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Die neue Welt · 1934-04-24 · Heft 359 (24.4.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 359 (24.4.1934)
Date
1934-04-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 350 D1C NEUE WELT Seite 8 Prestige der neuen Exekutive gehoben werden und das Mißtrauen mit allen «einen Konsequenzen wird verschwinden. Man hat da sehr viel über Disziplin gesprochen. Selbstverständlich ist die Existenz einer zionistischen Organisation ohne die Grundprinzipien einer Disziplin unmöglich, und selbstverständlich sind Momente vorhanden, wo man den Bruch dieser Disziplin nicht mit Schweigen übergehen darf. Wir sind gegen die Methode des Disziplinbruches, wie sie bei den Rednern des Misrachi und anderer zum Ausdruck gekommen ist, weil diese Methode die Grundlagen des jüdischen Parlaments und der Erziehung zum Staatsleben untergräbt. Aber übertreiben Sie dt« Sache nicht und verwandeln Sie nicht die Exekutive in eine Art Polizei. Ihre Angst vor jedem selbständigen Schritt der Parteien, Ihre Scheu vor deren geringster Initiative — ist überaus lächerlich; das ist bezeichnend für eine Exekutive, die sich schwach und minderwertig fühlt. Beispiele hiefür fehlen nicht. Unsere Partei wollte eine Beratung mit anderen zionistischen Parteien. Wir haben eine Einladung an alle Parteien geschickt und hiebei ausdrücklich gesagt, daß es sich um eine politische Propaganda handelt, die nicht die Prärogativen der Zionistischen Exekutive durchkreuzt. Wohl ein korrektes und loyales Vorgehen. Aber sofort bekamen wir vom Organisationsdepartement einen strengen Brief: Was für ein Recht wir denn hätten, das zu tun? Wir hätten Sie vorher fragen sollen. Aber, meine Herren, wir brauchen doch nicht die Exekutive zu fragen, wenn wir uns mit anderen zionistischen Parteien beraten wollen! Wir werden es auch in Zukunft nicht tun. Ein zweites Beispiel: Es handelte sich um die Frage der revisionistischen Petition. Wir haben erklärt, daß wir uns an der Petition nicht beteiligen. Wir unterstützen sie auch nicht. Es gibt aber Menschen bei uns, welche die Petition unterzeichnen wollen. Einen großen Wert hat dies nicht, aber es ist auch keine Sünde. Wir haben deswegen jedem einzelnen Individuum die Fertigung der Petition freigegeben. Und schon erhielten wir einen Brief um den anderen — Disziplinbruch! Was auch immer man tut, sofort kommt da« vermaledeite Organisationsdepartement in London und pflanzt sich vor einem wie eine Polizei auf. Wer braucht es? Wozu? Man reizt bloß die Menschen und macht sich lächerlich. (Schluß in der Freitagnummer.) Kuriositäten 15 Jahre Geduld, auf Kosten der Juden Im englischen Parlament richtete der Abgeordnete Joel an den Kolonialminister die Frage, aus welchen Gründen den arabischen religiösen Gerichten in P a 1 ä s t i n a, nicht aber den Rabbini schon Gerichten dieses Mandatsgebietes finanzielle Beihilfen gewährt werden, und ob der Minister angesichts der Tatsache, daß die Angehörigen aller Religionsgemeinschaften zu den Staatseinkünften beitragen, der Meinung sei, daß der gegenwärtige Zustand den bestehenden Bedingungen angemessen ist. Darauf antwortete der Kolonialminister: Zur Zelt der Besetzung Palästinas durch England bildeten die mohammedanischen religiösen Gerlohte einen Bestandteil de» Gerichtssystems des Landes. Dieser Zustand wurde aufrechterhalten, die Ausgaben für sie werden aus öffentlichen Mitteln getragen. Zur Zeit des türkischen Regimes wurden die Rabbinischon Gerichte und die religiösen Gerichte der christlichen Kirchen trotz öffentlicher Anerkennung nicht vom Staat erhalten. Diese Verhältni&e blieben unter britischer Verwaltung bestehen. Ich werde diesem Gegenstand volle Aufmerksamkeit schenken, sobald die endgültigen Vorschläge des High Commlssloner In dieser Sache vorliegen werden. * Aus der Antwort könnte man schließen, daß die Engländer erst vor einigen Wochen nach Palästina gekommen sind und noch nicht Zelt gefunden haben, schlechte Einrichtungen au» der türkischen Herrschaft zu beseitigen. So aber sitzen sie bereits 16 Jahre dort, und 15 Jahre verlangen die jüdischen Steuerzahler ihr Recht. Der Herr Kolonialminister wartet aber noch immer auf „endgültige" Vorschläge. Nach 16 Jahren! Der Kolonialmlnister legt wirklich unendliohe Geduld an den Tag, allerdings nicht auf seine Kosten, sondern auf Kosten der Juden. Der heilige Wasserspiegel Ebenfalls im englischen Unterhaus wies der anttzionlstlsche Abgeordnete Lockle in einer Anfrage darauf hin, daß bei Verwendung des Tibertas-Secs als Reservoir für das vom Juden Ruthenberg erbaute Elektrizitätswerk am Jordan der Spiegel des Sees durch Aufstauung zu bestimmten Zelten um neun Fuß gehoben und zu anderen Zelten in demselben Maß gesenkt werden wird. Der Minister wird gefragt, ob er geneigt sei, bei der Palästina-Regierung sofort dahin vorstellig zu werden, daß die Entweihung eines Sees, an den sich für alle Christen heilige Vorstellungen knüpfen, vermieden werde. Der Kolonlalmlnlster antwortete: Die der Palestine Electric Corporation 1926 erteilte Konzession gibt der Gesellschaft die Erlaubnis, den Tlberlas-ßee als Reservoir für Wasseraufstauung zu benutzen; sie sieht vor, daß die Gesellschaft berechtigt sein soll, da» Wasser Im Tlberiaa« See zu einem Maximalniveau aufzustauen und zu einem Minimalniveau zu senken. Die Lage beider Wasserstände ist durch Vereinbarung zwischen dem High Commissioner und der Gesellschaft festzusetzen. Information über die Auswirkung der Stauung auf die Höhe des Seespiegels liegt mir nicht vor. Ich werde hierüber Erkundigungen einziehen. * Die Feinde des Zionismus sind wirklich originelle Käuze. Jetzt arbeiten sie schon mt der Heiligkeit des Wasserstandes, und der Kolonialminister lacht nicht, sondern zieht Erkundigungen ein. Hoffentlich kommt er nicht zu dem Schluß, daß schon ein Wasserstand von sieben Fuß „unheilig" ist. Aus Südafrika Aus Kapstadt: Am 18. April fand in Gegenwart zahlreicher Festgäste die Grundsteinlegung zur neuen Kapstädter Synagoge statt. Bei der Feier hielt der Justizminister und ehemalige Ministerpräsident von Südafrika, General Smuts — Oberstkommandierender der südafrikanischen Truppen im Weltkrieg und später Mitglied des britischen Reichakabinetts —- eine Ansprache, in der er sagte: „Ich bin fest davon überzeugt, daß der Antisemitismus bei uns nicht erfolgreich sein wird. So- Pfingstsonderfahrt nach Czernowitz Ab 17. Mai, an 1. Juni 2, und J. Klais« Alle Auskunft«: Reisedienst „Czernowiizer Allgemeine Zeitung", Wien I» Schulerstraße I (Sfadtbüro .Der Wiener Tag". Tel. R-21-5-78 und ReUsbüro , RUT«, J, Karlsplatz 1, Tel. U-44 5-79 lange ich Justizminister sein werde, wird es gleiches Recht für alle geben. Es wird in Südafrika nicht zu Zurücksetzungen und zur Errichtung eines Ghettos kommen. Den südafrikanischen Juden braucht es um ihre Zukunft nicht bange zu sein." Zum Schlüsse gab General SmUta seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Entwicklung letzten Endes überall zu einer Rehabilitierung der Juden führen werde. * Die besonders betonte Erklärung des Ministers 18t darauf zurückzuführen, daß unter dem Einfluß der auch in Südafrika betriebenen deutschen Propaganda anti» semitische Strömungen fühlbar geworden sind. General Smuts ist als eifrigster Förderer des Zionismus im all» gemeinen und der Judenstaatsidee im besonder«« bekannt. Fortschritt der palästinensischen Wirtschaft Auf Gund einer Umfrage bei den maßgebenden Finanzinstitutionen konnte der Vertreter der J. T. A. feststellen, daß im Verlauf eines J-ahres (April 1933 bis März 1934) weit mehr als sechs Millionen Pfund von Juden und jüdischen Gesellschaften in verschiedenen Unternehmungen Palästinas investiert worden waren. Die Summe übersteigt um das Doppelte die der Investierungen im vorangegangenen Jahre und gibt einen Spiegel der Entwicklung, die Palästina jetzt durchmacht. In diese Summe sind die etwa 5 0 0.000 Pfund, die für die Hebräische Universität, das Haifaer Technikum, das Hadassah-Gesundheitswesen und andere Institutionen aus dem Ausland hereingekommen sind, nicht eingerechnet. * Die Gesamstumme der Depositen, die in Palästina-Banken hinterlegt sind, beträgt jetzt nicht weniger als zehn Millionen Pfund und übersteigt die vom Ende 1932 um das Doppelte. Es handelt sich hier um Gelder, die noch nicht in die palästinensische Wirtschaft investiert sind und die als Reserve für zukünftige wtrfc» schaftliche Betätigung anzusehen sind. Der starke Zufluß von Barkapital bringt es mit sich, daß die Banken nicht in der Lage sind, für diese brachliegenden Gelder Zinsen zu zahlen. Amerikanische Juden, die im Gebiete der Stadt Afuleh im Emek Jesreel ausgedehnten Grundbesitz haben, haben sich zu einer Gesellschaft zusammengeschlossen, um dieser Stadt, auf die vor Jahren große Hoffnungen gesetzt wurden, die aber in einem Zustand der Stagnation geraten war, zuneuerEntwicklung zu verhelfen. Es wurde beschlossen, vor allem dia Wasserversorgung in Angriff zu nehmen. An der Zusammenkunft nahmen die amerikanischen zionistischen Führer Mrs. Archibald Silverman, Louis Llpsky, Jacob Fisher und viele anndere teil. Die Bevölkerung von Afuleh glaubt, daß Afuleh alle Voraussetzungen hat, das Handelszentrum des Emek zu werden. Em weiterer Schrill zum Jüdischen Weltkongreß Aua Kreisen der Pariser Exekutive für den Jüdischen Weltkongreß wird uns unter, obigem Titel geschrieben: Der Beschluß der Jerusalemer Tagung des Zionistischen Aktionskomitees in Angelegenheit des Jüdischen Wetlkongresses ist wegen seiner positiven Stellungnahme zum Gedanken dieser gesamtjüdischen Bewegung sehr zu begrüßen. Denn durch diese fast einstimmig gefaßte Entschließung ist der bisherige prinzipielle Widerstand einiger zionistischer Gruppen als abgetan zu betrachten. Besonders Gruppen der zionistischen Linken hatten in einzelnen Ländern dem Kongreß gegenüber eine zögernde und in anderen Ländern eine ablehnende Haltung eingenommen. Und zwar geschah dies nicht nur aus Gründen formaler oder technischer Natur, sondern auch aus prinzipiellen Bedenken. Die „Kiassenkämpfer" wollten nloht mit der „Bourgeoisie" politisch beraten. Im Aktionskomitee aber haben eben jetzt die Linken wie ein Mann zugestimmt. Den überzeugten Befürwortern de« Weltkongresses kommt dieser Frontwechsel der sozialistischen Zionismen nicht Uberraschend. Es ist etwas anderes, ob man in Zeltungsartikeln und Parteizirkeln spricht, oder ob man auf weithin sichtbarer Tribüne zur Meinungsabgabe gezwungen wird. Die zionistische Linke welche im Aktionskomitee ausschlaggebend Ist, konnte sich der großen Verantwortung In dieser Frage nicht entschlagen. Mit den Nöten und Bedürfnissen der Gesamtjudenhelt konfrontiert, haben die Mitglieder des Aktionskomitees nicht das Odium auf sich nehmen können, einem Werke Hindernisse in den Weg zu legen, das in sich die Chance trägt, der jüdischen Gesamtheit Nutzen zu bringen. Dies galt auch für die allgemeinen Ziouisten (Weizmann-Gruppe) aus Amerika, welche ihre Gegnerschaft gegen den Weltkongreß jetzt aufgegeben haben. Sie hatten wohl manches gegen den Termin, zu dem der Weltkongreß einberufenwerdensollte, einzuwenden, sie verlangten eine gründlichere theoretische und organisatorische Vorbereitung des Kongresses, aber im Prinzip stimmten auch sie der Idee des Weitkongreeses zu. Sie taten es um so ungezwungener, als der europäische. Leiter des Vorbereitungskomitees, Dr. Nahum. Goldmann, mitteilte, daß dem eigentlichen Weltkongreß eine Weltkonferenz (Sommer 1934) vorausgehen wird, welcher die endgültige Beschlußfassung über den Termin und die Modalitäten der Einberufung des Weltkongresses obliegt. Es gibt leider noch einige Gruppen im Judentum, die an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Weltkongreß festhaltend Wir meinen hier nicht jene Kreise, welche auf Grund ihrer Vergangenheit und ihrer Stellung zu jüdischen Fragen natürliche Feinde des demokratischen jüdischen Weltkongresses sein müssen. Wir haben vielmehr die orthodoxe „Agudah" und einzelne Unke Gruppen im Auge. Auch bezüglich dieser Gruppen braucht man die Hoffnung nicht aufzugeben, daß sie ihre ablehnende Stellungnahme revidieren werden. * AnmerkungderRed.: So erfreulich es ist, daß gewisse zionistische Gruppen ihren Widerstand gegen den Jüdischen Weltkongreß aufgegeben haben, so bedauerlich ist die Feststellung, daß ihr Zögern die Verschiebung des Weltkongresses, der im heurigen Sommer tage» sollte, in das Jahr 1935 bewirkt hat. Das ist ein Zeitverlust, der sich bei der Lage des von allen Seiten bedrohten jüdischen Volkes schwer auswirken kann. Das Weltjudentum braucht eine legitime Vertretung jetzt dringender denn je. Die zionistischen Gruppen, welche durch Ihren Wideretand die Einberufung des jüdischen Weltparlaments verzögert hatten, waren eich hiebei ihrer nationalen Pflicht nicht voll bewußt. Vorgänge im öster* reichischen Zionismus Eine bewegte Konferenz der „Allgemeinen Ziouisten'', In der Vorwoche fand in Wien die Landeskonferenz der „Allgemeinen Zienisten" statt. Naobdem die Beratungen für vertraulich erklärt und Pressevertreter nicht zugelassen waren, beschränken wir uns auf die Wiedergabe des Berichtes, welchen die Jüdische Telegraphen- Agentur (J. T. A.) ausgibt. Darin heißt es unter anderem: Der Präsident Dr. Oskar Grünbaum hatte den Pressevertretern versprochen, ein offizielles Kommunitju* über den Verlauf der Beratung auszugeben. Dies ist jedoch bis zur Stunde nicht erfolgt. Der Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur konnte inzwischen auf Grund der übereinstimmender Berichte mehrerer Gewährsmänner folgendes erfahren: Dr. Oskar Grünbaum befaßte sich in erster Linie mit der Tätigkeit der Zionistischen Exekutive und den Arbeiten des Aktionskomitees, an denen «9 sehr scharfe Kritik übte. Er brachte eine Resolu» tion ein, wonaoh die Landeskonferenz bedauert, daß es bei der A. d.-Sltsung au keiner VerbraUü»

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