Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 358 (20.4.1934)
- Date
- 1934-04-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 358 Absage an die Zioiustisdie Organisation Ein Manifest der Zionisten-Revisionisten Aus Paris wird gemeldet: Das Exekutivkomitee der Weltunion der Zionisten-Revisionisten veröffentlicht im Anschluß an die beendete Jerusalemer Tagung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation eine Erklärung, in der u. a. gesagt wird: Das Ergebnis der Jerusalemer Session des Zionistischen Aktionskomitees ist ein totales Versagen; die Zionistische Exekutive weiß es. Die Session war der S. O. S.-Ruf der isolierten Exekutive an die gemäßigteren Teile der Opposition, sie, die Exekutive, zu retten. Gute Bissen wurden als Köder ausgeworfen, um diese Teile zu besänftigen: Sabbatruhe, obligatorisches Schiedsgericht bei Arbeitskonflikten usw. Alles nutzlos. Die in Prag gewählte «xekutivt bleibt isoliert wie zuvor, niemand traut ihr, niemand rechnet mit ihr, sie vermag nichts Rechtes zu vollbringen: es sei denn, daß sie den Prozeß der Zerreißung der Zionistischen Organisation noch beschleunigt. Der Revisionismus beobachtet den Todeskampf dieser Exekutive mit wenig Interesse und viel Gleichgültigkeit. Wie immer das Schicksal der Zionistischen Organisation unter solcher Führung sich gestalten mag — unsere Bewegung wird davon nicht betroffen. Die von uns betriebene Petitionsbewegung, die das Prinzip des jüdischen Staates bejaht, umfaßt nach und nach Massen, die weit zahlreicher sind, als irgend eine Gesamtzahl vonKongreßwä hlernes sein kann. Der verzweifelte und tief unmoralische Versuch, unsere Jugend, sei es offen oder geheim, der Einwanderungszertifikate zu berauben, kann nur zu einem von den Urhebern unerwarteten Resultat führen: Sofern die Zionistische Exekutive selbst für sich nicht mehr das Recht in Anspruch nimmt, den Einwanderungsanspruch sämtlicher zionistischer Bewerber zu vertreten und zu schützen, begibt sie sich selbst des Rechtes, als die alleinige Agentur zur Verteilung der Zertifikate zu fungieren. Wir werden dafür sorgen, daß dieser Mißbrauch aufhört. Wir fragen nun alle wahren Zionisten außerhalb der Revisionistischen Bewegung: Was nun*? Diese Zionisten hatten gehofft, daß in Jerusalem ein Wunder geschehen werde. Es ist nicht geschehen. Wollen sie nun auch weiterhin daneben stehen und mit den Zähnen knirschen? Oder sich unterwerfen und Befehle empfangen von einer als „zionistische" Exekutive verkleideten Klassenkampf-, Blutmärchen- und Hitler- Abkommen-Partei, ja auch nur Pfennige für sie sammeln? Diese Erklärung bedeutet inhaltlich eine Los sagung von der Zionistischen Weltorganisation, wenn auch die Kündigung des Verhältnisses nicht in der üblichen Form erfolgt. Der Präsident der Revisionistischen Union, Jabotinsky, dessen Drängen nach Bildung einer „Unabhängigen Zionistischen Weltorganisation" (U. Z. O.) seinerzeit zum Austritt der auf dem Boden der Herzischen Weltorganisation stehenden Judenstaatler aus der Union und Bildung der „Judenstaatspartei" geführt hat, ist dem Ziel seines Wunsches nunmehr ganz nahe gekommen. Allerdings muß man feststellen, daß die derzeitige sozialistische Exekutive der Z. O. es Jabotinsky sehr leicht gemacht hat, die noch bei einem Teil seiner Anhänger bestehenden Widerstände gegen die Bildung der U. Z. O. zu überwinden. Diese Exekutive hat geglaubt, mit Ehrengerichtsurteilen, Anträgen eines allzu willigen Kongreß anwaltes, Hinauswürfen, rechtswidriger Verweigerung von Einwanderungszertifikaten und ähnlichen Mitteln der Opposition Herr zu werden. Wenn die Absage der Revisionisten an die Weltorganisation in definitiver Form erfolgen und es zur Bildung der U. Z. O. kommen wird, dann fällt der jetzigen Exekutive der Z. O. und ihren aktiven und passiven Förderern der Löwenanteil der Schuld an der Spaltung zu. Sie haben es Jabotinsky allzu leicht gemacht. Da§ Wüten des Hakenkreuzes in Amerika Warenboykott und Schuldenzahlung Der jüdische Holländer Roosevelt — Die Ritualmordlüge — Diplomaten als Hitler-Agenten Aus New York wird uns geschrieben: Seit längerer Zeit laufen in Washington Unterhandlungen zwischen der amerikanischen und deutschen Regierung betreffs der deutschen Schuldenzahlung an Amerika. Wie man jetzt erfährt, haben die deutschen Unterhändler gestanden, daß sieb der jüdische Boykott deutscher Waren verhängnisvoll für Deutschland auswirke und diesem unmöglich mache, seine Auslandsschulden zu bezahlen. Im Zusammenhang damit kommt aus Washington, also aus den Kreisen um den Präsidenten Roosevelt, der Rat, alle antihitleristischen Aktionen, also auch den antideutschen Warenboykott, einzustellen. Es ist bloß ein Rat, denn hier im freiheitlichen Amerika könnte man die antihitleristische Protestbewegung nicht verbieten. Während der deutsch-amerikanischen Verhandlungen arbeiten hier Hitlers Agenten offen und großzügig, sowohl im Rahmen ihrer Diplomatie als auch unter den Massen, ohne daß offiziell ein Schritt dagegen unternommen würde. Der deutsche Gesandte Doktor Luther und die ihm unterstellten Beamten sprechen in Studenten-Universitäten über das „neue Deutschland" und sogar aus Deutschland importierte Professoren halten in den großen Columbia- und Harvard-Universitäten Propagandavorträge für den deutschen Nationalsozialismus. Kürzlich fand in New York eine Kundgebung der deutschamerikanischen Hakenkreuzler unter der Parole: „Boykottiert die Boykotteure!" statt?" Es wurde eine Resolution angenommen, wo- I hre schönste Fahrt nach PALÄSTINA mit unserer Gesellschaftsreise zur Levantemessel Pfingsten und das entzückende ErstUngsfeet in Haifa a) am 14. April mit dem Luxusdampfer „Ausonia" Trlest—Haifa und zurück; b) am 2. Mai mit der „Vulcanla" (24.000 Tonnen) Neapel—Haifa und zurück. Preise je nach der Kombination ab ö. S. 580.—. Für Einzelreisende Schiff- und Bahnkarten. Anmeldungen und Auskünfte: NORDISCHES REISEBÜRO (Palästina-Abteilung: Reiseleitung) N. M. Racker Wien, I., Seilergassc 3 (Ecke Graben- Stephansplatz), Telephon R-25-0-92. Prospekte emd Offerte zur gefälligen Verfügung. Jederzeit genaue Informationen. nach ein großangelegter Boykott gegen Jüdische Warenhäuser und Geschäfte einzusetzen habe. Fünfhundert uniformierte Mitglieder der Nazisturmtrupps — man nennt sie hier Silberhemden — versahen den Ordnerdienst. Unter dem Titel „Freunde des neuen Deutschland" wird eine unerhörte judenfeindliche Propaganda betrieben, die zugleich gegen das jetzige Regime gerichtet Ist. So wurde z. B. bekannt, daß Faschistengruppen unter Anführung reichsdeutscher Hakenkreuzler Versuche unternahmen,' die Disziplin der amerikanischen Armee durch Bestechung und Propaganda zu brechen, um das amerikanische Reglerungssystem zu stürzen. Das Geld für die Propaganda kam aus Berlin. Die Nazi verbreiten Flugschriften, in denen behauptet wird, Präsident Roosevelt sei jüdischholländischer Abstammung und seine Wirtschaftsgesetzgebung sei ein Machwerk jüdischer Banklers. Kürzlich meldeten die Blätter, daß Personen im Priesterkleid von Haus zu Haus gingen und die Christen vor der Berührung mit Juden warnten, da diese „Blut für Pessach" brauchten. Die alte Ritualmordlegende wird also jetzt von hitlerfsttscher Seite im Kampf gegen den jüdischen Boykott deutscher Waren angewendet. Wenn man all diese Fakten Revue passieren läßt, so muß der halboffizielle Wink Washingtons, den Boykott gegen Hitler-Deutschland einzustellen, ganz sonderbar berühren, zumal wenn man weiß, daß die Verleumdungen und Giftmischereien aus derselben Quelle stammen, die sich über die Wirkung des Boykotts bei der amerikanischen Regierung beklagt, nämlich aus den Kreisen der deutschen Diplomatie In Amerika. Das gefährliche Treiben der deutschen Nazi In Amerika findet allerdings in gewissen amerikanischen Kreisen schärfste Verurteilung. Es gibt sogar einflußreiche Persönlichkeiten, die eine Untersuchung gegen die „Freunde des neuen Deutschland" und eine Ausweisung aller Hitler-Agenten verlangen. Das offizielle Washington begnügt sich mit Ratschlägen. Aber sowohl jüdische wie nichtjüdische Gesellschaftskreise in den Vereinigten Staaten lassen es sich nicht nehmen, durch Fortsetzung des antideutschen Boykotts den bisher erfolgreichen Abwehrkampf gegen den Pogromantisemitismus weiterzuführen. Vitamine, Nährsalze, hochwertiges Pflanzeneiweiß, alles, was die moderne Ernährungslehre von einem Nahrungsmittel verlangt, bietet in höchster Vollendung und genußreicher Form das Simonsbrot. Es wird nach einem besonderen Verfahren aus dem ganzen Getreidekorn hergestellt. Das Vorkeimen der Körner macht das Simonsbrot besonders leicht verdaulich und wohlschmeckend. Gemessen an seinem Nähr- und Genußwert gehört es auch m den billigsten Lebensmitteln, die wir kennen. AUS DEUTSCHLAND Parteiamtlicher Jndenboykott in Deutschland Aus Berlin: In der gesamten nationalsozialistischen Provlnaprease Deutschlands erschien vor einigen Tagen folgende Bekanntmachung: „Nach wie vor JüdischeGeschäftemeiden! Das Kreispresseamt der NSDAP, teilt mit: Es ist in letzter Zeit mehrfach behauptet worden, es sei den Parteigenossen gestattet, bei Juden ihre Einkäufe zu tätigen. Dazu ist zu sagen, daß eine derartige Genehmigung führender Parteidienststellen nicht ergangen und auch nicht zu erwarten ist. Es bleibt also den Mitgliedern der NSDAP, und ihrer Unterorganisationen nach wie vor verboten, jüdische Geschäfte zu berücksichtigen. Der Jude ist der Todfeind des deutschen Volkes und es gibt keine wirksamere Bekämpfung, als ihn am G e 1 d b e u t e 1 zu packen. So ist es eine Selbstverständlichkeit, daß Nationalsozialisten jüdische Geschäfte und Warenhäuser meiden." Der Herr Regfetungskommissär Wir haben Uber die Ernennung des wahnsinnigen, blutrünstigen Judenhetzers und Freundes Adolf Hitlers, des Begründers des Nürnberger Pogromblattes „Stürmer", zum Regierungskommissär der Provinz Franken berichtet. Wes Geistes Kind Streicher ist, zeigt folgende Meldung: Aus NUrnberg: Eine einzige der letzten Nummern des von Julius Streicher herausgegebenen „Stürmer" enthält die folgenden judenhetzerischen Ueberschriften: Die Juden in Oberschlesien. Sie erklären sich als Minderheit und spielen die Herren im Lande. — Der Judenschwlndel in der Schweiz. — Frauenschänder Raphaelsohn. Die getaufte Jüdin. — Jud Blumenfeld. Er mißhandelt eine deutsche Frau. — Siegfried David. Der Rasseschänder von Aufseß. — Hopfen jud Kohnstamm. Er pirscht deutschen Mädeln nach. — Deutsche Frauen kaufen beim Juden. — Auch in Palästina wollen sie nicht arbeiten. — Oppenheimer und Markuse. Einbrüche auf Bestellung. Juden im Bunde mit der Unterwelt. — Jud Ansbacher. Der Hühnerschächter. — Die Juden sind unser Unglück. Numerus nullus Aus Berlin: Der preußische Unterrichtsminister hat jetzt an die zuständigen Behörden einen neuen Erlaß zur Durchführung des Gesetzes gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen gerichtet. Die Bestimmungen für die jüdische Schülerscnaft lauten: „Zur weiteren Durchführung des Gesetzes bestimme ich, daß auch bei der Neuaufnahme von Nichtariern die Abstammung angemessene Berücksichtigung zu finden hat. Unter den Anmeldungen ist den Nichtariern mit nachgewiesenem arischen Bluteinschlag der Vorzug vor Juden zu geben. Dabei ist darauf zu achten, daß dort, wo die Zahl der angemeldeten aufnahmereifen Schüler größer als die. Zahl der verfügbaren Plätze ist, Kinder arischer Abstammung auf keinen Fall hinter solchen nichtarischer Abstammung zurückgesetzt werden. Zum Besuche der höheren und mittleren Lehranstalten geeignete Kinder arischer Abstammung verdienen viel mehr den Vorzug bei der Aufnahme, selbst wenn dann die Zahl der zur Aufnahme kommenden Nichtarier hinter der Verhältniszahl zurückbleiben sollte." „Neuaufnahmen an höheren und mittleren Lehranstalten, die ihrer besonderen Zweckbestimmung nach gerade für den Besuch der jüdischen S c h ü 1 e r(i n n e n) bestimmt sind, dürfen in diesem Jahre, gleich, ob es sich um öffentliche oder private Lehranstalten handelt, nicht erfolgen." (Dieser, nunmehr vierte, Erlaß des Kultusministers Rust zur Durchführung des „Gesetzen gegen die Ueberfüllung", kommt einem totalen Ausschluß der jüdischen Schülerschaft aus den mittleren und höheren Schulen Deutschlands gleich.) ludisches Schulwesen in Deutschland Aus Stettin: In Stettin wurde die neuegegründete erste Jüdische Schule der Stettiner Jüdischen Gemeinde mit einer Feier eröffnet, bei der Rabbiner Dr. Max Elk vor Vertretern des Gemeindevorstandes und der jüdischen Organisationen zu den Kindern sprach. Den Schülern, die eine Umschulung erfahren haben, um nunmehr ihre Ausbildung in der Jüdischen Schule fortzusetzen, machte Dr. Elk die Besonderheit dieses Tages klar. Aus Berlin: Wie die Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde mitteilt, ist die Genehmigung zur Erweiterung des Schulwesens der Gemeinde behördlich erteilt worden. Es ist geplant, je vier achte und vierte Klassen neu zu eröffnen. Für die Klassen sieben, sechs, fünf, drei und zwei sind so viele Schüler gemeldet, daß für jeden Jahrgang eine Klasse eröffnet werden kann. Die neuen Klassen werden wahrscheinlich am 28. April eröffnet werden. Im ganzen werden auf diese Weise 600 jüdische Kinder in diesen neuen Klassen in der Volksschule untergebracht werden. Gleichzeitig werden die auch schon bisher bestehenden Volksschulen eine Erweiterung erfahren, so daß von den angemeldeten 1000 Kindern nur wenige zurückgewiesen werden dürften. Hotel Smeäana Bad Luhacovfce (€*S*RJ Erstklassiges Haus, vorzügliche Verpflegung, in der Vorsaison ermäßigte Preise. Prospekte prompt aut Verlangen.