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Die neue Welt · 1934-05-18 · Heft 366 (18.5.1934) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 366 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 366 Wir „Reaktionäre" Unter diesem Titel schreibt der bekannte palästinensische Zionist Josef Klausner, Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem, im revisionistischen Blatt ,,Der Judenstaat" über das Verhältnis von „Fortschrittlern" und „Reaktionären" im Zionismus. Er rechnet im Namen aller, auf dem Boden der Judenstaats-Ideologie stehenden Oppositionsparteien mit der heutigen klassenkämpferischen Leitung der zionistischen Weltorganisation und ihren allgemein-zionistischen Freunden ab, die sich „fortschrittlich" nennen und der Opposition „reaktionäre" Gesinnung zum Vorwurfe machen. Professor Klausner schreibt u. a.: In der Welt ist es sonst so, daß die F o r tschrittspartei der Regierung immer verhaßt ist, denn jene schwimmt ja gegen den Strom, kann die Taten der Regierung nicht billigen, kann auf die Lebensforderungen des Volkes oder des wichtigsten Teiles des Volkes nicht verzichten, während die Regierung immer konservativ ist! Und die gesellschaftliche und ökonomische Lage einer solchen Partei ist ja allezeit wenig beneidenswert, ja unglücklich; sie hat kein Geld, ihre Mitglieder bekleiden keine Posten und keine Ehrenstellen und werden von der Regierung nicht mit Ehren überhäuft. Eine solche Partei ist verhaßt und wird verfolgt. Aber bei uns Zionisten ist es ganz anders. Unsere „Fortschrittlichen" sind nicht verhaßt und werden nicht verfolgt. Ihre Führer haben fette Stellen inne, ihre Zeitungen haben „Erfolg", befinden sich immer im Zustand des „Blühens". Und die Palästina-Regierung sieht sie als fördernswerte, brave, nützliche Leute an. Sie ist zwar nicht immer bereit, den Braven alles zu geben, was sie verlangen, aber ihr Verhalten ihnen gegenüber ist nie und nimmer „unanständig". Die Regierung weiß sehr wohl, daß ihr von dieser Seite keine Gefahr erwächst. Sie weiß, daß diese Opposition ungefährlich ist; daß sie sich ein wenig aufregt, um dann wieder gut zu werden, und nicht nur das, sondern daß sie auch ihrer folgsamen Schafherde mit den bekannten spitzfindigen Erklärungen den Mund stopfen wird: „Oh, die Lage ist gar nicht schrecklich. Gewiß, es hätten mehr ins Land herein können, besonders Arbeiter, die uns verstärkt hätten, aber was soll man tun? Kanonen haben wir nicht!" Wir, die „reaktionären" Zionisten, sind keine Lieblinge der Regierung, und ihr Verhalten uns gegenüber ist nicht „anständig". Wir gehen, nicht mit den Machthabern, zu ihren Palästen und ihren Meetings haben wir keinen Zutritt. Unser einziger Reichtum ist der zionistische Gedanke, unsere einzige Kraft unser Beharren auf einem freien jüdischen Staat zu beiden Seiten des Jordan. Wo ist also unser „Reaktionärem"? Sind wir etwa deshalb Reaktionäre, daß wir gegen den allgemeinen Strom im Lande schwimmen? Deshalb, weil wir mit einer leichten Galuth, einer „arabischen Galuth", nicht einverstanden sind? Weil wir nicht den ausgetretenen Weg der armseligen „zionistischen" Politik gehen, die sich in ein halb stummes und krummes Fürsprechtum verwandelt hat? Oder sind wir vielleicht deshalb Reaktionäre, weil wir behaupten, daß jetzt, bei der Grundsteinlegung des jüdischen Staates, kein Platz für Klassenkampf ist? Oder deshalb, weil wir den materialistischen Sozialismus nicht anerkennen, weil für uns ein anderer Sozialismus wichtiger ist — der jüdisch-menschliche und wirklich originäre: ein Sozialismus, der für alle Klassen und Schichten des Volkes ohne Unterschied sorgt, der Sozialismus der Propheten? Und vielleicht sind wir Reaktionäre, daß wir verlangen, man möge nicht den Mittelstand zugunsten der Arbeiterklasse ausschließen, sondern, daß alle in unser aller Heimat gleich behandelt werden. Die „fortschrittlichen" Zionisten behaupten, daß wir gegen die Arbeiterklasse sind, sie aber Freunde der Arbeiter sind. Das ist Lüge und Verleumdung. In unserem Lager befinden sich tausende Arbeiter, und würden vor unserer herrlichen Jugend in der Galuth die Tore nicht gesperrt werden, so würde die Zahl unserer Arbeiter heute schon in die Zehntausende gehen. Wie sollten wir denn jemals gegen die Arbeiter sein können? Befindet sich denn unter uns auch nur ein einziger Mensch, der die Wundertaten der jüdischen Arbeiterschaft in Erez-Israel vor dreißig, zwanzig, ja noch vor zehn Jahren nicht im Gedächtnis hätte. Das alles aber ist ein Ding der fernen Vergangenheit. Heute gibt es das nicht mehr. Heute träumt der junge Mann in der Galuth vom „G 1 ü c k", nach Palästina zu kommen und dort zu arbeiten. Es fragt sich, worin denn das „eigenartige Martyrium" der heutigen Histadruth-Mitglieder besteht. Wer von den jüdischen jungen Menschen in Palästina und in der Galuth würde nicht genau so wie sie arbeiten wollen; würde nicht genau so wie sie leben wollen? Und warum, frage ich, soll die Histadruth allen anderen jüdischen Arbeiterorganisationen vorgezogen werden? Die „fortschrittlichen" Zionisten wenden ein, daß wir, die Parteien der Opposition, die zionistische Bewegung ruinieren. Lüge und Heuchelei! Den ersten und wirklichen Riß in der zionistischen Organisation vollführte die sozialistische Partei: eine eigene Krankenkasse, ein eigenes Theater (Ohel), eigenen Sport (Hapoel), ja sogar eine eigene Hymne statt der Tikwah, die seit fünfzig Jahren die offizielle zionistische Hymne ist. Wer also hat Spaltung und Ruin in die zionistischen Reihen getragen? Und wenn ein großer Teil des „Haschomer hazair", der mit der sozialistischen Partei verbunden ist, schriftlich erklärt, k e i n e n a n d e- SBie Merten Stauen fdiöner? Das fett 3ar)rtaufenben befannte unb mittfarnfte äRtüel jur SSerfchöncning jeber grau ift bic 311 giflur, Haarfarbe unb SBefen ber einaelnen riaffenbe Äleibiuig — ber inbioibuellc Statinen 31t beut Silbe ber Reifen; liifjfcit. „ftleiber madjen Seilte." gnsbefonbere im fdjönen Neonat 9D?ai fonn jebc grau feljr leidjt burü) töettergemäjje ftlcibung befonbers fdjört roirfeu. Sie leisten, bufttgen, farbenfrohen ^mprtmesSommerflciber, bic fo ffeibfamen Seibctu unb ßcineu^alctote, SfjeilanbsÄoftiime unb was fonft bic 9Jtobe 1934 Sdjönes bringt, mirfen bejaubernb. Äommett Sie, meine feljr oerefirtert Samen, benmädjft 31t Sdjiffmann in bic Sabor« ftrafce . . . betrumbern Sic bort bic neueften 9Jfobefcr;öpfimgett in glatten unb ^mprimdftoffen, bic cntaücfen* ben Sommerfleibcr, ^aletots, £ütc unb Srfiubc . . . Sie werben jjtncifellos non Dualität unb $reis bes (Gebotenen rcftlos begetftert fein. 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S 4.90 Ä.sS.-anongoIs^Ictbcr, mit Ijeller ftragen* garnitur, ©rbne 50.........S 8.50 9Boßftoffs9näntel, fefcfje gaffon, (Sröfee 60, ab S 7.90 §afcrl-§ofen, jebc ©röfte lagernb, ©röDe III—IV........s 8 « S 1.50 ßnabensSoppen, glatt ober geftreift, ©röfee III—IV...........S 2.90 So£calf*Stf)nürfd}nl)c, ©röfee 22—24 S 4.50, ©röpe 19—21...........S 3.90 Stile, bie rennen loolleit ober müffen, alle, bie gerne für toenig ©elb elegant unb mobertt getletbet fein motten, fommen 3U Sdjiffmann, 2. 58e3., Xaborftrafee 4b, unb faufen alles für SJIann, grau unb Äinb, für Sab, Ausflug, 5Heife unb Urlaub, für Äücfje unb £eim. ipoftoerfanb per 9Iad)nabmc. l'W^Jifi?/ ~ ren Feiertag außer den 1. Mai (eine Tatsache!) anzuerkennen — wer untergräbt dann die Fundamente des vierzig Generationen alten jüdischnationalen Erbes? Jawohl, wir, die Parteien der Opposition, sind gegen die Partei, in deren Programm und Ideologie die Klasse den Platz der Nation einnimmt. Aber ich frage: Steckt darin Reaktion, daß wir den jüdischen Arbeitgeber verstehen, der größtenteils (Ausnahmen gibt es gewiß) nicht reicher ist als der Arbeiter und nicht weniger Zionist, der will, daß der von ihm beschäftigte jüdische Arbeiter nicht sein Klassenfeind, sondern sein zionistischer Freund? Ist darin Reaktion zu erblicken, daß wir nur eine Fahne haben, die b 1 a u - w e i ß e, und eine andere nicht anerkennen wollen, die rot geworden ist in Sowjetrußland von zionistischem Blut, genau so, wie das jüdische Volk keinen anderen Gott anerkennen will, außer seinem eigenen und einzigen? Ist etwa darin Reaktion zu sehen, daß Herzls Todestag uns heiliger ist als der 1. Mai, oder weil wir für einen jüdischen Staat nach Herzls Traum eher sorgen als für eine soziale Revolution nach dem Traume Karl Marx'? Ist es Reaktion, wenn wir kein jiddischistisch-bundistisches Palästina haben wollen, sondern ein hebräisch-national-zionistisches Erez-Israel, wo die tausendjährigen Prinzipien der jüdischen Lebensart behütet werden; denn, wenn nicht, warum dann Palästina und nicht Biro-Bidschan? Es gab eine Zeit, und sie liegt nicht sehr lange zurück, da der ganze Zionismus, in allen seinen Schattierungen, einschließlich der Poale Zion, als reaktionär angesehen wurde. Wir erklärten immer, daß Söhne eines Volkes, das nichts besitzt und für sich ein Land baut, nicht das geringste ihrer Energie auf fremden Fronten verschenken dürfen. Heute heißen jene, die mit den Klassenkampftheoretikern Frieden schließen — „f 0 r tschrittliche" Zionisten. Nun, wenn dem so ist, so werden wir auch Reaktionäre bleiben. Denn es wird ein Tag kommen, an dem das jüdische Volk sich davon überzeugen wird, wer es vorwärts führt in die Richtung zum freien jüdischen Staat und wer es zurückwirft auf seinem Weg, zur Trennung der Klassen, zum „Irgun meschutaf" mit den Arabern und zu teilweisem Verzicht auf das integrale Ideal tausendjähriger Hoffnung und tausendjährigen Gebetes. Jüdisdie Geiseln Aus Berlin: Der bekannte SA.-Führer F. C. Holtz kommentiert im Leitartikel seiner Wochenschrift „Pridericus" unter der Riesenüberschrift „Schach dem Staatsfeind!" die jüngste Sportpalastrede des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels' und führt aus: Der gefährlichste Feind des jungen Deutscheu Reiches sind nicht die Deutschen, die nörgeln, nicht einmal die Marxisten, obwohl diese schon ernstlichere Feinde des Dritten Reiches sind, ja sogar nicht der russische Bolschewismus, der sein Geld durch Deutschland rollen läßt; denn gegen all das hilft Aufklärung. Auch die „verlogene Taktik der Emigranten" läßt an Wirkung nach. Gefährlich bleibt die „Wühlarbeit des Weltjudentum s". Holtz fährt fort: „Das Weltjudentum wühlt und hetzt ungehemmt gegen Deutschland. Es wird wohl erst friedlich werden, wenn für jede Lüge, Verleumdung und Gemeinheit, die das Weltjudentum gegen Deutschland losläßt, ein in Deutschland wohnender „prominenter" Jude, der zu dem Weltjudentum Beziehungen hat, eingesperrt wird." Holtz befaßt sich dann mit dem Stand der deutschen Wirtschaft, deutet Mißerfolge an, die er den inländischen Juden in die Schule schiebt. Die Juden versuchen, die Zuteilung billigen Fettes an die Bevölkerung zu verhindern, sie bevorzugen ausländische Fahfrzeuge, sie erschweren die Bautätigkeit durch Preistreiberei in gewissen Baustoffen: „Nicht so sehr aus Profitsucht, als aus Haß gegen den Staat geschehen solche Treibereien. Das Volk soll unsicher ge-« macht, die Regierung soll ins Unrecht gesetzt werden." Vermischtes aus Hitler-Deutschland Aus Berlin wird berichtet: Die bekannte Optikerfirma Z e i ß in Jena ist das Objekt dauernder nationalsozialistischer Angriffe, weil die Leitung zwar arisch, aber philosemitisch sei. Den Anlaß zu dieser Behauptung gab die Tatsache, daß die Firma in einem jüdischen Geschäft ein Dutzend Bleistifte gekauft habe! Die Leitung der Firma Zeiß erklärte, sie boykottiere keine Juden, weil sie eine große jüdische Kundschaft habe. — Die Adam Opel A.-G., eine Tochterfirma der amerikanischen Motors Corp., hat am 1. April 20 nichtarische Lehrlinge eingestellt. Die Arbeitsfront protestierte, doch der Generaldirektor Sloan stellte nüchtern fest, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der Opelwagen in fremdrassigem Besitze sei. — In Mainz haben an der Bestattung von Direktor L i o n vom Westdeutschen Kaufhaus, der das Geschäft während 20 Jahren leitete, von den 260 Angestellten 80 teilgenommen. Sie wurden wegen Pflichtvergessenheit ihrer Rasse gegenüber aus der nationalsozialistischen Betriebsorganisation ausgeschlossen, was einer Kündigung gleichkommt. Vorläufig 50 Nichtarier aus der Wehrmacht ausgeschieden Aus Berlin : Das Deutsche Nachrichten - Büro meldet: Von der vom Reichswehrminister angeordneten Durchführung des Arierparagraphen in der Wehrmacht wurden betroffen: Im Reichsheer: 5 Offiziere, 2 Offiziersanwärter, 1 Sanitätsoffiziersanwärter, 31 Unteroffiziere und Mannschaften. In der Reichs marine: 2 Offiziere, 4 Offiziersanwärter, 5 Unteroffiziere und Mannschaften. Sie scheiden bestimmungsgemäß aus der Wehrmacht aus. Diese Verlautbarung zeigt, daß der innere Widerstand in der Reichswehr gegen die Auswirkung des Arierparagraphen gebrochen wurde; man erwartet, daß nun in kürzerer Reihenfolge Verlautbarungen Uber die Ausstoßung weiterer nichtarischer Personen au* der Wehrmacht erfolgen werdsa.

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