Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 360 (27.4.1934)
- Date
- 1934-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 360 DIE NEUE WELT Seit* 7 Ilnglüdliflic Siebe flu einem Befonbets frönen, eleganten Äleib ober Stotel, befielt Spteis unetfdjtöinßltd) Jjöd) mt, Ijat fäon manajet jdjönen gtau fitttete Itänen erpreßt. £eute ift bas nt<f)t mefjr notaenbtg. 3*be Stau tarnt fta) taufen, tnas fie Begefirt... bas ibeole Äleib iljrer 2Baf)I. Die mobernften, eleganteren unb fdjonften SommetHeiÖet in Ijerrlidjen färben unb entaütaben SKuftem... feija)e ötüftfafjtsmäntel aus neuen S&eintnoUftof fen.,. teiaenbe SHobeljüte unb SdjubmobeUe... flnb jefct fo Billig tote ttodj nie — Bei Sdjiffmanrt. 9tua) bie neueftett Sßafdjftoffe, Seiben* unb Sßollftoffe foroie öerrenlleibung, SBöfaje, Stricftoaren unb »abeartiferbringt 6duff* tnann au ben bittigften greifen, bie überhaupt möglid) flnb. 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S 4.90 Ä.*S.-Hflongot*Äleib«, mit geller ßtagen* garnitur, ©röfce 50.........S 8.50 2Botlftöff*artäntel, fefdje ftaffon, (5iöDe 60, ab S 7,90 $a?ert-$ofen, jebe (5tÖDe lagernb, ©rßfte III—IV...........S 1.50 Änafcen*3oppen, glatt ober geftreift, <5röDe III—IV...........S 2.90 8oscal?*Sd)ttütfc)ufie, ©röfee 22—24 S 4.50, ©töfce 19—21...........S 3.90 Nathan Birnbaum - 70 Jahre all Der jetzt in Scheveningen lebende bekannte Führer des thoratreuen Judentums Dr. Nathan Birnbaum vollendet am 25. April sein 70. Lebensjahr. Birnbaum, der sich erst während des Krieges der Orthodoxie in der Ueberzeugung anschloß, daß der Bestand der jüdischen Nation nur durch strenge Beobachtung der traditionellen Glaubenssatzungen gewährleistet werden könne, war in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einer der Vorkämpfer des nationalen jüdischen -Q e d an k e ns und hat nach der Begründung des modernen politischen Zionismus kurze Zeit eine bemerkenswerte Rolle in der Organisation gespielt. Nach dem zweiten Zionisten-Kongreß im Jahre 1898 schied' er wegen der galuthverneinenden Haltung des Kongresses aus der Organisation aus und entfaltete in den folgenden Jahren eine lebhafte Tätigkeit im Sinne einer nationalen Kulturautonomie in den Ländern der Zerstreuung. Seit 1902 führte er in Oesterreich, Rußland und Amerika eine intensive Propaganda für die Pflege der jüdischen Sprache und Literatur. Nathan Birnbaum, der unter . dem Pseudonym Matthias Ascher auch. auf dem Gebiet der schönen Literatur hervorgetreten ist, wirkte viele Jahre in Wien, wo er 1882 zusammen mit Moritz Schnirer und Bierer den ältesten jüdischen Studentenverein Oesterreichs, „K ad im ah", gründete. Seine Söhne sind der bekannte Forscher für jiddische Sprachwissenschaft Dr. phil. Salomo Birnbaum, früher Dozent an der Universität Hamburg, und der hervorragende Dichter und Maler Uriel Birnbaum (Wien). Nathan Birnbaum mußte nach dem Durchlbruch des Hitlertums in Deutschland seinen letzten Wirkungskreis in Deutschland verlassen und nach Holland übersiedeln. Zur Judenfrage in Argentinien Eine katholische Betrachtung Die Wiener katholische Zeitschrift „Schönere Zukunft" zitiert einen Artikel von J. G. Franceschi, dem Herausgeber des „C r i t e r i o" der führenden Wochenschrift der Katholiken Argentiniens, über die Judenfrage in Argentinien. Der Grund für das Auftauchen dieser Frage in Südamerika sei das ständige Anwachsen der Zahlderjüdi- Bchen Zuwanderer in den letzten Jahrzehnten. Das Ergebnis war, daß Buenos Aires in die Reihe der jüdischen Weltstädte emporrückte. Die hebräische Invasion habe eine Welle des Antisemitismus entfacht, die sich heute noch nicht in Gewalttaten Luft mache, wohl aber in zahllosen Artikeln und Flugblättern. Die Judenfrage sei für die Kathollken Argentiniens, das bis 1919 einen Antisemitismus Uberhaupt nicht gekannt hat, keine religiöse, sondern vor allem eine moralische und wirtschaftliche Frage. Als Hauptgründe der wachsenden Abneigung gibt Franceschi das Eintreten zahlreicher religiös entwurzelter Juden für die extrem kommunistische Sozialrevo- „Hebräisdh — leicht gemacht" (Transkription). Anerkannt als EINFACHSTE (psychotechnische) METHODE, HEBRÄISCH sprechen ZU LERNEN! 2. AUFLAGE — Preis: S 6.— (kartoniert), nur gegen Vorauszahlung. „PAG", Kreditkassa und Wirtschaftsvereinigung für den Warenaustausch mit Palästina, reg. Gen. m. b. H., Wien, Vi., Capistrangasse 2. Auslieferung: Montag bis Freitag, nur von 9 bis 12 Uhr. 1 u t i o n an; sodann den „hebräischen Imperialismus", der es mit sich bringe, daß die Juden trotz aller inneren Spaltungen stets eine gemeinsame Front gegen alle Nichtjuden bilden, und so diese zur Abwehr gegen den jüdischen Wirtschaftsimperialismus herausfordern. Als dritten Grund nennt er das rücksichtslose Eindringen der Juden in die freien Berufe und ihren zersetzenden Einfluß in Kino, Kunst und Literatur. Die Lösung der Frage sieht der Verfasser nur dann als möglich, wenn das Judentum seine revolutionären Ideen, sein rücksichtsloses Eindringen in die freien Berufe und in die nationale Kultur sowie seinen „Charakter als Kolonie im Staate" aufgebe. Andernfalls sei eine Katastrophe zu befürchten, da das argentinische Volk „die Kolonie" eines Tages aus seinen Volksgrenzen ausscheiden würde. Zum Schluß empfiehlt Franceschi den Juden die „Assimilation", wobei er jedoch nicht an nationale Assimilation (er ist ja gegen „Eindringen in die nationale Kultur"), sondern an Taufe denkt. Das „liberale" Judentum rührt sidi Unter der Firma „liberales Judentum" verrichten jene jüdischen Elemente ihre Arbeit, welche die Idee der Assimilation ganz konsequent vertreten. Ihre Formel für die Lösung der Judenfrage lautet: Möglichst weite Entfernung vom jüdischen Volkstum und allen seinen nationalen und religiösen Ueberlief erungen, möglichst weitgehende Angleichung an die nichtjüdische Umegbung. In Befolgung dieses Grundsatzes haben die Vertreter des liberalen Judentums an die vierzig Jahre, seit dem Auftreten Theodor Herzls, das Schwergewicht ihrer Agitation auf die Bekämpfung des jüdischnationalen Gedankens und des Zionismus verlegt. Auf religiösem Gebiet verhielten sie sich reserviert. Nun scheinen sie ihre Taktik zu ändern. Die antisemitische Katastrophe, welche die deutschen Juden, also die in nationaler Beziehung assimiliertesten aller Juden, betroffen hat, hat sie dazu gezwungen. Denn sie hat bewiesen, daß nationale Assimilation der Juden keine Lösung darstellt. Das können jetzt auch die „liberalsten" Juden nicht ableugnen. Natürlich ziehen sie nicht den Schluß daraus, daß die jüdische Assimilation versagt hat, weil ihre Grundidee verfehlt ist, sondern behaupten, daß sie versagt hat, weil sie nicht radikal genug betrieben wurde. Nationale Assimilation genügt nicht, sie muß mit religiöser Assimilation verbunden werden. So lautet die letzte Parole des liberalen Judentums. * In der letzten Nummer der Berliner „Jüdischliberalen Zeitung" findet sich folgende Ankündigung: Dr. jnr., Vater, gebildeter, sprachenkundiger Kaufmann, Hauseigentümer, sucht Lebensgefährtin für seinen einzigen Sohn, Dr. jur., 27 Jahre alt, Reichsdeutscher, evangelisch, niohtarisch, sympathische Erscheinung, vielsprachig. Vermögen, da» sichergestellt wird, erwünscht. Diskretion ehrenwörtlich zugesichert und verlangt. Postlagerkarte Nr.... Das ist allerdings radikalste Assimilation. Ein jüdisches Organ, das offizielle Blatt des „liberalen Judentums", vermittelt Ehen mit getauften Juden, fordert also zur Anerkennung der Taufe auf. Das ist selbst einer Zeitung, welche der Jetzigen „jüdisch-liberalen" Verwaltung der Berliner Jüdengemeinde Gefolgschaft leistet, zuviel. Das „Isr. Familienblatt" schreibt dazu; „Muß es sein?" Und verlangt eine Aufklärung darüber, wie eine „jüdisch-religiöse" Partei dazukommt, der ehelichen Verbindung mit An de rsgläubigen Vorschub zu leisten. Wir können dem „Isr. Familienblatt" die Antwort geben: Ja, es muß so sein! Denn Assimilation kann bei nationaler Selbstverleugnung nicht halt machen und führt notgedrungen zur religiösen Selbstverleugnung, zur Taufe! * Die antizionistische, gleichfalls jüdisch - liberale „Jüdische Wochenpost" (Bielitz, Polnisch-Schlesien) berichtet: „Gründung einer reformierten Juden* gemeinde in Warschau. Aus Warschau wird gemeldet: Eine Gruppe fortschrittlicher Juden bemüht sich um die Organisierung einer reformierten Judengemeinde in Warschau. Sie beabsichtigen, die traditionelle östliche Tracht abzulegen und sich Kopfhaar und Bart scheren zu lassen. Die wichtigste Reform würde die Verlegung der Sabbatfeier und des Gottesdienstes von Samstag auf Sonntag, die Liquidierung der koscheren Küche und die Anlegung separater Friedhöfe darstellen. Das Gebet soll gemeinsam mit den Frauen, und zwar entblößtenHauptes, verrichtet werden. Auch die Beschnei« dung und das rituelle Bad sollen fallengelassen werden." * Aus London: Das Präsidium des „WeltVerbandes für liberales Judentum" hat beschlossen, die nächste Weltkonferenz für liberales Judentum für den 6. bis 10. Juli nach London einzuberufen. Das Diskussionsthema dieser Konferenz wird lauten: „Judentum und menschliches Schicksal." Ihre Teilnahme haben bereits zugesagt der Präsident der amerikanischen liberal-reformistischen Rabbinerorganisation Rabbi Dr. Goldenson, Rabbi Doktor Shulman, der soeben von seinem Posten im Tempel Emanu-El zu New York zurückgetreten ist, der Präsident des deutschen Rabbinerverbandes Rabbiner Dr. Leo B a e c k und der Pariser Rabbiner Nr. Levi (nicht zu verwechseln mit dem Grand Rabbln von Frankreich Israel Levi). Ist die Judenfrage lösbar? Auch in Frankreich beginnt man sich, zum Teil unter dem Eindruck des jüdischen Zustroms aus Deutschland, mit der Judenfrage zu beschäftigen. Die angesehene Zeitschrift „Mercure de France" untersucht in einem Aufsatz „La problfcme juif est-il" soluble?" (Ist die Judenfrage lösbar?) von G.< Weiter die Lage der Juden bis zur Gegenwart und kommt zu Resultaten, die einen ehrlichen Versuch der Auseinandersetzung erkennen lassen. 1 Der Autor zeigt zunächst, daß der Liberalismus ein Traum war, nicht fähig, aus dem Juden einen Vollbürger seines Staates zu machen. Trotzdem dem Juden alle Tore offen waren, sei das alte semitische Ferment lebendig geblieben; die antike Rasse habe sich wie den Verfolgungen so auch den Vorteilen überlegen gezeigt. Der Jude sei ein Kryptojude geworden und dadurch in eine fatale Lage geraten. Die Wirkung des Neo-Nationalismus habe auch die jüdische Situation klarer erkennen lassen. „Der Zionismus", schreibt Welter, „war wie ein Stein, der in den ruhigen Weiher des assimilierten Judentums geschleudert wurde. Die Assimilanten sahen ihren Traum eines friedlichen Lebens Seite an Seite mit den toleranten Ariern dahinschwinden. Dise „zionistischen Narren" schrien an allen Ecken, daß die Juden das Recht haben, ein eigenes Volk zu sein und, mehr noch, ein eigenes Land zu haben ..." Nachdem sich Welter sehr scharf gegen den Kryptojuden gewendet hat, der sich nicht zur Wahrheit bekennen wolle, schlägt er die Schaffung einer jüdischen Nationalität (Volkszugehörigkeit und Staatsbürgerschaft) in moralischer und zionistischer Art vor, d. h. die Sc haffung. eines Staates, eines souvernänen Judenstaates, der das Recht habe, jedem Juden, der es wünscht, die jüdische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Wenn der jüdische Staat geschaffen ist, so wird es nach Welter vier Kategorien von Juden geben: erstens die im jüdischen Staat wohnhaften Juden; zweitens die in den verschiedenen Ländern wohnenden Juden, welche den Wunsch äußern, Bürger des neuen Staates zu werden, drittens jene Juden, die Bürger Ihrer Wohnländer sind, aber in diesen Länaern eine durch internationale Verträge geschützte nationale Minderheit darstellen und viertens die assimilierten Juden, Staatsbürger ihrer Wohnländer und durch nichts von den anderen Bürgern jener Länder unterschieden. Diese Regelung muß, von jüdischer Seite aus gesehen, durchaus auf Freiwilligkeit beruhen, damit sie Bestand habe. Welters Betrachtungsweise geht nicht In die Tiefe.