2-63 lächelt zynisch. Sie hat gerade am Bruderkrieg ihr Interesse. Im Jischuw fehlen Arbeiterkräfte. Man muft Schüler für die Arbeit in den Kolonien verwenden. Aber die Histadruth hat genug Leute, um sie als Wache für vierhundert Arbeiter von den Organisationen unserer arabischen Nachbarn zu verwenden; die Histadruth, die gegen die jüdischen Kolonisten, welche nicht ausschließlich jüdiche Arbeiter beschäftigen, loszieht. Kopflos und wirklichkeitsfremd stehen die Führer der Histadruth da, und im Gefühl ihrer Schwäche und de» gegen sie bestehenden Mißtrauens seitens der Bevölkerung versuchen sie, durch allerlei „Taten" sich die proletarische Wärme zu erhalten. « Man hantiert mit der Ausrede, daß es sich da um vereinzelte Fälle handelt. Das ist falsch. Die Histadruth- Organisation trägt hier die ideologische, politische und moralische Verantwortung. Jahrelang und besonders im. letzten Jahr wird die Jugend mit einer geistigen Nahrung gefUttert, die charakteristisch ist. Mit unglaublicher Leichtfertigkeit werden beispielsweise die Ereignisse in Oesterreich ausgenützt, um die Arbeiter in eine gewisse Richtung zu lenken, auf daß die Aufmerksamkeit von den Fehlern im eigenen Lager auf außerhalb liegende Erscheinungen abgelenkt wird. Jahrelang hat man den Arbeitern eingeredet, daü die Arbeiterorganisation der Mittelpunkt unserer Zionistischen Welt sei. Nur sie werde die Erlösung bringen. Diese Erziehung hat Früchte getragen. Die Wirklichkeit hat das Gegenteil bewiesen, aber die jungen Anhänger kümmern sich nicht um die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit steht dem entgegen? Schlecht für die Wirklichkeit. Wir gehen unseren Weg. Wer uns stört, wird zerbrochen. Nach den „ruhmvollen" Ueberfällen auf die Betarim zu Ostern vorigen Jahres hat Herr Ahronowicz, einer der angesehensten Histadruth-Männer, seinen Freunden zugerufen, daß man auch den verhaßtesten Gegner nirht schlagen dürfe. Ein sehr menschlicher und würdiger Protest seitens einer Persönlichkeit in ihrem eigenen Lager. Eine Antwort, die damals im „Dawar" von einem der bei diesem Ueberfali beteiligten Führer des „Haschomer Hazair" gegeben wurde, lautete: „Ich bereue nicht . . ." Unter solchem Druck lebt der jüdische Jischuw im Lande. Wir haben nationale Institute, angesehene Führer der Vergangenheit, aber keine organisierte Macht, die den Hetzern und Prüglern wirksam zuriefe: Schluß! In dieser schweren Zeit will das Volk Ruhe und Arbeitsmöglichkeit und kein Blutvergießen. Vereinzelte Proteste nützen nichts. Eine kräftigt bürgerliche Organisation ist erforderlich, die den Ruf „Schluß!" mit Erfolg ausstoßen kann. Beschränkung der palästinensischen Aerztezah! Wir haben kürzlich berichtet, daß die britische Palästina-Administration daran gehe, durch eine Verordnung die Zahl der jüdis chen Aerzte zu beschränken und deren Praxis Hindernisse in den Weg zu legen. Im Zusammenhang mit unserer Meldung gibt die J. T. A. aus Jerusalem bekannt: Eine Abordnung jüdischer Aerzte und Zahnärzte hat der Regierung eine Eingabe überreicht, in der gegen das Regierungsprojekt, die Zahl der Praxisbewilligungen für neuangekömmene Aerzte und Zahnärzte zu beschränken, protestiert wird. „GU-GU", der Güte, gebrauchsfertige GUlaschsaft, in allen „Kunz"-Fllialen zu haben. Neuerscheinungen des Fiba- Verlages: Neues Palästina-Handbuch (Führer durch Palästina) von Jesaias Preß und Generalkarte von Palästina, bearbeitet von Dr. Hugo Herrmann. „Kompaß", Allgemeine Kredit- und Garantie-Bank. Generalversammlung vom 16. Mai 1934. Die gestern unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Julius Singer stattgefundene 21. ordentliche Generalversammlung genehmigte den Abschluß pro 1933, der folgende Hauptposten aufweist: Aktiva: Kassastand und Guthaben bei anderen Banken S 2,502.583.65 (+ S 344.685.53), Wechsel S 1,706.929.97 (— S 335.967.65), Wertpapiere S 358.909.73 (— S 26.586.24), Debitoren S 12,772.696.13 (— S 660.201.04), Beteiligungen S 249.335.77 (— S 3665.54), Immobilien und Mobilien S 1,075.191.39 (— S 694.—); Passiva: Aktienkapital S 4,500.000.—, offene Reserven S 453.119.45, Spareinlagen S 1,196.320.82 (-f- S 248.944), Kreditoren S 12,435.934.73 (— S 986.735.57); Einnahmen: Zinsen und Provisionen inklusive Garantieprovisionen S 965.127.38 (— S 405.063.27), Effekten- und Konsortialgewinne S 337.462.41 ( + S 51.882.66); Ausgaben: Personalkosten S 607.071.52 (— S 26.289.91), Sachspesen S 154.185.64 (— S 28.861.15), Steuern S 170.168.89 (—- S 26.658.44), Reserve- und Schadenszahlungen im Garantiegeschäft S 303.836.— (~ S 168.499.79). Vom Gewinn per S 67.327.74 (— S 115.830.16) wurden S 51.647.23 dem allgemeinen Reservefonds zugeführt und der Restbetrag per S 15.680.51 auf neue Rechnung vorgetragen. Gleichzeitig wurde beschlossen, je 10 Aktien zu Nom. S 10.— in eine Aktie zu Nom. S 100.— zu vereinigen. Die turnusgemäß ausscheidenden Verwaltungsräte Herbert Arthur White, Julius Singer, Dr. Friedrich Kammana und EmH Minich wurden wiederge.wlfchlfc j|