Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 363 (8.5.1934)
- Date
- 1934-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tm. ü, Preis 10 droschen Jahrgang 8 Dienstags den 8* Mai . Nr* 363 V« b* b« Zeitung vom Verleger versendet «Journal exp&Uä par T&liteuxf« BEZUQSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.30. vierteljährig S4.-, ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.»; Balgarien monatlich Lewa 40«—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr Igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- Jährig Schweizer Francs 4J50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8,7eL A-20-2-78 — ErscheintDienstag und Freitag REVUE Wieder enttäuschte Hoffnungen! Insgesamt 5600 Einwanderungs-Zertifikate für das nächste Halbjahr Von selten der Zionistischen Exekutive sind in der letzten Zeit Nachrichten über „aussichtsreiche" Verhandlungen mit der Palästina-Regierung wegen Erhöhung der jüdischen Einwanderungsquote (schedule) lanciert worden. Man sprach von 20.000 und mehr Zertifikaten. Die Nachrichten haben sich leider als falsch erwiesen, als leere Beschwichtigungsmanöver. Trotz des großen Mangels an jüdischen Arbeitern in Palästina, des unerhörten Aufschwunges des Wirtschaftslebens im Lande und des ungeheuren Dranges der leidenden Judenschaft nach Palästina gibt die Palästina-Regierung wieder nur die unzureichende Zahl von Zertifikaten wie im vorigen Halbjahr, nämlich 5600. Da sie aber auch die Absicht geäußert hat, Zertifikate für bereits „illegal" im Lande weilende Juden zurückzuhalten, ist die Zahl in Wirklichkeit noch geringer. . Die J. T.-A. berichtet aus Jerusalem: Wie aus Begierungskreisen mitgeteilt wird, hat der High Commissioner Sir Axthur Wauchope die neue Einwände rungsschedule genehmigt, durch die der Zionlsti sehen Palästina-Exekutive für das kommende Halbjahr 56 00 Zertifikate, einschließlich 400 Zertifikate für Frauen, zugeteilt werden. Die Palästina-Exekutive hat bereits die offizielle Verständigung Uber die Höhe der neuen Einwänderungsschedule erhalten. Die Palästina-Exekutive gibt be kannt, daß von den. ihr und den Palästina-Aemtern zur Verfügung stehenden Zertifikaten keines zur Einwanderung von Angehörigen in Palästina ansässiger Per sonen verwendet werden darf, da diese Zertifikate ausschließlich für die Einwanderung von Chaluzim und Handwerkern bestimmt wurden. An Angehörige von Palästina-Einwohnern gibt die Exekutive Empfeh lungssohreiben aus, auf Grund derer die Bewerber von den Palästina-Aemtern Zertifikate erhalten, sobald solche einlangen werden. Arabfedie //Wiedevamiedlung'' in Palästina Eine Palästina-Anleihe unter englischer Garantie Dve Londoner „Times" meldet«, daß am 3. d. M. hei der englischen Regienunig ©in Antrag der Padästina- Regierarug auf Aufnahme einer Palästina- Anleihe in der Höhe von 2 Millionen Pfund eingelangt d&t. Die Anleihe soll von der englischen Regierung garantiert werden. Die bezügliche Vortage an das Parlament ist bereite in Druck gelegt und dürfte in den nächsten Tagen im Unterhaiuse. eingebracht ■werden. "Ueber. die Verwendung der Anleihe geben „Times" folgendes bekannt: 250.000 Pfund sind für Wiederan s d e d 1 iu n g von Arabern bestimmt, deren Land am J»uden verkauft worden ist. 106.000 Pfund für arabische Schmlbauten. 100.000 Pfund für langfristige Kredite an a r a b i <s c Ii e Pflanzer im Hügelland und 100.000 Pfund für Kredite an arabische und jüdische Pflanzer in der Ebene. Der übrige Teil soll für Regienungisibauten, Oelreservoire, Drainage usw. verwendet werden. Wie zu ersahen, werden von dieser Anleihe vorweg ,500.000 Pfund ausdrücklich für rein arabische Zwecke in Anspruch gettOE&men. Auf ..die jüdischen Siedler dürften bestenfalls 50.000 Pfund an Krediten entfallen. Hingegen wird die Last der Anleihe, welche entgegen den. Bestimmungen des Völkerbundimandatas ahne Verständigung der Zionistischen Organisation aufgenommen wird, fast zur Gänze von den jüdischen Steuerzahlern zu tragen sein. Engländer demonstrieren für den Zionismus ' *In der Shoreditch Town Hall in London fand vor einigen Wochen eine von Tausenden besuchte Versammlung statt, in welcher den Vorsitzenden des Pro-Palästina- Klubs im englischen Parlament Oberst Buch an und Oberst W e d g e w o o d Dimplome über ihre Eintragung ins. Goldene Buch der Jüdischen Nationalfonds überreicht wurden. ColonelBuchan erklärte, er sei stets für das zionistische Ideal begeistert gewesen. Schon vor zwanzig Jahren habe er die Möglichkeit der Verwirklichung des Zionismus mit seinem Freunde Lord Balfour besprochen, Der Zionismus ist eine große Tat der Gerechtigkeit und der Wiedergutmachung für die Grausamkeit und das Unrecht von Jahrhunderten Englind legt er eine heilige Ehrenpflicht auf. Wir haben feierlich versprochen, daß der Rückkehr der Juden In ihr Land außer wirtschaftlichen Notwendigkeiten kein Hindernis im Wege stehen soll. Palästina ist nicht ein Altertumsmuseum, sondern ein Heim für die gegenwärtigen Bewohner des Landes und für ihre alte Rasse. Der Zionismus bedeutet für England eine neue Politik im Osten; eine Politik, die eine Brücke zwischen Ost und West schlagen kann. In den nach Palästina gekommenen Juden hat England machtvolle Mitarbeiter gefunden. Sicher ist, daß die Araber Palästinas sich niemals selbst erhalten könnten. Die Juden bringen das mit, was am stärksten nottut, nämlich Kultur und Tatkraft. Denn für die Judenheit bedeutet die Einwanderung nach Palästina das Wiedergewinnen der Heimat. Colonel Wedgewood erklärte, die wunderbare industrielle und landwirtschaftliche Entwicklung, in dem hundert Meilen langen Gebiet südlich von Haifa sei nicht das Ergebnis einer vorübergehenden Prosperität; in Palästina ist ein finanziell gesundes und wirtschaftlich verständiges Volk im Werden. Wenn Wien und Berlin die jüdischen ärztlichen Kapazitäten gehen lassen, so werden Menschen aus aller Welt bald nach Jerusalem pilgern, um dort die besten Aerzte zu konsultieren. Eine Zukunft in leuchtenden Farben, Palästina produziert; die beste, OraogQ dfle-ffletti Die Politiker Englands müßten zu der Erkenntnis geführt werden, dm jüdische Prosperität in Palästina englische Prosperität bedeutet, und daß Palästina die Ausfallspforte zu einer neuen großen Erweiterung des britischen Reiches ist. Die wachsende Feindseligkeit der Araber'richte sich nicht gegen die Juden, sondern gegen England. Die Bildung einer arabischen Föderation von Bagdad bis nach Damaskus stelle eine Gefahr für die Zivilisation dar. Ihr muß das Ideal der Freiheit und der Gerechtigkeit für alle entgegengesetzt werden, das von den Juden wie von den Engländern getragen wird. Der Abgeordnete Marquis of Härtington erklärte, im englischen Parlament bringe man heute den zionistischen Idealen weit mehr Verständnis entgegen als vor einigen Jahren. Englands Stolz und Ehre seien mit dem Palästina-Werk verknüpft; es könnte sich von ihm nicht eher zurückziehen, als bis das Jüdische Nationalheim frei von jedem Z weife 1 und jeder Unsicherheit für die Zukunft ist. Zweifellos sei die Lüge, daß das Land auf Kosten der Araber entwickelt wurde, geplatzt. Er stehe hier, um zu bekunden, daß es eine große Zahl nichtjüdischer Abgeordneter im Unterhaus gibt, die entschlossen sind, mit allen Kräften gemeinsam mit den Juden auf die Verwirklichung des Ideals des Jüdischen Nationalheims hinzuarbeiten. Die Nazi-Propaganda in Palästina . , Aus Jerusalem: Die Nazi-Gruppen in den palästinensischen Städten, die ihr Zentrum in Haifa haben, halten Versammlungen ab, zu denen besonders ausländische „a r i s c h e" Touristen, Schiffsbeamte und Matrosen eingeladen werden. In den Ansprachen wird scharf gegen die Juden gehetzt. Die jüdische Presse.weist auf die Gefahr solcher Umtriebe für die Ruhe im Lande hin. * Es ist charakteristisch für die Einstellung der Palästina-Regierung, daß sie gegen diese freche, von ausländischen Agenten betriebene Hetze nichts unternimmt. Nädhsfe Nummer Freilag früh mit den vorzüglichen, greOan Salonschiffen der direkten Eillinie TRIEST- JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten Jeden Mi ttw o ch um 13Uhr Fernen Luxuselllinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Sfngapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Triestino, Wien I, Kärntnerring 6,Tel.U-47>5>60 Alle, im redaktionellen Teil befindlichen entgelt- JiQhen jCJQjtiaea elßd diusb ein beigefügtes B bezeichnet, Anfisemifismus und Nationaljudenfum Das jetzt in deutschnational-antisemitischen Kreisen führende Blatt „Wiener Neueste Nachrichten" bringt einen Leitartikel über die Judenfrage, in welchem auf die üblichen Beschimpfungen der „jüdischen Rasse" verzichtet wird. Das Blatt bemüht sich, der jüdischnationalen Bewegung im Vergleiche zur jüdischen Assimilation Verständnis entgegenzubringen. Es schreibt u. a.: „Der alte Streit zwischen Zionisten, die sich ala nationale Minderheit fühlen, und Assimilanten ist wieder in vollem Gange. Dabei scheinen die nationalen Juden allmählich die Oberhand zu gewinnen. Nicht allein weil ihre Einstellung die gesündere und auch die moralischere ist, sondern vor allem weil mit der Assimilation auch das Assimilantentum in jeder Beziehung gescheitert ist. Daß die Assimilation niebt geglückt ist, daß nicht in zwei, drei Generationen — und auch in längerer Frist niefit — aus Juden Deutsche (oder Franzosen, Tschechen, Serben) werden können, hat sich deutlich genug gezeigt. Der allerstärkste Beweis ist die Wirkung der deutschen Revolution auf die Judenfrage." „Die jüdischen Emigranten hatten kaum die Reichsgrenze erreicht, als an ihnen nicht im mindesten mehr festzustellen war, daß sie etwa Deutsche wären. Sie sind nichts als deutschsprechende Juden, und schon ihre Kinder werden sich als Franzosen, Tschechen, Holländer usw. ausgeben. Diese jetzigen Emigranten waren natürlich durchwegs Assimilanten, sie hatten sich auf allen Gebieten die Führerrolle angemaßt und haben, so wie sie ins Ausland kamen, ihr auf gekleistertes angebliches Deutschtum abgelegt. Jetzt werden sie sich bei anderen Nationen zu assimilieren versuchen." „Aber nicht nur die Assimilation ist mißglückt, sondern überdies haben auch die Assimilanten sachlich versagt... wie die (durch die Assimilation hochgekommenen) marxistischen Parteiführer, die sich der Führung des österreichischen Arbeiters bemächtigten und seine Bewegung in die Katastrophe führten... Es hat ferner die jüdische Zeitungswelt versagt, es hat sich das Assimilantentum noch auf vielen anderen Gebieten sachlich und politisch blamiert." „Hier liegen viele der Gründe, die die Bewegung der nationalen Juden gefördert haben. Diese Erscheinung wird man deshalb zu begrüßen haben, weil die Nationaljuden eingesehen haben, daß das jüdische Problem existiert und weil sie von sich aus der Vermischung und Vermanschung zwischen Juden und Ariern entgegentreten, die auch wir bekämpfen. Nur sollten die Zionisten in ihren Blättern darauf verzichten, im Geifern gegen den Antisemitismus, den ja die Assimilanten hervorgerufen haben, und gegen das deutsche Volk ständig die Konkurrenz mit den Assimilationsjuden aufzunehmen ... Es besteht die Gefahr, daß dieses Treiben auf spätere Auseinandersetzungen in der Judenfrage einen schweren Schatten werfen könnte." * Es gibt einen Punkt, wo sich bei Betrachtung de? jü&ßctaattQ&aleft Mes AäsünUatwasjuden m$ deutsch