Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 366 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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18? Ti droschen Jahrgang 8 Freitag/ dtn 18* Mai 1934 Nr* 366 V* In b* Zeitung vom Verleger versenddl „Journal expe*die par l*£difeiUr\ BEZUGSBEDINGUNGEN: Oestwrdch monatlich S 1.30. vierteljährig S 4.-, ganzjährig;S 16.-;Polenimona lieh Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6.- Tschechoslowakel monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-; Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr Igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A;20-2-78 — Erscheint Dienstag und Freitag REVUE Die Palästina-Regierung die anli§emilisdiesle des Imperiums In der Sitzung des englischen Parlaments am 11. d. wurde das Ermächtigungsgesetz zur Ausgabe einer Palästina-Anleihe im Betrage von zwei Millionen Pfund unter Garantie der englischen Regierung einstimmig angenommen. Der Abstimmung ging eine mehrstündige Debatte voraus, welche aber nicht der Anleihe selbst, sondern der Judenpolitik der Palästina-Regierung galt. Der frühere Minister Colonel Josia Wedgwood und der jüdische Abgeordnete Barnett J a n n e r nahmen die Gelegenheit wahr, die manclatswidrige, antizionistische Politik der Palästina-Regierung einer heftigen Kritik zu unterziehen. Colonel Wedgwood bezeichnete unter großer Unrühe des Hauses die Palästina-Regierung als die antisemitischeste im ganzen o ritischen Imperium. Der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister verteidigte die Regierung. Der antizionistisch eingestellte Abgeordnete Lord Winterton, früher Staatssekretär für Indien, trat Wedgwood entgegen und behauptete, daß England den Arabern das Versprechen gegeben habe, Palästina arabisch zu erhalten. Gegenüber der Behauptung, daß die fast zur Gänze von den jüdischen Steuerzahlern Palästinas zu bezahlende Anleihe fast ausschließlich für die Araber verwendet würde, erklärte der Kolonienminister, daß ein Drittel den Juden und zwei Drittel den Arabern zugute kommen würden, ohne aber diese Erklärung durch Ziffern zu erhärten. Der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister begründete die Vorlage mit dem Hinweis darauf, daß die Finanzlage Palästinas und damit die Sicherheit der Anleihe jetzt unvergleichlich besser seien als bei der 1926 aufgenommenen Anleihe. Man erwarte, daß der Ueberschuß der Palästina-Regierung im Finanzjahr 1933/34 etwa eine Million Pfund betragen werde. „Warum will Palästina dann borgen?", fragte der ehemalige Zivil-Lord der Admiralität und frühere Führer der liberalen Parlamentsfraktion, George Lambert. Der Minister erwiderte, es sei ein sehr gesunder Grundsatz, Gelder für Kapitalsanlagen aufzunehmen und große Reserven zu schaffen. Man habe die Ansicht geäußert, daß all diese Dinge mehr den Arabern als den Juden zugute kommen würden. Er sei dahin informiert, daß die Ausgaben aus der Anleihe zu zwei Dritteln den Arabern, zu einem Dr i 11 e 1 den Juden zugute kommen würden. Der liberale Abgeordnete Isar F o o t, ehemaliger Bergwerksminister, erklärte, die Ausgabe dieser Anleihe zeuge nicht von Not, sondern von Prosperität. Mit Hilfe der früheren Anleihe habe Palästina etwa eine Million Pfund zurückzahlen können, die ihm von England zur Behebung von Kriegsschäden vorgeschossen worden waren. Unter der Verwaltung Sir Herbert Samuels seien in 200 Dörfern arabische Schulen errichtet worden; die Fortsetzung dieses segensreichen Werkes habe aus Geldmangel unterbleiben müssen. Er wisse aus eigener Erfahrung, welch dringendes Bedürfnis nach Erziehung bei der arabischen Jugend vorhanden sei. Er gebe zu, daß mit dem, was geplant sei, den arabischen Kindern ein Vorteil eingeräumt werde; doch sei dies eine aus historischen Ursachen sich ergebende Notwendigkeit. Es wäre tragisch, wenn diese Anleihe oder die an ihr geübte Kritik dazu führen würde, die Kluft zwischen den beiden Völkern zu erweitern. Er hoffe, daß diejenigen, die an der zionistischen Bewegung, einer der b emer kenswertesten Bewegungen der Weltgeschichte, teilgenommen haben, nicht entmutigt werden würden. Colonel Josia Wedgwood erklärte, er unterstütze durchaus die Garantie der britischen Regierung. Solange die an Palästina geliehene Summe von der englischen Regierung garantiert werde, werde die Kontrolle Englands über das Mandatsgebiet aufrechterhalten werden. Es habe sich seit dem letzten Jahr gezeigt, daß der erste Schritt einer Regierung, sobald sie die wirkliche Macht erlangt habe, darin bestehe, die Zinsen für geliehenes Geld nicht mehr zu bezahlen. Wenn dem so sei, was solle dann mit der Absicht der Regierung geschehen, in Palästina eine Volksvertretung su schaffen? Man solle das lieber sein lassen! Die erste Parole der künftigen „demokratischen" Regierung Palästinas würde sein, die Verpflichtungen betreffend Die große Paläsh'nadebaMe im Unterhaus das unter der früheren Regierung geliehene Geld abzulehnen. Die Palästina-Regierunng, fuhr Colonel Wedgwood fort, ist nicht länger bemüht, das Land durch Bevölkerungsvermehrung zu entwickeln und den Gedanken des Jüdischen Nationalheims zu fördern. Statt dessen ist sie zu der ausgesprochen antisemitischesten Regierung im ganzen britischen Reich geworden. (Zwischenrufe.) Es ist sehr wohl bekannt, daß, wahrend das anti-nationalsozialistische Braunbuch von der Palästina-Regierung verboten worden ist, eine Flut der übelsten Dokumente der antijüdischen Hetze der Nazis in Palästina verbreitet werden darf. Die Haltung der Regierung gegenüber der Einwanderung von Juden aus Deutschland könne nur damit erklärt werden, daß die Beamtenhierarchie der Palästina-Regierung die deutschen Juden nicht mag. Diese Beamten beriefen sich darauf, daß den palästinensischen Juden die Juden aus Deutschland nicht willkommen seien und daß sie vollkommen damit zufrieden seien, daß man die Einwanderer aus Deutschland nicht zuläßt. Colonel Wedgwood erklärte, im letzten Jahre seien 10.000 'Juden aus Deutschland nach Palästina gekommen. Das seien die letzten Auswanderer aus Deutschland gewesen. Nach der neuen Schedule sei nun die Einwanderung von Juden ajus der ganzen Welt auf 5 6 0 0 beschränkt worden. . Ein weiterer Beweis für - die Parteilichkeit der Regierung, erklärte Wedgwood, seien die wundervollen Nebenstraßen, die von den Hauptstraßen zu den Dörfern, aber nicht zu jüdischen Dörfern, fUhren. Den von der Regierung geduldeten, ja geforderten Zustrom billiger arabischer Arbeitskräfte aus den Gebieten jenseits des Jordans müsse er bedauern. Die Volkszählung habe In den letzten Jahren gezeigt, daß die arabische Bevölkerung sich viel stärker vermehrt als die jüdische. Die einzige Aus- Für den Pfingstausflug nicht vergessen BERNA Käse sieht, Palästina zu einem jüdischen Land zu machen, bestehe darin, jüdischen Arbeitern die Einwanderung zu erlauben und darauf zu achten, daß sie nicht durch minderwertige Arbeitskräfte verdrängt werden, denen Löhne gezahlt werden, von denen ein Jude nicht leben könnte. Der Abgeordnete Lord Winterton, früherer Unterstaatssekretär für Indien, erklärte: Wenn jemals eine Nation in Ehren versucht habe, ihre Versprechungen zu erfüllen, so sei es England gewesen; Colonel Wedgewood wisse, daß die Hände der Regierung durch die 1917 und später an die Araber gegebenen Versprechungen gebunden sind. Diejenigen, die gegen die Palästina-Verwaltung Anklagen erheben, vergäßen diese Verpflichtungen. Die Rede Colonel Wedgwoods bedaure er. Er sei weder Prozionist noch Antizionist, er habe die B a 1 f o u r-D eklaration angenommen. Wenn er auch mit den Arabern sympathisiere, so sympathisiere er doch keineswegs mit dem Standpunkt der arabischen Extremisten Palästinas. Reden von der Art der von Colonel Wedgwood gehaltenen würden für die gesamte arabische Gemeinschaft einen wesentlichen Beschwerdepunkt bilden. Wäre eine solche Rede über den Konflikt der indischen Mohammedaner und der Hindus gehalten worden, so hätten sie Unruhen in Bombay verursacht. Zu fordern: einmal, daß Palästina das Nationalheim der Juden sein muß, und ein anderes Mal, daß es das der Araber sein soll, sei ethnologisch und historisch unrichtig und verhängnisvoll. Das einzige, was ein furchtbares Blutvergießen verhindere, seien die britische Regierung und die britischen Streitkräfte. Daran mögen die Mitglieder des Hauses denken, bevor sie die britische Verwaltung von einem jüdischen Standpunkt aus kritisieren. Colonel Wedgwood hat gesagt, daß deutsche Juden die besten Juden in der Welt sind. Er, Winterton, wäre eher geneigt, zu glauben, daß britische Juden jenen bei weitem überlegen seien. Man sehe offenbar, fuhr Lord Winterton fort, eine besondere Härte darin, daß es den Arabern möglich ist, jüdische Arbeit zu unterbieten. Juden hätten jedoch durch Tausende von Jahren aus Gründen, die ihnen hoch angerechnet werden müssen, die Arbeit anderer in allen Teilen der Welt Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Nädi§te Nummer wegen der Pfingstfeiertage Freitag früh II Für die Leser der „Neuen Welt" nur: Die SUlen billigen Neudegger Fahrschulen Wien, VIII. Neudeggergasse 18., (Tel. B-46-5-72) u. Inzersdorf (Nied.-Oest.). - Elektr. LehrchassisI unterboten. Die Juden sollten die letzten sein, sich darüber zu beklagen, daß Araber ihre Löhne unterbieten. Er wolle seine Anerkennung für das aussprechen, was von der zionistischen Bewegung und von jüdischen Emigranten in den jüdischen Kolonien geleistet worden ist. Aber niemand könne sich dagegen wenden» daß Geld ausgegeben werde, um das Niveau der arabischen landwirtschaftlichen Bevölkerung auf dasjenige der jüdischen zu heben. Als Antwort auf die Ausführungen Lord Wintertons erklärte der jüdische Deputierte Barnett Janner, niemand, der an der Entwicklung Palästinas interessiert ist, wünsche eine Reibung zwischen einem Teil der Bevölkerung und dem anderen. Dank der gewaltigen Anstrengung des jüdischen Volkes ist Palästina heute in der Lage, seinen Verpflichtungen voll nachzukommen. Das Budget des letzten Jahres in Höhe von nur drei Millionen Pfund ergab den gewaltigen Ueberschuß von einer ganzen Million Pfund. Die Städte wachsen rapid, die junge Stadt Tel-Awiw zählt, bereits 100.000 Einwohner, der Export nimmt qualitativ und quantitativ zu, allein 1933 kamen 621 neue Unternehmungen hinzu. Die Gefährdung der Sicherheit dieser Entwicklung liegt nur darin, daß die Einwanderung unzureichend ist. Im Geiste der Freundschaft möchte er den Kolonienminister dringend bitten, sich die Lage und, das ideale Streben jener zu vergegenwärtigen, die nach Palästina gehen wollen, und diesen Menschen die Einwanderung zu erleichtern. Eine Schedule von 5600 Zertifikaten ist lächerlich; sie ist eine Gefahr für Juden wie für Araber; denn der jüdische Einwanderer bringt dem Lande Prosperität, die beiden Rassen zugute kommt. Die Zionisten sind bestrebt, beide Teile der Landesbevölkerung zusammenzubringen, dies wird durch Verfügungen von Menschen gestört, die die Lage nicht verstehen, sowie durch politische Intriganten, denen nicht gestattet sein sollte, sich in die Angelegenheiten jener einzumischen, die aktiv den Boden bearbeiten. Die jüdischen Siedler wollen keinem einzigen Araber Schaden zufügen, sondern im Gegenteil dem ganzen Lande helfen. Das jüdische Volk in Palästina willabernicht von Barmherzigkeit abhängen, sondern wünsche eine Verwaltung, die ihnen ihre menschlichen Rechte sichert. Man kann nicht die jüdische Gemeinschaft in der Welt zu sehr überlasten, denn diese Geraeinschaft trägt im Zusammenhang mit der in Deutschland vor sich gegangenen und noch andauernden unzivilisierten und unmoralischen Aktion eine genug schwere Bürde. Es sei nicht nur notwendig, in Palästina gerecht zu sein, es sei auch notwendig, öffentlich zu demonstrieren, daß Gerechtigkeit geübt wird. Es wäre nützlich, zu wissen, wie viele Nazi-Agitatoren seit Jahr und Tag Juden und Araber in Palästina gegeneinander aufhetzen. Was die Sicherheit der Anleihe betrifft, so ist diese um so gesicherter, je mehr Juden in das Land kommen. Entwickle sich das Jüdische Nationalheim ungehemmt, so werden hundertfach größere Anleihen für Jahrhunderte gesichert sein. Der Kolonienminister führte im Schlußwort aus, er habe nie geleugnet, daß Palästina Geld auf offenem Markte auch ohne Garantie der britischen Regierung bekommen könnte, aber die britische Garantie sei nötig wegen der Höhe der Zinsraten, die Palästina sonst zu zahlen haben würde. Die Höhe der Einwanderung hängt von der Absorptionsfähigkeit des Landes ab, das bedeutet nicht Absorptionsfähigkeit in einem bestimmten Augenblick, sondern die ganze zukünftige Entwicklung müsse in Betracht gezogen werden. Für diese Schätzung verantwortlich sind die Personen der Verwaltung, deren alleiniges Interesse es ist, dem wirtschaftlichen und dem allgemeinen Wohl des Lande3 zu dienen. Nie werde er, der Minister, versuchen, diesen Personen das Recht auf Urteil und Beschluß aus der Hand zu nehmen. 6titi^er-9teftaitraitt w, $ammer-$utgftal(g. 7 beluchcn tas beliebte *ühetr 2U »t aurateuv im „äofel Stationär* ieöt Ii, ÖeUjte SBiener uttt internalUnaW öpeifen (l üftiimte tiom $U*a«*u&!