Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1934-05-11 · Heft 364 (11.5.1934) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 364 (11.5.1934)
Date
1934-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711952-2711987--4350-2717819
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 364 DIE NEUE WELT Seite 7 Arierparagraphen mit der inneren Grenzziehung der Dissimilation beantworten würden. Dissimilation das ist die große Chance der deutschen Juden, durch den Aufbau einer eigenen Gefühls- und Vorstellungswelt, von sich aus einer unfreiwilligen Situation einen Sinn zu geben, sie zu einer freiwilligen umzugestalten. Im Anschluß daran fordert der Verfasser eine völlige Richtungsänderung für die Tätigkeit des Kui turbundes deutscher Juden durch Pflege der hebräischen und jiddischen Literatur und gibt der TCr Wartung Ausdruck, daß eine Umgestaltung der jüdischen Schule nachholen werde, was der Kulturbund versäumt habe." Zum erstenmal findet man in den Spalten des „Völkischen Beobachters" einen die Judenfrage behan delnden Artikel, der von Schmähungen frei ist und nicht mit einer pogromistischen Pointe endet. Es sieht so aus, als würde die Hitler-Regierung nun endlich zu der Einsicht gekommen sein, daß die Judenfrage in Deutschland nur mit Kulturmitteln gelöst werden kann. In Wirklichkeit aber verlangt der Autor Lenders von den Juden, sich als ein gesonderter Kulturkörper zu fühlen, will aber nicht zugeben, daß ein solcher Anspruch ■ auf alle Bürger- und Menscnenrechtc erheben darf, die überall in der Welt den Minderheiten zugesprochen sind. Im Rat des Hern Lenders steckt also wiederum nur feige und heimtückische Gesinnung. Konsequenter ist der Führer der von Hitler abgespaltenen revolutionären Nationalsozialisten, Dr. Otto Strasser, der außerhalb Deutschlands lebt. Dr. Strasser hielt in der Vorwoche in Prag einen Vortrag über die philosophischen Grundlagen des deutschen Nationalsozialismus und erklärte auf die Frage eines Zuhörers, er verurteile die jetzige Ausdrucksform des deutschen Antisemitismus. Die echte konservative Revolution betrachte die Juden als nationale Minderheit, die im Rahmen eines allgemeinen Minderheitsschutzes ihre Rechte und Pflichten zu erhalten hätten. Es ist also die von der nationaljüdiachen Politik vertretene These, welche hier von einem deutschen Nationalsozialisten als einzig mögliche Lösung der Judenfrage angesehen wird. In Hitler-Deutschland scheint man von dieser Basis noch weit entfernt zu sein. Aber zweifellos wird nach der letzten Auswirkung der Arierparagraphen-Gesetzgebung keine andere Form des Neben* einanderlebens von Juden und Deutschen als die des gesetzlich anerkannten Minderheitsrechtes — die Judenheit als Minoritätsvolk — möglich werden. Die Juden auf den Philippinen* Inseln Wieviel Juden gibt es insgesamt in Manila, der Hauptstadt jener exotischen Inseln, welche zu den Vereinigten Staaten gehören und die zwei Tagreisen von Hongkong, drei von Japan, fünf von Schanghai und ganze siebzehn Tagreisen von San Franzisko, dem nächstgelegenen amerikanischen Punkt, entfernt sind? Ein russischer Jude, der schon viele Jahre in Manila lebt, nahm am Vorabend des Jörn Kippur eine Zählung der Juden vor, welche in der vornehmen und prächtigen Synagoge erschienen waren. Die Uebersicht über die Juden ergab ein wahres Ghettobild: Russische Juden 25, Bagdader Juden 35, amerikanische Juden 40, österreichische Juden 15, englische Juden 8 und einzelne Juden aus verschiedenen Ländern. Insgesamt ergab die die Zählung etwas weniger als 200 Juden. Allerdings ist die erwähnte Aufstellung ziemlich lückenhaft. Man kann damit rechnen, daß es dort in versteckten Winkeln noch Juden gibt, die sich von der engeren jüdischen Gemeinschaft fernhalten. Nach optimistischen Schätzungen gibt es auf den Philippinen fast 5000 Juden. Die Volkszählung in Manila hat ergeben, daß die Stadt rund 290.000 Einwohner hat, darunter kleinere Gruppen von Amerikanern, Spaniern, Engländern, Franzosen, Deutschen, Holländern, Schweizern und Chinesen. Bis vor einem Jahr hat es keinen eigenen jüdischen Friedhof dort gegeben und jüdische Leichen würden auf dem christlichen Friedhof begraben. Erst in der jüngsten Zeit hat die jüdische Gemeinschaft durch Zuzug russischer Juden eine Verstärkung erfahren und die Errichtung einer schönen Synagoge im Zentrum des amerikanischen Viertels wie auch eines jüdischen Friedhofs ermöglicht. Der Lebensstandard der Juden auf den Philippinen ist ein verhältnismäßig hoher. Die meisten von ihnen haben festen Boden unter sich, einige von ihnen gelten als Dollarmillionäre. Und dies ist kein Wunder. Die ersten Pioniere der jüdischen Siedlung hatten hier große Möglichkeiten und arbeiteten sich rasch empor. Man darf nicht vergessen, daß Manila das Zentrum der ganzen Inselgrupp* fttit ihren unerschöpflichen Naturreichtümern und der wichtigste Punkt in jenem Teil des Fernen Ostens ist. Schiffe aus allen Teilen der Welt fahren hier ein und alle Arten exotischer Produkte, wie Kakao, Gummi, Kohle, Petroleum, nehmen von hier aus ihren Weg in die Länder rittgs um die indischen Meere. Die Juden wohnen größtenteils im neuen amerikanischen Stadtviertel. Ein Teil von ihnen, hauptsächlich die russischen, amerikanischen und deutschen, besitzen prächtige Geschäfte im Stadtinnern, es gibt unter ihnen sogar Kohlengrubenmagnaten, Gummiplantagenbesitzer, Kokoaexporteure, eine Reihe Beamte der var- «d^^^fiUäpg^ft £CBß$P ä^ß^f^&t 3$E. Kleider / Dirndl K.-Seiden-DIrndl (K.-S.-Flamliol), reich mit Handäjour........S Elegante Mattseidenbluse Streifdessins, aparte Fasson..........• . »S Mode-Crepe-Schlafröcke großblumig, Rüschenrevers..............S Foulard-Imprime'-Kleider (Reinseide), fesche Capefasson, für starke Frauen . . S K.-S.-Georgetie-Klelder schöne Blumenmuster (für starke Frauen)......S K.-S.~MongoI-Imprfme~Kleid neueste Dessins, Rüschenfasson........ . . . S Eleganter K.-S.-Paletot zu jedem Kleid passend...........S 24. -, S Wasch- und Seidenstoffe: Imprim6-Wasch seide gute StrapazquaUtät, reiche Auswahl.........S Farbiges Kleider-Leinen indanthrenecht, alle Modefarben, 80 cm......, S K.-Seiden-Leinen-Imprime moderne kleine Blumenmuster............S K.~S.~Mongol-Imprim6 reizende Schotten-und Blumendessins, 90 cm . . . . . $ K.-S.-Flamisol- Imprimä große Auswahl diverser Muster, 90 cm........S Reinleinen-Schotten grobknotige Modebindung, 86 cm , . >...... . S / Kostüme / Paletots / Mäntel: Qesvhepha Jhsisett 7*90 8*90 r° 12'9° 1980 14*90 19- 1*39 1*79 2*90 3*90 4*90 ♦90 Bauernleinen-Kostüm 1Q*— (Schoß und Jacke, kleidsame Fasson .......... S M.Q K.-S.-Mongol-Imprim£-KIeid OQ*- Dessins mit Plissee-Garnitur............ .S m*ß Woü-Georgette-Paletot elegante neue Fasson, Modefarben .......... S OHt 39" Shetland-Modekostüm K.-Seide gefüttert, gute Paßlorm...........S Echter Schafwoll-FJauschmantel QQ*~ gute Qualität, Spoitfasson.......... . . . ,S Vtl Reinwol I-Boucle-Mantel K.-S. gefüttert, Einzelstücke nach Modellen.....S 49* Original englischer Reisemantel Efö*— ganz K.-Crepe-de-Chine gefüttert...........S Cf Cf Bevorzugte Geschenke: Matt-Waschsei den-Strümpte moderne Ferse, neue Farben, 2. Wahl........S Batist-Nachthemden mit schönen Stickereimotiven, alle Farben u. Größen . S Charmeuse-Rockkombination (Mattqualität) mit Seidenstick.-Motlv.........S Grofje Weekend-Handtasche aus gutem Volleder, naturfarb., gefüttert, m. Reißverschluß u. Schoß S K.-Seiden-Steppdecke 130/180 cm, mit weißer Wattefüllung.........S Etamin-Doppelbettdecke gestickt und mit echten Filet-Motiven ........ S JM8 9'90 5-90 r J7'50 ir» '^^chiffmann^^. fast keine Reg.ierungsbeamte. Nach Manila kommen zahlreiche Juden aus Schanghai»-davon größtenteils farbige Juden, welche die für den Weißrassigen schwer erträglichen klimatischen Zustände mit Leichtigkeit ertragen. Wenn auch die Philippinischen Inseln den Vereinigten Staaten gehören, gibt es hier doch keine Aufenthaltsbewilligung, nichtsdestoweniger ist die Einwanderung nicht frei. Die amerikanischen Konsuln in Schanghai, Charbin usw. verlangen vom Immigranten eine besondere Erlaubnis des Generalgöüverneurs der Philippinen, der allein maßgebend ist. Es werden selbstverständlich einzelnen Einwanderungskategorien Schwierigkeiten gemacht, aber wer fünf Jahre hindurch auf den Philippinen gelebt hat, erhält amerikanisches Bürg errecht und kann frei nach;den Vereinigten Staaten auswandern, wo er nach Ablauf eines Jahres amerikanischer Bürger wird. Ein jüdisches gesellschaftliches Leben gibt es in Manila kaum, da das Judentum in den kleinen jüdischen Siedlungen schwer zu einer Einheit zusammengefaßt werden kann und die knappe Zeit, die außerhalb des Erwerbslebens verbleibt, zu billigen Unterhaltungen, wie Pferde- und Hunderennen, Tennis, Golf, Jagd, Segel- und Ruderkonkurrenzen verwendet wird. Auf diese Weise bleibt nicht viel Raum für die Beschäftigung mit jüdischen Angelegenheiten und für geistige Bedürfnisse. Das bißchen Jüdischheit findet sich bei. den Bagdader Juden, die ihre Gemeinden im Fernen Osten, in Indien und auf den Inseln und in den. Häfen von Mesopotamien bis China haben. Die NewYorker Handelskammer gegen Vorxugsbehandlung von Juden* Aus New York: Die Handeiskammer des Staates New York hat auf Grund des Berichtes einer Sonderkommission unter dem Vorsitz Dr. Laughlitu vom Carnegie-Institut in Washington beschlossen, den Vorschlag zu machen, daß bei der Zulassung zur Einwanderung nach Amerika keine Ausnahmen zu Gunsten jüdischer Auswanderer aus Deutschland gemacht werden sollen. Die Einwanderung von Juden solle ebenso wie die der Angehörigen anderer Rassen im Rahmen der festgesetzten Quoten vor sich gehen. Oestferreidrisdie Palästma»Wanderung Aus Wien: Das Wanderungsamt der Regierung gibt bekannt, daß sich von den 163 Personen, welche im März 1934 aus Oesterreich ausgewandert sind, 69 nach Palästina gewendet haben. In Wirklichkeit ist aber die Zahl eine viel höhere. In der vom Wanderüngsamt angegebenen Ziffer sind nur österreichische Staatsbürger inbegriffen. Ueberdie3 kommt eine große Zahl von Personen hinzu, welche ata Touristen nach Palästina gehen und sich dann dort ständig niederlassen. rffig - PA^tfta'Amt yerzeiflhnet eine steigende Zunahme der Bewerbung von Handwerkern mit mehrjähriger Berufspraxis um die Auswanderung nach Palästina. Es handelt sich meist um Handwerksberufe, nach denen in Palästina eine dringende Nachfrage besteht. Trotzdem ist das Palästina-Amt wegen der geringen Zahl der ihm zur Verfügung stehenden Zertifikate nicht in der Lage, den stetig steigenden Bewerbungen auch nur entfernt zu entsprechen. Auch die Altersgrenze von höchstens 3 5 Jahren für Zertifikatbewerber erweist sich als eine duronaus unpraktische und für die Bedürfnisse des Palästina- Aufbaues äußerst nachteilige Bestimmung. Die hervorragend qualifizierten Professionisten haben zumeist diese Altersgrenze überschritten. Von der deutschen Universität in Prag Aus Prag: Die Zeitung „Prager Mittag" schreibt: „Unter den Prager Spezialärzten aller Konfessionen gilt als fester Glaubenssatz: Mit 40 Jahren ist man zu jung, Professor an einer Prager Klinik zu werden, mit 50 ist man zu alt. Und von 40 bis 50 ist man ein Jud!" Die Zeitung stellt fest, daß an der medizinischen Fakultät der Prager Deutschen Universität sieben Kliniken verwaist sind. Die Professoren wollen ihre Assistenten, soweit sie Juden sind, nicht fördern und bringen reichsdeutsche und österreichische junge Gelehrte, die Anhänger der nationalsozialistischen Lehre sind, in Vorschlag. Lehnt das Ministerium den Vorschlag ab, so wird er wiederholt, in der Hoffnung, daß das Ministerium schließlich nachgibt. Eine Kapazität auf dem Gebiete der Gynäkologie, wie Professor Halban aus Wien, wurde abgelehnt, weil er nicht „rasserein" ist. Der Artikel schließt: „An der Prager Deutschen Universität wird auf antisemitische Richtung und Rassenschutz mehr gesehen als auf die Tüchtigkeit im Behandeln von Kranken und im Erforschen neuer Theorien." Kaution für Besucher der Levante-Messe in Tel-A\vi\v Aus London: Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister erklärte auf eine Anfrage im Unterhaus, der High Commissioner habe die Ausfolgung von Visen ohne Hinterlegung einer Geldgarantie an Besucher der Levante-Messe, die Kaufleute, Fabrikanten oder Inhaber von Großfirmen sind, sowie an Funktionärs der Messe-Pavillons verfügt. Eine weitere Milderung <ier Einreisevorschriften komme im Hinblick auf die Möglichkeit illegaler Einwanderung nicht in Betracht. _Hotel Smetana Bad Luhacovice Mähren Gegründet 1872 Haus, mit 50 gut eingerichteten Zimmern, fließendem Wasser, in zentraler Lage, Cafe und Restaurant im Hause,' streng rituelle Verpflegung. Preise für die Vorsaison: Zimmer mit kompletter Verpflegung von KS 40.— aufwärts ' -WSMüjS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.