Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 364 (11.5.1934)
- Date
- 1934-05-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag/ den II« Mal 1934 Nr* 364 V* b* b« Zeitung vom Verleger versendet .Journal exp&lie par Wditenif* REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S4.-. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljahrig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 13.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Itaifen monatlich Lira 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwelr und die übr Ipen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. viertellährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: JX, Universitätssir. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag und Freitag Empörung im jüdischen Palästina Die in unserer letzten Nummer gebrachte Privatmeldung, daß die Palästina-Regierung für das nächste Halbjahr trotz des imposanten Aufschwunges des Wirtschaftslebens und trotz des katastrophalen Mangels an jüdischen Arbeitern im Lande nur 5600 Zertifikate für das nächste Halbjahr bewilligt, findet in einer Verlautbarung der „Official Gazette" (Amtsblatt der Palästina- Regierung) ihre Bestätigung. Die Empörung im Lande ist überaus groß, denn die Folgen dieser Haltung der Regierung wirken sich zerstörend aus. Hunderte von Bauplänen können nicht ausgeführt, angefangene Bauten nicht vollendet werden, trotzdem ein unerträglicher Mangel an Wohnungen, Werkstätten, Geschäftslokalen und ' Industriegebäuden bereits herrscht. Die Absicht der Regierung, jüdische Arbeiter fernzuhalten und jüdische Pflanzer und Industrielle zur Einstellung arabischer Arbeiter, und zwar auch solcher aus Transjordanien und anderen Nachbarländern, zu zwingen, ist nun ganz offensichtlich. Die Entrüstung ist um so größer, als die jüdische Bevölkerung sich getäuscht fühlt, und zwar durch die Zionistische Exekutive. Vor und nach der A.-C.-Sitzung im April hat d?e Zionistische Exekutive geflissentlich verbreiten hissen, daß sie 22.0 00 Zertfikateangefordert, hat. und die diesbezüglichen Verhandlungen ihrer Vertrete?:, der Arbeiterführer Ben Gurion und Shertok mit der Palästina-Regierung sich sehr aussichtsreich gestalten und einen vollen Erfolg verbürgen. Diese Nachrichten haben nicht zuletzt die Exekutive vor einem Mißtrauensvotum bewahrt. Nun erweist es sich, daß diese Nachrichten der Begründung entbehrten. Zusammen mit der gleichfalls von uns gebrachten Meldung, daß die Regierung eine Anleihe für die „W iederan Siedlung" der von den Juden „depossedierten" Araber aufnimmt, hat die Bekanntgabe der ganz unzurechenden Zahl von Zertifikaten helle Empörung bewirkt. So in Palästina. Die Wirkung dieser Nachrichten außerhalb Palästinas, wo Hunderttausende verfolgter und ruinierter Juden auf den Einfluß nach Palästina warten, wird noch schmerzlicher sein. Die von Weizmann inaugurierte und von seinen linken Nachfolgern betriebene, von den Judenstaats Zio nisten vergeblich bekämpfte Politik des Verzichtens und der absoluten Fügsamkeit gegenüber der englischen Palästina-Regierung trägt jetzt ihre Früchte. Die Stimmung in Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Seit Erscheinen des berüchtigten Paßfield-Weiß-Buches im Jahre 1930 befand sich die palästinensische Jude n h e 11 nicht in einem solchen Zustande der Empörung gegenüber der englischen Regierung wie jetzt, da die englische Administration unbeschadet des akuten Mangels an Arbeiterhänden in Palästina nicht mehr als 5600 Chaluz- Einwanderungs-Zertifikate für die kommende Sechs- Monate-Periode bewilligt hat. Verschärft wird die Stimmung der Empörung, namentlich in den jüdischen Arbeiterkreisen, dadurch, daß die Palästina-Regierung soeben eine Verordnung erlassen hat, wonach es Juden ausdrücklich verboten ist, Streikposten bei jüdischen Unternehmungen zu stehen, in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden. Durch diese Verordnung wird der gemeinsame Kampf aller jüdischen Parteien unter Führung des Waad Leumi für jüdische Arbeit in jüdischen Betrieben zu einem illegalen gemacht. Die hebräische Arbeitertageszeitung „D a v a r" verbreitete in den Straßen von Tel-Awiw, Jerusalem und Haifa in vielen Tausenden von Exemplaren eine Flugschrift mit dem Titel: „Die Regierung knebelt die jüdische Einwanderung!" Die Exekutive des palästinensischen Arbeiterverbandes Histadruth Haowdim hielt eine außerordentliche Sitzung ab, und erließ darauf eine .Proklamation, in. de? den-.beiden le.Utsn Akten der Regierung, der Verkündung der verkleinerten Chaluz-Quote und dem Verbot der Streikposten vor jüdischen Betrieben, die Araber beschäftigen, entschlossener Kampf angesagt wird. Diese neuen Maßnahmen der Regierung werden in der Proklamation als eine zweite Ausgabe des Weiß-Buches vom Oktober 1930 bezeichnet, welches unter der Judenheit in der ganzen Welt einen solchen Sturm des Protestes hervorrief, daß die britische Regierung sich veranlaßt gesehen hat, dasselbe zurückzuziehen. Es werden Vorbereitungen zur Abhaltung von Massenprotestversammlungen in allen Städten und Kolonien Palästinas getroffen, um auf diese Weise den gesamten Jischuw zum Kampf um seine Rechte in den Fragen jüdischer Einwanderung und jüdischer Arbeit zu mobilisieren. Aus der Proklamation geht hervor, daß die Jewish Agency an die Palästina-Regierung ein durch viele Belege begründetes Ersuchen um Ausfolgung von 20.1 0 0 Zertifikaten für die kommende 'Halbjahresperiode gerichtet hat; die bewilligten 5600 Zertifikate sind demnach nicht viel mehr als ein V i e r t e 1 d e r angeforderten Zahl. Die zionistische Exekutive bereitet die Herausgabe eines speziellen Kommuniques über ihre Haltung gegenüber der Regierung in der Frage der Einwanderung vor. Wähle stets das Beste, den guten Nächste Nummer erschein! Dien§fag früh Preis 10 Grosehen mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie TRIEST-JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten jeden Mi ttwo ch um 13 Uhr Fernen BLuxuseillinfen nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komtor: " Auskunft: Lloyd Triestino, Wien I, Kärnfnerrmg 6, Tel.U-47-5 60 Der Weisheit letzter Schluß — Zionismus In der Vorwoche fand in London die Sitzung des vom Völkerbund eingesetzten Verwaltungsrates für Hilfe für deutsch-jüdische Flüchtlinge statt. Der Bericht über die bisher erzielten Resultate war niederschmetternd. Es ergab sich, daß die mit soviel Worten und Hoffnungen begrüßte Einrichtung nach drei Vierteljahren auf keine Leistung hinzuweisen hat. Der Hochkommissar James Macdonald stellte einleitend fest, daß die Pressemeldungen, in denen davon die Rede war, daß das Hochkommissariat sich mit dem Plane beschäftige, eine große Siedlungsaktion für fünf Millionen Juden durchzuführen, den Tatsachen nicht entsprechen. Auch der Vertreter Uruguays, G u a n i, trat übertriebenen Nachrichten über Ansiedlungspläne in Südamerika entgegen. Solche Nachrichten, erklärte er, seien nur geeignet, die Ansiedlungsbestrebungen in Südamerika und die Arbeit des Hochkommissars Jm allgemeinen zu erschweren. Insbesondere bezeichnete er die Schaffung einer autonomen jüdischen Siedlung in Ecuador als unmöglich. Die südamerikanischen Staaten seien streng auf die Wahrung ihrer Souveränität bedacht. Hochkommissar Macdonald betonte dann in seinem Bericht, daß nur die Ansiedlung von Ausgewanderten in Palästina erfolgreich fortschreitet. Nur dort finden die Flüchtlinge ihren Platz im wirtschaftlichen und geistigen Leben des Landes. In anderen Ländern hätten bisher Siedlungspläne nicht in Angriff genommen werden können. Solche Pläne seien zwar reichlich vorhanden, Es handle sich um Pläne für Siedlungsaktionen großen Maßstabs in Mexikanisch-Kalifornien, Angola, Ostafrika, Südwestafrika, Ecuador, Brasilien, Mexiko, der Türkei und Biro Bidschan in Ostsibrien. Doch gebe es vor- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. läufig keinerlei Finanzierungsinstrument zu ihrer Durchführung. Palästina, fuhr Macdonald fort, ist heute das einzige Gebiet, das die Möglichkeit der Ansiedlung von Ausgewanderten in nennenswertem Umfang bietet. Keiner der übrigen Pläne scheine zur Zeit durchführbar. Es müßten erst die Einwanderungsbeschränkungen gemildert oder aufgehoben und größere Mittel, als sie im allgemeinen zur Verfügung stehen, bereitgestellt werden, um Über eine Epoche hinwegzukommen, in der kaum erwartet werden kann, daß .neue Landwirtschaftsbetriebe irgendwo wirtschaftlich unabhängig und rentabel werden. Der Hochkommissar wies dann auf die Notwendigkeit hin, die Ausgewanderten so schnell wie möglich aus den Ländern zeit we iligen Asyls in.neue, dauernde Heimstätten zu bringen. Es müssen -in den einzelnen Ländern Untersuchungen über' die Gründe der Reibungen zwischen den rassischen und konfessionellen Minderheiten, und der herrschenden Mehrheit angestellt werden^ denn es sei Auswanderern wenig damit geholfen, wenn sie in den Ländern ihres zeitweiligen Aufenthalts eventuell' ähnliche Verhältnisse vorfinden wie die, die sie zur Auswanderung veranlaßt haben. Auch in der Frage der Behandlung staatenloser und durch die Auswanderung staatenlos gewordener Flüchtlinge konnte der Hochkommissar von keinem Erfolg berichten. Nur die polnische und die schwedische Regierung haben erklärt, sie würden die staatenlosen Auswanderer in gleicher Weise behandeln wie diejenigen, die eine Staatsangehörigkeit besitzen. Andere Staaten hätten jedoch eine solche Erklärung nicht abgegeben. Ständig wird über Ausweisungen von Staatenlosen von einem in das andere Land berichtet. Der Oberkommissar habe wohl „Vorstellungen" erhoben, denn Abschiebung von Staatenlosen in ein Land, das ihnen k e i n V i s u m erteilt hat, führe dazu, daß die Betroffenen Auskünfte über Palästina und insbesondere über Tel-Awiw, über Wirtsdiaftsverhälrnisse, Existenzmöglichkeiten und Touristik, erteilt kostenlos das Offizielle Propagandabüro der Stadtgemeinde TelMwiw und die Offizielle Vertretung der Pro^TelMwiw^Gesellsahaft, Reisebüro COMPASS TOURS, WIEN IX, SPITALGASSE 3 Nächste Gruppenreisen nach Palästina: 15. u. 29. Mai u. 12. Juni