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Die neue Welt · 1934-04-27 · Heft 360 (27.4.1934) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 360 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Dem Vorbereitungskomitee gehören unter anderen an: der Redakteur der hebräischen Rechtszeitschrift „Hamischpat", Dr. S. Eisenstadt; der Redakteur des „Hamischpat Haiwri" in Tel-Awiw, P. Dickstein; der litauische Generalkonsul und Präsident des Berufungsgerichts für die jüdischen Schiedsgerichte (Mischpat Haschalom Haiwri), Dr. S. Rosenbaum und Dr. J. Weinstock. Die Tagesordnung enthält unter anderem folgende Themata: Neunzehnhundert Jahre nach dem Exil des Sanhedrin; Möglichkeit der Errichtung einer Knesseth Gedolah oder eines Beth Din Gadol (Oberstes religiöses Gericht) oder einer anderen gesetzgeberischen und das Gesetz auslegenden Autorität. Einsetzung von rabbinischen Gerichten in Palästina und in der Galuth. Entwicklung des jüdischen Ehe- und Scheidungsrechtes einschließlich der Bestimmungen über Jibbum, Chaliza, Agunoth, sowie Kinderehe und Polygamie unter den Juden des Orients. Billige Pfingstfahrt nach Polen. Zu Pfingsten findet vom 17. Mal bis 4. Juni eine besonders billige Sonderfahrt nach Polen statt. Wegen rechtzeitiger Platzreservierung werden schon jetzt Anmeldungen entgegengenommen. Näheres: Polnisches Verkehrsbüro „Francopol", TU., Rennweg 1, Tel, IM6.4-90, Hitler-deutsche Kleinigkeiten Aus Berlin: Hier wurde ein Verband jüdischer Körperbehinderter (Krüppel) gegründet. Die Gründung war notwendig, weil die Invaliden- und Krüppelorganisation den Arierparagraph eingeführt haben. * Aus Mannheim; An dem neueröffneten städtischen Luftbad am Stadion ist eine Tafel angebracht, die besagt, daß Nichtariern der Zutritt zum Lufbtad nicht gestattet ist. * Aus Krefeld: Auf der Vorderseite des amtlichen Ortstelephonbuches erläßt der Generalvertreter für Wanderer-, Röhr- und Hanomag-Automobile folgende Anzeige: „Schafft Arbeit durch Kauf deutscher Qualitätserzeugnisse. Besichtigen Sie die neuen Modelle in meiner Ausstellungshalle. Judenbesueh verbeten." * Aus Blankenburg: Der Hotelbesitzer P. Beck in Thale im Harz teilt auf die Frage betreffend Aufnahme von Juden in seinem Hotel mit: „Wir nehmen erst dann wieder Juden auf, wenn sie sich gebessert haben." <•• Aus Berlin: Das Amtsgericht verurteilte den früheren Rechtsanwalt Georg Israel „wegen unlauteren Wettbewerbs und unbefugter Titelführung" zu M. 100 Geldstrafe. Der Angeklagte wurde als Nichtarier von der Anwaltsliste gestrichen; er richtete im Oktober vorigen Jahres an eine Reihe früherer Mandanten Rundschreiben, für die er seine altenBriefbogen benützte. Aus Berlini Am 28. März richtete das Reichspropagandaministerium an alle deutschen Zeitungen folgenden Erlaß: „Ueber den Prozeß der Firma Goldschmidt und Rothschild gegen den früheren Kaiser darf an sich berichtet werden. Die Berichterstattung muß jedoch ruhig und objektiv sein. Es darf keine Polemik gegen den früheren Kaiser und seine Beziehungen zum Judentum und auch sonst keine antimonarchistische Propaganda damit verknüpft sein. Es handelt sich um Entschädigungsforderungen aus Vorkriegsansprüchen." Die Hi'tIer*Mark rollt Aus Stockholm: Die Zeitung „Socialdemokraten", die jetzt schwedisches Regierungsorgan ist, veröffentlicht konkrete Zahlen über die Aufwendungen der Nazi-Propaganda im Ausland. Danach hat das Reichspropagandaministerium für seine Zwecke ausgegeben: In Oesterreich 15,000.000 Mark, in der Tschechoslowakei 5,000.000, in der Schweiz 750.000, in Schweden 500.000, in Belgien 700.000, in den baltischen Staaten 500.000, in Dänemark und in Finnland 200.000, in Rumänien 1,000.000, in Holland 1,500.000, 2,000.000 in Südamerika und 4,000.000 in den Vereinigten Staaten von Amerika. Außerordentlich große Summen, die jedoch nicht genau beziffert werden, wurden auch in Frankreich und England ausgegeben. Es gäbe heute kein einziges Land mehr, in dem nicht Nazizellen bestünden. Die Zeitung teilt ferner mit, daß die Agenturen der großen deutschen Schiffahrtslinien wahre Filialen des Propagandaministers Göbbels darstellen. Obgleich das Geschäft der deutschen Linien um die Hälfte gesunken sei, habe man das Personal ihrer amerikanischen Filialen verdoppelt. Auch die deutschen Konsulate seien von Agenten bevölkert. Nicht weniger als dreihundert Emissäre seien allein in den Vereinigten Staaten tätig. * Ein sehr großer Teil der obenerwähnten Riesensummen wird direkt für antisemitische Propaganda ausgegeben, weil die Leiter des Reichspropagandaministeriums aus Erfahrung wissen, daß man durch die Aufweckung des „Schweinehundes im Menschen" am besten den Boden für den Nationalsozialismus auflockert. Eine zionistische Versammlung in Berlin aufgelöst Aus Berlin: Eine im Hause der Bne Brith abgehaltene zionistische Versammlung, in der der soeben von einer Palästina-Reise zurückgekehrte Rabbiner Dr. Joachim Prinz über sein Palästina-Erlebnis berichtete, wurde von dem anwesenden Polizeikommissär aufgelöst. Dr. Prinz wurde angehalten und nach einem längeren Verhör freigelassen. Juden und Judenstämmlinge in der Rechswehr Aus Berlin: Von offiziöser Seite zeigt man sich bemüht, die Einführung des Arierparagraphen in die Reichswehr als nicht schwerwiegend hinzustellen. Dem Vertreter der United Press wurde offiziös mitgeteilt, daß die Arierklausel in der Reichswehr nur 60 Offiziere im Range eines Leutnants bis zum Obersten betrifft. Das ist nur ein kleiner Prozentsatz des Reichswehroffizierskorps, das über 7000 Offiziere zählt. Unter den bedrohten Offizieren befinden sich 10 Volljuden und 50 Halb-, Viertel» und Achteljuden. Noch zu Beginn 1933 war die Zahl der nichtarischen Offiziere größer, doch nahmen im Laufe des Jahres viele ihren Abschied. Vor dem Kriege kam es kaum vor, daß Volljuden in der deutschen Armee Offiziere waren. Allerdings gab es eine große Zahl halb- und vierteljüdischer Offiziere, zum Beispiel den Oberst Theodor Düsterberg, den früheren Stahlhelmführer, der einer der besten Infanteriekommandeure im deutschen Heer gewesen ist. In wirklich eingeweihten Kreisen hält man die Zahl der auszuscheidenden nichtarischen Offiziere für weit höher als 60. Denn unter den jüngeren Offizieren, die in der Nachkriegszeit in die Reichswehr eingereiht wurden, befinden sich mehrere jüdischer und halbjüdischer Abstammung. Ferner sind in die obige Zahl nicht diejenigen Offiziere eingerechnet, die mit Nichtarierinnen verheiratet sind und deshalb aus-« scheiden müssen. Aus Paris: Ein genauer Kenner der Reichswehr schreibt im „Pariser Tageblatt": Von 4500 Offlizieren, die in der Rangliste der deutschen Reichswehr offiziell geführt werden, sollen bis zum 31. Mai etwa 500 Hichtarier ausgemerzt werden. In jedem Regiment müssen vier oder fünf einen nicht sehr ehrenvollen Abschied nehmen. Vom Leutnant bis zum General — in den höchsten Chargen am mitleidlosesten — wird die Guillotine des Arierparagraphen wüten. Eine Massenpensionierung ohne Beispiel, eine tiefgreifende Umgestaltung des Offizierskorps und zugleich eine symbolische Handlung der braunen Sieger über die feldgrauen Besiegten. Juden aus den Sportschulen ausgeschlossen Aus Berlin: Um in allen dem Reichs verband Deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer im Nationalsozialistischen Lehrerverband angehörigen Ausbildungsstätten eine von nationalsozialistischem Geist erfüllte Schuldisziplin sicherzustellen, hat die Verbandsführung angeordnet, daß erstens keine dem Reichsverband angeschlossene Ausbildungsstätte Juden zur Ausbildung aufnehmen darf, zweitens keine in. jüdischen Schulen ausgebildeten Arier Aufnahme in den Reichsverband finden, drittens keine Mitglieder des Reichsverbandes an jüdischen Ausbildungsstätten unterrichten dürfen. Vorläufig 200 Aristokraten als „judenblüti'g" erklärt Aus London: „Daily Telegraph" berichtet aus authentischer Quelle, daß bis jetzt etwa 200 Aristokraten aus der Deutschen Adelsgenossenschaft ausgeschlossen wurden, weil auf Grund der bis zum Jahre 1800 zurückreichenden Prüfung festgestellt wurde, daß sie einen jüdischen Bluteinschlag haben. Das Verfahren gegen die „Nichtarier" in der etwa 13.000 Mitglieder zählenden Adelsgenossenschaft ist nocll nicht abgeschlossen, und es ist mit dem Hinauswurf sehf Vieler weiterer Aristokraten m miuwo.

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