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Die neue Welt · 1934-05-11 · Heft 364 (11.5.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 364 (11.5.1934)
Date
1934-05-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 364 DIE NEUE WELT Seite 3 Zu Pfingsten billig nach g^j Abreise Jk.PO 17. Mai Auskünfte-. Büro Dr. S. Tocker, KÄJi An cirn hu o I. RinR des 12. November Nr. 12 UoirUUUo Telrphon U-M 0-10 Ein Krieg auf der arabischen Halbinsel, also dort „fern im Osten, wo wild die Völker aufeinanderschlagen", zieht seit mehr als einer Woche die Aufmerksamkeit der politischen Welt auf sich. Nicht der Umfang der militärischen Aktionen, nicht die Veränderung der Landkarte in jenem Teil Asiens sichert dem Ereignis die gespannteste Teilnahme, sondern der Umstand, daß das Resultat der südarabischen Kämpfe die Orientpolitik gewisser europäischer Mächte für die nächste Zukunft bestimmen kann. Der Krieg zwischen Hedschas und Jemen, zwischen dem König der Wahabitan, Ibn Saud, und dem Imam von Jenem, M u h a m e d J a h y a, läßt Ziele ahnen, die das Gesicht der arabischen Halbinsel wesentlich verändern und damit einen Zustand schaffen können, der sich zweifellos auf Palästina, auf das jüdische Nationalheim, auswirken muß. Die militärpolitische Lage, die zum aktuellen Konflikt führte, war so, daß der Imam von Jemen (bereits seit dem Winter) zum Hedschas gehörende Gebiete besetzt hielt und sie bisher trotz Verpflichtung nicht räumte. Außerdem hatte er einige Mitglieder der mit Ibn Saud verwandten ehemaligen Dynastie des Nachbarlandes Asir gefangengehalten und deren Freigabe verweigert. Proteste Ibn Sauds halfen nichts, bis dieser endlich daranging, den Herrscher von Jemen zur Erfüllung der Verpflichtungen durch den Vormarsch seiner Truppen zu zwingen. Das Prestige des Wahabitenkönigs stand in Frage, und so entschloß er sich, gleichzeitig auch die Macht? Verhältnisse auf der arabischen Halbinsel zu klären. Es ging darum, auch den schlummernden großarabischen Tendenzen durch einen siegreichen Krieg gegen die kleinen arabischen Staaten zum Durchbruch zu verhelfen. Aus lokalen Konflikten wurde politisches Geschehnis von noch nicht absehbarer Bedeutung. Denn es zeigte sich, daß plötzlich in der bekannten Art „britische Interessen" berührt, ja gefährdet waren, zumal Italien, der englische Rivale im Mittelmeer und im Nahen Osten, durch Lieferung von Waffen an die jemenitische Armee seine Hand im Spiel zu haben schien. Zurzeit hat Ibn Saud, der Wahabitenkönig, die Vorhand. Seine Truppen rücken vor, bedrohen bereits das Hochland von Jemen, und der Sieg kann möglicherweise auf seiten der Araber eine Stimmung erzeugen, die einem groß- oder gar panarabischen Gedanken günstig ist. Jedenfalls liegt es im Bereich der Möglichkeit, daß Ibn Saud den Herrscher von Jemen entthronen und aus Hedschas und Jemen ein Königreich Großarabien macht, das für England von größter Bedeutung wäre — als Magnet für Irak, Palästina und Transjordanien. Damit rücken die arabischen Ereignisse in den Bereich der britischen Weltpolitik. Die britische Weltpolitik muß daher mit intensiver Wachsamkeit die militärischen und diplomatischen Aktionen — unabhängig davon, für wen und gegen wen sie Partei ergreift — verfolgen, um zu verhüten, daß aus dem Schmelztiegel des gege>~ wärtigen arabischen Konflikts ein Gebilde entsteht, das die britischen Interessen am Roten Meer neben den kleinen Staaten rings um den britischen Hafen Aden tangieren könnte. Die Frage, ob England ein großarabisches Reich zwischen Aegypten und Indien für sich als vorteilhaft ansehen würde, läßt sich nur unter dem Aspekt der britischen weltpolitischen Aspirationen beantworten. Jedenfalls müßte London aus dieser Lage sofort die Konsequenzen ziehen und seine politischen Geschäfte auch im Mandatsgebiet Palästina danach umstellen. Für den Zionismus handelt es sich darum zu er* kennen, in welcher Weise die palästinensischen Araber auf den nachbarlichen Konflikt zwischen zwei arabischen Staaten reagieren können und sein Verhalten danach einzurichten. Die Art, wie gerade die arabischen extrem-nationalistischen Kreise rings um den judenfeindlichen Großmufti in Jerusalem sich zum gegenwärtigen Streit zwischen Ibn Saud und Muhamed Jahya stellen, kann einen Fingerzeig in der palästinensischen Araberfrage bieten. Keinesfalls darf dieser Streit als Symptom ständiger Uneinigkeit zwischen den arabischen Stämmen gedeutet und versucht werden, ihn in die zionistische Rechnung als Guthaben einzustellen. Schon oft genug würde die Erfahrung gemacht, daß die schwersten Differenzen der Araber untereinander diese nicht daran gehindert haben, gegen das zionistische Aufbauwerk eine geschlossene Front zu bilden. Auf der andern Seite aber könnte gerade der gegenwärtige Konflikt im arabischen Lager erkennen lassen, auf welches Element im Lande sich die Maridatarmacht stützen kann. Denn der jetzige Krieg zwischen den beiden arabischen Herrschern ist keine vereinzelte Erscheinung. Seit dem Weltkrieg hat es ständig blutige Zusammenstöße der arabischen Brüder untereinander gegeben. Eine zielsichere zionistische Politik kann zweifellos aus diesen Erscheinungen für das jüdische Nationalheim Nutzen ziehen. Sie wird mit Recht darauf hinweisen können, daß die arabischen, einander befehdenden und miteinander revalisierenden Stämme keine Gewähr für eine ruhige Entwicklung des vorderen Orients bieten, daß vielmehr nur eine stabile jüdische Position, wie das zionistische Palästinawerk, den „Stürmen über Arabien" halt gebieten kann. Eine zielsichere zionistische Politik wird gerade im gegenwärtigen Augenblick die Chance haben, die britische Mandatarmacht ßuwx££ MorKe 53 Ulis pofen^ll* von der Notwendigkeit eines starken, friedlichen Palästina zu überzeugen, eines Palästina, dessen Stabiii* tat auf den jüdischen Leistungen und auf aen jüdischen Perspektiven ruht — nicht aber auf Elementen, die mit ihren kleinen, engherzigen und egoistischen Aspirationen die Länder rings um den Sueskanal in Brand setzen. —TU! Syrien als jüdisches $i'edlung§laiid Seit einigen Wochen beschäftigt sich die internationale Presse mit den Verhandlungen, die angeblich zwischen zionistischen Führern und dem französischen Oberkommissär von Syrien bezüglich einer Kolonisierung SUdsyriens durch Juden geführt werden. Während seitens der palästinensischen Araber des Mufti-Kreises gegen dieses Projekt gehetzt wird, sind die syrischen Araber, mit Ausnahme gewisser fanatisch-religiöser und chauvinistischer Kreise, und deren Presse für eine jüdische Einwanderung eingestellt. „La S y r i e" in Beirut veröffentlicht über die Möglichkeiten einer Besiedlung SUdsyriens einen großen Artikel, worin es heißt: „Die Landwirtschaft im Libanon befindet sich in einem sehr kläglichen Zustand. Weshalb sollen wir keine Juden bei uns aufnehmen, welche die Landwirtschaft im benachbarten Palästina auf eine so hohe Stufe gebracht haben? Sie haben Geld, Energie, Kenntnisse und können dem Land viel Nutzen bringen. Man soll uns nur nicht damit kommen, daß dies ein Abtreten Syriens an die Zionisten bedeuten würde! Die Juden denken nicht daran, den Libanon zu erobern, sie sind zu klug, um nicht zu verstehen, was möglich und was unmöglich ist..." Die große, halboffizielle Pariser Zeitung „Le Temps" zieht eine Parallele zwischen Syrien und Palästina, wobei sie zu folgender Feststellung kommt: „Auf der Wirkliche Erholung der Haut ist die schnelle, sanft-scharfe einen Seite des Jordan liegt ein Land von „prosperity", wo es keine Arbeitslosigkeit gibt und wo jeden Tag neue Industrien und Unternehmungen gegründet werden, wo die landwirtschaftlichen Siedlungen wachsen, auf der anderen Seite — eine Wüste, trockener, ausgedörrter Boden, ein elendes Bauerndasein. Jeder weiß, daß auch Syrien, so wie Palästina heute, ein blühendes Land gewesen ist. Wir müssen ein für allemal mit Hinblick auf Palästina die Konsequenzen ziehen." „Temps" will damit sagen, daß sich Frankreich als syrische * Mandatarmacht endlich entschließen muß, der jüdischen Initiative die Tore des libanonischen Syrien zu öffnen. * Mit Bezug auf die jetzt von arabisch-palästinensischer Seite in Syrien einsetzende Gegenagitation wird aus Beirut gemeldet: Unter der Einwirkung extremnationalistischer arabischer Kreise Palästinas wird in Syrien eine lebhafte Gegenpropaganda gegen den Plan, Juden in Syrien anzusiedeln, entfaltet. In Medsched wurde ein „Gottesdienst" veranstaltet, bei dem zahlreiche Redner gegen den Verkauf von Boden an Juden — es war von einem 600.000 Dunam (1 Dunam — 1000 Quadratmeter) umfassenden Landstrich im südöstlichen Syrien die Rede und gegen die Zulassung jüdischer Einwanderung Stellung nahmen. In den schwärzesten Farben wurde die Gefahr geschildert, die Syrien durch den Z i on i s m u s drohe. Die jüdische Kolonisation in Palästina wurde als Unglück für die dortige arabische Bevölkerung bezeichnet. Nach Schluß des „Gottesdienstes" wurde ein Komitee zur Bekämpfung des Zionismus gewählt. Es wurde beschlossen, der Regierung eine Petition Die schönsten Palästinareisen zu billigsten Pauschalpreisen mit und ohne Landarrangement allmonatlich. Sichern Sie sich jetzt schon einen Platz für unsere Reise sfRosduHasdianah im Heiligen Lande"« und Prospekte: „MARIIN BRÜCK!" Auskünfte REISEBÜRO (Palästinadienst, Leitung: BERTA TAUBES) WIEN, I., ROTENTURMSTRASSE 26 Tel. R-24-2-86, R-24-2-87 gegen die Zulassung jüdischer Einwanderung nach Syrien zu überreichen. Die Libanon-Republik wünscht jüdische Siedlung Aus Jerusalem: Der Präsident der Libanon-Republik gab der Presse eine offizielle Erklärung, daß jeder Jude, der legal nach dem Libanon einwandert, willkommen ist und Boden in jedem Umfange erwerben kann. Die Erklärung des französischen Hochkommissärs für Syrien und Libanon, wonach der Verkauf von Boden an Juden und Ausländer nicht gestattet ist, beziehe sich auf Boden direkt an der Grenze gegen Palästina, nicht aber auf Boden außerhalb des Grenzdistrikts. — Nach der letzten Statistik zählt Syrien 2 Millionen Einwohner, unter ihnen 21.730 Juden. Emis* Abdullah fährt nach London Bekanntlich wollte der Beherrscher des von Palästina losgelösten Trans jordaniens, Emir Abdullah, durch Ansiedlung von Juden dem schrecklichen Elend in seinem Lande ein Ende bereiten. Er hatte auch vor zirka einem Jahre mit den damaligen Mitgliedern der zionistischen Exekutive N e w m an und Parbstein einen Kaufvertrag, eine große Bodenfläche betreffend, abgeschlossen. Das führte zu heftigen Angriffen seitens der arabischen Antizionisten in Palästina. Unter dem Druck der englischen Palästina-Regierung, welche ihm auch mit dem Entzug seiner Subvention drohte, mußte Emir Abdullah den mit den Zionisten abgeschlossenen Vertrag brechen und sein Land weiter für Juden gesperrt halten. Jetzt fährt Emir Abdullah nach London und seine Gegner knüpfen an diese Reisa alle möglichen Vermutungen. Die einen behaupten, er wolle Transjordanien mit Palästina vereinigen und König werden. Andere behaupten, er wolle doch wieder mit -i'-n Zionisten über eine jüdische Kolonisation verhandeln. * Aus Jerusalem wird hiezu gemeldet: Den' Jerusalemer Zeitungen wird aus Amman berichtet, Ernir Abdullah von Transjordanien habe -in einem Privatgespräch erklärt, er hoffe in London mit Dr. W e i zm a n n zusammenzutreffen, um mit ihm Probleme zu besprechen, die für Araber und Juden von Interesse sind, darunter auch solche, die sich auf die Entwicklung Palästinas und Transjordaniens beziehen. Der Emir habe, so wird weiter berichtet, der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die britische Regierung keine Einwände gegen dieses Zusammentreffen machen werde. Emir Abdullah trifft am 9. Juni in London ein. Für die Reise durch Palästina stellt ihm die Palästina-Regierung einen Luxuszug zur Verfügung. In Port Said wird sich der Emir auf dem Dampfer „R a m p a r d" nach Marseille einschiffen. Ungeachtet aller Dementis behauptet die arabische Presse Palästinas weiter, daß die Reise des Emirs Abdullah mit dem Plan einer Vereinigung Palästinas und Transjordaniens unter seiner Herrschaft im Zusammenhang steht. Einige Zeitungen lehnen eine solche Möglichkeit aufs entschiedenste ab. ,,D s c h amea al Arabi a", das Organ des Großmufti, warnt die Araber Palästinas davor, einem v solchen Plan näherzutreten, und behauptet, eine Vereinigung beider Länder unter dem transjordanischen Emir würde ungünstige Folgen für die Araber Palästinas haben. * Aus Jerusalem: Ein von der Kanzlei des Emirs Abdullah ausgegebenes Presse-Kommuniquee wendet sich gegen die von der arabischen Presse an Emir Audullab. geübte Kritik. In dem Kommuniquee wird der arabischen Presse Palästinas das Recht abgesprochen, an angeblichen Verhandlungen des Emirs betreffend Verpachtung von transjordanischem Grund und Boden an Juden Kritik zu üben, da ja von den Arabern Palästinas sehr gern Boden an Juden verkauft werde. Zum Schluß wird bemerkt: „Mit den Bodenverkäufen, die jetzt in Palästina getätigt werden, hat Seine Hoheit nichts zu tun". Eine Pflngstreise nach Polen ohne Visum. Am 17. Mai findet unter bewährter Führung eine Pflngstreise nach Krakau, Lemberg, Stanislau usw. statt. Reservierte Plätze, bequeme Wagen. Mäßige Preise. Die günstigste Gelegenheit, Pfingsten in Polen zu verbringen! Nähere Auskünfte Dr. S. Tocker, I., Kärntnerring 12, Telephon U-40-301, und Austrobus, I., Ring des 12. Nov^^er 1'\ Telephon U-24-0-10.

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