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Die neue Welt · 1934-04-20 · Heft 358 (20.4.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 358 (20.4.1934)
Date
1934-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prot* 90 Qrofctton B^H^p^Ä^Ji^ Ifc^ftt ^A^MP^V f < Nr« 3S8 V« b* b» Ztiinng vom Verleger versend«! «Journal expldie* par re'ditenr*. REVUE oh Zloty2.—.vierteljährig Zloty b.— st Dinar 40.—; Rumänien monatlich tn monatlich Lewa 40.—, vierteljährig BEZUGSBEDINGUNGEN: 0«t«rrcleii monatlich S 1.SD, vierttljlhrlg S4.2D, ganzjährigst.-^ Ts«k«efcc«1oirak«1 MoaatllekKc 0.—, ▼itrMJIkrlg Ke 19.—: lagtslairtca monatlich Dinar 14.—, vi. L«l 4«.-, vlerteljlkrif Lei 1».—; DtntfchlM« «io»ttllch «Urk 1.-, vterteltthrif M*rk 3.-; ßo».............,___».t.lc„a„,.K Lewa 130.-5 Italta mmatUeh-Ura 5.-, vtertelflkric Lire 14.—: Schwell aad dl» übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viert* lahrig Schweizer Francs 4.90 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6St TeL B-48-504 — Erscheint Dienstag und Freitag Hüte« die jüdische Jugend! Das italienische Judentum in Gefahr Unser italienischer Berichterstatter schreibt uns aus Rom: Ein Vorfall, der sich vor wenigen Wochen zugetragen hat und dessen behördliche Untersuchung jetzt beendet wurde, hat die italienische Judenschaft in große Aufregung versetzt. Das vorbildlich gute Verhältnis zwischen den Juden und der Regierung scheint ernst bedroht. Am 11. März d. J. kam von der Schweiz her ein Auto zur italienischen Genzstation Ponte Tresa, in welchem zwei junge Leute saßen. Als die italienische Grenzwache daran ging, das Auto gründlich zu untersuchen, flüchtete einer der Insassen, ein Jude namens Mario Levi, auf das Schweizer Gebiet und rief von dorther der Grenzwache zu: „Ihr feigen italienischen Hunde!" Die Wache fand im Auto eine große Menge antifaschistischer Flugschriften und Aufrufe. Auf Grund der Aussagen des festgehaltenen zweiten Insassen des Autos, namens Lion S e g r e, gleichfalls ein Jude, und des vorgefundenen Materiales stellte die italienische Untersuchungsbehörde das Bestehen einer fast ausschließlich jüdischen antifaschistischen Gruppe fest, die im Einvernehmen mit den in Paris wohnhaften politischen Emigranten eine Verschwörung vorbereitete, um Mussolini und das faschistische Regime in Italien zu stürzen. Die „Gazzetta dol Popolo della Sera" brachte bald darauf an der Spitze des Blattes mit Riesenlettern unter der Aufschrift: „Aufdeckung und Verhaftung einer jüdischen antifaschistischen Gruppe", die Namen der Mitglieder dieser Gruppe. 16 Juden (darunter als Führer einen gewissen Leo Ginsburg aus Odessa) und zwei Nichtjuden. Zur größten Bestürzung der italienischen Zionisten befand sich auf der Liste auch der Führer der zionistischen Jugend Italiens, Leo Lev 1 aus Turin, ein Hochschüler, der von Mussolini im Vorjahre mit dem Arnaldo-Mussollni-Preis ausgezeichnet worden war. Die römische Tageszeitung „II Tever e", die auoh sonst antisemitische Töne anzuschlagen pflegt, folgte mit einem heftigen Leitartikel, mit dem hebräischen Titel: „Lesohana habaa b'jeruschalaJim!" (Uebers Jahr in Jerusalem.) In dem Artikel wird daran erinnert, daß der Präsident des jüdischen Gemeindebundes wohl erklärt habe, daß alle italienischen Juden, ob sie nun Zionisten sind oder nicht, dem italienischen Vaterlande in unwandelbarer Treue anhängen, und daß der Zionismus den vaterländischen Gefühlen keinen Abbruch tut. Nun zeigt aber das verbrecherische Treiben der entdeckten jüdischen Gruppe, daß die Juden für Italien nichts übrig haben und nur Palästina als ihr Vaterland betrachten. Im Kreise der italienischen Judenheit hat der Vorfall und namentlich der Umstand, daß Leo Levi der Gruppe angehört hat, die größte Bestürzung hervorgerufen. Es sind in dieser Angelegenheit Besprechungen in Rom im Zuge, von denen aber noch nichts verlautet. Der Vorfall und die folgenden vehementen Angriffe haben die italienische Judenschaft in tiefe Bestürzung versetzt. Insbesondere der Umstand, daß der zionistische Jugendführer Leo Levi an der offenbar vom Auslande geleiteten, linksradikalen Verschwörung gegen den Staat beteiligt ist, hat den peinlichsten Eindruck hervorgerufen. * Die böse Nachricht aus Italien zeigt wiederum all die Gefahr auf, welche dem Zionismus und mit ihm dem Weltjudentum droht. Die Gefahr liegt darin, daß die Leitung der Zionistischen Weltorganisation einer Klassenkampfpartei überlassen wurde, welche sich in den Dienst der Internationale und marxistischer Ideen gestellt hat. Diese leitende Partei bedroht nicht nur durch Klassenkämpfe wildester Art und Kulturkämpfe den Aufbau des jüdischen Palästina, sondern bringt den Zionismus in den verhängnisvollen Ruf, eine Agentur der Internationale zu sein. Vor allem bemächtigt sie sich, dank der freien Verfügung über die Autorität und Mittel der Zionistischen Weltorganisation, derjüdischenJugend und leitet sie irre. Sie sendet unter den verschiedensten Vörwänden „Jugendführer und Jugendberater" in alle Welt, welche — m<t reichlichen Mitteln und offizieller Legitimation ausgestattet — die zionistische Jugend ins Lager der Klassen- und KulturkSmpfer führen und dem Zionismus als Bewegung zur nationalen Wiederaufrichtung, wie ihn Theodor Herzl geschaffen hat, abspenstig machen. So ist es gekommen, daß in der Tschechoslowakei, Rumänien, Polen, Jugoslawien, kurz, in den meisten Landern der Diaspora und in Palästina selbst, ein Großteil der zionistischen Jugend ins Lager des Klassenkampfes gedrängt wurde. UndjetztkommtdieböseKunde aus Italien! Wohin führt dieser Weg? Das Schauspiel, welches das zionistische Italien bietet, ist typisch. Nach au£enhin wird dort der Zionismus durch die Gruppe der „Allfemeinen Zionisten" repräsentiert. Diese Gruppe arbeitet für die Fonds und besorgt das, was man „offizielle Vertretung" nennt. Aber daran läBt sie es sich genug sein und liefert das kostbarste Gut, die Jugend, den Sendlingen der Exekutive der Klassenkampf er aus. Teils aus Trägheit, teils aus einem bürgerlichen Snobismus heraus, der das hohle. Kokettieren mit lihkerrt Radikalismus Hebt. Was überall zu konstatieren ist, hat sich jetzt auch In Italien, gezeigt. Dort allerdings zufolge der besonderen Nächste Nummer erscheint Dienstag früh Preis 10 Grosehen Expreß-GüteruerKeiu nucu der Leunnte der 1. D. O. S. G., der Ende April neu aufgenommen wird. Reisedauer ab Wien nur: Nach Itianbul.................. ca. 7 Tage Nach PlrÄa», Saloniki, Alexandrien......ca. 9 Tage Nach Beirat, Haifa...............ca. 10 Tage Stadtsammeisteile für diesen Expreß-Levante verkehr: ULLMANN, RINK&CO., Wien I, Kurrentg. 12. Tel.U 22-2-54 Dortselbst auch alle einschlägigen Auskünfte. 0BMMnMBM»SSMSXMM politischen Verhältnisse in einer krasseren Form und unter gefährlicheren Nebenumständen. Im Kampfe gegen die gewissenlose Trägheit der „Allgemeinen Zionisten", besonders auf dem Gebiete der zionistischen Jugenderziehung, hat sich auf dem letzten Zionistenkongreß in Prag die „Judenstaatsparte i" gebildet, welche den Zionismus wieder in die reine, ursprüngliche Form bringen will, die Theodor Herzl geprägt hat. Der jüdischnationale Gedanke voran! Das Ziel — der Judenstaat. Für den Dienst an fremden Ideen ist kein Platz! Man hat an der Gründung dieser „neuen" Partei herumgenörgelt, hat sie bespöttelt. Der Vorfall In Italien beweist neuerlich, wie notwendig diese Gründung war, besonders für die jüdische Jugend. Der Präsident der Stadt London für den antideutschen Boykott Er unterstützt die Juden gegen Hitler-Deutschland Aus London wird berichtet: Auf einer Versammlung des „Jüdischen Rates für den Boykott deutscher Waren und Dienste" führte Herbert Morrison, früher Verkehrsminister, jetzt Präsident de« Londoner Grafschaftsrates, aus: Es ist Pflicht aller derjenigen, die die Grundsätze bürgerlicher Freiheit gemäß den edelsten englischen Traditionen achten, das Hitler-Regime, das allein durch Gewalt siegen will, zu verdammen. Wir müssen gegen Tyrannei in jeder Form, auch wo sie sich als Rassen- oder religiöses Prinzip deklariert, wenden. Das Hitler-Regime hat keineswegs eine wirtschaftiche Regeneration Deutschlands herbeigeführt, es hat Im Gegenteil auf diesem Gebiet kläglich versagt. Welt mehr als früher leidet das deutsche Volk heute unter einer Wirtschaftsdepression. Die jüdische Gemeinschaft In England und die Juden in der ganzen Welt sind nicht nur berechtigt, Deutschland den Wirtschaftsboykott anzusagen, sondern es ist sogar ihre Pflicht, als Juden und als freiheitsliebende Menschen diesen Boykott mit allen ihren Kräften durchzuführen. Die gleiche Pflicht liegt allen englischen Bürgern ob, die die Freiheit lieben und die Tyrannei hassen. Nur auf diese Weise kann es dem Hitler- Regime klar werden, daß seine barbarischen Methoden den Abscheu der gesamten zivilisierten Welt erregt haben. Würden wir Engländer die Juden von der verantwortungsbewußten Teilnahme an unserem wirtschaftlichen und polltischen Leben ausschließen, wir würden nicht reicher, sondern im Gegenteil viel ärmer sein. Wer es noch nicht gewußt hat, der kann es heute am deutschen Beispiel bestätigt finden. Die Judenheit und alle freiheitsliebenden Menschen in der Welt müssen den Boykott so lange wirksam fortsetzen, bis die Rechte der Juden in Deutschland wiederhergestellt sind. Philip Guedalla, der Führer des „Jüdischen Rates", erklärte, die elniige Form des Protestes dagegen, daß das Nazi-Deutschland die Juden als inferior erklärt und behandelt, sei der Boykott. Dieser Boykott ist friedlich, gesetzlich, aber auch tödlich. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Internationale Gewerbemesse für arati* deutschen Boykott Aus New York wird gemeldet: Der „American Jewish Congress", die große unter Führung von Rabbi Dr. Stefen W i s e stehende politische Organisation der Juden in den Vereinigten Staaten, schreitet in seiner bisher sehr erfolgreich betriebenen Boykottaktion gegen Hitler-Deutschland entschlossen und systematisch fort. Er bereitet für den Sommer 1984 eine internationale Gewerbe-Messe in New York vor, um die Verbraucher zu belehren, wie sie deutsche Waren durch mindestens gleichwertige und gleich billige aus anderen Ländern ersetzen können. Anti-deutscher Boykott in Palästina verstärkt Aus Jerusalem: In ganz Palästina geht jetzt eine intensive Kampagne für Boykott deutscher Waren und Dienste vor sich. Ein in diesen Tagen erscheinender „W e g w e i s e r" wird Ladenbesitzer und Konsumenten darüber Informieren, welche Waren — und es sind dies fast alle — man in gleicher Qualität und Preislage oder gar noch günstiger aus außerdeutschen Ländern beziehen könne. Zahlreiche Geschäftsinhaber haben sich verpflichtet, die Bekanntmachung auszuhängen, daß sie in Deutschland erzeugte Waren nicht mehr führen. In Tel-Awiw hat die Mehrzahl der Elsen-, Galanterie- und Baumaterialien-Händler, sowie fast alle Kleinhändler sich schriftlich verpflichtet, deutsche Waren weder zu kaufen noch zu verkaufen. Ueber fünf Millionen Kisten Orangen in dieser Saison exportiert Aus Jerusalem: Seit Beginn der Orangensaison bis zum 10. April wurden aus Palästina 5,304.540 Kisten Orangen nach verschiedenen Ländern der Welt ausgeführt. Die Februarstürme haben der Orangenkultur geschadet. NACH PALÄSTINA MIT DER AM 30« APRIL. 2. M«M«relse mit dem Luxusmotorschiff „Vulcania" über Rom, Neapel, Palermo, Athen, Beirut Für Einzelreisende Schiffskarten zu Originaipreison COMPASS TOURS OFFIZIELLES PROPAGANDABÜRO DER STADT GEMEINDE TEL-AWIW Auskünfte und Anmeldungen im R«isebüro Compass Tours, Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon Nr B-42-5-38

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