Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 360 (27.4.1934)
- Date
- 1934-04-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 3» ECKSTEINS FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich S«UhfTae SEMMFDIMfi Telephon t1, Hochstraße 43 JCnnCKInVI neben Hotel Panhan« Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12. ~ aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm und Kaltwasser in jedem Zimmer. ' Auskunft unier Telephon U-27-6-21 Gegen die Wiener Judengememde und Borens te in geleitet wird. Sekretär ist Herr Rod. Herr Rod leitet gleichzeitig dos technische Sekretariat des Z. K. Das Z. K. knüpfte Beziehungen zu vielen wichtigen Punkten im Lande an. Unter der Teilnahme des Herrn Großmann und des Herrn Weinstein fand in Jerusalem eine Beratung der Chawerim statt, an der auch die Mitglieder des E. K., die Herren Lichtheim und R o s o f f, teilnahmen. Diese Beratung diente der Gründung einer Gruppe unserer Parte» in Jerusalem. Das Mitglied des Z. K. Herr Jermanowitsch übernahm die Leitung der Arbeit. In den nächsten Tagen findet die Eröffnung des Parteibüros statt. Eine Gruppe Studenten der Jerusalemer Universität unterstützt uns bei der Arbeit. Unter der Teilnahme des Herrn Groß mann fand in Haifa eine Versammlung unserer Chawerim statt. Herr Großmann erstattete über die Arbeit der Partei im Lande Bericht. In das Ortskomitee wurden gewählt die Herren Borenstein, Führer und Lachowski. In die Siedlungskommission Dr. Back, Magister P s c h e t i t z k i, Führer. In die Komission für Chaluzim und Emigranten die Herren Licht und Gelin. Das Z. K. stellte für die Eröffnung des Haifaer Büros eine Summe zur Verfügung. Bei der Besprechung der Vertrauensmänner in T e 1- A w i w, an der 70 Personen teilnahmen, sprachen die Herren Großmann und Schneidermann über die Lage der Partei im Lande und über ihre Aufgaben. In die Ortsgruppenleitung wurden gewählt: Jardin, Rathner, Rubinstein, Leibowitsch, Borenstein, Dromi und Jaschkuner. Das Landessekretariat des Irgun (revisionistische Arbeiterorganisation) steht mit uns in Verhandlungen über eine Zusammenkunft der nationalen Arbeiterorganisationen. Gemäß unserer prinzipiellen Position forderten wir von dem Landessekretariat die Einberufung einer gemeinsamen Tagung der Vertreter sämtlicher Parteien, die an der Gründung einer nationalen Arbeitergewerkschaft interessiert sind. Auf dieser Tagung soll eine paritätische Kommission gewählt werden, die die Grundzüge der ins Leben zu rufenden nationalen Gewerkschaft festlegen soll. Im Zusammenhang mit den letzten Ueberfällen der sozialdemokratischen „Histadruth" auf die nationalen Arbeiter fand in Jerusalem ein Treffen der bürgerlichen Parteien statt, an dem über die Verhinderung der Ueberfälle seitens der Linken beraten wurde. Als unsere Vertreter nahmen an diesem Treffen die Herren Com!eld- D a g a n und Jermanowitsch teil. Unsere Fraktion im Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) nahm aktiven Anteil an den Arbeiten der Kommission für Arbeltsverteilung. Auf der letzten Sitzung, die der Frage der Gewalttätigkeiten der Linken gewidmet war, gab unser Vertreter Herr Weinstein folgende Deklaration ab: „Die Histadruth strebt da- | nach, die Minoritäten in der Arbeiterbewegung zu erdrücken. Die Frage der Arbeit und der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und zwischen den verschiedenen Arbeiterorganisationen hat nicht nur Bedeutung für die unmittelbar beteiligten Faktoren, sondern Ist von größter Bedeutung für den ganzen Jischuw. Die Stadtverwaltungen, die lokalen Moazath in den Kolonien und Gemeinden müssen neutrale Arbeitsämter ins Leben rufen. Was die brutalen Arbeitskämpfe im Lande betrifft, so fordern wir vom Waad Leumi klare Entscheidung, wer die Angreifer und wer die Angegriffenen sind. Wir unsererseits hegen gar keinen Zweifel, daß die Histadruth an allem schuldig ist. Wir verurteilen ihre Gewaltherrschaft auf das entschiedenste. Die nationalen Arbeiter erkennen das Prinzip der organisierten Arbeit und des Index der Löhne an. Der Kampf der Histadruth gegen die nationalen Arbeiter ist also ein politischer. Wird der Waad Leumi keine Entscheidung finden, so wird der Jischuw selbst entscheiden!" Auf die Initiative des Z. K. wird demnächst eine große Tagung des Brith Hakanalm stattfinden. Eine Pfingstreise nach Polen ohne Visum. Am 17. Mai findet unter bewährter Führung eine Pfingstreise nach Krakau, Lemberg, Stanlslau usw. statt. Reservierte Plätze, bequeme Wagen. Mäßige Preise. Die günstigste Gelegenheit, Pfingsten in Polen zu verbringen! Nähere Auskünfte Dr. S.Tocker, I., Kärntnerring 12, Tel. U-40-301, und Austrobus, I., Ring des 12. November 12, Telephon U-24-0-10. Zur LevanteffMe§se in TeI*Awiw Ab Wien am 8. Mai mit der »Gerusalemme«* Triest—Haifa Auskünfte im REISEBÜRO «MARI EN BROCKE» (Palästina-Dienst, Leitung Berta Taubes), Wien I, Rotenturmstraße 26, Telephon R-24-2-86 und R-24~?-*7 Der Vorstoß der frennungiorthodoxen Wir haben darüber berichtet, daß die Wiener ..Agudah" den Umsturz in Oesterreich dazu benützen will, um mit Hilfe der Regierung den Wiener K u 11 u s V o rstand mit seiner zionistischen Majorität zu beseitigen und so die ihnen verhaßte Ein heits gemeinde zu sprengen. Der Vorstoß erfolgte in der Form, daß der Jugendkonferenz der „Agudah" ein Antrag folgenden Inhalts vorgelegt wurde: Alle Kultusvorstände, welche keinen, dem strengen Rcligionsgcsctz (Schulchan Artich) entsprechenden Lebenswandel führen, sind aufzufordern, sofort Ihre Stellen niederzulegen. Falls sie dieser Forderung nicht Rechnung tragen, Ist die Regierung Dollfuß anzurufen und aufzufordern, dafür Sorge zu tragen, daß auf gesetzlichem Wege den agudlstischen Forderungen Rechnung zu tragen und die derzeitigen Mitglieder des Gemeindevorstandes Ihrer Aemter zu entheben. Um diesem Vorstoß gleich den gehörigen Nachdruck zu verleihen, wurde nicht nur dem Kultusvorstande, sondern gleichzeitig auch der Regierung Dollfuß der Antrag zur Kenntnis gebracht. Ueberdies wurde auch in der christlichsozialen, der Regierung nahestehenden „Reichspost" ein ausführlicher Bericht vorgelegt, welchen das Blatt in großer Aufmachung brachte. Wie zu erwarten, hat dieses Attentat der „Agudah" gegen die Judengemeinde, insbesondere aber die An- SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Bcrggassc (9, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ntt^-Flelsch HiHBaMBnnMHaaaHiHii unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX. Berggasse 15 / XV8II., Währingeritr. «7 rufung nicht jüdischer Faktoren gegen die Judengemeinde, großes Aufsehen bei der Wiener Judenschaft hervorgerufen. Unter dem Eindrucke der Gegenkundgebungen hat die „Agudah" etwas zurückgeschoben und abschwächende Erklärungen veröffentlicht. Aber das hat nicht lange gedauert. Die „Agudah" hat sich eines anderen besonnen und bekennt sich jetzt zu ihrem Antrage. Sie kündigt die weitere Bekämpfung der Judengemeinde und weitere Anrufung der staatlichen Behörden an. So schreibt die „Jü d ische Press e", das Organ der „Agudah", in der letzten Nummer: „Während in Oesterreich der Parteienstaat unter Getöse zusammengestürzt ist und auf den Trümmern des alten ein neuer, auf religiösen Grundlagen aufgebauter Ständestaat im Entstehen ist, bemühen sich die Machthaber der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, die aus dieser zur Wahrung der religiösen Interessen berufenen Körperschaft ein Parteiinstrument ärgster Sorte geformt haben, diese Entwicklung zu verschlafen. Die Herren, die auf dem Buckel einer faulen, innerlich morschen Demokratie die Kultusgemeinde erobert haben, glauben, daß dieser Zustand verewigt werde." „Die Agudah, die seit jeher ihre höchste Aufgabe darin erblickt hat, im jüdischen Volke die Autorität des Gottesgesetzes, unabhängig von Zufallsmehrheiten zur Geltung zu bringen, hat diese Kultusgemeinde, noch bevor im Staate der Autoritätsgedanke Fuß gefaßt hatte, verlassen, um damit sinnfällig zum Ausdruck zu bringen, daß die religiösen Postulate des Judentums nicht dem Willen einer Me h r h e 11 ausgesetzt werden können, die durch Zufälle bestimmt wird." Auf den Vorwurf dejsD enunzlatlon( .Messirah') bei Nichtjuden zurückkommend, schreibt die „Jüdische Presse" weiter: „Wenn die Orthodoxie die herrschende religiöse Stimmung auzunützen versucht, so ist das ,Messirah*. Nach dem Rezept dieser Herren hätten wir vornehm und dumm auf einen möglichst ungünstigen Zeitpunkt zu warten. Nein! Wir erfrechen uns, der Ansicht zu sein, da eine starke Welle religiösen Erneuerungswillens durch Staat und Gesellschaft geht, daß für uns gesetzestreue Juden der entscheidende Moment gekommen ist, dem religiösen Geist wieder jene Rolle im jüdischen Gemeindeleben zu verschaffen, der ihm nach Recht und Gerechtigkeit gebührt." „Gerade jetzt, da eingerostete freidenkerische Vorurteile überall in Oesterreich stürzen und hier eine von solchen geistigen Hemmnissen gereinigte Verfassung im Werden ist, ist es wohl auch Zeit, die Verfassung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zu ersetzen: durch eine Ordnung, die den religiösen Juden von der Unterdrückung durch religiös Abgefallene befreit." „Dies ist der Zug der Zeit, dies ist der wahre Fortschritt, dies wird geschehen — trotz zionistischer Zornausbrüche: weil Recht Recht bleiben wird und die Judenheit ein Thoravolk!" „Und wird es nicht i n und mit der Gemeinde gehen, so wird es neben und außerhalb der Gemeinde geschehen! Die Zeit, in der religiöse Menschen dem Gewissenszwang Irreligiöser ausgeliefert sind, Ist unwiederbringlich vorllber. Entweder wird die judische Gemeinde religiös öder wir schaffen uns die selbständige religiöse Gemeinde." Nicht genug daran, läßt die „Agudah" im Wege der J. T. A. folgendes Bekenntnis zur Aktion gegen die Judengemeinde veröffentlichen: .Agudah'' „Dieser Antrag ist bei der in der Vorwoche statt* gefundenen Generalversammlung der Wiener Agudah« Jugendgruppe tatsächlich eingebracht, aber aus formalen Gründen nicht zur Abstimmung gebracht worden. Am 8. April fand nun eine Tagung des .Landesverbände« der agudlstischen Jugend' statt, bei der diese Sache wieder zur Sprache gebracht wurde. Der Referent der Verbandaleitung, Siegmund Stern, besprach die politische Entwicklung in Oesterreich und den bei den nichtjüdischen Religionen gegenwärtig festzustellenden Kurs der religiösen Erneuerung. Er legte dar. Inwiefern dieser Kurs sich bereits auf das österreichische Judentum auswirkte und wie diese Situation vom agustischen Standpunkte für die Stärkung der jüdischen Religion auszunützen sei. Zur konkreten Frage des erwähnten Antrage« stellte er fest, daß derselbe den Intentionen der Gesamtheit der agudlstischen Jugend entspricht. Oer hierauf erfolgte einmütige Beifallssturm der zahlreich erschienen Gruppenvertreter bestätigte nicht nur diese Feststellung, sondern stellte auch eine Demonstration für die Fortsetzung dieser Bestrebungen dar. Der Antrag der Agudah-Jugendgruppe, mit dem sich die „R e 1 c h s p o s t" bereits zweimal beschäftigte, hat sowohl In der Jüdischen Oeffentllchkelt wie auch In den der Regierung nahestehenden christllchsozialen Kreisen Aufsehen erregt." Demission des unionistisdien Vizepräsidenten Auf die Kampfansage der „Agudah" Ist eine weitere erfolgt: die Kampfansage der antizionistischen „Union österreichischer Juden". Anders ist die von der „Union" eifrig in allen Tageszeitungen angekündigte Demission ihres Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Dr. J. Arnstein, nicht zu verstehen. Herr Dr. Arnstein hat sich bemüht, mit der zionistischen Majorität zusammenzuarbeiten. Das paßt den heute in der „Union" maßgebenden Herren nicht mehr. Herr Dr. Arnstein wurde von ihnen veranlaßt, mitten in der Mandatsperiode, Knall und Fall seine Aemter niederzulegen, und wird durch den scharfen Gegner der Zionisten, Herrn Dr. Josef T i c h o, ersetzt. Es dürfte von nun ab in der Judengemeinde nicht mehr sehr ruhig zugehen. Die bisherige Haltung des Herrn Dr. Ticho spricht nicht dafür. In ihrer Abneigung gegen die Zionisten lassen sich die jetzt führenden Herren der „Union" scheinbar dazu verleiten, der „Agudah" in ihrem gegen den Bestand der Judengemeinde gerichteten Vernichtungskampf wohlwollende Förderung angedeihen zu lassen. Zwei Umstände sprechen dafür: Der nominierte neue Führer, Herr Dr. Josef Ticho, ist mit der „Agudah" innig verbunden. Den letzten Beratungen der „Union" waren Vertreter der „Agudah" beigezogen. Daraus ist manches zu entnehmen. Nur nichts, was den Frieden in der Judengemeinde fördern könnte. Wiederum schenkt die christlichsoziale „Reichspost" den Vorgängen unter den Juden große Aufmerksamkeit und fügt der Meldung vom Rücktritte Dr. Arnsteins folgenden, bezeichnenden Beisatz hinzu: „Ob der Rücktritt auch mit den Auseinandersetzungen in der jüdischen Publizistik über die in der Jugendgruppe der Aguda Israel erhobene Forderung, daß in dem Vorstand der Kultuagemelnde nur Juden von religiöser Gesinnung und ebensolcher Lebenspraxis berufen werden sollen, in irgend welchem Zusammenhang steht, ist aus der Mitteilung nicht ersichtlich." ein Pressebüro Die „Union" tritt für die „Agudah" Unter dieser Aufschrift versendet das der Wiener Agudah folgende Nachricht: Am 18. April veranstaltete die „Union österreichischer Juden" eine Versammlung, in der Kultusvorsteher, Dr. Ernst Feldsberg über die Zustände in der Wiener Kultusgemeinde sprach. Der Referent führte unter anderem aus, daß die Union die Erbitterung der gesetzestreuen Judenheit über jene Kreise der Kultusgemeinde begreife, die den Bedürfnissen der Orthodoxie so wenig Verständnis entgegenbringen, ihre Forderungen bagatellisieren und beim Aufbau in Erez Jisroel die Leistungen der Agudas Jisroel nicht berücksichtigen. Der Redner führte in überzeugender Weise aus, daß ein Aufbauwerk in Palästina nur mit den Voraussetzungen denkbar ist, wie sie in Agudas Jisroel geformt sind, und forderte die Oeffentllchkeit auf, Ihre Aufmerksamkeit und rege Unterstützung dem agudlstischen Aufbauwerk in Palästina zuzuwenden. Wir werden auf diese höchst interessante Meldung noch zurückkommen. 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