Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 364 (11.5.1934)
- Date
- 1934-05-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE 1VEUB WELT Nr. 364 Sperre für Rechtsanwälte in Palästina Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung plant, die Zulassung zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufs in Palästina einzuschränken und jährlich nur noch fünf neue Rechtsanwaltslizenzen auszugehen. Die Jewish Agency hat mit den an dieser Frage interessierten Organisationen Fühlung genommen und beabsichtigt, bei der Palästina-Regierung Vorstellungen zu erheben, da durch die neuen Bestimmungen vor allem nach Palästina einwandernde deutsche Juden betroffen werden würden. Der jüdische Juristenverband Palästinas hat sich entschieden ge?e n die Einführung einer Quote im Rechtca:nvaltsberuf ausgesprochen. Propaganda für Sabbathschutz wird bestraft AU3 Jerusalem: Von den 17 Mitgliedern des Tel-Awiwer Vereins der Schomre Schabbos, die am vergangenen Samstag in den Straßen von Tel-Awiw Motozyklisten anhielten und am Weiterfahren verhinderten, wurden zwei zu Geldbußen von je 10 Pfund oder zwei Monaten Gefängnis, drei zu je fünf Pfund oder einem Monat Gefängnis verurteilt; sieben wurden zu sechsmonatigem Wohlverhalten verwarnt, die übrigen fünf wurden freigesprochen. Die Assefat Haniwcharim für den 15. Mai einberufen Aus Jerusalem: Vom Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) wird offiziell mitgeteilt, daß die Assefat Haniwcharim (Delegiertentagung der Organisation der palästinensischen Judenheit Knesseth Israel) für den 15. Mai einberufen worden ist. In ihrer Mai-Session wird sich die Assefat mit politischen Problemen, so auch mit dem Einwanderungsproblem, befassen und auch versuchen, eine Lösung der inner jüdischen Arbeitskonflikte herbeizuführen. Hohe belgische Auszeichnung für Bürgermeister Diezengoff Aus Tel-Awiw: Anläßlich des 25 jährigen Jubiläums der Stadt Tel-Awiw wurde dem Bürgermeister Meir Diezengoff, der gleichzeitig belgischer Konsul In Palästina ist, die höchste belgische Auszeichnung, der Leopolds-Orden, verliehen. Der Sekretär des belgischen Konsulats, Isaak Katz, wurde mit dem belgischen Kronen-Orden ausgezeichnet. Lettland ernennt einen Juden zum Konsul in Tel-Awiw Die lettische Regierung hat einen Juden, M. L i fschütz, zum ehrenamtlichen Konsul Lettlands in Tel- Awiw ernannt. Regelmäßiger Schiffsverkehr New York—Haifa Aus Jerusalem: Cunard-Line und White Star Line planen die Einführung eines direkten Schiffsverkehrs zwischen New York und Haifa mit Zwischenlandung in Marseille. hescndenrlß zur Verlegung des Organisationsdepartements Die Leitung der Judenstaatspartei teilt mit: Gemäß dem Beschluß der Prager Konferenz, bis Installierung des Sekretariats der Exekutive der Judenstaatspartei in Erez Israel in Wien ein Organisationsdepartement zu errichten, das provisorisch sämtliche Arbeiten der Judenstaatspartei zu erledigen hat, hat das Exekutivkomitee der Judenstaatspartei beschlossen, von nun ab diese Arbeiten dem Wirkungskreis des Sekretariats der Judenstaatspartei in Erez Israel anzuschließen. Dieses Sekretariat, dessen Führung Herrn A. Weinstein übertragen wurde, hat seine Arbeit bereits aufgenommen und sämtliche Landesleitungen hievon verständigt. In Wien verbleibt lediglich eine Pressestelle, deren Funktion darin besteht, aus den einlaufenden Tätigkeitsberichten die jüdische und nichtjüdische Presse zu informieren. Ferner v/urde beschlossen, das Wiener Büro mit der Durchführung besonderer Aktionen fallweise zu betrauen. Dem Leiter des Wiener Organisationsdepartemtens, Herrn Fritz Richter, wurde für seine verdienstvolle Arbeit der herzlichste Dank des Exekutivkomitees ausgesprochen. Die Adresse des Sekretariats in Palästina lautet: Tel-Awiw, Mikweh.Israel-tSraße 8, Blue Haus. Bn'th HakanaBm Der Brith Hakanaim ruft dich, jüdischer Junge, jüdisches Mädchen! Bei ernster zionistischer Arbeit im Sinne des Judenstaatszionismus, bei fröhlichem Spiel, Wandern und Singen, gemeinsam mit den anderen jüdischen jungen Menschen verbringe deine Freizeit bei uns! Wir rufen dich! Hilf mit, aus Judenjungen — junge Juden machen! Höre, was wir in den Monaten Mai und Juni machen: Die Plugah Judah hält ihre Sichoth jeden Samstag um i/a7 Uhr abends im Heime, II., Unter Augartenstraße Nr. 38, ab. Wir lernen die Entwicklung des Zionismus kennen. Ein regelmäßiges Seminar (Leiter: Karl Fränkel) vermittelt uns das Verständnis für das jüdische Geschehen in Gegenwart und Vergangenheit. Das Zeitungsreferat (gehalten von Chawer Fritz Eichner) erzählt uns die jüdischen Ereignisse der vergangenen Woche. Die Referate der anderen Plugah-Mitglieder behandeln die aktuellsten Probleme. Kommt und hört, was diese jungen Burschen schon können und wie gut sie ohne Manuskript sprechen. Unser Programm: 12. Mai: Ludwig Horn: „Die Affäre Dreyfus." 2 6. Mai: Fritz Eichner: „Spinoza und Sabatai Zwi." 2. Juni: Arthur Fried: „Die Blutanklage zu Damaskus." 9. Juni: Gustav Teller: „Entzweiung von Judentum und Christentum." 16. Juni: Hans Eichner: „Moses Mendelssohn." Die Mädchensichah unter Führung von Chawera Ruth Frischmann, findet um V26 Uhr an jedem ßamstag im Heime statt. Komme bestimmt, Wir erwarten dich! ^«rss^G *§o^° S« etfeT1; _ond£, *5S^^S|&i^S&*' •S^,SiS?8§#s,*r" cftt^ sV^st^^ lAftO«ö>tve J tftt jUt«* : . ^«Ätot1 * pTI *U,6 GrVößen dcrtve püttie*' e ä.90. GfÖßCn S EB°? l \*D »J.90 ^IpSil^r ^f^Ä-s- &ul , ri K&Vä&eS&$ t» ■* ***«sJkLoO.Jlt.-ets <to«*:l «iPte^ *wimm^ ' e\e^ a * S \V90 5 \v° S W Q0 " «rf^Äl«^* ■?00^^$«L Ä^v» \»* ■■h^rfk^-^z^ setfe r-ftö*0^««^ «.tf**' ^^€^B-^.t%- "tögteP**:**- %S0sr'" gute (.SC getio' ,to^e faA^f K tM^Ss^fi Das neue Zentralheim der Wiener Judenstaatspartei Die Leitung der Wiener Judenstaatspartei teilt mit, daß sich ihr Zentralheim und Sekratariat nunmehr im Hause, Wien, I., Werdertorgasse 14, befinden. 1*3 Leser Inter¬ Bach. Christiichsdeutsche Grüße aus Amerika Unter vorstehender Spitzmarke schreibt ein an unsere Tribüne: „Ein Wiener Blatt bringt ein view mit der Vortragskünstlerin Frl. Margarete Die Dame sagt über ihre Amerikareise: ,Ich habe auch im amerikanischen Rundfunk gesprochen. Zu Weihnachten durfte ich Amerikas Rundfunkgrüße an Europa übermitteln. Meine Eltern sind am Weihnachtsabend beim Radio gesessen. Aus Amerika hat ihnen meine Stimme ein frohes Fest gewünscht. Zu Silvester sprach ich im Namen aller in Amerika lebenden Deutschen das Prosit Neujahr.* Fräulein Bach ist die Tochter eines Wiener G emeinderabbiners. Da klingt es wohl mehr als sonderbar, wenn ausgerechnet s i e dem christlichen Europa Weihnachtsgrüßs übermittelt, und gar ihren Eltern. Es muß auch bezweifelt werden, ob „alle in Amerika lebenden Deutschen", welche bekanntlich in überwiegender Mehrzahl Hakenkreuzler sind, und die Deutschen Oesterreichs, welche auch nicht von Liebe zu den Juden überströmen, das jüdische Fräulein als Vermittler gewünscht haben." * Fräulein Bach ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zuschrift: „In einem vielgelesenen Montagsblatte ist ein sehr liebenswürdiger Aufsatz anläßlich meines Vortragsabends am 14. d. M. erschienen, von dem ich nur richtigstelle, daß ich in meiner Radioübertragung aus Washington meinen Eltern keine Festgrüße zu Weihnachten geschickt, sondern daß ich mit Erlaubnis der National Broadcastlng Company sie nur zu begüßen die O^SSf^S^M^ JudenemanzipalräoBi und fkntis semitismws Im „Völkischen Beobachter", dem Organ Hitlers, untersucht ein Publizist namens Lutz Lenders die Möglichkeiten einer Regelung der Judenfrage in Deutschland. Der Verfasser, der seinen Aufsatz „Zum Problem der Dissimilation" nennt, geht vom Standpunkt aus, daß die Ariergesetzgebung die Beziehung zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland nicht geregelt hat, daß vielmehr jetzt seitens der Juden eine Dissimilation (Loslösung vom fremden Volkskörper) einzusetzen habe. „Gegen die jüdische Assimilation", schreibt Lenders, „trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts der Zionismus erfolgreich hervor ... Im Verlauf der zionistischen Propaganda ist der Begriff der „Assimilation" jedoch wesentlich verfälscht, zumindest aber undeutlich gemacht worden. Man glaubte, bereits durch, ein bloßes Bekenntnis zum Zionismus, durch die Bejahung seiner Ziele oder durch die persönliche „Alijah'• (Einwanderung nach Palästina) die Assimilation überwunden oder, wie wir heute sagen, sich dissimiliert zu haben. Durch die bloße ideologische Bejahung der zionistischen Theorie aber war der geistige Inhalt der Juden noch nicht „unähnlich", nämlich dem geistigen Inhalt der Umwelt. Der politische Zionismus selbst, wie ihn Herzl gepredigt hat, war als System selbst assimiliert an die europäischen Nationalismen .... Gegen die formal-nationale Auffassung Herzls setzte AchadHaam den „Kulturzionismus" und gegen den marxistischen Sozialismus der „Poale Zion" setzte Ä. D. G o r d 0 n den antimarxistischen „nationalen Sozialismus" des „Hapoel Hazair" („Der junge Arbeiter";, Beide Auffassungen waren eigenständiger, jüdischer; hier hatte der Zionismus die Assimilation in einem, tieferen Sinne überwunden, hier war er wirklich zur Dissimilation vorgestoßen. Vom nationalsozialistischen Standpunkt aus, konsequent zu Ende gedacht, wäre es nur zu begrüßen, wen« nun, die, Juden ihrerseits 4is äußere, Gren£zjeb,un$ 4e*