Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 363 (8.5.1934)
- Date
- 1934-05-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIB N"EtTE WELT Nf. 368 Mise Bach POLEN IT. Mal bis 4. min Billig und bequem durch „FRAHCOPOL", Wleo Iii ßenPWdl U-16-4-91 nationale Antisemiten treffen. Die Assimilationsjuden bekämpfen gewöhnlich die jüdnehnationaie Idee als ein« Konisation an den Antliemttlimu« und manche Antisemiten flauten, wie der Schluß des zitierten Artikel! seift, daß die JUdlschnationaien tatsächlich zu Konzessionen an den Antisemitismus verpflichtet sind. Beide täuöchen sich. Der Jüdischnationale hat nie auf die Bekämpfung de« Antisemitismus als Bewegung, welche Menschen wegen Ihrer Abstammung menschlich und bürgerlich entrechten will, verzichtet. Im Gegenteil! Er lehnt dort, Wo der AislmUationsjude „um des lieben Friedens willen" zur Nachgiebigkeit bereit ist, Konzessionen an den Antisemitismus ab. Er wird auch nie von der Braadmarkung einer antisemitischen Bewegung abstehen, die — wie die hitlerische in Deutschland — vor den brutalsten Angriffen auf die Jüdische Würde, auf wehrlos« jüdische Kinder, Kranke und Greise nicht zurückichreCkt. Das Wesentliche in der Stellungnahme der Jüdischnationalen «um Antisemiten liegt eben darin, daß er ihm In anderer Weise entgegentritt als der Assimilation^- Jude. Der Assimilationsjude sagt dem Antisemiten: „Ich bin ein Deutscher wie du, deine nationalen Anschauungen sind meine. Zwischen uns gibt es keinen Unterschied, ich bin dir vo 11 k o m m e n gleich, daher gib mir gleiches Recht." Darauf antwortet der Antisemit: „Die von dir selbst als Voraussetzung für gleiches Recht aufgestellte Behauptung ist falsch. Du bist kein Deutscher, bist mir nicht gleich, daher gebührt dir kein gleiches Recht." Der Jüdischnatiönale aber sagt dem Antisemiten: „Du bist ein Deutscher, Ich bin ein Jude. Ich bringe deinen nationalen Anschauungen den größten Respekt entgegen, aber sie sind nicht .die meinen. Ich dränge mich dir nicht auf und mische mich nicht in deine nationalen Angelegenheiten. Ich bin national nicht gleich dir. Aber ich bin ein Mensch, wie du, und treuer Staatsbürger, wie du, daher verlange ich gleiches menschliches und bürgerliches Recht!" Diese Forderung kann der Deutsche nur dann ablehnen, wenn er darauf verzichtet, ein Kulturmensch zu sein. Der Vorwand, daß er seine nationalen Interessen gegen fremden jüdischen Eingriff zu schützen genötigt ist, fällt gegenüber der jüdischnationalen Argumentation weg. Die Bedeutung der jüdischnationalen Idee, wie Theodor Herzl sie geprägt hat, liegt eben darin, daß sie die Möglichkeit einer offenherzigen Aussprache zwischen Nichtjuden und Juden bietet und damit die einzige Möglichkeit einer für beide Teile erträglichen und würdigen Klärung. Die jüdischnatiönale Idee macht nicht — wie manche Aaaimilationsjuden und Antisemiten glauben — dem Antisemitismus Konzessionen. Sie nötigt zu ehrlicher Stellungnahme. Das ist die Ursache ihres Erfolges. „Judenstaaft in Angola" Die von der sozialistischen Londoner Tageszeitung „Daily Herald" sensationell aufgemachte Meldung, daß von „maßgebender" Seite die Kolonisierung einiger Millionen Juden in der Portugal gehörenden afrikanischen Kolonie Angola im Einvernehmen mit der portugiesischen Regierung In Angriff genommen wurde, erweist sich — wie zu erwarten war — als haltlos. Die Vorgeschichte der Meldung ,ist folgende: Da fast alle Regierungen die Aufnahme von jüdischen Einwanderern, auch Flüchtlingen aus Deutschland, ablehnen, haben verschiedene jüdische Hilfsgesellschaften mit der Erörterung oft ganz phantastischer Pläne begonnen. In einer Sitzung In London sprach man auch von Angola, wohl in Erinnerung an den vor mehr als 25 Jahren von Israel Zangwill unternommenen und gescheiterten Versuch. Auf einer kurze Zeit darauf tagenden Sitzung der jüdischen Emigrationsgesellschaft „Emigdirect" erklärte diese, einen Beitrag zu leisten, wenn eine Ausforschungskommission nach Angola gesendet werden sollte. Aua diesen beiden, ganz nebulosen Entschließungen hat „Daily Telegraph" eine Bombenmeldung über einen „Judenstaat In Angola" fabriziert und die Weltpresse hat sie ungeprüft und kritiklos übernommen. Die J. T.-A. meldet jetzt Über Wunsch der englisch-jüdischen Hilfsorganisationen, daß lediglich die Entsendung von Unterhändlern nach Lissabon erörtert wurde. Von selten der portugiesischen Regierung liegt bereits die Erklärung ihre» Außenministers vor, daß sie nicht daran denke, dem Plane des „Judenstaates" ihre Zustimmung zu geben. Der vom Völkerbund eingesetzte Oberkommissär MacDonald erklärte Pressevertretern, daß weder der Völkerbund noch er mit der Sache irgend etwas zu tun haben. So reduziert sich die pompöse „Angola-Sache" auf — nichts. Ein nutxloies Telegramm an Hitler Aus Berlin: Die ReichsVertretung der deutschen Juden hat folgend«* Telegramm an den Reichskanzler Adolf Hitler gesandt: ,JDer „Stürmer* verbreitet eine Sondernummer, die unter ungeheuerlichen Beschimpfungen und" mit grauenerregenden Darstellungen das Judentum des Ritualaiorde« berichtigt. Vor Gott und Mensehen erheben wir gegen diese beispiellose Schändung unsere* Glauben« in feierlicher Verwahrung unsere Stimme." Der Protest der Reich*vertretui&g beiieht eioh auf die in dieser Woche vom Mitglied der Bayerischen Regierung Julius Streicher herausgegebene Sondernummer seines Blattes „Der Stürmer", in der unter der Schlagzeile „Jüdischer Mord plan gegen die n i c h t j ü d i s c h e Menschheit aufgedeckt" auf 12 reichillustrierten Seiten 131 angebliche jüdische Ritualmorde von 16$ v. Chr. bis 1932 aufgezählt, beaw. geschildert werden. In der gleichen Nummer klagt Streicher das Weltludentum an, einen Mord plan gegen Hitler ausgebrütet zu haben. Die in zehatausenden Exemplaren in ganz Deutschland verbreitete Ritualmordmiununer de* „Stürmer" hat im Zusammenhang mit den wiederum sich häufenden Juden hetzerischen Ausfällen der nationaIsozialistischen f* ü hrer in der englischen OeffentMöhkeit große Aufmerksamkeit erregt. Es fällt auf, daß die in Berlin lebenden Korrespondenten auswärtiger Blätter, die unter der Einwirkung des Reich*r>rope.gandamini*terium* aufgehört haben, der deutischen Juden frage allzu große Aufmerksamkeit zu widmen, jetzt wieder nach dieser Richtung hin rege geworden sind; ein Beweis dafür, daß sie die Situation für die Juden in Deutschland wiederum al* sehr gefährdet ansehen. Große Versammlung! Dienstag, den 8. Mal, um ^0 Uhr abends findet im Feststaale des Hotel Continental, II., Taborstraße, eine von den Wiener Bethausvereinen veranstaltete große Versammlung statt, in welcher prominente Redner über die „Lage der Juden" sprechen werden. „Semitische Helden" G. F. H ä n d e l, der große deutsche Komponist, vor 175 Jahren gestorben, soll Jetzt in Hitler-Deutschland gefeiert werden. Da die Zeit für heldische Einstellung günstig ist, könnte gerade Händel als Schöpfer der gewaltigen Oratorien dem Dritten Reich willkommen sein. Da gibt es aber einen Haken. Händel hat zur Personifikation heldischer Tugenden semitische Figuren, alttestamentarische Gestalten gewählt wie Saul, Samson, Josua, Salomo und Juda Makkabäus, und wird daher — getadelt. In reichsdeutschen Zeitschriften schreibt ein Musikführer Über diesen peinlichen Zustand: „Die deutschen „Chorvereine selbst und ihr Publikum dürften jetzt im Augenblick rein gefühlsmäßig nicht besonders viel Lust haben, semitische Helden ... einen Abend lang musikalisch verherrlichen zu helfen oder das auserwählte Volk als Märtyrer in Aegypten oder in der babylonischen Gefangenschaft zu feiern. Zugegeben nun auch, daß Juda Makkabäus etwa als die Verkörperung des Kriegshelden als Typ an sich erscheint — ein semitischer Einschlag bleibt als1 Erdenrest zu tragen peinlich." Händel ist zweifellos ein „nordischer" Musiker, aber verdächtig, weil er keine sinnfälligere Gestalt des Heldischen zu finden wußte als den Makkabäer. Heute wäre er für eine solche Tat ins Konzentrationslager gekommen und gezwungen worden, einen der gegenwärtigen Helden, etwa den Nürnberger Julius Streicher, den Herausgeber des „Stürmer", in einem Oratorium zu besingen. Man sieht also, daß Händel das Glück hatte, 175 Jahre vor Streicher und Genossen vom Diesseits abberufen worden zu sein. HakenkreussPropaganda in Griechenland Die Regierungspartei tut mit Die deutschen Nationalsozialisten in Athen haben unter der Aegide der deutschen Gesandtschaft und mit Unterstützung griechischer Faschisten eine antisemitische Werbekundgebung veranstaltet, die auch von Vertretern der Nationalsozialistischen Partei (Parter des Ministerpräsidenten Tsaldaris), welche sich bisher als judenfreundlich ausgab, besucht war. Befremden erregte es, daß Frau Lina Tsaldaris, die Gattin des Premiers, der Veranstaltung beiwohnte. In einem der größten Kinopaläste der Stadt wurden deutsche Filmstreifen vorgeführt, die pompöse nationalsozialistische Veranstaltungen in Deutschland zeigten. Hiezu gab der Leiter der deutschen nationalsozialistischen Partei in Athen, Kuhdörfer, entsprechende Erläuterungen und stellte die Hitler-Idee als sieghaft fortschreitend dar. Die gesamte deutsche Kolonie in Athen war anwesend. * In Saloniki und in den benachbarten Städten nimmt der Terror der faschistischen Gruppe EEE, die die deutschen Nazi-Methoden bewußt nachahmt, immer krassere Formen an. Zahlreiche jüdische Kaufleute in Saloniki erhalten Briefe mit einem Hakenkreuzkopf, in denen sie aufgefordert werden, aus Griechenland zu verschwinden, sonst würden sie dem Tode verfallen. In einigen dieser Briefe wird den Empfängern eine Frist von 48 Stunden zum Verlassen des Landes gestellt. Nicht weniger intensiv wird die antisemitische Propaganda der EEE in den Provinzorten geführt. In Janina, wo bisher die Beziehungen zwischen Juden und Christen sehr gute waren, wurden zwei jüdische Hauslerer überfallen und erheblich verletzt. Die fortgesetzte antisemitische Propaganda hat unter der Bevölkerung eine so aggressive Stimmung gegen die Juden erzeugt, daß zahlreiche Juden, namentlich Kleinhändler und Hausierer, nicht mehr wagen, ihr Gewerbe auszuüben und sich um Zertifikate zur Reise nach Palästina bewerben. Schaukelpolitik Während also jetzt der Ministerpräsident Tsaldaris, der sich im Gegensatz zu seinem Feinde, dem alten Führer Venizelos, auf den Judenfreund herausspielte, ins antisemitische. Lager übergeht, steckt Venizelos in der Judenfrage um. Venizelos empfing zwei Notable der Jüdischen Gemeinde Saloniki, denen gegenüber er sein Bedauern darüber ausdrückte, daß die griechischen Juden ihn für die zweifellos zu verurteilenden antisemitischen Schreiberelen der venlzellatlschen Zeltungen in Saloniki verantwortlich machen. Venizelos gab das Versprechen ab, sich für die Herstellung guter Beziehungen zwischen den Juden und seiner Partei einzusetzen. Polen-Pftngstfahrt! Nur mit dem Poln. Verkehrsbüro „Francopol" fahren Sie wirklich bequem und billig. Rasche Anmeldung: „Francopol", III., Rennweg 1 (Gebäude des poln. K$^yjYats), Telpp^ofl 1M6.4-80, häßliche Denunziation Das große gemeinsame Erlebnis der deutschen Juden konnte sie wohl für das Gefühl einer jüdischen Schicksalsgemeinschaft reif machen. Schon die äußeren Umstände, die Hinausdrängung aus dem deutschen Kultur-, Gesellschafts- und Berufsbereich, sprachen dafür, daß nun für den deutschen Juden etwas Neues, Fruchtbares und Würdiges sich herauskristallisieren werde. Ea kam zwar zu einem organisatorischen Zusammenschluß, zur „Reichsvertretung der deutschen Juden", aber eine wahrhafte, gegensatzlose Vereinigung aller jüdischen Elemente war auch das nicht. Der von der; deutschen Reichsregierung betriebene Eliminierungsprozeß hätte zweifellos bewirken können, daß sich die Juden auf sich selbst besinnen, auf ihr ureigenstes j üd Ische s Wesen. Aber das ist nicht eingetreten, da wiederum der Gegensatz von nationaljüdischem und deutschassimilatorischem Bewußtsein in Erscheinung tritt. Der nationaljüdische, zionistische Gedanke schob sich zwangsläufig in den Vordergrund. Palästina wurde nun auch für die deutschen Assimilationsjuden greifbare Wirklichkeit. Nichtsdestoweniger aber gaben die Uberal-asslmilantischen Kreise Innerhalb der deutschen Judenheit Ihre Versuche, eine Einigung zu zerstören, nicht auf. Der R. j. F. (Reichsbund jüdischer Frontsoldaten)', der schon vor dem hitlerischen Deutschland sich antinational, antizionistisch, antipalästinensisch gebärdet« und betätigte, hat auch heute in der Zeit höchster Gefahr für die letzten Reste der deutschen Judenheit seine Attacken gegen die jüdische Solidarität nicht aufgegeben, Die zionistischen Sportler im Deutschen Ma k« kabikreis, die bisher vereinzelt in den Sportgruppen des R. j. F. mittrainierten, waren den antinationalen Herren dieses R. j. F. nicht sehr angenehm und wollten, so berichtet wenigstens der „Schild", das Organ des R. j. F., im Rahmen des gesamten Sportbundes eine zionistische Riege. Diesen Wunsch — wir wissen« wie gesagt, nicht, ob er ausgesprochen wurde — beantwortete der R. j. F, damit, daß er die Zionisten bei der deutschen Sportbehörde denunzierte. Uns liegt ein Brief (vertraulich!) des Sportdezernenten im R. j. F. an die „Sportkameraden" vor, dessen Schlußpassus lautet: „Wir haben dem zuständigen Dezernenten des Reichssportführers über die intranslgente Haltung der Zionisten, die jede vom Reichssportführer gewünschte Einigung unmöglich macht, Mitteilung gegeben und könnte es auch nichts schaden, wenn Sie bei passender Gelegenheit und unter der Voraussetzung, daß Sie per« sönllche Fühlungnahme haben, den dertigen Sport« beauftragten hierüber informieren. Obige Mitteilung; bitten wir streng vertraulich zu behandein." Das bedeutet also nichts anderes, als daß der Hakenkreuz-Reichssportführer gegen die' jüdischen Sportler des Makkabi einschreiten möge. Das „Hamburger Isr. Familienblatt", gewiß nicht im „Verdacht" jüdischnationaler Aspirationen, gibt seinem Erstaunen Ausdruck, „daß der R. j. F. sich nicht gescheut hat, an den zuständigen Dezernenten des Reichssportführers mit einet Eingabe heranzutreten, die man nur als eine häßliche Denunziation bezeichnen kann", und fährt fort: „Wie darf man dem jüdischen Gegner mit solchen Kampfmethoden an den Leib rücken!" Hiezu meldet die J. T. A.: Das Präsidium des Deutschen Makkabi« k r e 1 s e s hat bis auf weiteres seinen Vereinen den Spielverkehr mit den Sportvereinen des Reichsbundes jüdischer Judische Volksparlei Oesterreichs Sonntag, am 15. Mai, um 10 Uhr vormittags, im Herzl-Saale, I„ WerdertihorgeAse 14, Außerordentliche Generalversammlung, Tagesordnung: Statutenänderung. Erscheinen aller Mitglieder dringend At^ni.cjgi