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Die neue Welt · 1934-05-04 · Heft 362 (4.5.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 362 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 362 DIE NEUE WELT Seit« Zu Pfingsten billig nach Jhk. POLEN TS, Auskam: Büro Or. S. Tocker, BÄJf All c4r n hIi e '» Ri"g des 12. Novembtr Nr. Vi U5 1IUUUS Telephon U- '4 0-10 Ein blinder jüdischer Emigrant an der Prager Uni versität Aus Prag-: In der Sitzung des Professorenkollegiums der medizinischen Fakultät der Deutschen Universität in Prag wurde Dr. phil. und jur. Ludwig Cohn als Lektor für Blindenkunde dem Schulministerium in Vorschlag gebracht. Der Werdegang dieses Lektors ist überaus inter essant. Im 7. Lebensjahr erblindete er. Dank einer eisernen Energie gelang es ihm, die Mittelschule zu absolvieren, worauf er philosophische und juridische Studien betrieb und beide Doktorate erlangte. Auf Grund seines eigenen tragischen Schicksals beschäftigte er sich speziell mit dem Blindenwesen und mit der Blindenfürsorge. Während des Krieges war er Berufsberater für Kriegsblinde; er regte die Gründung des Vereines „Schleaische Bücherei" an, welche derzeit über 4000 Bände aufweist. Infolge der politischen Verhältnisse in Deutschland mußte er als Jude sein Lektorat an der Universität in Breslau und alle seine übrigen Aemter auf dem Gebiete der Blindenfürsorge und Blindenbildung niederlegen und hat seinen ständigen Wohnsitz in Prag aufgeschlagen. Palästina-Fragen vor dem englischen Parlament Aus London: Auf Fragen des Abgeordneten Barnett Janner im Unterhaus, ob der britische Pavillon auf der Levante -Messe in Tel-Awiw fechtzeitig zum Messebeginn am 26. April fertig sein werde, wieviele britische Firmen auf der Messe ausstellen und wie die Bewerbungen um Ausstellungsraum erledigt werden, erwiderte der Staatssekretär für Ueberseehandel Colonel C o 1 v i 11 e: Laut den Informationen der Federation of British Industries wird der britische Pavillon zum Eröffnungstage fertig sein. Es haben bis jetzt 164 Firmen des Vereinigten Königreiches Plätze im Pavillon belegt. Sollte kein Ausstellungsraum mehr im Pavillon verfügbar sein, werden die Messebehörden für weitere britische Ausatelier Raum in den angrenzenden Gebäuden schaffen. Auf die Frage Barnett Jänners, betreffend Errichtung eines Flughafens in oder bei Tel-Awiw, erwiderte Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister: Der High Cimmissioner Sir Arthur Wauchope hat mich dahin informiert, daß in der Nähe von Lydda mit der Errichtung eines zeitweiligen Aerodroms begonnen wurde, das hoffentlich bei der Eröffnung der Messe benützbar sein wird. Sechs jüdische Mitglieder der Tscheljuskin-Expedition ausgezeichnet Aus Moskau: Unter den laut Dekret des Zentralexekutivkomitees ausgezeichneten Mitgliedern der Tscheljuskin-Eipedition, die den Orden „Roter Stern" erhielten, befinden sich sechs Juden: Der Kinooperateur Arkadi Schafran, der unter außergewöhnlichen Umständen b}s zum letzten Augenblick Filme von der wissenschaftlichen Tätigkeit, dann aus dem Leben der gescheiterten Tscheljuskin-Besatzung herstellte; der Ingenieur Rass, der Ernährungskommissär Gurewitsch, der junge Forscher Schulmann und der als einziger von der ganzen Besatzung umgekommene Obersteward Boris Mogilewitsch. Unter den Fliegern, diö mit beispielloser Heldenhaftigkeit das Rettungswerk. vollbrachten, befindet sich auch der jüdische Pilot Piwenstein. Von der Judensiaatfs* partfei In der vergangenen Woche fanden drei große Versammlungen statt, deren zahlreicher Besuch und glänzender Verlauf bewies, daß der von der Judenstaatspartei propagierte Herzische Judenstaatszionismus trotz aller Verirrungen, deren Opfer heute <iie zionistische Organisation ist, siegen muß. Die erste Versammlung fand in Wien (Mariahilf) statt, sie wies einen überaus starken Besuch auf und brachte zahlreiche Beitrittserklärungen. Die zweite Versammlung wurde Samstag in Graz abgehalten. Im überfüllten Saale der Kultusgemeinde hatten sich die Hörer, unter ihnen auch viele Frauen und Jugendliche, in einer für'Graz ganz ungewöhnlich hohen Zahl eingefunden und folgten den Ausführungen mit gespanntester Aufmerksamkeit. Tags darauf tagte eine Versammlung in L e o b e n, zu welcher sich die ganze Judengemeinde fast ausnahmslos eingefunden hatte. Um das Zustandekommen dieser Veranstaltung fcatte sich Gesinnungsgenosse Friedler besopders verdient gemacht. Referent in allen drei Versammlungen war der Obmann der Judenstaatspartei, Oberraurat Robert Stricker. Er schilderte in anschaulichster Weise die Lage im Zionismus und den Verlauf des Aufbauwerkes in Palästina. An Hand der Tatsachen bewies er, wie die Verirrungen in das linke, klassenkämpferische Lager einerseits, in einen „kleinen" Zionismus kultureller Spielerelen und philanthropischer Färbung anderseits, die von HerzI begonnene, auf den Judenstaat gerichtete Freiheitsbewegung in ihrer Entwicklung gehemmt haben und noch heute bedrohen. Sein Appell zur Wiederaufrichtung einer dem Programm Herzls voll und ganz ergebenen zionistischen Organisation, welche alle Verkleinerungen des Zionismus ablehnt und seiner weltpolitischen Bedeutung gerecht wird, lösten frenetischen Beifall und begeisterte Zustimmung aus. Die Judenstaatspartei leistet in Oesterreich .vielversprechende Arbeit. Ein bezeichnender Zwischenfall Im überfüllten Versammlungssaal in Graz erlosch kurz nachdem Oberbaurat Stricker sein Referat begonnen hatte, das Licht. Der Zwischenfall — es stellte sich dann heraus, daß er nicht unverschuldet war — hatte aber keinerlei Störung zur Folge. Einige beruhigende Worte Strickers genügten, und er sprach sodann ein und eine halbe Stunde in völliger Dunkelheit zu fttom yiclhundertköpfigea Publikum, du bis auf den letzten Mann in gespannter Aufmerksamkeit ausharrte. So bot der Bubenstreich Gelegenheit für eine seltene Kraftprobe des Judenstaatsgedankens. Es ergab sich nachher, daß die Angehörigen der linksradikalen Jugendorganisation „Haschomer Hazair" in ohnmächtigem Fanatismus die Lichtleitung im jüdischen Gemeindehause gestört hatten, um den Vortrag zu vereiteln. Aber die Jungen sind wirklich nicht hart zu verurteilen: In Palästina arbeiten ihre marxistischen Führer mit Steinen und Eisenstangen, Mordlügen und Aushungerung von Arbeitern an der Unterdrückung der Judenstaatspartei, in London ihr Herr Berl Locker von der roten Nelke mit disziplinaren „Strafmaßnahmen" und Mißbrauch der ihm übertragenen organisatorischen Gewalt. Die gut erzogenen Jungens in Graz tragen zu diesem „geistigen" Kampfe bei, was eben in ihren noch schwachen Kräften liegt. Sie schneiden Drähte durch oder reißen Sicherungen heraus. Generalversammlung der Wiener Judenstaatsjugcnd Unter reger Anteilnahme der Mitglieder fand am 22. ds. im überfüllten Herzl-Saale des Jüdischen Heimes die diesjährige Generalversammlung statt. Zuerst spracii Herr Oberbaurat Stricker Uber den Judenstaats-Zionismus und über die Lage in Palästina. Dann erstattete Obmann Ch. Mendel Hager den Tätigkeitsbericht. Als wesentlich sei hervorgehoben: Durch die starke Verbreitung des Judenstaatsgedankens im jüdischen Wien ist auch die JudenstaatsjugondinstetemWachstum begriffen. Im abgelaufenen Jahr traten 40 Chawcrim und Chaweroth die Alijah nach Erez Israel an. Dank der Unterstützung durch den H e c h a 1 u z Haleumi ist es gelungen, eine beträchtliche Anzahl von Chawerim auf landwirtschaftliche und gewerbliche Hachse harah zu schicken. Ebenso ist es gelungen, einigen arbeitslosen Mitgliedern Stellungen und Arbeit zu \erschaffen. Die Hebraisierung der Jugendgruppe hat im abgelaufenen Jahr dank der vorzüglichen Hebräischkurse, die unter Leitung des Herrn Dr. Taub stehen, bedeutende Fortschritte gemacht. Dem Mangel an Führern, der dadurch entstand, daß man Führer an den rapid anwachsenden B r i t h H a k an a 1 m abgeben mußte, ist durch einen mit vollem Erfolg durchgeführten Fuhrerkurs ein Ende bereitet worden. Ch. Hager konnte nach einer regen Debatte, die sich den Berichten anschloß, feststellen, daß die Judenstaatsjugend ein von Erfolg begleltotps Arbeltsjahr hinter sich habe. — Die Neuwahlen brachten keine wesentlichen Veränderungen. Ch. Hager wurde zum Obmann wiedergewählt. Abreise der Ol Im der Judenstaatsjugcnd. Montag, den 23. ds., verließen 13 Olim der Judenstaatsjugend Wien, um sich via Triest nach Palästina zu begeben. Auf dem Bahnhof hatten sich zahlreiche Mitglieder der Judenstaatspartei, von der Leitung Vizepräsident Fritz Richter und Frau Paula Stricker sowie die gesamte Judenstaatsjugend eingefunden. SCHALOM ASCH DER TROST CS VOLKES ROMAN / 1.—5. Tausend Dieser neueste große Bekenntnisroman des berühmten ßrzäh?ers, eine wunderb are Dichtung, ist der Höhepunkt seines Schaffens. Gantleinenhand S 11.55 In alltn Buehkandlungtn BIBLIOTHEK ZEITGENÖSSISCHER WERKE Zürich / Leipzig / Wien Vorgänge Bin jüdfatfaen Lager Ein neuer Vizepräsident der Judengemeinde. Die letzte öffentliche Sitzung des Wiener Kultusvorstandes wird ihre Nachwirkung im jüdischen Gemeindeleben haben. Hauptgegenstand der Tagesordnung war die Demission des Vizepräsidenten Herrn Dr. Jakob O r n s t e i n, welcher die antizionistische „Unicn österr. Juden" seit mehr als neun Jahren im Präsidium der Gemeinde vertritt. Der Rücktritt war kein freiwlliger. Die „Union" hat Herrn Dr. Orn stein abgezogen, weil er ihr nicht gewillt und auch nicht robust genug schien, der zionistischen Majorität erfolgrech entgegenzuwirken. Herr Dr. Ornstein hat sich, nach Ansicht der „Union", mit seinen zionistischen Kollegen im Präsidium zu gut vertragen und sich zu nachgiebig gezeigt. Das Unharmonische im Abgange des Vizepräsidenten kam in den Abschiedsreden aum Ausdruck. Neben freundlichen Worten für Herrn Dr. Ornstein fand der zionistische Präsident Dr. Desider Friedmahn sehr scharfe Worte für die Art, in welcher der langjährige Führer der „Union" von der eigenen Partei beseitigt wurde. Bevor noch die Demission Dr. Ornsteins, so erzählte Dr. Friedmann, dem Kultusvorstande formell überreicht und durch ihn behandelt worden war, wurde die Demission seitens der „Union" in den Tageszeitungen verkündet. Die wenig zarte Art hatte offenbar den Zweck, ein fait accompli zu schaffen. In seinen rührenden Abschiedsworten gab auch Herr Dr. Ornstein zu verstehen, daß er noch Kraft genug in sich fühle, den Posten, den er nur schweren Herzens verläßt, zu versehen. Auch seinen Worten war zu entnehmen, daß der Rücktritt kein freiwilliger war. Dann wurde an Stelle Dr. Ornsteins, dem auch seine politischen Gegner gerne das Zeugnis größter Opferwjlligkeit, Arbeitsfreude, Ergebenheit an die Gemeinde und vornehmer Ritterlichkeit ausstellen, Herr Dr. Josef Tic ho gewählt. Wer die Einstellung Doktor Tiqhos in der „Union" und im Kultusvo'rstande kennt, weiß, daß es um die Ruhe und relativ reibungslose Zusammenarbeit im Gemeindevorstande von nun ab weniger gut bestellt sein wird. Herr Dr. Ticho ist streitbarer Antizlonist und, was von ebenso großer Bedeutung ist, ein intimer Freund der trennungsorthodoxen „Agudah", die gerade jetzt einen heftigen Kampf gegen die Judengemeinde führt. Dieser Kampf, der jetzt von der Agudah" auch auf nichtjüdischem Boden und unter Verwendung der gefährlichsten Waffen geführt wird, hat den nunmehrigen Vizepräsidenten Dr. Ticho keinen Zollbreit von seinen agudistischen Freunden entfernt. Dazu kommt, daß jetzt in der „Union" ein „BQharfer" antizionistischer Wind weht. Mußte doch auch hier der zu nachgiebige Herr Dr. Ornstein vom Präsidentenst'ihl weichen. Dafür ist Herr Regierungsrat Doktor Oppenheim wieder in die Leitung eingezogen. Zur Charakterisierung seiner Einstellung diene eine Erinnerung: Er hat wiederholt erklärt, daß der Bestand einer jüdischen Einheitsgemeinde mit zionistischer Majorität von ihm nicht gewünscht wird und er ~~ damals hatte seine „Union" die Majorität — im Falle, daß sich eine zionistische Majorität ergeben sollte, für die Gründung einer separaten „liberalen" Gemeinde eintreten werde. Es ist also alles eher anzunehmen, als daß Regierungsrat Dr. Oppenheim auf die Taktik des Herrn Doktor Ticho mildernd einwirken wird. Die Situation im Kultusvorstande ist demnach klar, wenn auch nicht allzu beruhigend. * Das beste Mittel zur Paralysierung der von der „Union" und „Agudah" geschaffenen, die Einheit der Gemeinde gefährdenden Lage ist die Geschlossenheit der zionistischen Majorität. Sie besteht. Judenstaatsparteiler, Revisionisten und Misrachi3ten arbeiten im Zionistischen Klub mit den „Allgemeinen Zionisten", welche dort die Majorität bilden und das Gemeindepräsidium stellen, einträchtig zusammen. Aber jetzt wird ein Versuch der Störung dieser Zusammenarbeit unternommen, auf welchen notwendigerweise verwiesen werden muß. Er geht von der Gruppe der „Radikalen Zionisten" aus, deren Redner und deren Zeitung „Der jüdische Weg" seit Jahr und Tag die Judenstaatler, Revisionisten und Misrachisten heftig bekämpfen, besser gesagt, beschimpfen; vor allem die Jüdische Volkspartei, in welcher Vertreter aller zionistischen Gruppen zu gemeinsamer Arbeit für die Rechte und Interessen drp österreichischen Judenschaft im Sinne des jüdischnationalen Programms vereinigt sind. Solange die Führer der „Radikalen", deren Vertreter dem Zionistischen Klub im Kultusvorstande nicht angehört,-als Alleingänger die zionistischen Gruppen und die Volkspartei mit unsachlichen, dafür persönlich und niedrig-gehässig gehaltenen Ausfällen bedachten, konnte man dem Gefühl der Verachtung derartiger Methoden Rechnung tragen und sie ruhig und völlig übergehen. Nun aber liegen die Dinge anders. Die „Radikalen Zionisten" sind in den Verband der „Allgemeinen Zionisten" aufgenommen und ihr Vertreter ist in dessen Leitung, in das Landeskomitee des Verbandes, gewählt worden. Das Debüt war eine Rede auf der Landeskonferenz, welche der unqualifizierteren Beschimpfung der Jüdischen Volkspartei, ihrer Leitung und der Zerstörung des mit ihr geschlossenen Paktes gewidmet war. Der Rede folgte ein entsprechender Artikel im Organ der „Radikalen". Wieder ist es geboten, ein Eingehen auf solche Ausfälle zu unterlassen. Aber geboten scheint es, die Funktionäre der „Aligemeinen Zionisten" und ihre Vertreter in der Gemeindestube darauf aufmerksam zu machen, daß sie für Handlungen und Reden ihrer neuen Leitungsmitglieder und ihrer neuen Fraktionsgenossen Mitverantwortung tragen, insbesondere dann, wenn diese Handlungen und Reden dahin gerichtet sind, eine Zusammenarbeit politisch und persönlich unmöglich zu machen. Gegenseitige Achtung und Vertragstreue bilden die einzig haltbare Grundlage für die Zusammenarbeit der zionistischen Gruppen, die jetzt notwendiger und deren Störung jetzt gefährlicher ist denn je. Schöne Sommerwohnungen beste Lage, großer, schöner Garten, fließendes Wasser, Bad im Hause, komfortable Einrichtung, mit und ohno Wäsche, staubfreie Lage, in Sauerbrunn, Badgasse 15, billig zu vermieten. Telephon U-22 9-51. Ruhiger Aufenthalt — Keine Belästigung,

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