Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 360 (27.4.1934)
- Date
- 1934-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2711983--4320-2717785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 360 DIE NEUB WELT Seite 5 Zu Pfingsten billig nach POLEN SIS Auskünfte: Büro Dr. S. Trocker, Austrobus l> d" 12feSru-Mr6-!g AUS PALÄSTINA 21.000 freiwillige Arbeitstage in den Plantagen in Palästina Aub Jerusalem: Die tausend jüdischen Stadt- Arbeiter und die sechshundert jüdischen Schuljungen und Schulmädchen, die aufs Land gegangen sind, um die Einbringung der Ernte in den jüdischen Plantagen zu erleichtern, haben i n sgesamt 21.500 Arbeitstage geleistet. Wäre die Arbeitereinwanderung nach Palästina nicht durch die Regierung eingeschränkt gewesen, so hätten tausend neue jüdische Arbeiter jetzt in den Plantagen und später bei anderen Erntearbeiten Arbeit finden können. Für die in den nächsten Tagen erwarteten vierhundert jüdischen Arbeiter, die auf Grund der neuen Schedule einwandern, sind bereits Arbeitsplätze beschafft worden. Die jüdische Arbeiterschaft um 50 Prozent vermehrt Aus Jerusalem : Während 1932 die jüdische Arbeiterschaft Palästinas erst 40.000 Mann stark war, werden jetzt über 6 0.0 00 jüdische Arbeiter in Palästina gezählt. In T e 1 - A wi w leben jetzt über 20.000 jüdische Arbeiter. Die Zahl in Jerusalem beträgt einschließlich derjenigen, die in den Werken am Toten Meer beschäftigt sind, rund 10.000. Ebenso •groß ist die Zahl der jüdischen Arbeiter in Haifa bei Einrechnung der Arbeiterschaft der Zementfabrik „N e s c h e r". Im allgemeinen reebnet man, daß 60 Prozent der Arbeiterschaft in den Städten beschäftigt sind. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien wird auf über 20.000 geschätzt. Der in Palästina herrschende außerordentliche Arbeltermangel hat zu einem Zustrom von Landarbeitern in die Städte geführt. Besonders stark ist im letzten Jahr die Zahl der jüdischen Bauarbeiter gestiegen. Die Zahl der bei Bauarbeiten Beschäftigten ist um über 4000 höher als im vorigen Jahr. Das 200.000-Pfund-Budget Tel-Awiws von der Regierung genehmigt Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat den ihr vorgelegten Haushaltsplan der Stadt Tel-Awiw für das Verwaltungsjahr 1934/35, der städtische Einnahmen in der Gesamthöhe von 200.000 Pfund vorsieht, genehmigt. Die Hälfte dieses Betrages soll aus Steuern und Lizenzgebühren eingehen, ein weiteres Viertel betrifft die Einnahmen aus der Wasserabgabe, der Rest verschiedene kleinere Einnahmequellen. Hierbei wird auch ein Beitrag der Palästina-Regierung in der Höhe von 12.000 Pfund in Anschlag gebracht. Die Einnahmen im neuen Verwaltungsjahr sind um 50.000 Pfund höher präliminiert als die Einnahmen des letzten Jahres. An Ausgaben sind für das neue Verwaltungsjahr über 90.000 Pfund vorgesehen. In diesem Betrag sind 27.000 Pfund inbegriffen, die die Stadt zur Rückzahlung a 11 e r Anleihen verwenden will, sowie die Ausgaben für das städtische Sanitäts- und Schulwesen. Eine neue Tageszeitung Aus Jerusalem: Am 22. April ist in Tel-Awiw die erste Nummer einer neuen Tageszeitung, des ersten Abendblattes in Palästina, „I t o n M ejuchad", erschienen. Die Zeitung steht unter der Leitung des Führers der Judenstaatspartei Meir Großman. Eine Motzkin-Straße In Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: Die Stadtverwaltung von Tel- Awiw beschloß, eine Straße nach Dr. Leo Motzkin zu benennen. Tagung der Zahnärzte Palästinas Aus Tel-Awiw: In Tel-Awiw wurde die dritte Jahreskonferenz der jüdischen Zahnärzte Palästinas abgehalten. An der Tagung nahmen über 150 Zahnärzte aus ganz Palästina teil. In mehrtägigen Beratungen wurden fachwissenschaftliche und organisatorische Fragen erörtert. Jüdische Zahnärzte aus Wien erstatteten eine Reihe von Referaten über die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Zahnfiellkunde. In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd zu erhalten, gibt es nichts Besseres als ständige Körperpflege. Ein ideales Mittel dazu finden Sie in dem seit Jahrzehnten bewährten, in tausenden Familien beliebten DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Erhält durch tägliche Massagen (Einreibungen) die Spannkraft, kraftigt Muskeln und Nerven, verleiht Ausdauer. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken. Das anerkannte Hausmittel. In ledern besseren Oeschäfte erhlltUch. Aber verlangen Sit aasdrficklicb »DIANA" und nehmen Sie nur .DIANA". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Ring der zion* Allen Herren Am 16. April d. J. fand eine Sitzung des Rings der zionistischen Alten-Herren-Verbände statt, bei der unter anderem beschlossen wurde, die ordentliche Generalversammlung für Montag, den 14. Mai, ins Caf6 Altes Rathaus einzuberufen. Alle Anwesenden waren sich darüber einig, daß jetzt mehr denn je vollkommenste Einigkeit aller Akademiker geboten ist und die Arbeit des Rings auf ganz neuer Grundlage aufgebaut werden muß. Ein diesbezügliches Referat wird in der Generalversammlung erstattet werden. ^©tabetifcer, Stufjloerfiüpfte^ effert mit Sotteil bo8 feit 3af)rjef)ntcn 6etuäf)tte 6im0H8br0t in büunen 6dritten mit ©ittter unb Sdjinfett. Seidjt üerbaulid), jug^td) bdifat. (Seljr bequem: @imon3brot»Ä(finittenöäcfd)en in Stanniol. 3n aßen guten $einfoftf)anbI. u. süöcfereien $u tjaben. V^Simon8brotfabrif 2Bien*#agran 55. £ägl. Sßofiüer^ Zum Kapitel „Die Schande Palästinas" VQSQKSflBI Wir haben in sachlicher und mit Material belegter Weise ausgeführt, wie ungünstig sich der Handel Palästinas mit Deutschland durch das sogenannte Transfer-Abkommen (Uebertragung jüdischen Vermögens aus Deutschland nach Palästina in Form von Waren) auswirkt, und insbesondere dargelegt, daß —' im Gegensatz zum allgemeinen antideutschen Boykott — die deutsche Wareneinfuhr nach Palästina unverhältnismäßig ge9tiegen ist. Die zionistische Presse hat für das von der linken Exekutive verschuldete Abkommen viel Sympathie bezeugt, u. a. die Prager „Selbstwehr", die jetzt von einem gewissenhaften Beobachter eine scharfe Widerlegung eingesendet bekommt. Der Einsender legt nämlich dar, daß der deutsche Export nach Palästina ein unb edingter Vorteil für Deutschland ist, da 1. die bevorzugten deutschen Industrien Kapital erhalten, 2. infolge des Druckes, der auf die Emigranten ausgeübt wird, bestmögliche Peise erzielt werden, 3. die Arbeitslosigkeit eine Verminderung erfährt und 4. durch die Emigration keine Valuta ins Ausland kommt, was eine Schwächung der ohnedies labilen Mark herbeiführen würde, und schließt seine sachlichen Ausführungen mit folgendem Ausruf: Im Jahre 1933, das im Zeichen der schändlichsten Judenverfolgungen der Gegenwart stand, wurde im jüdischen Palästina ein deutscher Absatzmarkt fundiert, wurden als Propaganda für den ganzen nahen Orient deutsche Waren forciert, müssen von deutschen Knuten zerschlagene Juden ihre Arbeit verrichten an Maschinen „Made in Germany". * Die palästinensischen Juden selbst ernten von ihren deutschen Nachbarn weder Dank noch Achtung noch auch Loyalität. Sie haben zwar wirtschaftliche Beziehungen zu ihnen, aber ... Für die Art, wie diese Palästina-Deutschen sich zum Hitlerismus stellen, ist eine Schilderung bezeichnend, die ein Tel-Awiwer Korrespondent seiner europäischen Zeitung über die deutsche Kolonie Sarona gibt. Er erzählt von einem Besuch einiger hundert Reichsdeutschen, die in großen Autos durch das Land fahren, auch nach Tel-Awiw kommen, wo sie, von englischer Polizei bewacht (!), neugierig aus den geschlossenen Autos auf die große jüdische Stadt schauen, ohne irgendwie aus ihrer Zurückhaltung hervorzutreten. Anders aber in Sarona: „Die Palästina-Deutschen sind päpstlicher als der Papst. Während der Einfahrt der Reichsdeutschen in die deutsche Kolonie Sarona, die neben Tel-Awiw, ja sozusagen in Tel-Awiw liegt, wurde das ganze hitleristische Zeremoniell angewendet. Die Gäste wurden mit „Heil Hitler" begrüßt. „Wir haben auf unserer Schule", sagte mir einer meiner deutschen Bekannten, „nicht die Hakenkreuzfahne gehißt, sondern die alte deutsche schwarzweiß-rote Fahne." Das ist richtig. So weit haben sich unsere Nachbarn nicht vorgewagt. Aber in der Schule haben alle | El§a Ackermann/ Wien 1.1, Elisabethstraße 2 | Damentasdien | Handschuhe/ Decken | Wiener Kunstgewerbe | Tel*Awiw I Levante Messe, Haus der Frau I hre §ehön§te Fahrt nach mit unserer Gesellschaftsreise zur Levantemesse I Pfingsten und das entzückende Erstlingsfest in Haifa am 2. Mai mit der „Vulcania" (24.000 Tonnen) Neapel—Haifa und zurück. Preise je nach der Kombination ab ö. S. 580.—. Für Einzelreisende Schiff- und Bahnkarten. Anmeldungen und Auskünfte: NORDISCHES REISEBÜRO (Palästina-Abteilung: Reiseleitung) N. M. Racker Wien, I., Seilergasse 3 (Ecke Graben- Stephansplatz), Telephon R-25-0-92. Prospekte und Offerte zur gefälligen Verfügung. Jederzeit genaue Informationen. Kinder ihre Hände zum Hitler-Gruß ausgestreckt, um» es besteht kein Zweifel, daß die ganz Sarona-Kolonie nationalsozialitische Manieren pflegt; Sarona, wo der Boden infolge des jüdischen Aufbaus von Tel-Awiw bis zum höchsten Grad gestiegen ist und wo alle Kolonisten wohlhabend geworden sind; Sarona, wo die Deutschen ausschließlich von Geschäften mit Juden leben; Sarona, das alle seine Produkte, Gemüse und Milch, an Juden liefert! In diesem Sarona erzieht man die Kinder zu Haß und Feindschaft gegen Juden . . ." Eine Szene aus Jerusalem: In eine Buchhandlung kommt ein junger Deutsch- Jude, einer von den neuen Einwanderern. Er wünscht einen Koran in deutscher Sprache, eine spezielle Ausgabe, und ist unglücklich, daß er sie nicht bekommen kann. Gleich darauf erscheint ein junger Araber im Laden. Er verlangt Hitlers „M ein Kampf" in englischer Uebersetzung . . . Und die Juden Palästinas konsumieren in Hitler- Deutschland erzeugte Waren auf Grund des von den Histadruth-FUhrern geschlossenen Transfer-Abkommens. Unser Aufsatz „Die Schande Palästinas'* wurde von der jüdischen Presse zahlreicher Länder, vor allem in Polen und Palästina, übernommen und zu wirkungsvoller Propaganda verwendet. Er hat leider seine Aktualität nicht verloren. Keine Spenden mehr! Der Jischuw sorgt selbst für das Gesundheitswesen Aus Jerusalem: Wie verlautet, wird das Gesundheitswesen in Palästina, dessen Einrichtungen bisnun zum großen Teile aus den Ereignissen von Sammlungen im Auslande bestritten wurden, schon in diesem Jahre vom Jischuw (jüdische Bevölkerung Palästinas) aus eigenen Mitteln erhalten werden. Die bisherigen Zuschüsse aus dem Ausland zur Erhaltung der verschiedenen jüdischen Gesundheitseinrichtungen sollen in Hinkunft wegfallen. Die Beiträge ausländischer Organisationen und des Keren Hajessod für Krankenfürsorge und G esundheitswesen in Palästina betrugen in den letzten fünf Jahren insgesamt etwa 100.000 Pfund. Die amerikanische Frauenorganisation „Hadassah" hat zu dieser Summe etwa 80.000 Pfund beigetragen. In diesem Jahre wird sich die „Hadassah" bloß mit 2 5.0 0 0 Dollar an der Erhaltung ihrer eigenen Anstalten in Palästina beteiligen. Der Keren Hajessod stellt die Subventionierung der Krankenkassen vollständig ein. Der Beschluß, das Gesundheitswesen Palästinas vom Ausland unabhängig zu machen, ist ungeachtet der Tatsache gefaßt worden, daß die Ansprüche des Jischuw an das Gesundheitswesen gerade in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Offiziellen Statistiken zufolge sind derzeit etwa 70.000 Juden in Palästina für den Krankheitsfall versichert. Es soll jetzt ein besonderer Landesgesundheitsrat geschaffen werden, der sich mit allen Fragen, die den Gesundheitszustand der verschiedenen Kreise des Jischuw betreffen, befassen soll. Derzeit besteht ein elfgliedriger „Waad Habrijuth" (Sanitätsrat), in dem der Waad Leumi (Jüdischer Natlonalrat) durch acht Delegierte, die Hadassah, die Kupath Cholim (Krankenkasse) und die Histadruth, (Gewerkschaft) durch je ein Mitglied vertreten sind. Zur geplanten Einkommensteuer in Palästina Aus London: Der Abgeordnete Curry fragte Ira Unterhaus den Minister für die Kolonien, wie es gegenwärtig um den Plan, in Palästina die Einkommensteuer einzuführen, stehe, und ob der Minister geneigt sei, im Hinblick darauf, daß der vor kurzem im Mandatsgebiet Kenya unternommene Versuch der Einführung einer Einkommensteuer keinen Erfolg hatte, von ähnlichen Plänen in Palästina a b z u r a t e n. Der Kolonienminister antwortete, daß sich die Palästina-Regierung augenblicklich mit der Frage beschäftige, ob nicht die Einführung einer niedrigen Einkommensteuer, von der kleine Einkommen überhaupt befreit bleiben sollen, im Rahmen eines Planes zur Erleichterung der Steuerlast in Palästina angezeigt wäre. Es sei nicht beabsichtigt, die allgemeine Steuerlast zu erhöhen, sondern diese besser zu verteilen. Eine Kommission palästinensischer Beamter sei eingesetzt worden, Gutachten Uber den Steuerplan der Regierung von den Handelskammern, von Vertretern größerer Industrieunternehmungen, der freien Berufe und anderer interessierter Kreise der Bevölkerung einzuholen. Er hielte es für verfrüht, seine Meinung zu dieser Frage zu äußern, bevor früht, bevor die Kommission ihren Bericht erstattet hab* eine Meinung zu äußern.