Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 364 (11.5.1934)
- Date
- 1934-05-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DOS P05UB WELT Nr. 364 ' -. i NEUEROf FNUNG! Pension, Cafe, Restaurant, orth. «1^3 BAD HALL Ober öster r eich VILLA MAYERHOFER A. BARSCHAK & Co. aus Wien, II., Gr. Schiffgasse 3. Tel. A-46-4-39 Das Unternehmen steht unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Rabb. Babad dort verhaftet werden und bedeute eine Verletzung des Asylrechts. Aber von einem Erfolg der „Vorstellungen" konnte er leider nichts berichten. Also nichts und wieder nichts, nach einer von den Juden allzu teuer bezahlten Arbeit von nunmehr zehn Monaten. Ein Lichtblick — Palästina! Und nun kommt nach der Tagödie die groteske Komödie: Gerade mit der einzig möglichen Wanderung von Juden nach Palästina dürfen sich Hochkommissar Macdonald und die Verwaltungskommission nicht befassen. Der englische Vertreter beim Völkerbund hatte nämlich seinerzeit gegen die Einbeziehung Palästinas als „Eingriff in die Souveränität der englischen Palästina-Verwaltung" protestiert und dank der schwächlichen Haltung des amerikanischen Hochkommissars Macdonald recht behalten. Das 'deutsch-jüdische Elend ist doch wirklich kein Stoff für schlechte Konferenz-Komödien. Nachdem sich Palästina, d. h. der Zionismus als einzige Lösung erwiesen hat, möge man die Konsequenz daraus ziehen und den Juden helfen, den Judenstaat zu errichten. Alles andere hat unter den gegebenen Verhältnissen zweifelhaften Wert. „Verhandlungen" mit Hitler-Deutschland In seinem Tätigkeitsbericht erzählte Hochkommissär MacDonald auch von „Verhandlungen" mit der Hitler- Regierung. Er stellte das Verlangen auf Rückzahlung von Prämien, welche Arbeiter- und Angestelltenflüchtlinge an soziale Versicherungsgesellschaften in Deutschland (Alters- und Invalidenversicherung) gezahlt haben. Die sofortige Antwort der deutschen Regierung, so drückte sich der Hochkommissär zart aus, war nicht ermutigend. Dann erhob er Vorstellungen wegen: Einführung einer gleichmäßigen Praxis betreffend den Betrag, welchen ein Flüchtling mitnehmen darf. Zahlung von Pensionen an entlassene jüdische Beamte, Professoren, Dozenten usw., Bemessung der Höhe der Reichsfluchtsteuer. Auf alle diese Fragen kam bisher, so meldete der Hochkommissär, keine Antwort. Er wartet... Er wird noch lange warten, und wenn die Antwort doch kommen sollte, wird er keine Freude haben. Zahl der deutsch-jüdischen Flüchtlinge und ihre Verteilung Aus London: In dem Berichte der Kommission des Völkerbundes für Flüchtlinge aus Deutschland wird ihre Zahl und Verteilung wie folgt geschätzt: Länder: "Stand April 1934 Frankreich .........21.000 Palästina ....... . . . 10.000 Polen............8.000 Tschechoslowakei .......3.500 Holland...........2.500 England...........2.Ö00 Belgien...........2.300 Schweiz...........2.500 Skandinavien.........2.500 Oesterreich......... . 800 Saar und Luxemburg.....; LOGO Spanien...........1000 Italien..........- 800 U. S. A............2.500 Andere Länder........2.000 mme 62.400 Ende des Märchens „ludensfaat Angola Die Schreibereien, welche die Meldung des Londoner „Daily Herald" über die Gründung einer nach Millionen zählenden jüdischen Massensiedlung in der portugiesisch-afrikanischen Kolonie Angola hervorgerufen hat, ßndet jetzt ihren definitiven Abschluß. Aus Lissabon wird gemeldet: Der Minister für die Kolonien wendet sich in einer Erklärung gegen Mitteilungen . über einen angeblich bestehenden Plan jüdischer Massensiedlung in Angola. Die portugiesische Regierung werde Vorschläge betreffend jüdische Massensiedlung niemals in Betracht ziehen. Einzeleinwanderung nach Angola und andere Kolonialgebiete sei sie bereit, zu erleichtern und zu ermutigen. Jüdische Volksparlei Oesterreichs Sonntag, am 13. Mai, um 10 Uhr vormittags, im Herzl-Saale, I., Werdertorgasse 14, Außerordentliche Generalversammlung Tagesordnung: Statutenänderung. meb&pa alle? MtteUgtoe ü&m* Zu den Vorgängen In der Wiener Judenschaft Gegen die Trennungs*Örthodöxie und den nnionistischeit Vltepräsldenten Am 8. Mai fand eine Massenversammlung strenggläubiger Juden statt, welch« von Rabbinern und den Vorständen eahlreieher Bethausvereine einberufen worden war. Gegenstand der Tagesordnung war der Protest gegen die auf Zertrümmerung der einheitlichen Judengemeinde gerichteten Bestrebungen der trennungsorthodoxen „Agudah", welche unter dem Vorwaade, alt befugter Vertreter des thoratreuen Judentums zu sprechen, von der Regierung und vor der nichtjudtschen Oeffentlichkeit auf Zerstörung der Judengemeinde gerichtete Maßnahmen fordert. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Salomon Friedmann, eröffnete die Versammlung mit Worten des Protestes gegen die „Agudah", welche nichtjüdische Mächte gegen Juden aufruft, und mit einer Mahnung 2u nationaler Einigkeit. In nachdrücklicher, temperamentvoller Art entwickelten sodann die Herren Rabbiner H o r 0 w i t z, Kutlusvorsteher Dr. M. Rosenberg, Rabbiner Jakob Friedmann, Rabbiner Habermann und Bethausvorstand Geiger die auf Erhaltung der jüdischen Einheitsgemeinde gerichteten Bestrebungen der von ihnen vertretenen strenggläubagen Judenschaft. Im Verlaufe der Versammlung erschienen, lebhaft begrüßt, viele Mitglieder des Kultusvorstandes, unter ihnen Präsident Dr. D. Friedmann und Vizepräsident Dr. I. Löwenherz, welche über Ersuchen der Versammlung auch das Wort ergriffen und den Kampf der zionistischen Majorität des Vorstandes für die Interessen der schwerbedrohten Judenschaft und gegen die auf Störung der Einheit der III Für die Leser der „Neuen Welt" nur: Die gUt6n billigen Neudegger Fahrschulen Wien, VIII. Neudeggergasse 18.. (Tel. B-46-5-72) u. Inzertdorf (Nied..Oes».). - Elektr. Lehrchassis! Kultusgemeinde hinzielenden Bestrebungen der „Agudah4* Und ihrer Helfer schilderten. Präsident Dr. Friedmann nahm auch gegen das Vorgehen des neuen Vertreters der „UWon österreichitcher Juden" im Qemeindepräsidium, des Vizepräsidenten Dr. Josef Ticho, Stellung. Er verwies darauf, daß Herr Drl Ticho in einer Tageszeitung dafür eingetreten ist, die Rechte der Kultusgemeinde auf rein konfessionelle Angelegenheiten zu beschränken und ihr damit die Tätigkeit auf anderen Gebieten zu verwehren. Er hat, wat bisnun nie geschehen ist, unter Betonung seiner Stelle als Vizepräsident programmatische Erklärungen abgegeben, welche sich mit dem Programm des Präsidiums nicht decken. Dr. Friedmann erklärte, daß die Kultusgemeinde auch weiterhin nach dem Programm der Mehrheit geführt werden wird und die Leitung alles daransetzen wird, die Einheit der Gemeinde zu wahren. Zum Schlüsse wurde einhellig eine Resolution angenommen, in welcher mit besonderer Befriedigung die seitens des Kultusvorstandes geleistete, auf Erneuerung und Vertiefung des jüdischen Lebens und des Ausbaues der religiösen Institutionen gerichtete Arbeit anerkannt wird. Die Versammlung dankt dem Kultusvorstande für sein Verständnis für alle religiösen Richtungen im Wiener Judentum und hegt volles Vertrauen zu ihm. Sie verurteilt auf das entschiedenste die von einer zahlenmäßig vollkommen unbedeutenden Gruppe der Wiener Orthodoxie, der „Agudah", gegen den Kultusvorstand gerichteten, mit der jüdischen Tradition in krassem Widerspruche stehenden Angriffe. Sie spricht dieser trennungsorthodoxen Gruppe das Recht ab, sich in der Oeffentlichkeit als legitimierte Vertretung der Wiener orthodoxen Judenschaft auszugeben und im Namen des glaubenstreuen Wiener Judentums irgendwelche Erklärungen abzugeben. Ehrenbelei'dfgungsproxeß jüdischer Arzte Kürzlich brachte das christlichsoziale „W i e n e r Montagsblatt" unter dem Titel „Die Schmarotze r" einen Artikel, der sich mit der Einbürgerung von Juden nach dem Krieg befaßte und behauptete, daß diese eingebürgerten „Ostjuden" ohne jede Berechtigung zahlreiche Gemeindestellen, insbesondere Aerzteposten in Lainz und am Steinhof, erhalten hätten. Das Blatt schloß seine gehässigen Ausführungen wie folgt: „Auch hier wird man gründliche Remedur schaffen müssen, um das Unrecht, das bewußt von den roten Machthab^mr»ndJüSreriI^|^ar(öJj?ejfn an so vielen braven christlich-deutschen Menschen begangen wurde, wieder gutzumachen." Einige der in diesem Artikel mit Namen aufgezählten Aerzte haben die Ehrenbeleidigungsklage gegen das „Wiener Montagsblatt" eingebracht. — Wir werden über den Verlauf des Prozesses berichten. Nsdils zugelernt! Die Wiener Zeitung „Der Morgen" bringt eine programmatische Erklärung des von der „Union österreichischer Juden" designierten neuen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Josef Ticho. Daß Herr Dr. Ticho zwecks schärferer Bekämpfung der jüdischnationalen Majorität im Gemeindevorstande an Stelle des Herrn Dr. Jak. Ornstein entsendet wurde, war bekannt. Daß er sich aber bei diesem Kampf nur des alten, verstaubten und zerbrochenen Rüstzeuges der niedergebrochenen Assimilation bedienen will, war nicht zu erwarten. Herr Dr. Ticho erklärt nämlich im „Morgen" u. a.: „Für mich ist das Judentum Religion. Ich erolicke in der Kultusgemeinde im Grunde des Gesetzes vom Jahre 1890 die Zusammenfassung aller Juden, damit autonom für die Befriedigung aller religiösen Bedürfnisse der Judenschaft gesorgt werden könne." „Das ist der Aufgabenkreis der Kultusgemeinöc; wenn sie Über diesen ihr gesetzlich eingeräumten Wirkungskreis hinaustritt, betritt sie ein ihr fremdes Ge"biet." „Wir wollen von unseren christlichen Mitbürgern, von denen wir uns lediglich durch die Religoin unterscheiden, als vaterlandstreüe Bürger dieses Staates, an dessen Aufbau wir gleichberechtigt und gleichverpflichtet mitarbeiten, angesehen werden." Zum ersten Teil sei berichtet, daß die schwerbedrängte Wiener Judenschaft kaum dankbar sein wird, Wie die Maschine den Dampf so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden. FRANZBRANNTWEIN mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege, und deshalb soll jeder DIANA-Franzbranntwein ständig benutzen UfBiRAU ERHXLTLKHI wenn es Herr Dr. Ticho dahin bringen sollte, daß sich die Judengemeinde um ihre Nöte weiter nicht kümmern und nur für die Aufrechterhaltung des Gottesdienstes sorgen wird. Was er aber mit der Behauptung erzielen will, daß sich die Juden von den deutschen Oesterreichern „lediglich durch die Religion" unterscheiden, ist unerfindlich. Wer soll daran glauben? Wer soll überzeugt werden, daß etwa der aus einer tschechoslowakischen Judengemeinde stammende Herr Dr. Ticho und ein deutscher Aelpler aus Vorarlberg ganz gleich sind — bis aufs Gebetbuch? Wenn Herr Dr. Ticho beabsichtigt, seine Politik auf diese „Gleichheit" zu gründen, dann wird es um dies?* Politik nicht gut bestellt sein. Auch die Juden vom Ber» liner Kurfürstendamm hatten immer behauptet, daß sio sich von den Sachsen, Friesen und Westfälern „lediglich durch die Religion" unterscheiden. Und nun?, Gegen die Verfassung! Eine amtliche Stellenausschreibung, welche jüdische Bewerber ausschließt In der „Linzer Tagespost" und anderen oberösterreichischen Blättern wird amtlich verlautbart: Freie Gemeindearztesstelle. Bei der Sanitätsgemeinde Marchtrenk-Holzhausen gelangt mit 1. Juli 1984 die Stelle einer Gemeindearztes zu Besetzung. Bewerber deutscher Nationalität österreichischer Bundesbürgerschaft haben die mit Tauf¬ und Heimatschein, Zeugnis über die physische Eignung, Uber moralische Unbescholtenheit, mit Diplomabschrift belegten Gesuche bis längstens 20. Mai 1934 bei obiger Sanitätsgemeinde einzubringen. Marchtrenk, am 8. Mai 1984. Der Obmann des Sanitätsausschusses: Josef A s b ö c k e. h. Man muß fragen: Wie verträgt sich eine amtliche Stellenausschreibung dieser Art mit der vor wenigen Tagen in feierlicher Porm aller Welt verkündeten neuen österreichischen Verfassung? In dieser Verfassung kommt klar zum Ausdrucke, daß „alle österreichischen Staatsbürger ohne Unterschied der Rasse, der Sprache oder Religion vor dem Gesetze gleich sind, dieselben bürgerlichen und politischen Rechte genießen", daß „namentlich bei Zulassung zu öffentlichen Stellungen, Aemtern und Würden oder bei den verschiedenen Berufs- und Erwerbstätigkeiten" kein Staatsbürger wegen seiner volklichen oder religiösen Zugehörigkeit ausgeschlossen werden darf, und schließlich „daß kein Gesetz, keine Verordnung und keine amtliohe Handlung in Widerspruch oder Gegensatz" zu diesen Bestimmungen stehen dürfe! Gilt diese Verfassung oder gilt sie nicht? Darf sich eine Amtsstelle über sie hinwegsetzen, die Rechte der jüdischen Staatsbürger und mit ihnen die Verfassung verletzen? * Wie uns mitgeteilt wird, ist wegen dieser Ausschreibung aus Kreisen der Juden Oberösterreichs Beschwerde an die Leitung der Jüdischen Völkspartei Oesterreichs gelangt. Die Beschwerde wurde von der Leitung den zuständigen Regierungsstellen mit dem Ersuchen um Inhibierung der verfassungswidrigen amtlichen Stellen« aüsschrelbung, welche Bewerber jüdischer Volksun4 RfiUffionfiÄVseüörjgk^it 9,mM^k m*fti#m> ^3*-'