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Die neue Welt · 1934-05-18 · Heft 366 (18.5.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 366 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite t UIE NEUE WELT Nr. 366 Gäste gehört. Wenn sir meinen, daß ihre .iötüsi-hc . Glaubens- und Rassegouossen in der Welt si« henuiskaiifen könnten, so mögen sie davon überzeugt sein, das, was die Welt in bezug nuf die Judenfrage uns antun könnte, das hat sie getan, das haben wir in Kauf genommen. Die Judensehaft kann davon überzeugt sein, wir lassen sie in Ruhe, wenn sie still und bescheiden sich in ihre vier Wände zurückzieht, wenn sie nicht provoziert und wenn sie nicht vor das deutsche Volk tritt mit dem Anspruch, für vollwertig und gleichwertig angesehen zu werden. Tut die Judenschaft das nicht, so muß sie die notwendig eintretenden Folgen sich selbst zuschreiben." Diese Ausführungen des Dr. Goebbels werden als wichtiges programmatisches Ereignis gewertet. Das Goebbels-Organ „Der Angriff" läßt den theoretischen Ausführungen des Meisters ein Handbuch der praktischen Betätigung folgen, indem er verlangt, den Juden Uberall — auf der Straße, in den Betrieben usw. — zu folgen, ihn auszuhorchen und der Redaktion alle Fälle „jüdischer Unverschämtheit e n" zu melden. Der „Angriff" fordert also ein dichtmaschiges Spionagenetz rings um alle noch in Deutschland lebenden Juden, eine Denunziation als patriotische Tat, ein Ausspähen und Behorchen, so daß kein Jude mehr vor dem Zuchthaus oder geringstenfalls vor dem Konzentrationslager sicher Ist. Hiebei wird, wenigstens im „Angriff", versucht, diese Maßnahmen als Abwehr gegen eine neu auftretende jüdische Arroganz hinzustellen: „Wir stimmen keinen Pogromgesang an, wir rufen zu keiner Judenverfolgung auf, aber wir wollen zeigen, wie der Jude sich heute schon wieder benimmt und wie er sich zu benehmen hat. Es handelt sich also um einen Anstandsunterricht für die geschonten und geduldeten Staatsbürger jüdischen Glaubens. Bei uns liegt bereits eine Menge Material über die Angelegenheit vor. Fortlaufend erhalten wir Zuschriften. Wir fordern nun alle Leser, Parteigenossen. SA.- Manner und Arbeiter auf, uns jeden Fall von jüdischer Unverschämtheit mitzuteilen, der sich in den letzten Monaten und Wochen ereignet hat, damit wir ihn im „Angriff" veröffentlichen. Keiner rühre die Juden an! Aber jeder gebe acht auf sie, auf der Straße, im Freien, in den Lokalen, im Beruf, auf Reisen, überall, wo er einzeln, besonders aber, wo er in Scharen auftritt. Er ist ja nicht zu verfehlen. Und schreibt an den „Angriff", was los ist!" Auswandern, auswandern! Die Berliner Korrespondenten ausländischer Zeitungen melden ihren Blättern, daß die Drohungen Goebbels auch unter den deutschen Juden, die noch an eine Milderung ihrer Lage glaubten, eine beträchtliche Alarmierung verursacht haben. Symptomatisch sei die Tatsache, daß in Familien, in denen die Frage der Auswanderung bisher bloß theoretisch erörtert wurde, dieses Problem, diese Möglichkeit nunmehr praktisch erwogen wird. Damit werden alle Hoffnungen zunichte, die auf eine menschliche Besinnung der heute in Deutschland Regierenden gesetzt wurden. Unter dem Zwang dieser Tatsachen wird wohl tiberall im Ausland, wo für die hitleristische Diktatur platonische Sympathien bestanden, die Erkenntnis platzgreifen müssen, daß mit einer Aenderung des deutschen Regimes gegenüber den Juden nicht zu rechnen ist, daß vielmehr die begonnene Verschlimmerung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse, die nicht mehr abgeleugnete innere Krise auch eine Verschärfung des antijüdischen Kurses nach sich ziehen wird. Die deutsche Judenheit steht vor einer grundlegenden Wende ihrer Geschichte. Die im Unterbewußtsein schlummernde Hoffnung auf Wiederkehr „normaler Verhältnisse" ist nach den Pogromdrohungen von Goebbels und Streicher endgültig dahin. Es handelt sich darum, dem Schicksal ins Auge zu sehen; es handelt sich darum, in diesen ernsten Stunden die Schicksalsgemeinschaft mit dem ganzen jüdischen Volk zu empfinden. Palästina, das zionistische Palästina, kann unseren Brüdern in Deutschland eine Heimat, die Heimat werden. Aber wir müssen sie ihnen und uns erst noch erkämpfen. #/Ein entsetzliches Dokument wilder Rassenhetze" Wir sind in den Besitz einer „Sondernummer" des vom Regierungskommissär für die Provinz Franken und intimen Freunde Hitlers, des Julius Streicher herausgegebenen „Stürmer" gelangt. Dieses Schriftstück, das die große, rote Aufschrift „Ritualmord- Nummer" trägt und in Deutschland einen förmlichen Blutrausch erzeugt hat, ist wohl die entsetzlichste gedruckte Bestialität, die je produziert wurde. Die Schrift war nicht leicht zu erlangen, denn die Hitler- Regierung hat die Ausfuhr dieses Blattes aus Deutschland unter strenge Strafe gestellt. Das charakterisiert die feige Niedertracht eines Systems, das innerhalb der Staatsgrenzen zum Mord aufstachelt, aber nach außen hin das Verbrechertum verhüllen will. Rabbiner im Ornat saugen aus Kinderleichen durch Röhren Blut, lachende Juden schneiden Frauen den Hals ab, an die hundert „authentische" Berichte und Bilder von Schöne Sommerwohnungen beste Lage, großer, schöner Garten, fließendes Wasser, Bad im Hause, komfortable Einrichtung, mit und ohne Wäsche, staubfreie Lage, in Sauerbrunn, Badgasse 15, billig zu vermieten. Telephon U-22-9-51. Ruhiger Aufenthalt — Keine Belästigung. Ritualmorden und Torturen an Christenkindern ... So geht es über zwanzig große Zeitungsseiten! Es ist gut, daß Exemplare dieses Blattes eines deutschen Regierungschefs und Freundes Hitlers durch die Sperre ins Ausland gelangt sind. Das ist das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands, utiverhüllt und ungeschminkt. Das Ausland erkennt es jetzt voll Entsetzen. Stimmen des Auslandes: Der Nestor des Schweizer Journalismus, Chefredakteur der „Basler Nachrichten", Dr. Oeri, schreibt, es sei ein ,,e n t s e t z 1 i c h e s D o k u m e n t w i 1 d e r R a s s c rill e t z e". Oeri zitiert die von Streicher anläßlich seiner Uebernahme der Regierung von Mittel- und Oberfranken gemachten Erklärungen und schreibt: „Uns scheint es, es komme nicht nur auf die Befehle an, die man gibt, sondern auf die Stimmung, die man schürt. Wenn Herr Streicher künftighin „Gesetzlosigkeiten" vermeiden will, so sollte er dem Volke die Juden nicht vorstellen als „Verbrecher, Mörder und Teufel in Menschengestalt"." „Neue Zürcher Zeitung" schreibt: „Die Pogrompropaganda des .Stürmer' kann bei der Stimmung, die in breiten Volksmassen in Bayern herrscht und durch heftige antisemitische Ausfälle des Münchener Oberbürgermeisters Fiedler noch geschürt wurde, sehr bedenkliche Folgen haben. Um so eigentümlicher ist es, daß Julius Streicher, der Herausgeber des hetzerischen Wochenblattes, vor kurzem an die Spitze der Kreisregierung von Nürnberg berufen werden konnte." Basler „Nationalzeitung" schreibt: „Wir stehen hier vor einem beschämenden Dokument des Tiefstandes unserer Kultur. Denn daß es überhaupt möglich ist, eine geistige Errungenschaft wie den Buchdruck, welche Licht, Klarheit und Freude der Menschheit zu schenken berufen wäre, so schamlos und ausschließlich in den Dienst finstersten Hasses zu stellen, ist eine Angelegenheit, die nicht nur Deutschland, das Land Lessings, Goethes und Schillers, angeht, sondern unsere ganze christlich-abendländische Gedanken- und Willenswelt, denn sie beweist, wie wenig es uns gelungen ist, über die Bewältigung der Naturkräfte hinaus zu einer ordnenden Beherrschung der Kräfte der Seele zu dringen." Georg Bernhard schreibt im „Pariser Tageblatt": „Adolf Hitler kennt seinen Freund Julius Streicher ganz genau. Er billigt nicht nur seine Handlungen, er 1 i c b t ihn. Er heißt auch alles gut, was Julius Streicher vorbringt. Denn er hat all das so oft selbst in seinen eigenen Reden behauptet. Es besagt doch die Tatsache schon genug, daß dieses Blatt der dauernden Pogromhetze in Hitler-Deutschland unbehelligt erscheinen darf. .. Die Ritualmordnummer des „Stürmer" sollte man in Millionen Exemplaren in allen Ländern der Welt verbreiten. Denn dieses Blatt, und besonders diese Spezialausgabe, zeigt das wahre Antlitz des deutschen Nationalsozialismus und enthüllt die echte Seele des deutschen Führers besser als seine Friedensreden." Die Prager „Deutsche Presse" schreibt: „Es gibt kaum einen gebildeten Menschen, der diesen Mann (Julius Streicher) nicht als Schande deutscher Kultur empfände." Sogar die „Frankfurter Zeitung" riskiert etwas, indem sie feststellt, diese „Ritualmord-Nummer hat in Deutschland und, wie die Auslandspresse beweist, auch außerhalb der deutschen Grenzen das Aufsehen erregt, das nach ihrem Inhalt und ihrem Zweck zu erwarten war, Aufsehen und Entrüstung, die sich selbstverständlich keineswegs auf jüdische Kreise beschränken." „Manchester Guardian" unterstreicht die Verantwortung der Hitler-Regierung für die Pogromhetze Streichers, wenn er feststellt, daß die Reichsregierung sich v o 11 be wüßt ist, welchen Schaden diese Art der Publikation dem Nationalsozialismus zufügt, ist dadurch bewiesen, daß sie „den Versand des Blattes ins Ausland verboten hat." Und stellt weiter fest, daß die Hitler-Regierung nichts mit solcher Konsequenz verfolgt wie ihre Politik der Ausmerzung der Juden af** allen Gebieten des Lebens. Geht diese Politik weiten -v kann sie nicht anders als mit dem völligen Ver schwinden der Juden enden. Aus England Der deutsche Botschafter lehnt den Empfang jüdischer Führer ab Aus London: Wie seitens des Komitees zur Wahrnehmung der Rechte der Juden im Ausland (Joint Foreign Committee) mitgeteilt wird, hat der deutsche Botschafter in London Freiherr von Hoesch es abgelehnt, die beiden Präsidenten des Komitees, Neville L a s k i und Leonard G. Montefiore zur Entgegennahme einer Erklärung zu empfangen. Neville Laski und Leonard G. Montefiore hatten dem deutschen Botschafter mitgeteilt, sie wollten ihm gegenüber der tiefen Entrüstung und der grenzenlosen Verwunderung Ausdruck geben, die die Judenheit Englands angesichts der Wiederaufnahme der Ritualmord-Verleumdung durch den „Stürmer" empfindet; ferner wollten sie die Hoffnung der englischen Judenheit ausdrücken, daß die Reichsregierung Schritte ergreifen wird, um die weitere Verbreitung dieser so gemeinen Verleumdung des Judentums zu verhindern. Ritualmord-Propaganda vor dem Unterhaus Aus London: Oberst Oliver Locker-Lamps o n richtete im Unterhaus an den Staatssekretär für Inneres die Frage, ob er Schritte ergreifen wolle, um den Verkauf der Ritual mord-Nummcr der vom VILLA Kurarzt Dr. Loebel HOFGASTEIN_ Regierungsmitglied für Franken Julius Streicher in Nürnberg herausgegebenen Wochenschrift „Der Stürmer" in England zu verbieten, da eine Verbreitung dieses Pamphlets den Frieden stören könnte. Der Unterstaatssekretär für Inneres Douglas Hacking erwiderte, das Innenministerium habe. Erkundigungen eingezogen und festgestellt, daß Exemplare der erwähnten Zeitschrift in England nicht öffentlich verkauft werden; sollte dies doch geschehen, so würde das Innenministerium erwägen, ob Im öffentlichen Interesse irgend eine Aktion notwendig oder wünschenswert sei. Die antisemitischen Ausschreitungen in Polen Aus Warschau: In Warschau unternahm ein Stoßtrupp der neugegründeten radikal-nationalen Partei wiederum Ucberfälle auf jüdische Straßenpassanten, von denen sechs erheblich verletzt wurden. Der Beamte Weber liegt bedenklich darnieder. Die Polizei konnte einige Exzedenten feststellen, die übrigen flüchteten. L o d z c r jüdische Ausflügler wurden in Pabianuc von den Radikal-Nationalen blutiggeschlagen, einige Juden wurden in schwerverletztem Zustande ins Hospital überführt. In der Lodzer Piotrkower Gasse wurden jüdische Passanten überfallen und schwer mißhandelt. Das LodzerPolizeigericht verurteilte sechs Teilnehmer an dem antisemitischen Ueberfall am 3. Mai zu je zwei Monaten, andere zu einem Tag bis einem Monat Gefängnis. Auch sieben Juden, die sich der Ueberfällc erwehrten, wurden zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Auch in Bialystok kam es ungeachtet starker Polizeipatrouillen abermals zu Ueberfällen auf Juden. Aehnliche Ueberfälle wurden aus Wilna, Pruszkow, Klobuck, Truskolas, Czenstochau und anderen Orten gemeldet. Eine Warnung der polnischen Regierung Im Zusammenhang mit den Exzessen und der neueingesetzten Judenhetze in Polen veröffentlichte das Warschauer Regierungskommissariat folgende Mitteilung: An das Regierungskommissariat sind Nachrichten gelangt, wonach in verschiedenen Gassen sich Personen herumtreiben, welche Wohnungen und Geschäfte unsicher machen oder Passanten anhalten und auch verbreiten, daß in den letzten Tagen bei einem Straßenexzeß die Juden einen Christen getötet haben. Das Regierungskomrnissariat stellt fest, daß diese Meldung jeder Grundlage entbehrt, und appelliert an die Einwohner der Hauptstadt, derlei niederträchtige Provokationen nicht zu glauben, die auf Hervorrufung von Unruhen und auf die Verstärkung der Feindschaft zwischen den Warschauer Einwohnern hinzielen. Die Verbreiter falscher Gerüchte sollen der Polizei unverzüglich übergeben werden. The P. 0. B. 119, Telephone 963—964 Cable address: „ASHRAIBANK" TEL AVIV TEL AVIV Ausführung sämtlicher Bankgeschäfte The Hadar Hacarmel P. 0. B. 950, Telephone 344 Cable address; „ASHRAIBANK" HAIFA HAIFA Neueröffnung Strandhotel Tel-Awiw 2, ALLENBY ROAD Besitzer: Dr. Berschak und Hans Boehm Das Haus mit modernstem Komfort. Badestrand unmittelbar am Hotel. Kaltes und warmes Wasser in jedem Zimmer. Bäder. Liegeterrassen/ schönster Blick Ü auf JAFFA, Meer und Strand. Feinste koschere Küche, sorgfältigste Bedienung, mäßige Preise. — Hotelauto am Hafen und Bahnhof.

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