Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 366 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 366 DIE NEUE WELT Seite 5 Der IVfordprozeß Arlosoroff Die Stimmung der jüdischen Well Länger als drei Wochen tagt bereits das Geschwornengericht in Jerusalem und allmählich — da zunächst die Zeugen der Anklagebehörde aussagen — werden gewisse Zusammenhänge klar, die der schleppende Gang der Voruntersuchung nicht hat erkennen lassen. Die ungeheure Erregung in Palästina und außerhalb des Landes hat sich nicht vermindert, zumal die Verteidigung der drei Angeklagten, Stavsky, Rosenblatt und Achi-Meir nunmehr darauf hinzielt, die zwei Araber Abdulla Medschid und seinen Freund Issa Darwisch, welche wegen der Ermordung des arabischen Barbiers Lufti im Gefängnis sitzen und als Zeugen gegen die drei jüdischen Angeklagten auftreten, des Mordes an Doktor Arlosoroff zu überführen. PORTSCHACH ein Sonnengarten am Wörthersee 60 Prozent Fahrtpreisermäßigung. Auskünfte Kurkommission Die Haltung der palästinensischen Judenheit in der Frage der Schuld ist ziemlich eindeutig. Allgemein kommt die Sympathie für die „Gefangenen Z i o n s" zum Ausdruck, insbesondere durch einen Aufruf, der sich an das jüdische Volk wendet und worin mitgeteilt wird, daß ein Hilfskomitee zur Unterstützung „der Verteidigung unserer gefangenen, jetzt auf der Anklagebank in Jerusalem sitzenden Brüder" gegründet worden ist. Dieser Aufruf bekommt seine tiefgehende Wirkung dadurch, daß er von den führenden Rabbinern Palästinas und von Persönlichkeiten unterzeichnet ist, die im palästinensischen Leben Geltung und Ansehen haben, wie Oberrabbiner Raw K u b, die Oberrabbiner von T e 1- A w i w und Petach Tikwah, die misrachistischen Rabbiner Fisch mann und Me'ir Berlin, das gewesens misrachistische Exekutivemitglied H. F a r bstein, Prof. Josef Klausner, David Y c 11 i n, der bekannte Kolonistenführer Mosche I m i 1 a n s k y, der Direktor des Jerusalemer Gymnasiums Dr. M o h i 1 e w e r, der Führer der bürgerlichen Zionisten Suprasky und angesehene Schriftsteller und Gelehrte. Auch in der Galuth hat die Sache der drei jüdischen Angeklagten zu gefühlswarmen Solidaritätskundgebungen geführt. Die Warschauer Judengemeinde nahm eine Protestresolution gegen den Jerusalemer Prozeß an und bewilligte einen — symbolisch gedachten — Beitrag von 100 Zloty zum Verteidigungsfonds, für den bekanntlich in der ganzen Welt gesammelt wird. Für den Antrag des Kultusrates stimmten alle anwesenden Agudisten, Misrachisten und Zionisten, mit Ausnahme des Dr, Szyper, der der Fraktion der Radikalen Zionisten (Gruppe Jizchak Grünbaum) angehört. Die Grundstimmung der jüdischen Welt verlangt, daß die Unschuld der Angeklagten zutage trete und alle Nebel des Hasses, der Verleumdung, des politischen Intrigenspiels weichen, um das Gemüt des schwergeprüften jüdischen Volkes wieder zur Harmonie zurückzuführen. Inzwischen geht die Vex'handlung in Jerusalem weiter. Die dritte Prozeßwoche steht vor dem Abschluß. Frau Avlosovoffs erste Aussage Am Freitag, den 11. Mai, stand Abdul Hamid (auch Hadi genannt), der Bruder Abdul Medschlds, auf der Zeugenbank. Er sei — so sagte er aus — in die gleiche Zelle gebracht worden wie sein Bruder und habe beobachtet, wie Stavsky und Rosenblatt täglich zwei- oder dreimal mit Abdul Medschid ins Gespräch kamen, er habe aber nicht verstanden, was sie sprachen, weil ihm Hebräisch fremd ist. Später habe ihm sein Bruder erzählt, daß Urphali mit ihm darüber verhandle, daß er den Arlosoroff-Mord auf sich nimmt. Richter Corrie: Worüber denn unterhielten sich Stavsky und Rosenblatt mit Ihrem Bruder? Abdul Hamid: Ueber die gleiche Frage. Es besteht nämlich eine starke Aehnlichkeit zwischen Issa el D a r w i s h und Rosenblatt. Abdul Hamid gab zu, daß Abdul Medschid ihm seine Geständnisbereitschaft anvertraut habe, aber er bestritt, ihm irgend einen Rat in der Richtung erteilt zu haben. Captain Rice verlas in der Nachmittagssitzung die ihm von Frau Sima Arlosoroff einige Stunden nach dem Mord gegebene Darstellung. Sie stimmt ganz mit der Aussage Sima Arlosoroffs vor Gericht überein, enthielt aber das folgende Detail nicht: Frau Arlosoroff hatte Rice erzählt, daß der zu Tode getroffene Arlosoroff, als sie, Sima, rief: „Juden haben ihn erschossen!", deutsch zu ihr sagte: „Nein, Sima, nein!" Am Sonnabend nach dem Mord, habe er Frau Arlosoroff zehn Photographien verschiedener Personen gezeigt, darunter die Stavskys, sie habe sofort Stavskys Photographie herausgenommen. Am Montag darauf wurde Stavsky gefunden und verhaftet. Die Identifizierung Am Montag, den 14. Mai, wurde die Vernehmung des Leiters de3 Kriminalbüros der Palästina-Polizei, Hauptmann Rice, fortgesetzt. Der Zeuge schilderte den Verlauf der Identifizierungs - Vorführung von Polizeihäfüingen vor Frau Arlosoroff. Er erzählte, daß er am Montag nachmittag nach dem Mord im Jaffaer Gefängnis 16 Juden und Araber vor Frau Arlosoroff antreten ließ. Als diese an Stavsky herankam, sei sie in Ohnmacht gefallen. Die zweite Identifizierungs- Vorführung habe im Gefängnishof stattgefunden. Diesmal aeien die 16 Gefangenen an Frau Arlosoroff vorbei- Ani .m. in Ungarn, Balatonszemes m Plattensee ——-—--;-f—r- _,.,„ Orth, -itto Pension /Cohn ■■■■■■■■■■■^^^^^^ Hochgelegen, zwei Minten vom Bad und vom Bahnhof, großer Sandstrand. Anerkannt vorzügliche Küche. Verlangen Sie Prospekte! K«f«r«nx«n In Wien: Simon Weiß, Oberkantor, IV, Belvedereg.42, Izak ^r emlng er, IV, Rainerg.27, Siegmund S tern,U, Taborstr. 52a, Dr. Rudolf Weiß, VI, Mariahlferstr.95, Julius Kohn, II, Rembrandt- Straße 17/6, Emanuel Hoffmann, VI, Linieng.34; In Bratislava: Hermann Buxbaum, Zochowa 3. gegangen, die erklärt habe, aie erkenne Stavsky an der Gangart als einen der Täter. Später wurden einige der 16 Vorgeführten in ein Zimmer gebracht, wo Frau Arlosoroff Stavsky aufforderte, die Worte „Kama Haschaah" („Wieviel Uhr ist es?") auszusprechen. Als Stavsky diese Worte sprach, habe sie zu Hauptmann Rice gesagt: „Haben Sie bemerkt, wie er seine Stimme verstellt hat?" Auf eine Frage des Generalstaatsanwalts Trusted erklärte Hauptmann Rice, eine Probe am Strand habe ergeben, daß man auf zwei Schritte Entfernung nicht nur die Form der Kleidung, sondern sogar gewisse Farben erkennen konnte. Im Verlauf seiner weiteren Aussagen teilte er mit, daß Frau Arlosoroff am 29. Juli in seinem Büro Rosenblatt, der unrasiert gewesen sei, getroffen habe. Nachdem sie ihn einige Minuten angesehen hatte, erklärte sie, ihn mit Sicherheit erkannt zu haben. Sic habe um Erlaubnis gebeten, mit dem Gefangenen sprechen zu dürfen, und zu ihm auf deutsch gesagt: „Sie sind so jung, warum sagen Sie uns nicht, wer hinter Ihnen steckt?" Am 9. Jänner, fuhr Hauptmann Rice fort, habe Subhi Zablawi ihm berichtet, daß Abdul Medschid mit ihm im Gefängnis über den Mord an Dr. Arlosoroff gesprochen habe. Am nächsten Tag plllllllllllllllllllllllllllllHIIIW ALLE ZIONISTEN kaufen oder bestellen GIudc$9Kla§senlose beim GLUCKSBAUER Wien IV, Favoritenstr. 4, Tel. U-47-5-20 Filiale: II, Leopoldsgasse 25, T. A-46-6-81 Ziehung schon am 23. Mai o^CKS®^| 0 5T wurde Abdul Medschid mit Subhi Zablawi konfrontiert* Zunächst erklärte Abdul Medschid, er habe nichts auszusagen, später aber legte er sein erstes Geständnis ab. Als nachher Abdul Medschid und Issa el Darwish mit anderen Gefangenen Frau Arlosoroff vorgeführt wurdeu, erkannte diese keinen der Vorgeführten als einen der Täter. Nunmehr richtete der Verteidiger Horacc Samuel einige Fragen an den Zeugen betreffs der Identifizierung Stavskys durch Frau Arlosoroff. Bei einer sich nun entspinnenden Aussprache zwischen Rice und Samuel erklärte Rice, er habe mit denjenigen Personen der Histadruth, die eine eigene Nachforschung nach den Tätern führten, keinerlei Kontakt unterhalten. Samuel fragte, ob Rice etwas über die Zeugin Riwka Feigin erfuhr, die Rosenblatt bei der Polizei anzeigte, die aber vor Gericht nicht als Zeugin erscheint. Rice erwiderte, Riwka Feigin selbst sei es gewesen, die um die Erlaubnis gebeten habe, Rosenblatt int Gefängnis zu sehen, dessen Freundin sie sei. Samuel fragte Rice: Waren Sie darüber informiert, daß der Polizei-Korporal Shermeister in seinem Bericht erwähnt hat, daß Sima Arlosoroff ihm am 16. August gesagt hat, Araber hätten Arlosoroff getötet? Rice erwiderte, ihm sei eine solche Information nicht gegeben worden, möglicherweise aber S h i t r e e. t. Er fügte hinzu: Alles, was ich weiß, ist nur, daß Gerüchte umgingen, Sima Arlosoroff hätte erklärt, daß Araber ihren Mann getötet haben. Der Protest der zionistischen Exekutive Gegen die antizionistische Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung. — Die Drosselung der jüdischen Einwanderung ruiniert das Aufbauwerk. — Die Regierung arbeitet unfair Die Zionistische Exekutive, welche bisher — gegen den Willen einer starken zionistischen Opposition — der britischen Palästina-Regierung gegenüber die weitgehendste Fügsamkeit an den Tag gelegt hat, sieht sich durch die immer feindlichere Judenpolitik dieser Regierung genötigt, in einer ausführlichen Erklärung vor aller Oeffentlichkeit gegen die Bedrohung des Jüdischen Nationalheimes Verwahrung einzulegen. In dem ausführlichen Memorandum heißt es: Die Exekutive sieht sich veranlaßt, öffentlich ihre Stellungnahme angesichts der Ausgabe von nur 5600 Arbeiter-Einwanderungszertifikaten für die Periode April-September 1934 durch die Palästina-Regierung zu kennzeichnen. Die Exekutive erblickt in dieser Entscheidung die Fortsetzung einer Politik, die durch Drosselung der Einwanderung bei Aufnahmefähigkeit des Landes zum Verlust jüdischer Wirtschaftspositionen führt und die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims beeinträchtigt. Die beiden letzten Jahre waren eine Epoche unerhörten wirtschaftlich en Fortschritts in Palästina. Die Erschütterung der Lage der deutschen Judenheit und ihre Auswirkungen haben die jüdischen Massen zu der Erkenntnis geführt, daß Palästina allein ihnen die Möglichkeit gesicherter Existenz bietet. Dementsprechend war ein vermehrter Zustrom von Kapital nach Palästina zu verzeichnen, Investitionen in Neubauten, Landwirtschaft und Industrie haben zusehends Fortschritte gemacht. Die Einkünfte der Regierung zeigen eine ungeheure Vermehrung, die Ueberschüsse des Schatzamtes sind innerhalb eines Jahres um eine Million Pfund gestiegen. Im Verlauf dieser Zeit gab es, wie die Regierung selbst so oft zugegeben hat, eine akute Knappheit an jüdischen Arbeitskräften. Die Knappheit war besonders in der Landwirtschaft fühlbar und hatte zur Folge, daß es unmöglich war, für weite Gebiete der jüdischen Orangenpflanzungen und eine große Zahl von Ackerbausiedlungen die nötigen Arbeitskräfte zu beschaffen. Auch die Industrie war durch den Mangel an Arbeitskräften schwer behindert; selbst größere Unternehmungen wie die Ruthenberg-Werke, die Werke der Palestine-Potash-Comp. und Nescher-Cementwerke hatten große Schwierigkeiten bei der Beschaffung der benötigten Arbeiter. Es ist richtig, daß die Einwanderung nach Palästina in den letzten drei Jahren eine starke Zunahme gezeigt hat. Die Zahl der Einwanderer aller Kategorien, einschließlich der Familienangehörigen, betrug 1931 etwa 4000, 1932 10.000 und 1933 28.000; aber die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas ist der Beistellung von Arbeitskräften durch die Einwanderung weit vorausgeeilt. Die Quote zugelassener Arbeitereinwanderer ist im. Laufe der letzten drei Schedule-Perioden gleichgeblieben und war tief unter dem angeforderten Minimum stabilisiert. Die bewilligte Schedule betrug im April 1933 5500, im Oktober 1933 5500 und im April 1934 5600 Zertifikate. Die Exekutive findet es unmöglich, diese Einschränkung der Einwanderung mit der erklärten Politik der Mandatarmacht zu vereinbaren, daß die Einwanderung entsprechend der wirtschaftlich en Fähigkeiten Palästinas, neue Einwanderer aufzunehmen, geregelt werden soll. Darüber hinaus schädigt diese einschränkende Politik schwerstens die Struktur des Jüdischen Nationalheims und droht, wirtschaftliche Positionen, unter großen Anstrengungen und Opfern gewonnen, zu untergraben. Der gegenwärtige Mangel an Arbeitskräften hat sich bereits ungünstig bemerkbar gemacht. Die Löhne im Bauwesen sind auf eine früher nie erreichte Höhe gestiegen, wodurch Investierungsberechnungen über den Haufen geworfen werden und die Kapitalaufwendungen über das wirtschaftliche Niveau hinaus gehoben werden. Arbeitskräfte sind von der Landwirtschaft zu besser bezahlten Beschäftigungen in die Städte gezogen worden. Pflanzungen wurden nicht in vollem Ausmaß kultiviert. Es waren nicht genügend Arbeiter vorhanden, um bei öffentlichen Arbeiten der Regierung den jüdischer Arbeit zukommenden Anteil ausnützen zu können. Wichtige Ausbau- und Siedlungspläne wurden in ihrer Ausführung gehemmt. Die Industrie wurde daran gehindert, von den durch neue Investierungen und Erweiterung der Absatzmärkte gegebenen Möglichkeiten in vollem Ausmaße Gebrauch zu machen und viele Industrieunternehmungen haben einen beträchtlichen Teil ihrer r Die §chön§len Palä§tmareisen zu billigsten Pauschalpreisen mit und ohne Landan angement allmonailich. Sichern Sie sich jetzt schon einen Platz für unsere Reise //RosdisHasdianah im Heiligen Lande"* Auskünfte und Prospekte: REISEBÜRO „MARIENBRÜCKE" (Palästinadienst, Leitung: BERTA TAUBES) WIEN, I., ROTENTURMSTRASSE 26 Tel. R-24-2-86, R-24-2-87 J