Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 362 (4.5.1934)
- Date
- 1934-05-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 3 DDfi neüä Welt Nr. 36* NEU ERÖFFNUNG! Pension, Cafe, Restaurant, orth. BAD HALL Oberö st erreich VILLA MAYERHOF ER 4L BARSCHAK & Co. aus Wien, II., Gr. Schiffgasse 3. Tel. A-46-4-39 Das Unternehmen steht unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Rabb. Babad Lag Beomeiv da§ Fest der Jugend Von Dr. Israel Zwi Kann er (Wien) Man ist gewöhnt, den Tag des Auszuges aus Aegypten als Tag der Freiheit zu bezeichnen. Ein Volk verläßt ein bewohntes Land und zieht in die unwirtliche Wüste. Heißt das Freiheit? Einem Volk wird nicht einmal die Nahrung zuteil, die es im Sklavenland genossen. Heißt das Freiheit? Wir sind nicht die ersten, die diese Frage stellen. Das Volk stellte sie bereits an Moses: „Worin besteht die Befreiung, die du uns versprochen?" „Daß ich euch zum Sinai führe", war die Antwort. Nun begann das Volk zu begreifen. Die Freiheit fängt erst beim Gesetz an. Da begannen sie die Tage zu zählen, die sie vom Tage des Gesetzes trennten. Am Tage, dan in die Steintafeln die Gesetze eingemeißelt wurden, begann die Freiheit, die der Gesetzgeber meinte. Chrth heißt daher sowohl Einmeißelung (charoth) als auch Freiheit (cheiruth). Die Juden nannten die Zeit vor der Gesetzeskur.lmachung „Garbenzeit", weil sie ihre alltägliche Beschäftigung am Felde nicht unterbrachen. Die Unkenntnis des Inhalts der zukünftigen Verfassung konnte sie nicht in Fieber versetzen, weil sie sich klar waren, daß eine Verfassung — in jüdischem Geiste gehalten — auch mit ihrem Herzen im Einklang stehen werde. Und dennoch zählten sie die Tage, um der Bedeutung einer Verfassung besonderen Ausdruck zu verleihen. Noch ist die Zählung nicht zu Ende. Erst in zwei Wochen wird sie ihren Abschluß finden. Und schon empfinden wir den Vorgeschmack. Fünf Wochen nach dem Pessachfest feiern wir Lag Be.oraer. Mit diesem Feste beginnen wir gleichsam die Grundzüge unserer Gesetze zu verlautbaren. So ist Lag Beomer nur eine Vorfeier des großen Festes S c h e w u o th. Das Zählen bedeutet Sehnsucht, und Sehnsucht ist schöpferisch... Warum aber gilt just der 3& Tag der Zählung, d. i. der 18. Ijar, als Festtag? Ich glaube, als erster die richtige Lösung gefunden zu haben. Nicht das Aufhören einer unter den Schülern Rabbi Akibas ausgebrochenen Seuche und nicht die Beendigung des Judenmordens durch die Kreuzfahrer an diesem Tage, sondern kabbalistische Spielerei hat den Lag Beomer eingeführt. Sieben Wochen müssen von Pessach vergehen, bis ein neuer Feiertag herankommt. Diese Zeitspanne war zu lang. Auch die Nichtjuden schalteten zwischen Ostern und Pfingsten ein Zwischenglied, u. a. auch den 1. Mai, ein. Die Kabbala suchte nach einem geeigneten Einschnitt und fand den Lag Beomer für den richtigsten. Denn erstens ist die Zahl 18 (18. Ijar) gleich dem Zahlenwert des Wortes Chajim (Leben), zweitens gilt die Zahl 33 als Symbol der Reinheit. Durch Reinheit und Läuterung zum wahren, wirklichen Leben! Reinheit und Läuterung, das be» dsutet Verjüngung. Und so ist mit Recht Lag Beomer der TagderJugend geworden, der Tag der jüdischen Jugend. Auch hier ist das Judentum wegweisend. Tage, die wir schon im Mittelalter gehabt ChroBe Vereammlung! Dienstag, den 8. Mal, um Vi9 Uhr abends findet im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße, eine von den Wiener Bethausvereinen veranstaltete große Versammlung statt, in welcher prorai« nente Redner über die „Lage der Juden" sprechen werden. Die Einberufer: Bethausverein Ben« Brith, Mach»llt# Hadath. Oj«eh Che»ed Weeniess Sanzer Klaus, Keliüath Jakob. Chassidim, Liwla» Chen. Achawath Wereutb. Ojsed Chesed, Erneu Wescholaum, Bojaner rh;t3'<if)im Betli .Jizcbok, Jesnhioth Chajim. Nord-Ost, Prater Eethr.iaevcreln, Cheaed l'Awrohorn, Prater Bcth Hamidrasch, Tomehe Thorn. Beth Joaef. Prater Bethausvcreln Tefllath Jewhurun, Brüderliche Hilfe, Verein Miachuajlth, Verein Seudath Sabboth, S^boi.iroi Hadath. Schomre Habrlt, Chewra Blkur Chaullm, Agaclnti .J*«chi:rim. Anache Emunah. Ansehe Dath wu Zedek, KbaJ Cha-1'ür.i. Strellner Chasidlm, Oaeh Tow, Sr.homer Israel, Beth H/miKl'ftn'ii B»th Jakob. Großrabb. Friedmann Or Thore. E»ra» Israel '''TiUd"irh Mia*. Verein jüdischer Kleingewerbetreibender. haben, beginnen andere Völker erst jetzt einzuführen. Erst jetzt bestimmen auch sie einen Tag der Jugend. Wir besitzen nicht nur Feste, die uns am S i n & i schriftlich gegeben wurden, sondern auch solche, die uns mündlich überliefert wurden. Die mündlich überlieferten Feiertage erhalten erst durch uns ihre richtige Deutung. Lag Beomer ist ein mündlich überlieferter Feiertag. Warum begeben sich die Kinder an diesem Tage ins Freie und spielen Soldaten? Ist Lag Beomer vielleicht ein Fest der militanten Jugend, ein Kriegstag? Zählet die Tage ... Keine erhöhte Einwanderung nadi Palästina! Aus Jerusalem: Die Leiter des politischen Departement« der Zionistischen Palästina-Exekutiv«, Ben Gurion und Mosche S h e r t o k, haben am 27. April in einer zweistündigen Audienz beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope anläßlich der bevorstehenden Festsetzung der A r b e i t e r e i n w a n d e r u n g s - S c h ed u I e für das kommende Halbjahr nochmals auf Grund der von der Palästina-Exekutive durchgeführten Erhebungen über den Arbeiterbedarf in den städti• sehen und ländlichen Jüdischen Siedlungen dl« Forderungen, betreffend Verstärkung der jüdischen Ein- Salomon Körner und Frau Wien, Hlessgasse 13 geben hiemit bekannt, daß die Bar Mlzwah mr.» söhn.« Zwi Samstag, den S. Hai« um V,10 Uhr vormittags im Seiienatettentemae^Wlenl., stattfindet und laden auf diesem Wege alle Gesinnungsgenossen, Freunde und Bekannten hiezu ein. Wanderung vorgelegt. Es wird erwartet, dafi der Umfang der nächsten Schedule im Lauf der kommenden Woche amtlich bekanntgegeben werden wird. Wie die J. T. A. erfährt, wird die Zahl der von der Regierung bewilligten Einwanderungs-Zertifikate nicht wesentlich höher sein als im letzten Halbjahr« Auch will die Regierung abermals eine Anzahl von Zertifikaten für die nachträgliche Legalisierung des Aufenthaltes von Touristen, die sich ohne Erlaubnis im Lande niedergelassen haben, zurückbehalten. Die Regierung nimmt an, daß im Durchschnitt monatlich SOOjüdlsoheTouristen ohne Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalte im Lande bleiben. Aus der judfedien Well Eine Warnung kommt aus China In der letzten Zeit ging durch die Presse die Nachricht, daß Aerzte in China gesucht seien. Zahlreiche jüdische europäische Aerzte trugen sich daraufhin mit der Absicht, nach China auszuwandern. Herr Dr. Frederick Reiß, Asst. Professor of Dermatoiogy im National Medical College in Shanghai, sendet uns zu dieser Angelegenheit einen informativen Brief, dem wir im nachstehenden wiedergeben. Der Brief, der eine Warnung an europäische Aerzte beinhaltet, hat folgenden Wortlaut: „Das ständig anwachsende Elend der fremden Aerzteschaft in Shanghai einerseits und infolge der ständigen Anfragen wegen Niederlassungsmöglichkeiten andererseits, fühle ich mich veranlaßt, folgende Mitteilung zu machen: Trotz wiederholter Mahnungen in verschiedenen Zeitschriften über Praxismöglichkeiten in China ist eine große Zahl von deutschen Aerzten in den letzten Monaten nach Shanghai gekommen, die einen schweren Kampf bestehen müssen, um die Schwierigkeiten der Praxisgründung zu überwinden. Abgesehen davon, daß Shanghai von fremden Aerzten saturiert ist, soll nioht außer acht gelassen werden, daß es unter den Chinesen bereits eine große Anzahl aus Europa und Amerika zurückgekehrter ausgezeichneter Allgemeinpraktiker und tüchtiger Spezialisten gibt, außerdem promovieren von Jahr zu Jahr Hundertc von chinesischen Kollegen. Diese Tatsache soll es klar raachen, daß die chinesischen Kollegen in den fremden Aerzten begründeterweise eine unerwünschte Kon kurrenz sehen und infolgedessen die nationale Pro paganda gewissermaßen zum Resultat geführt hat, daß fremde Aerzte nicht so oft konsultiert werden, wie dies früher der Fall war. Die deutsche Kolonie hingegen ist viel zu klein, um einen derart wachsenden Aerztestand allein zu unterstützen. Die Niederlassungsmöglichkeiten im Innern Chinas und in Häfen ohne Vertrag unterstehen der National Hoalth Adrainis t r ation (Nanking), weshalb es erwünscht ist, vor Entschluß sich mit dieser Behörde in Verbindung zu setzen, anstatt laienhaften und abenteuerlichen Informationen Folge zu leisten, was in vielen Fällen, wie» sich in der letzten Zeit eben erwiesen hat, Zeit und Geldopfer bedeutet." Für die Leser der „Neuen Welt" nur Die QiltQÖ billigen Neudegger Fahrschulen Wien, Vlli. Neudeggergaase ib., u. Inzersdorf (Nted.-Oest.) ... (Tel. B-46-5-72) Elektr. Lehrchassls! der „Czernowltzer Allgemeinen Zeitung" nach Krakau—Lemberg—Czernowitz Sonderzug 2. und 3. Klasse 'Sammelpaß) Vom 17. Mai bis 1. und 4. Juni 1934 Alle Auskünfte nur durch den Reisedien«t der „Cztrnowitztr AUueintinen Zeitung", Wien I, Schulerstrnße 1 (Stadtbüro . „DER TAQ" Tel. R-21-3-78, und Reisebüro ,'RUT", 1, Karlsplatz 1, Tel. IM4 5-79 Anmeldungen täglich von 9 bis 18 Uhr Von den Juden im fernen Osten Aus Mukden: Die offiziöse japanische Telegraphen-Agentur teilt mit, daß seit Verstärkung der a n t isem »tischen Nazi-Propaganda die Juden im Fernen Osten eine freundschaftliche Stellung gegenüber Japan und besonders gegenüber dem neuen Staate Mandschukuo einzunehmen begonnen haben- Sie betrachten Mandschukuo als eine Art zweites Palästina und treffen Anstalten, sich dort eine Pauerexistenz zu schaffen. Die Juden haben sich auch an der Sammelaktion zugunsten der Opfer der Brandkatastropbe in Hakadata hervorragend beteiligt. Verzweifelte Wirtschaftslage der polnischen Juden Aus Warschau: Die in Warschau abgehaltene Jahresversammlung des Verbandes jüdischer Kaufleute Polens führte tiefe Klage über den katastrophalen Niedergang des jüdischen Handelsstandes, der unter der Steuerlast erdrückt wird. Vise* Präsident Gepner bezeichnete als einzigen Lichtpunkt im abgelaufenen Geschäftsjahre die Erfolge des Boykottkampfes der jüdischen Kaufmannschaft gegen HitlerrDeutschiaad, SejmdepuUerter Wyszlicki führte aus: 75 Prozent der jüdischen Stadtbevölkerung nagen am Hungertuch, der Jude wird nach und nach au» dem Wirtschaftsleben eliminiert. Die Regierung bezeigt sich nicht nur gleichgültig, sondern feindljchm* den Bedürfnissen des Handelsstandes, sie bringt diesen Stand durch die untragbaren Steuern, die sie ihm auferlegt, zur Verzweiflung. Der Redner warnte scharf vor Verwirklichung des Planes der Schaffung von Zwangsorganisationen im Wirtschaftsleben und schloß mit dem Appell an die maßgebenden Faktoren, den Juden das Leben und die Existenz in Polen, auf die sie ein Recht haben, erträglicher zu gestalten. « Aus Warschau: Durch die soeben in Kraft getretene Verordnung, die die Einführung des KTo n z e 3« sionszwangs für A u t o b u s u n t e r n eh mü ngen vorsieht, verlieren Hunderte jüdischer Autobusbesitzer und Angestellter jüdischer Autobusunternehmungen ihre Existenz. Im Warschauer Kreis werden drei große „j u d e n r e i n e" Autobus-Gesellschaften den gesamten Verkehr bestreiten. Vom 1. Juni an wird außerdem eine staatliche Autopus-Verkehrsgesellschaft den Betrieb aufnehmen. Jüdische Wirtschaftaverbände sind bemüht, wenigstens für einen Teil , der bis- ' herigen jüdischen Autobus-Unternehmungen Konzessionen zu erlangen. Feiern des I. Mas In Palästina uie Palästina-Regierung hat die Abhaltung voa Mai-Kundgebungen in den. Straßen am 1. Mai 1934 verboten und nur die Abhaltung von Maifeiern in g e s c h 1 o ssenen Räumen gestattet. Das Verbot öffentlicher Maidemonstrationen wird damit, begründet, daß Zusammenstöße von Klassenkampfcharakter zwischen Angehörigen der Histadruth und der Revisionisten befürchtet werden. Die allgemeine palästinensische Arbeiterföderation Hi s t ad ru t h feierte den 1. Mai überall im Lande durch Arbeitsruhe und durch Abhaltung von Festversammlungen in geschlossenen Räumen. Der 1. Mai 1933 war in Palästina ohne jede Störung; vorübergegangen, obwohl Straßenkundgebungen nicht verboten waren. In Haifa hatten sogar Hunderte Araber an der Maidemonstration, teilgenommen. In Warschau Die Behörden haben der j ü di . s c h e n a o.z i a 1 i s t ischen Partei „Bund" die Veranstaltung von Straßen* umzügen am 1. Mai gestattet. Der „Bund'' vereinigte sich mit der oppositionellen sozialistischen Partei Polens «U einer gemeinsamen Straßendemonstration, die ruhig verlief. Die rechte Gruppe der Poale Zion demonstrierte gemeinsam mit dem „Haschpm.er Hazair". Im vergangenen Jahre marschierte' die Poale Zion gemeinsam mit der polnischen sozialdemokratischen Partei. In diesem Jahre aber stellte diese Partei auf Antrag des „Bund" an die Poale Zion die Forderung, keine Transparente oder Plakate mit Palästina-Losungen rnltzufUhren. Der Protest der Poale Zion, die erklärte, daß ihre Partei der Zweiten Internationale angehört, die auch die Palästina-Losungen anerkannt hat, hatte keinen Erfolg, eo daß die rechten Poale Zion sich von der gemeinsamen sozialistischen Demonstration fernhielten. Die, Unken Poale Zion veranstalteten ebenfalls eine separate Demonstration. Die Polizei schrieb jeder Partei eine genau«) Marschroute vor; die Poale Zion demonstrierten in jüdl» sehen'Vierteln. Manöver des Brith-Trurnpeldor in der Tschechoslowakei zugelassen? Aus Warschau (J. T. *A.): Es verlautet, daß die tschechoslowakische Regierung ihre Z u s t i mmung zur Abhaltung eines Ländertreffens von Abteilungen der revisionistischen Jugendbünde Brith- Trumpeldor und Brith Hechajol und der anläßlich dieses Treffens geplanten Geländespiele auftschechoslowa* klschem Gebiet gegeben habe. Bekanntlich war das Treffen des Brlth-Trumpeldor zunächst nach ZalesjBczykt in P o l e n einberufen worden. Die- Veranstaltung wnr jedoch verboten worden, nachdem die Nationaldemokraten im polnischen Sejm eine Interpellation gegen die geplantem, „jüdischen M a nö ve r" eingebracht halte«*