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Die neue Welt · 1934-04-20 · Heft 358 (20.4.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 358 (20.4.1934)
Date
1934-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3M DIE NEUE WELT fett« Palä§fina§ Industrie und die Nachbarländer Die Konkurrenz beginnt Die großen Erfolge der palästinensischen Industrie, welche nicht bloß für den inländischen Bedarf, sondern auch schon für den Export arbeitet, haben bereits die Aufmerksamkeit der Nachbarländer erregt. Die Türkei, Syrien und Aegypten wollen nun das Beispiel Palästinas nachahmen und eine eigene Industrie ins Leben rufen. Die Türkei hat bereits große Fortschritte auf dem Gebiet der Industrie gemacht. Nach russischem Muster und teilweise auch mit russischem Gelde ist sie an die Durchführung eines Aufbauprogramms geschritten, das auf Jahre berechnet ist. Auch Griechenland hat große Erfolge in industrieller Beziehung aufzuweisen. Sein Export von Seide, Seife, Medizinalwaren und Luxuslebensmitteln hat sich über die ganze Levante ausgedehnt. Schwieriger ist die Lage in Syrien, wo sich ein industrieller Umschichtungsprozeß (Verschwinden alter, Einführung neuer Industrien) vollzieht. Die Textilindustrie macht jetzt schwere Zeiten durch. Während Syrien früher nach Irak, Arabien und Aegypten exportierte, hat die Krisis jetzt 3 0.0 00 Arbeiter brotlos gemacht. Im Libanon sind von 100 Seidenwerkstätten 70 geschlossen, obwohl sie technisch sehr gut eingerichtet sind. Die Lage wird noch dadurch schwieriger, daß auch in der Landwirtschaft eine Krisis ausgebrochen ist und hunderte Bauern sich bemühen, in die Türkei auszuwandern. Am interessantesten ist die Situation in Aegypten. Hier wurde vor kurzer Zeit eine Bank gegründet, mit der Aufgabe, eine eigene nationale Industrie aufzubauen. Tatsächlich finanziert diese Bank heute die Textil-, Papier- und Schiffsbauindustrie. Aegypten ist in der Lage, Zement, Zucker, Bier, Seife, Medikamente und Kartonnagen zu erzeugen, außerdem sind Bemühungen zur Installierung einer Fischkonservenindustrie im Zuge, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die bisherigen Konservenlieferanten Aegyptens, Italien und Portugal, Abnehmer ägyptischer Baumwolle sind. Aegypten dürfte also hier auf Schwierigkeiten stoßen. Aegypten besitzt sehr billige Arbeitskräfte, so daß der Lohn bei der Preisberechnung nicht sehr ins Gewicht fällt und die Steigerung des Industrie-Exports möglich ist. Jedenfalls muß man sich darüber klar sein, daß die palästinensische Industrie viele Schwierigkeiten zu Überwinden haben wird, hauptsächlich deswegen, weil die Nachbarländer die von den Juden in Palästina in Angriff genommene Industrialisierung nachahmen und sich zu einer nicht zu unterschätzenden Konkurrenz entwickeln. Palästina kann die nachbarlichen Märkte nur durch Lieferung hochwertiger, von Fachmännern ersten Ranges erzeugter Waren erobern. Aerzte*Ueberfluß bereits auch in Palästina Relativ dreimal so viele Aerzte wie in Wien! — Eine Warnung an jüdische Eltern *n der letzten Nummer wurde berichtet, daß die Palästina-Regierung Maßregeln plant, welche auf eine Sperre der Zulassung zur Ausübung der ärztlichen Praxis in Palästina hinzielen. Hiezu wird uns noch aus Jerusalem gemeldet: Die durch Einwanderung deutscher Juden bedingte außerordentliche Vermehrung der Zahl jüdischer Aerzte in Palästina bereitet der jüdischen Oeffentlichkeit große Sorgen. Nach offiziellen Schätzungen hat sich die Zahl der jüdischen Aerzte in Palästina im Laufe des letzten Jahres mehr als verdoppelt. Es wird angenommen, daß sie von rund 500 auf zirka 1000 gestiegen ist. Die neu hinzugekommenen Aerzte stammen durchwegs aus Deutschland. Ihre Lage ist insbesondere infolge des Umstandes schwierig, daß die Mehrzahl von ihnen die hebräische und englische Sprache nicht beherrscht. Andererseits bilden sie eine scharfe Konkurrenz für die schon seit vielen Jahren im Lande ansässigen jüdiscnen Aerzte. Es wurde deshalb jetzt vom Gesundheitsausschuß und vom Aerzteverband eine gemeinsame Kommission eingesetzt, die die Frage der Existenzsicherung der einzelnen Aerzte prüfen und sich mit der Berufsumschichtung derjenigen Aerzte befassen soll, die bei ihrem jetzigen Berufe nicht bleiben können. * Die so schwer gewordene Aerztefrage zeigt, daß der fabelhafte wirtschaftliche Aufschwung Palästinas auch Probleme mit sich bringt, die einen bedrohlichen Charakter tragen. Sie zeigt, daß es nicht angeht, beim Aufbau des jüdischen Palästina jene wirtschaftlichen Regeln außer acht zu lassen, die für alle anderen Länder gelten. Das Land verträgt einen Uebcrfluß an Intelligenzlern ebensowenig-, wie irgend ein anderer. An Hand de* Ziffern läßt sich die Unhaltbarkeit der Situation im ärztlichen Berufe am besten nachweisen. Im jüdischen Palästina kommt heute bereits auf 250 Seelen ein Arzt. In Wien, in der Stadt der Höchstentwicklung der medizinischen Schule, kommt erst auf die dreifache Zahl von Bewohnern ein Arzt. Dabei ist noch in Betracht zu ziehen, daß nach Wien viele tausende Patienten aus der Provinz und dem Ausland kommen, um hier Heilung zu suchen. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes, der für, Palästina in keiner Weise zutrifft, wird das Verhältnis noch krasser. Dabei ist festzustellen, daß das im Verhältnis The P. O. B. 119, Telephone 963-964 Cable address: „ASHRAIBANK" TEL AVIV TEL AVIV Ausführung sämtlicher Bankgeschäfte The I Hadar Hacarmel P. O. B. 950, Telephone 344 Cable address: „ASHRAIBANK" HAIFA HAIFA zu Palästina „ärztearme" Wien einen ungeheuren iJeberschuß an Aerzten und demnach viel Aerzteelend zu verzeichnen hat. Wie müssen sich da in Bälde die Verhältnisse in Palästina gestalten, wenn nicht Wandel geschaffen wird? Es darf auch ein weiterer Umstand nicht außer acht gelassen werden, der den Konkurrenzkampf zuungunsten der alteingesessenen Aerzte verschärft. Das aus dem Westen, insbesondere aus Deutschland zuströmende Aerztematerial hat unter viel günstigeren Bedingungen für fachliche Ausbildung gearbeitet als das palästinensische. Einem Arzt in Berlin standen da ganz andere Möglichkeiten offen als etwa einem Arzte in Safed oder Tiberias. Das palästinensische Aerzteproblem ist aber nicht auf Palästina beschränkt. Es ist ein Problem für die Juden in aller Welt geworden, die jetzt nach Palästina als dem Lande der jüdischen Zukunft blicken. Jüdische Eltern, welche ihre Kinder für Palästina erziehen wollen, müssen zur Kenntnis nehmen, daß für lange, lange Zeit ein Bedarf an ärztlichem Nachwuchs nicht in Frage kommt. Es stehen in Europa genug ausgebildete jüdische Aerzte zur Verfügung, um das Erfordernis Palästinas zu decken. 22 Prozent luden in Palästina Aus Jerusalem: Wie aus der soeben veröffentlichten amtlichen Statistik hervorgeht, ist der Anteil der jüdischen Bevölkerung Palästinas an der Gesamtbevölkerung im Laufe des Jahres 1938 auf volle 2 2 Prozent gestiegen. Ungeachtet der Hindernisse, die die Palästina-Regierung der jüdischen Einwanderung entgegenstellt, wurden im Jahre 1038 30.327 jüdische Neu-Einwanderer registriert. Die jüdische Bevölkerung Palästinas zählt jetzt 9 4 5.000 Seelen. Ueber 15.000 jüdische Neu-Einwanderer haben im Verlauf des letzten Jahres Arbeit auf verschiedenen Gebieten gefunden. In industrielle Betriebe wurden 4000 Arbeiter neu eingereiht. Ebensoviel haben bei Bauarbeiten Beschäftigung gefunden, gegen 3000 neue Arbeiter hat die Landwirtschaft aufgenommen. Die übrigen Einwanderer haben als Beamte und Angestellte Beschäftigung gefunden. Ein neuer Ei'nwanderun«i«»Direkior Aus Jerusalem wird gemeldet: Wie die J. T. A. erfährt, wird die Ernennung des stellvertretenden Chefsekretärs der Palästina-Regierung Eric Mi 11 zum Leiter des Einwanderung samtea an Stelle des bisherigen Einwanderungs-Direktors Hyamson noch im Laufe der nächsten Woche öffentlich bekanntgegeben werden. Anfang Mai soll der neue Leiter der Immigrationsabteilung sein Amt antreten. * Mit Hyamson verschwindet der letzte hohe Beamte aus der Palästina-Regierung. Sein Ausscheiden erfolgt im Zuge der auf Entfernung des jüdischen Elementes gerichteten „Reinigungs-Aktion". Was die P e r s o n des Herrn Hyamson betrifft, so haben die Juden wohl keine Ursache, seinen Abgang zu betrauern. Wie viele andere Beamte ist auch Hyamson kurz nach Etablierung des englischen Regimes in Palästina, also in den „Flitterwochen", zwischen Engländern und Juden als „Zionist" mit Hilfe der Zionisten zu seinem Posten gekommen. Aber wie mancher andere hat er nach Erlangung seines Postens alles getan, damit vergessen werde, daß er einst Zionist war. Er hat als Einwanderungskommissär nicht nur dem später einsetzenden antizionistischen Kurs Folge ge» leistet, sondern hat aus freien StUcken der jüdischen Einwanderung in schlfrMä** Weise. Hindernisse, bereitet Allerdings ist auch kein Grund vorhanden, seinen Abgang zu begrüßen, denn sein Nachfolger, Herr Mills, ist als Antlzionist — viele schätzen ihn als Antisemiten ein — nur zu gut bekannt. Wenn noch der neue von der Regierung eingesetzte arabisch-christliche „Experte" für den „Bedarf an jüdischen Arbeitern", über dessen Ernennung wir vor kurzem berichtet haben, in Betracht gezogen wird, so muß man wohl damit rechnen, daß die jüdische Einwanderung in nächster Zukunft mit noch größeren Schwierigkeiten als bisher wird zu kämpfen haben. Ein Rekordjahr der Palästina'Wirtschaft Der Pressechef der Levantemesse in Tel-Awiw, Herr Dr. J. Adler (Tel-Awiw), gibt folgendes über die Ein- und Ausfuhr Palästinas (die Zahlen bedeuten englische Pfund) bekannt: Wie jetzt festgestellt wurde, hat Palästina im Dezember 1933 an Warenausfuhr 317.335, an WareneInf uhr 1,185.869 gehabt. Die nunmehr berechenbaren Gesamtjahresergebnisse von 1933 in Gegenüberstellung mit 1931 und 1932 betragen (ohne Wiederausfuhr, Transit und Edelmetallbewegung): Ausfuhr: 1931: 1,572.061; 1932: 2,381.491; 1983: 2,591.617. Einfuhr: 1931: 5,940.000; 1932 : 7,768.920; 1933: 11,122.469. Die führenden Absatzländer der Ausfuhr im Jahre 1933 waren Großbritannien mit 1,559.496 (1932: 1,342.031), Deutschland mit 873.749 (832.723); und Syrien mit 212.982 (229.903). Die wichtigsten Bezugsländer der Einfuhr 1933 waren Großbritannien mit 1,949.936 (1932: 1,522.073), Aegypten mit 1,208.217 (1,165.607) und Deutschland mit 1,193.313 (775.074). Im Verlaufe des Jahres 1933 hat sich der palästinensische Warenbezug aus Deutschland fast verdoppelt: von 75.587 im Jänner 1933 auf 144.752 im Dezember 1933. Der Passivsaldo des Außenhandels 1933, der sich unter Berücksichtigung von 319.302 Wiederausfuhr auf insgesamt 8,211.550 stellte, fand seinen Ausgleich in erster Linie durch die umfangreiche Kapitaleinfuhr, ferner durch die Auslandseingänge für Fonds und Stiftungen, die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr und den Ausfuhrüberschuß der Edelmetallbewegung (145.306 Einfuhr und 841.978 Ausfuhr). Wie in der Expansion des Außenhandels, trat Palästinas Prosperität auch in der Zunahme des Seeverkehrs zutage. Im Jahre 1933 suchten den Haifaer Hafen 1063 Schiffe mit 2,681.622 Tonnen (1932: 787 Schiffe mit 1,738.086 Tonnen), den Jaffaer Hafen 866 Schiffe mit 2,041.200 Tonnen (1982: 698 Schiffe mit 1,428.454 Tonnen), auf. Jüdische Hafenarbeiter in Haifa und Jaffa Der Auswanderungsdrang in Griechenland, bezw. Saloniki, ist so groß, daß sich im Laufe der zwei letzten Jahre fast 6000 griechische Juden in Palästina niedergelassen haben, unter ihnen der Vorkämpfer des griechischen Zionismus David Florentin. Einen ausgezeichneten Erfolg hatte der Versuch, jüdische Hafenarbeiter aus Saloniki nach Haifa zu verpflanzen. (Saloniki ist bekanntlich äußer Odessa der einzige Ort in der Welt, wo es jüdische Hafenarbeiter gibt.) Im Laufe der letzten acht Monate sind 180 jüdische Hafenarbeiterfamilien nach Haifa gekommen, und es Ist ihnen gelungen, Arbeitsstellen als Gepäckträger, Auslader u. a. zu erobern. Selbst arabische Unternehmer ziehen jetzt für die Manipulation ihrer Hafengüter diese jüdischen Arbeiter vor. Auf Grund dieses geglückten Versuches hat das Palästina-Amt in Saloniki neue 500 Zertifikate erhalten, damit im Lauf des Jahres 1934 wiederum eine große Zahl jüdischer Hafenarbeiterfamilien aus Saloniki in Haifa ansässig gemacht werden kann. Da der Jüdische Nationalf onde zur Errichtung eines besonderen Viertels Boden zur Verfügung gestellt und die Gesellschaft Kadi man 1500 Pfund zur Schaffung dieses Viertels erhalten hat, ist die Zukunft dieser jüdischen Transportarbeiter gesichert. Demnächst sollen auch in Jaffa jüdische J^usltder Und Gepäckträger Qnj&Mlg ffttUfifet «ftnttfb

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