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Die neue Welt · 1934-05-18 · Heft 366 (18.5.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 366 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 366 NEU ERÖFFNUNG! Pension, Coli, Restaurant, orth. •jiyj BAD HALL Obe rösterrei ch VILLA MAYERHOFER A« BARSCHAK & Co. aus Wl«n, II., Gr. Schiffgasse 3. Tel. A-46-4-39 Das Unternehmen steht unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Rab b. Babad Araberkrieg — Völkerbundkrise Vor sein Programm der zionistischen Lösung der Judenfrage hat Theodor Herzl den Satz gestellt, daß die Judenfrage eine weltpolitische Frage ist und nur mit dem Einverständnis und mit Unterstützung seitens aller maßgebenden weltpolitischen Mächte gelöst werden kann. Die Judenschaft kann weder allein noch etwa unter dem Protektorat einer Macht — und sei sie auch die größte — ihr Befreiungswerk durchführen. Dieser Leitgedanke fand in der Tätigkeit Herzls seinen Ausdruck. Im Dienste des Zionismus fuhr Herzl von Hauptstadt zu Hauptstadt, korrespondierte mit allen ihm erreichbaren Regierungsstellen und bemühte sich, die Aufklärung über das Wesen der Judenfrage und der Judenstaatsidee überall hinzutragen. Diese Art seiner Tätigkeit trug ihm vielfach und auch in zionistischen Kreisen spöttisches Urteil ein, man sprach von Vielschreiberei, fruchtlosen Spielereien in Diplomatie usw. Und doch hat der Zionismus seine späteren Erfolge nur dieser oft verkannten, weltpolitisch orientierten Arbeit Herzls zu danken. Ihr ist es zu danken, daß die zionistischen Unterhändler während des Weltkrieges und nach dem Friedensschluß auf das Verständnis der Mächte trafen. Ohne Herzls Vorarbeit wäre die Anerkennung Palästinas als jüdisches Nationalheim, wären die Balfour- Deklaration und das Völkerbund-Mandat für Plästina nie zu erlangen gewesen. In den letzten zehn Jahren hat aber die Zionistische Weltorganisation den von Herzl vorgezeichneten weltpolitischen Weg verlassen. Man glaubte, „weltpolitisch au«gesorgt" zu haben und beschränkte die zionistische Politik auf zwei Gebiete: auf das inner jüdische und das englisch -jüdis c h e. Viel jüdisches Geld und viele jüdische Menschen nach Palästina schicken — England und seine Palästina-Regierung um jeden Preis in guter Stimmung erhalten! Alles andere ist wertlose, ja schädliche Politikastern! Und das normale Fortschreiten der jüdischen Kolonisation in Palästina und das wirtschaftliche Aufblühen des Landes haben den Schein erzeugt, als wären die im Rechte, die so sprechen und so handeln, in Abkehr von der ,»veralteten" Herzischen Weltpolitik. Jetzt aber sind Ereignisse im Gange, welche diesen gefährlichen Schein zerrinnen lassen. Warnende Zeichen, die daran mahnen, daß wirtschaftlicher Aufbau in Palästina ohne weltpolitische Sicherung und die Freundschaft einer Macht vergängliche Dinge sind und für die Sicherung des jüdischen Befreiungswerkes nicht ausreichen. Der Zionismus hat weltpolitisch nicht ausgesorgt! Der arabische Krieg. Der Herrscher des Hedschas, Ibn Saud, hat einen gewaltigen Sieg errungen und bisher unabhängige arabische Gebiete untei> worfen. Der Gedanke, daß er nun sein Sinnen auf die Schaffung eines großarabischen Reiches mit Einschluß Iraks, Syriens und Palästinas richten wird, ist zu naheliegend, als daß er durch beruhigende Zeitungserklärungen restlos zerstreut werden könnte. Es wäre auch töricht, daran vorbeisehen zu wollen, daß Ibn Saud den Krieg gegen den von Italien unterstützten Imam von Jemen nur dank englischer Duldung und Hilfe führen und gewinnen konnte. Da sind manche Zionisten rasch mit der Antwort bei der Hand, daß England dem Ibn Saud freie Hand im 3üden gewährt, um ihm energisch halt zu gebieten, virenn er nach dem Norden greifen sollte. Die so sprechen, vergessen daran, daß es heute n England einflußreiche Politiker gibt, welche die ien Juden gegebene Balfour-Erklärung gerne zurücknehmen möchten. In diesen Kreisen glaubt man, daß ein großarabisches Reich unter englischem Protektorat den Orientinteressen Englands eine zuverlässigere Stütze abgeben würde als ein jüdisches Palästina. Die Ansicht ist falsch, aber darum nicht weniger gefährlich, und gerade deshalb sehr bedrohlich, weil die Palästina-Regierung in ihrer heutigen Zusammensetzung dieser Ansicht zu hUldjgen scheint. Denn anders wäre ihre ausgesprochen pro-arabische und antizionistische Haltung nicht zu erklären. * Die Krise um den Völkerbund. Das Scheitern der Abrüstungskonferenz, das Zurückgreifen auf Schutz- und Ttrutzbündnisse einzelner Staatengruppen und noch manche andere Erscheinungen haben das Ansehen und den Einfluß des Völkerbundes so stark vermindert, daß bereits von seinem Zerfall gesprochen wird. Demgegenüber ist wohl anzunehmen, daß die maßgebenden Mächte im entscheidenden Augenblick davor zurückschrecken werden, einen Wahnsinnsakt zu vollführen und das einzige Bollwerk gegen einen neuen Weltkrieg zu zerstören. Der Völkerbund wird bestehen bleiben, aber die schwere Krise um ihn ist da und wird ihn für eine geraume Zeit aktionsunfähig machen. Und das ist von verhängnisvoller Bedeutung für jene, die in dessen Krisenzeit auf den Beistand des Völkerbundes angewiesen sind, also auch für den Zionismus, für das jüdische Nationalheim, welches von Gefahren unmittelbar bedroht erscheint. * Araberkrieg — antizionistische Strömungen in England — Krise um den Völkerbund. Diese Ereig-. nisse haben die Lage des Zionismus sehr ernst gestaltet. Jetzt mit dem Hinweis auf den wirtschaftlichen Aufschwung Palästinas und auf noch vorhandene Freunde der zionistischen Sache in England die Sorge von sich weisen zu wollen, wäre mehr als verantwortungslos. Jetzt muß die weltpolitische Arbeit im Sinne Theodor Herzls, die so lange vernachlässigt wurde, wieder einsetzen. Die Existenz des jüdischen Nationalheimes darf nicht von den Zufälligkeiten arabisch-englischer Politik abhängig bleiben. Sie muß weltpolitisch gesichert werden. Die Führer des Zionismus müssen, wie Theodor Herzl es tat, von Volk zu Volk, von Regierung zu Regierung gehen, dem Zionismus alte Freunde zurückbringen und neue Freunde gewinnen. Die ganze Kulturwelt muß überzeugt werden, daß die Schaffung des Judenstaates in ihrem Interesse liegt, daß der Judenstaat nicht nur Erlösung der Juden bedeutet, sondern die ganze Menschheit von schwerer Unruhe und Sorge befreit. Nur dann wird das jüdische Palästina gesichert sein. r. st. «I Die Weiterkafasftrophe t in Tiberias Aus Jerusalem: Der alte Teil der biblischen Stadt Tiberias am Galiläischen Meer (See öenezareth) mit dem Markte wurde durch zwei am Sonntag mittags niedergegangene Wolkenbrüche in Trümmer gelegt und von riesigen Wassermasseri überschwemmt. Bisher wurden 2Q Leichen, zum großen Teil Kinder^ geborgen. Sehr viele Personen werden noch vermißt, und man befürchtet, daß sich die Zahl der Opfer b eträchtlich erhöhen könnte. 1500 Soldaten sind aufgeboten worden, um gemeinsam mit starken Polizeiabteilungen die Aufräumungsarbeiten vorzunehmen. Mehrere hundert Familien sind obdachlos. Die Bevölkerung wurde vollkommen von der Katastrophe überrascht und konnte fast nichts von ihrer Habe retten, die von den Fluten fortgeschwemmt wurde. Viele Häuser wurden durch Steinlawinen verschüttet und zerstört. Das Wasser stand in einzelnen Straßen 2 Meter hoch. Nach oberflächlichen Schätzungen beträgt der Schaden miifdestens 30,000 Pfund. Man nimmt an, daß die Mehrzahl der Opfer Juden sind. Tiberlas zählt gegenwärtig 9000 Einwohner, darunter 6000 bis 7000 Juden. * Aus Jerusalem: Gerade zu der Zelt, als man mit der Bestattung der Opfer der ersten Wolkenbruch-Katastrophe, von der Tiberias Heimgesucht wurde, beschäftigt war, ging ein zweiter schwerer Wolkenbruch nieder, der von einem Orkan begleitet war. Mehr als eine halbe Stunde lang ergossen sich ungeheure Wassermassen aus den Wolken und überfluteten die Stadt. Die Panik war unbeschreiblich. Kinder wurden in den Straßen von den Fluten ihren Müttern weggerissen, gellende Hilferufe schallten durch die Gassen. Aus dem See Genezareth wurden Leichen von Bewohnern, die Was machen Sie jeden Abend? „Ich lasse mich mit Diana-Franzbranntwein massieren!" —• „Warum gerade mit Diana- Franzbranntwein?" — „Weil ich mich überzeugt habe, daß nur Massage mit DIANA- Franzbranntwein mit Nenthol solche Schmerzen lindert, welche von Ueberanstrengung und schwerer Arbelt herrühren. Eben darum kaufe ich nur Diana-Franzbranntwein und nichts anderes." Nehmen Sie nur Dianal Wertlose Nachahmungen weisen Sie zurück! Ueberau erhältlich jmiiimiimiimiiiiiimmmmmiiimiiimimiimmmmiiu. s n;-j-f-_^-i__--„ m sdionsfer läge 1 Steiermark! I s nimmt vom 8. luli bis 20. Sept. 1934 § 5 Kinder von 6 bis 14 fahren auf E E Auskünfte und Prospekte bei 5 5 Lehrer MAX JELLINEK, Graz, Steyrergasse 60, E S oder Dr. KARL JELLINEK, Wien XV, Mariahilfer* § Straße 166, Telephon R>35*408 E?iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin bei der sonntägigen Katastrophe spurlos verschwunden waren, durch die Gewalt des Sturms wieder ans Ufer gespült. Man befürchtet, daß durch die zum Teil in Verwesung übergegangenen Leichen Seuchen in Tiberias ausbrechen könnten. Die Bevölkerung hat die Stadt bis auf wenige Nachzügler geräumt und s kampiert, teils in Zelten, auf den Hügeln der Umgebung, j Allgemein wird erklärt, daß die Gegend noch niemals von j einer solchen Wetterkatastrophe heimgesucht worden ist. Von den noch am Sonntag agnoszierten Opfern der ersten Katastrophe, deren Zahl mindestens 26 betrug, waren 11 Mohammedaner, 3 Juden und 1 Christ, unter allen diesen 11 Kinder. Der Rest der Leichen konnte noch nicht identifiziert werden, doch steht fest, daß sich unter diesen eine Anzahl Juden befindet. Jüdische Kolonisten aus der Umgebung beteiligten sich in großer Zahl an dem Rettungswerk. Dr. Jakob Ehrlich — Rat der Stadt Wien Als Vertreter der jüdischen Rcligionsgesellschaft . Der Wiener Bürgermeister Schmitz hat das Mitglied des Wiener Kultusvorstandes Herrn Dr. Jakob Ehrlich auf den im neuen Statut vorgesehenen Posten eines Vertreters der israelitischen Religionsgesellschaft berufen und zum Rat der Stadt Wien ernannt. Dr. Jakob Ehrlich ist seit vielen Jahren in der jüdischnationalen und zionistischen Bewegung tätig, der er sich schon als Hochschüler zu Theodor Herzls Zeiten angeschlossen hatte. Ift der Vorkriegszeit war er in der Leitung des „Jüdischen Nationalvereines" tätig. Im Jahre 1912 zog er als zionistischer Vertreter in den Vorstand der Wiener Judengemeinde ein, dem er seither ununterbrochen angehört? Im Jahre 1919 wurde er als Kandidat auf der jüdischnationalen Liste in den Wiener Gemeinderat gewählt und übte bis zum Jahre 1922 sein Mandat aus. Dr. Jakob Ehrlich fungierte auch wiederholt als Präsident der allgemein-zionistischen Organisation Oesterreichs. . . In der Berufung Dr. Ehrlichs kommt die Anerkennnung des Umstandes zum Ausdruck, daß heute die Wiener Judenschaft ihrer Majorität nach auf dem Boden des nationalen Judentums steht. Herr Dr. Jakob Ehrlich, der nun schon mehrere Jahrzehnte hindurch treu zum Zionismus steht und in seinem Sinne arbeitet, der mit den Interessen, Wünschen und Leiden der Wiener Judenschaft vertraut ist, wird sie mit Würde vertreten. Seine politische Vergangenheit gibt hiefür Gewähr. Außer Dr. Jakob Ehrlich gehört dem 64gliedrigeri Rate der Wiener Bürgerschaft nur noch ein Jude an: Der bekannte Bankier und Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Herr Leopold Langer, der als einer der Vertreter der Gruppe „Handel und Verkehr" •mannt wurde. Auch er gehörte in der Vorkriegszeit dem Vorstande der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde an» Katholische Führer hier und dort Aus Amsterdam wird gemeldet: Die Zweite Holländische Kammer hat das vom katholischen Minister van Schalk eingebrachte und begründete Gesetz, wonach die Aufreizung, zu 'eindlichen Gefühlen gegen gewisse Teile der Bevölkerung unter Strafe gestellt wird, mit großer Mehrheit angenommen. Minister van Schalk unterstrich in seiner Rede die von den Interessen des Staates aus gebotene Notwendigkeit, energisch gegen die Verbreitung judenhetzerischer Broschüren, und Reden vorzugehen, und wies darauf hin, daß namentlich im letzten Jahre die antisemitische Literatur in Holland sehr zugenommen hat. * Nicht nur in Holland ist wahrzunehmen, daß fromme katholische Männer und Würdenträger dem jüdischen Volke Gerechtigkeit erweisen und dem Judentum Achtung entgegenbringen. Selbst in ihrem Kampf gegen Hitlers Gewaltregime, der wahrlich zu den allerschwersten zählt, lehnen es die Führer des Katholizismus in Deutschland ab, durch Konzessionen an die radau-antisemitische Stimmung im Reiche ihre Position verbessern zu wollen, und grenzen sich von den an den Juden verübten Bestialitäten deutlich ab. Da entsteht die Frage, wie es kommt, daß sich anderenorts antisemitische Hetzereien der Förderung seitens hoher katholischer Kreise erfreuen. So zirkulieren jetzt im katholischen Oetserreich zwei Broschüren, die wohl unter die gröbsten antisemitischen Machwerke einzureihen sind: Die Schrift des bekannten Pogromagitators Anton Orel, „Judaismus, der weltgeschichtliche Gegensatz zum Christentum"' und „Das Judentum und die Schatten des Antichrist", eine vom katholischen Pfarrer Gaston Ritter verfaßte Verherrlichung der verlogenen „Protokolle der Weisen von ZionM. Ueber diese Schriften wäre nicht viel zu sageag aU aiBi

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