Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 358 (20.4.1934)
- Date
- 1934-04-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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MM I NEU ERÖFFNUNG! MHitofi, CmH, R«ttaurant, orth. BAD HALL Oberösterreich VILLA MAYERHOFER A. BARSCHAK ft Co. aus Wltn, II., Gr. Schiffgasse 3. Tel. A-46-4-39 Das Unternehmen steht unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn R ab b. Babad Die tschechische Faschistenfront bleibt judenrein Aus Prag: Wie das „Narodni Osvobozeni" meldet, haben am Samstag und Sonntag Beratungen der faschistischen Gruppen stattgefunden, die sich in einer gemeinsamen Organisation, der „Narodny fronta" (nationale Front) zusammengeschlossen haben. Der Mittelpunkt dieser faschistischen Front bleibt weiter die nationale Faschistengemeinde General Gajdas. Die neuen Gruppen sind die radikale Weinberger Gruppe , der Nationaldemokraten unter Führung von Locher und DuSek, weiter eine konservative Gesellschaft, geführt von dem faschistisch-klerikalen Dr. K e 11 n e r, eine Gruppe des Redakteurs der „Narodni P o 1 i t i k a" Prof. Nikolaus und des ehem. nationaldemokratischen Abg. Prof. Mareä. Nicht aufgenommen wurde in die Nationale Front dieLigaStfibrnys, weil sieauchJuden zu Mitgliedern zählt. Daa Frauenwahlrecht in Palästina vor dem englischen Unterhaus Aus London: Im Unterhaus fragte Rhys- D a v i e s den Kolonienminister, ob er etwas unternehmen werde, um die Verordnung der Palästina-Regierung, wonach mit Ausnahme der Frauen von Te 1-A w i w alle anderen Frauen Palästinas des Stimmrechts bei den städtischen Wahlen beraubt sind, für ungültig zu erklären. Der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, man könne hier nicht von Beraubung des Stimmrechts sprechen, da die Frauen in Palästina, mit Ausnahme derjenigen von Tel-Awiw, auch bisher kein Stimmrecht hatten. In der Verordnung sei aber vorgesehen, daß jeder Stadtrat mit zwei Dritteln der Stimmen beschließen könne, den Frauen Wahlrecht zu geben. Man könne, schloß Sir Philip, etwa einem m o s 1 em i t i 8 c h e n Distrikt das Frauenwahlrecht nicht aufzwingen, wenn ein solches auch in einer modernen jüdischen Stadt wie Tel-Awiw ganz am Platze ist. „Protokolle der Weisen von Zion" in der Tschechoslowakei verboten Aus Prag: Das Ministerium des Innern der Tschechoslowakischen Republik hat die Einfuhr und Verbreitung des antisemitischen Buches „Die Juden" vom Staatssekretär der Hitler-Regierung Gottfried Feder, ferner „Die Geheimnisse derWeisen von Zion" von Gottfried zur Beck und das berüchtigte antisemitische Lexikon „Sigilla Veri", Verlag Beding, Berlin, verboten. Von Land zu Land Aus Saloniki: 18 jüdische Familien aus Saloniki, die vor mehreren Wochen nach Smyrna ausgewandert waren, kehrten vor einigen Tagen nach Saloniki zurück, da die türkischen Behörden ihnen die Ausübung jedweder beruflichen Tätigkeit untersagt haben. Weitere 30 jüdische Familien, die vor drei Monaten in die Türkei ausgewandert waren, kehrten aus dem gleichen Grunde zurück. Es handelt sich um jüdische Familien, die seit Jahrhunderten in Smyrna ansässig waren, und auf Grund des Abkommens nach dem letzten griechisch-türkischen Kriege gegen ihren Willen nach Griechenland abtransportiert worden. Sdiwadv; Zunahme de» Juden in Polen Aus Warschau: Laut der amtlichen Statistik hat sich die Bevölkerung Polens im Jahre 1933 um 4 0 2.000 Seelen vergrößert, darunter waren 260.ÜUÜ Katholiken, 62.000 Griechisch-Ortentale, 45.000 Uniierto und 2 6.0 0 0 Juden. Der Zuwachs der Griechisch- Orientalen beträgt 15,4 auf tausend, der der Üniierten 13 auf tausend, der der Katholiken 12,6 auf tausend, der der Juden aber nur 8,7 auf tausend. Iiniiiiuuji'iiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiinn | Elsa Ackermann/ Wien | j I, Elisabethstraße 2 j Damenfasdien j Handschuhe/ Dedien I Wiener Kunstgewerbe J Tel*Awiw{ Levante Messe, Haus der Frau 1 MMMHUIUNM ME NEUE WELT .illlllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIHh RUNDSCHAU Mtuif Iii iiiirffiiifffitfiiiiiiiiiiiiiitfiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiitiii» Wiener Theater gleichgeschaltet Ein Leser unseres Blattes beschäftigt sich in einer Zuschrift mit den Verhältnissen an den Wiener Theatern und führt ü. a. aus: „Man kann von verschiedenen Seiten hören, daß die Wiener Theaterdirektoren in bezug auf ihr Ensemble die hitleristlschen Manieren annehmen. Jeder, der die hiesigen Theaterverhältnisse kennt, wird wissen, daß der jüdische Schauspieler allmählich ausgeschaltet wird. Für einen jüdischen Schauspieler ist es fast unmöglich, an einem Wiener Theater ein Engagement zu bekommen, es sei denn irgend eiri „Prominenter", für den gerade kein Ersatz zur Hand ist. Soweit Neuengagements getätigt werden, ist man äußerst vorsichtig und darauf bedächt, daß das mit der arischen Großmutter in Ordnung gehe. Ein wenig Loyalität merkt man im Volkstheater; Stadttheater, Theater an der Wien, Scala zeigen gegenüber jüdischen Aspiranten lustlose Haltung. Die Staatstheater sind selbstverständlich anderen Voraussetzungen unterworfen... Auch das übrige Personal (Techniker, Musiker usw.) ist in bezug auf den Judenpunkt nicht besser dran." Die Zuschrift schließt: „Walten hier Rücksichten auf das Dritte Reich, das bekanntlich hunderte jüdische Künstler brotlos gemacht hat, oder geht die Gleichschaltung bei uns spontan vor sich? Das jüdische Theaterpublikum hat Anspruch darauf, auf diese Frage eine Antwort zu bekommen." Ueberfreibung und Erfindung Mehrmals schon haben wir bei Betrachtung der österreichischen Judenfrage festgestellt, daß die offiziellen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Umgestaltung des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens den einen Zweck haben, dem Land alle Wiederaufrichtungsmöglichkeiten zu geben. Wir haben selbstverständlich alle Versuche, auf „administrativem" Wege die staatsbürgerlichen Rechte der Juden zu mindern, einer entsprechenden Kritik unterzogen und bei dieser Gelegenheit erklärt, daß wir eine Einschränkung unserer Rechte nicht widerspruchslos hinnehmen würden; Die systematische Ausschaltung und Zurücksetzung jüdischer Aerzte gab unsyGelegenheit zu'einer offenen Diskussion. Und wir werden auch weiterhin nicht schweigen, wenn man die jüdische Bevölkerung dieses Staates zu Bürgern zweiter Kategorie würde "machen wollen. Auf der anderen Seite aber wünschen wir für unsere Diskussion eine ruhige, reine Atmosphäre. Wir halten es für schädlich, wenn durch Aufbauschung oder Erfindung von Geschehnissen die Basis sachlicher Aussprachen verlorengeht. Die J. T. A. (Jüdische Telegraphen-Agentur) vom 9. April weiß zu melden, daß die für die österreichischen Arbeiterbibliotheken ernannten Bibliothekare die Weisung bekommen haben, eine Reihe von Autoren, wie Werf el, Schnitzler, Feuchtwanger etc., also jüdische Autoren, von der Verleihung auszuschließen, d. h. auszumerzen, hingegen „als für das Volk besonders empfehlenswerte literarische Werke die Romane der Courths-Mahler, Adlersfeld-Ballestrem und — ebenfalls als Volkslektüre — das Buch Prof. Ozermaks „Ordnung in der Judenfrage" in das Verzeichnis aufzunehmen". Die Meldung liest sich so, als würde von autoritativer Seite ein Feldzug gegen jüdische Schriftsteller unternommen werden. Wir sind der Sache nachgegangen und haben erfahren, daß die Volksbüchereien zur Zeit überhaupt gesperrt sind und nach durchgeführter Neuaufstellung wieder allgemein zugänglich sein werden. Sollte hiebei eine „Säuberung" in vaterländischem Sinne durchgeführt werden, so läge dies in der auch auf anderen Gebieten betonten Linie. Solch eine Aktion hat aber durchaus nichts mit dem „Ju denpunkt" zu tun. Die Motivierung etwa, daß man nichts unterlasse, was in jüdischem Interesse Hegt, macht die Sache nicht besser. Wir sind, wie bereits gesagt, zum Schutz jüdischer Rechte auf der Wacht. Wir müssen aber jeden Versuch, unsere Bestrebungen durch abwegige oder gar unrichtige Berichte zu diskreditieren, im Interesse der von uns vertretenen Sache ablehnen. Hetze segen das jüdische Siedlungsprojekt tn Syrien Die Meldung, daß von zionistischer Seite Schritte unternommen wurden, um eine Besiedlung gewisser Teile des unter französischem Mandat stehenden Syriens durch jüdisch-deutsche Auswanderer zu ermöglichen, hat in der Jüdischen Oeffentllchkeit berechtigtes Aufsehen erregt. Es hieß in mehreren Meldungen der Jüdischen Tele? graphen-Agentur, daß die Besprechungen Dr. Welzmanns und Shertoks mit dem französischen Oberkommissär In Syrien diesem Gegenstand galten. Auch sprach man von der Bereitwilligkeit der syrischen Notabeln, mit den Juden Pachtverhandlungen zu beginnen« Nun treten, wie In ähnlichen Fällen, die arabischen Extremisten Palästinas auf den Plan. Der Jerusalemer araWsche „Fa last In" teilt mit, daß die araWsche Exekutive sich telegraphisch an die Notabeln In Syrien und Libanon mit der Bitte gewendet habe, keinerlei definitive Abmachungen bezüglich einer Bpoettpacht zu treffen, d. h. daa Uebergehen syrischen oder lihanönischen Bodens In zionistische Hände zu vermeiden. Up» SN Auch die arabische Zeitung „Islamia" bemüht sich, einen eventuellen Pachtvertrag als Beunruhigung für die palästinensischen Araber hinzustellen, und droht mit scharfen Maßnahmen gegen die arabischen „Brüder**. ( Diese Attacke der arabisch-palästinensischen Presse dürfte nicht viel Eindruck auf die syrischen Notabeln machen, wenn sie sich von der Verpachtung ihrer Böden eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse Syriens versprechen. Aber sie ist ein Beweis dafür, daß die In der letzten Zelt von der palästinensischen zionistischen Exekutive lancierten optimistischen Meldungen über eine jüdisch-arabische Verständigung von der Wirklichkeit leider sehr weit entfernt sind. Ein weißer Rabe Was in Hitler-Deutschland geschehen ist und Wal noch täglich an Unrecht, Vergewaltigung und Entehrung geschieht, braucht im einzelnen nicht ausgeführt zu werden. Diese Dinge gehören in die tägliche Chronik. Seltener sind die Bemühungen, sich dem Hitlerismus entgegenzustellen; verschwindend die Versuche, die verschiedenen hakenkreuzlerischen Regime-Maßnahmen als Schändung der. Menschenrechte zu deklarieren. Bisher war es nur die Kirche, die sich wehrte — mit mehr oder weniger Widerstandskraft. Einen seltenen, darum schon bemerkenswerten Fall stellt der gewesene Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Freiherr von Pechmann, der Direktor der Bayrischen Handelsbank, dar, der seinen Austritt aus der evangelischen Kirche mitteilt und ihn gegenüber dem Reichsbischof wie folgt begründet: „Ich habe oft und oft protestiert: gegen die Vergewaltigung der Kirche, gegen ihren Mangel an Widerstandskraft, auch gegen ihr Schweigen zu vielem Unrecht und zu all dem Jammer und Herzeleid, das man, aus einem Extrem ins andere fallend, In ungezählte „nichtarische" Herzen und Häuser, Christ- : liehe und jüdische, getragen hat. Aber ich habe bisher nur in Wort und Schrift protestiert und immer ganz vergeblich. Es ist Zelt, einen Schritt weiterzugehen, d. h. durch den Austritt aus einer Kirche zu protestieren, die aufhört, Kirche zu sein." Welch männlicher Protest! Welch klare Sprache! Diejenigen, die gemeiniglich, d. h. bei weniger wichtigen Anlässen, den Mund vollgenommen haben, die Protestierer gegen die Verletzung der Menschenwürde usw., die großen Phrasenhelden, schweigen jetzt. Von einem Bankdirektor müssen sich die „Vertreter des sozialen Fortschritts" sagen lassen, wie ein ehrlicher Kulturmensch auf die Hitlerischen Verbrechen zu reagieren hat. Der Jud ist schuld! Der deutsche Reichsminister für die Landwirtschaft R. Walther Darre" versucht, die Aufmerksamkeit von seinem mißglückten Erbhof-Gesetz, das in der deutschen Bauernschaft tiefste Unzufriedenheit und in der ganzen Welt Erstaunen hervorgerufen hat, dadurch abzulenken, daß er alles Mißgeschick den Juden zur Last legt. Im Leitartikel seines Berliner Organs „Deutschs Zeitung" führt er unter der Ueberschrift „Die Bodenfrage" aus; „Die Väter der wesentlichsten politischen Weltanschauungen Deutschlands im 19. Jahrhundert waren Juden. Der Jude Julius Schlesinger gen. Stahl schuf die Konservativen und legte den Grundstein zu dem, was wir heute „Reaktion" nennen. Juden standen an der Wiege der Demokratie Pate, und den Marxismus haben zwei Juden geschaffen, Lassalle (Feist Lhasa!) und Marx (Mardochai).- Daß der „Liberalismus" als solcher eine rein jüdische Weltanschauung darstellt, ist inzwischen in Deutschland begriffen worden; der Liberalismus ist nichts anderes als die jüdische Inthronisierung der Ichsucht. Jüdisches Denken ist immer Ichbezüglich. Demgemäß haben auch alle diese jüdischen polltischen Weltanschauungen den „Sozialismus" immer und im Sinne der Ichbezüglichkelt als Träger einer Weltanschauung behandelt: die einen sahen in ihm den Feind, der ihnen etwas wegnehmen wollte, die anderen sahen in ihm das Mittel, um unter Umgehung der peinlichen Bestimmungen im Strafgesetzbuch den Staatsbegriff einzuspannen zum Zwecke der Enteignung solcher Leute, die etwas oder mehr hatten von dem, was man selber haben wollte. Am Nasenring der Ichsucht läßt der Jude die politischen Marionetten tanzen, um seine u rjüdischen Ziele durchzusetzen. Diesen jüdischen Vorstellungen steht schroff gegenüber der Soziallsmus des Nationalsozialismus Adolf Hitlers. Nirgends, schreibt Darre" weiter, springt der Gegensatz des jüdisohen und nationalsozialistischen Staatsbegriffes so handgreiflich in die Augen, wie in der Bodenfrage. Die bisherige Auffassung von Grund und Boden war ichbezüglich, d. h. der einzelne konnte mit seinem Grund machen, was ihm beliebte. In der Stadt zeitigte diese Entwicklung ein unerhörtes HochschneUen der Grundstückpreise. Hier liegt die Quelle allen sozialen Wohnungselends einer Stadt und die Wurzel allen sozialen Elends überhaupt. Die Parole von der „Enteignung der Enteigner" konnte Ihren verhängnisvollen Lauf beginnen. unberührt von solchen Katastrophen bleibt in jedem Falle der geistige Vater des Ganzen, der Jude. Ehr ist Nomade und also selber vom sozialen Schicksal seines Wirtsvolkes wenig berührt, denn er wandert weiter, wenn er an diesem Wirtevolk nicht mehr verdtaua taaeav" '