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Die neue Welt · 1934-05-18 · Heft 366 (18.5.1934) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 366 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 360 ] geschulten Arbeiterschaft verloren, da sie nicht imstande waren, mit den Lohnerhöhungen im Baugewerbe Schritt zu halten. Die im Arbeitsmarkt entstandene Lücke ist zu einem gewissen Grade durch Vermehrung arabischer Arbeitskräfte in jüdischen Unternehmungen und durch unerlaubte Infiltration von arabischen Arbeitern aus den Nachbarländern nach Palästina ausgefüllt worden. Die Regierimg hat für die Diskrepanz zwischen den Anforderungen der Exekutive und den bewilligten Schedulen keine offizielle Erklärung gegeben. Sollte diese Diskrepanz auf Furcht vor einem Rückschlag zurückzuführen sein, so wäre es auffällig, daß diese Befürchtung dauernd Schedule nach Schedule beeinflussen sollte, obwohl sie immer wieder durch die folgende Entwicklung entkräftet wird. Der inländische Bedarf an Fertigwaren steigt ständig mit dem Wachstum der Bevölkerung und bi?tet noch einen weiten Rahmen für die Fortsetzung der industriellen Entwicklung. Was das B a ug e w e r b e betrifft, so kann es trotz seines außerordentlichen Aufschwunges noch lange nicht der vorhandenen Nachfrage nach Wohngelegenheiten entsprechen, und da Kapital in Fülle zur Verfügung steht, ist es unwahrscheinlich, daß in nächster Zukunft eine beträchtliche Einengung auf dem Gebiet der Bauarbeit eintreten wird. Die Ansiedlung auf dem Lande und die Umwandlung landwirtschaftlicher Arbeiter in selbständige Bauern geht ununterbrochen weiter; eine Anzahl größerer Siedlungspläne ist der Verwirklichung nahe. Angesichts all dieser Aussichten erscheint es keineswegs berechtigt, Befürchtungen betreffend eine künftige Krise zu hegen und deshalb die gegenwärtige Entwicklung zu hemmen und das Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt zu stören. Jüdische Arbeit in den von jüdischem Kapital geschaffenen Unternehmungen bietet die Basis des Heims und sichert seinen gesunden Bestand. Dieses vitale Prinzip wurde in dem vom Ministerpräsidenten MacDonald an Dr. Weizmann gerichteten Brief anerkannt. Eine Politik, die es verhindert, daß die Einwanderung jüdischer Arbeiterelemente dem Ausmaß der jüdischen Investitionen in Palästina entspricht, rührt an die Wurzeln des Jüdischen Nationalheims. Die Exekutive hatte gehofft, daß die Regierung jetzt im Lichte früherer Erfahrung eine Schedule bewilligen werde, groß genug, um den immer größer werdenden Arbeitermangel abzuhelfen und für den weiteren Wirtschaftsausbau entsprechend vorzusorgen. Sie findet es in der Tat merkwürdig, daß die Regierung, die gemachten Erfahrungen offenkundig außer acht lassend, abermals eine Schedule in einem Umfang bewilligt hat, die sich als dem Tempo des wirtschaftlichen Fortschrittes durchaus nicht angemessen erwiesen hat. Die Exekutive kann nicht zugeben, daß die neue Schedule eine faire Schätzung der Absorptionskraft des Landes bildet. Sie kann eine Maßnahme, die dem jüdi» sehen Fortschritt in Palästina ein schweres Hindernis schafft, nicht als im Geist des Mandats getroffen erachten, des Mandats, das der Regierung die positive Verpflichtung auferlegt, die Einwanderung zu e rleichtern. Sie kann auch die erstaunliche Tatsache nicht rechtfertigen und nicht dabei ruhig bleiben, daß in Palästina weiter Arbeitermangel anhalten und das schreiende Bedürfnis des jüdischen Siedlungswerkes nach mehr Arbeit unbefriedigt bleiben soll, zu einer Zeit, da Zehntausende von Pionieren überall In der Diaspora mit brennender Ungeduld auf die Möglichkeit warten, sich dem Aufbau des Jüdischen Heims widmen zu können. Da das Bedürfnis der jüdischen Massen, in Palästina eine Heimstätte zu finden, jetzt stärker ist als jemals zuvor, muß die Exekutive darauf bestehen, daß die Mandatarmacht ihrer Pflicht, Einwanderung in vollem Ausmaß der von Palästina bewiesenen Absorptionsfähigkeit zuzulassen, entspreche. Sie bedauert, in der gegenwärtigen Schedule einen deutlichen Beweis dafür erblicken zu müssen, daß die Mandatarmacht dieser grundlegenden Verpflichtung nicht nachgekommen ist. Eine Antwort der Regierung! Sie jagt zionistische Versammlungen auseinander Aus Jerusalem. (J. T. A.) Eine vom T e 1- Awiwer Stadtrat einberufene Protestver- Sammlung gegen die Einschränkung der jüdischen Einwanderung, zu der über 2000 Personen erschienen waren und In der Rabbi Uziel, der Eührer des Welt-Misrachi Rabbi Meir Berlin, Dr. Benzion Mossinson und Vertreter aller Partelen hätten sprechen sollen, wurde unmittelbar vor Beginn behördlich aufgelöst. Die Besucher verließen den Saal unter Rufen gegen die Regierung und dem Absingen der Hatikwah. Ebenso wurden Protestversammlungen in P.etach-Tikwah, Rochoboth, Herzlia und Kfar Saba behördlich mit der Begründung aufgelöst, daß der Polizei fünf Tage vorher die Kundgebungen hätten zur Kenntnis gebracht werden solien. Der Stadtrat von Tel-Awlw hielt zum Protest gegen die Drosselung der Einwanderung eine außerordentliche Sitzung ab, in der die revisionistische Raktjon die I*rok|aßiierung der Arbeltseinstellung im ganzen Lande, Boykott von Post» Telegraph und Elsenbahn sowie Verweigerung der Steuerzahlung beantragte. Frau Schoschana Persitz (Allg. Zionistln) unterstützte die Anregung betreffend SteuervcrWeigerung. Die Sprecher der sozialistischen Histadruth-Fraktion warnten vor allzu radikalen Beschlüssen, ohne daß vorher die Billigung der Exekutive der Jewish-Agency eingeholt werde. Es wurde ein Unterausschuß zur Prüfung der Anträge eingesetzt, Die Exzesse im Warsehauer Palästina? Amt Durch die jüdische Presse geht die Nachricht, daß es im Warschauer Palästina-Amt zu Exzessen seitens jugendlicher Mitglieder des revisionistischen ,,Betar" gekommen sei. 200 Betarim unter Führung ihres verantwortlichen Leiters erschienen in den Büros des Palästina- Amtes und verlangten die Zuteilung von Zertifikaten, die ihnen bekanntlich auf Grund eines Beschlusses der Zionistischen Exekutive entzogen worden waren. Nach Ablehnung dieser Forderung machten die Betarim ihrem Unmut durch Verwüsten der Räumlichkeiten Luft. Das besagen die Meldungen. Selbst bei weitestgehender Berücksichtigung jugendlicher Temperamente müssen wir derlei Akte im Rahmen politischer Auseinandersetzungen' aufs entschiedenste ablehnen. Denn wir glauben nicht, daß das Zertrümmern von Büroeinrichtungen und sonstiges Exzedieren zur Durchsetzung auch der berechtigtsten Wünsche, Ansprüche und Forderungen geeignet ist. Vielmehr sind gerade derartige „handgreifliche" Argumente danach angetan, den Angreifer ins Unrecht zu setzen und sein moralisches Recht zu diskreditieren. Im Falle der Warschauer Exzesse trifft dies zweifellos zu. Die Sympathie für die jungen Menschen, die nach Palästina wollen und denen man den ohnehin so dornenreichen Weg dahin verwehrt, muß unter solchen Umständen Schaden leiden. Andererseits aber muß man die Erregung begreiflich finden, wenn man bedenkt, daß unter der juristischen Initiative des Kongreßanwaltes Dr. Barth, des seinerzeitigen Misrachisten und gegenwärtigen Anhängers der klassenkämpferischen Linken, ein Beschluß gegen eine zionistische Jugendorganisation ,— nur ihrer politischen Einstellung willen — gefaßt wurde, ein Beschluß, der derr hungernden, patriotisch gesinnten, von einem großen Ideal getriebenen jüdischen Jungen und Mädchen die letzte Hoffnung raubt. Es ist für einen gerecht fühlenden Zionisten betrübend zu sehen, daß Herren, wie der Leiter des Organisationsdepartements der Zionistischen Exekutive, Berl Locker, und der Chef des Einwanderungsdepartements derselben Exekutive, Jizchak Grün bäum (der seinerzeit im Kampf gegen die sogenannte „illegale" Einwanderung die Methoden der britischen Palästina-Administration angewendet sehen wollte), den Eintritt nach Erez Jisroel Menschen verwehren, denen das Jüdische Nationalheim Erfüllung ihres Lebenszweckes bedeutet. Solche Maßnahmen steigern den Haß und die Verbitterung und führen schließlich überall zu Ausbrüchen wilder Verzweiflung. In Tel-Awiw muß englische Polizei eingreifen. In Warschau werden polnische Polizisten herbeigerufen. Immer ist es eine „fremde Macht", die Ordnung schaffen soll; eine Ordnung, die bestünde, gäbe es nicht eine Exekutive, welche die Gefühle der jüdischen Massen nicht kennt oder sich übermütig über sie hinwegsetzt. Eine Richtigstellung In einem Berichte unseres Blattes über eine Versammlung in Graz war die Bemerkung enthalten, daß seitens der Grazer Gruppe des „Haschomer Hazair" der Versuch unternommen wurde, durch künstliche Beschädigung der Lichtleitung die Versammlung zu stören. Die „Zionistische Ortsgruppe Graz" legt Wert darauf, gegenüber diesem Berichte folgendes festzustellen: Die Versammlung verlief in allergrößter Ruhe und Ordnung. Die zahlreich erschienenen Mitglieder des „Haschomer Hazair" verhielten sich vollkommen diszipliniert. Das Erlöschen des Lichtes ist nach eindeutiger Aussage des Elektrikers auf einen rein technischen Fehler zurückzuführen. Der „Haschomer Hazair" (Graz) ist nicht — wie im Berichte behauptet wurde — eine linksradikale Jugendorganisation, sondern eine nationale Pfadfinderorganisation, die unter Kontrolle der Zionistischen Ortsgruppe Graz steht und sich politisch nicht betätigt. Wir bemerken hiezu, daß uns der Bericht von einer sonst zuverlässigen, nicht politisch gegen den „Haschoraer Hazair" eingestellten Seite zugekommen ist. Angesichts der dezidierten Erklärungen der Ortsgruppe Graz muß aber angenommen werden, daß ein Irrtum vorlag. Von der Jungjüdisdien Front Die Führung der Jungjüdischen Front Oesterreichs gibt bekannt: Die Neugestaltung des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens Oesterreichs weist allen Organisationen, insbesondere aber den Jugendverbänden eine besonders verantwortliche Aufgabe zu. Die jüdische Jugend, bis nun in zahlreiche Verbände zersplittert, läuft Gefahr, ausgeschlossen und als unbedeutender Faktor behandelt zu werden. Die jüdische Jugend will sich aber in den Dienst des Staatsaufbaues stellen, am öffentlichen Leben Anteil nehmen. Aus diesem Grunde haben sich die größten jüdischen Jugend verbände Oesterreichs (Jugendgruppe des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", Berith Trumpeldor [Bethar], Haganah und Judenstaatsjugend usw. usw.) in der Jungjüdischen Front zusammengeschlossen. Warten Sie auf das neue, praktische Lehrbuch »LERNE HEBRÄISCH« von Ben-Chaviv Zuerst: Palästina- Reiseberaf us3gvdann Palästinareisen (veranstaltet für ihre Mitglieder) „PAG", Kreditkassa und Wirtschaftsvereinigung für den Warenaustausch mit Palästina, reg. Gen. m. b. H., Wien, I», Capistrangasse 2 (bei Mariahilferstraße 31). Spiechstunden: Montag bis Freitag, nur von 9 bis 12 Uhr. Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. Restaurant Killet, vorzügliche streng orthodoxe Küche, II., Hammer-Purgstall-Gasse, bei Salztorbrücke. Caf6-Itestaurant Edison (Inh. Fleischmann), VIII., Aiser« Straße 9, Tel. B-43-0-17, 13-43-0-86. Caf6-TCestaurant Espresso, I., Rotenturmstraße 1. Inter* nationale kalte und warme Küche. 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Die ernste Situation der Juden in der ganzen Welt verlangt gebieterisch den Zusammenschluß der jüdischen Verbände. Getragen von dem Gedanken der Staatserzie« hung, lehnen die der Jungjüdischen Front angehörigen Verbänded nicht erst seit heute oder gestern, sondern seit dem Tage ihres Entstehens den Gedanken des Klassenkampfes entschieden ab. Die Jungjüdische Front sieht in der Verbreitung des Gedankens der Solidarität aller Klassen eine ihrer vornehmsten Aufgaben. In schicksalsschwerer Stunde wenden wir uns an die Oeffentlichkeit: Die jüdische Jugend muß unseren Ruf zu Zusammenschluß und Mitarbeit verstehen. Wir appellieren an die jüdische Jugend, unserem Beispiel zu folgen: JederjungeJudeindieJungjüdischeFront! Der oberste Jungsrontführer: Hptm. a. D. Sigm^ Edler v. Friedmann m. p. — Die JungfrontführerJ Otto Seidmann, Otto König, Dr. Ernst Max, Vom Ring der zion* Alten Hef ren Die Generalversammlung dos A.-H.-Ringes der zionistischen Verbindungen. Am Montag, den 14. Mai 1934, fand die Generalversammlung des Ringes unter Vorsitz des Oberbauratea Ing. Ackermann, statt. Die Versammlung war sehr gut besucht. Nach Erstattung des Rechenschafts- und Kassaberichtes wurde der scheidenden Leitung das Absolutorium erteilt. — Dr. Eugen Felix (Robur) hielt ein Referat über die Reorganisation des Ringes. An der interessanten Generaldebatte beteiligten sich: Dr. Lifcziz; (Kadimah), Dr. Schalit (Kadimah), Ing. Freundlich (Maccabaea), Prof. Jerusalem (Unitas), Dr. Immerglück! (Ivria), Dr. v. Weisl (Unitas), Dr. Harnik (Robur) * Dr. Cnarmatz (Maccabaea). Die Versammlung zeigte den festen Willen, den A. H.-Ring in neuer, verstärkter Form wieder aufzubauen. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Prä» sident: Dr. Eugen Felix (Robur), I. Vizepräsident^ Ing. Fedor Ackermann (Veritas), II. Vizepräsident: Dr. Kurt Offenberger (Jordania). Ausschußmitglieder: Dr. Fritz Ticho (Libanonia), Dr. Karl Steiner; (Ivria), Dr. Wolf Sonaer (Jordania), Dr. Josef Kläger (Hebronia, Czernowitz), Dr. Wilhelm Stecher (Zephiraj; Czernowitz), Dr. Jakob Buchsbaum (Hasmonaea, Czerno-i witz), Dr. Bruno Schröter (Emunah), Dr. Oskar Schorf (Emunah, Czernowitz), Dr.....Otto Lifcziz (Kadimah), Franz Kaposi (Maccabaea), Dr. Karl Jellinek (Rede- und Lesehalle), Dr. Moriz Harnik (Robur), Direktor Kart Sternfeld (Unitas), Dr. Ernst Hillinger (Zephira). Das neu errichtete Sekretariat übernimmt Here Paul Goldberg. Das Büro befindet sich Wien, XVI% Autouigais« M.

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