Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1934-04-17 · Heft 357 (17.4.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 357 (17.4.1934)
Date
1934-04-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2711613-2711952-2711980--4299-2717761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 357 DIE NEUE WELT Jüdische Kolonisation m Syrien geplant Aus Jerusalem wird gemeldet: Wie der J. T. A. (Jüdische Telegraphenagentur) von einer hohen palästinensischen Stelle mitgeteilt wird, prüft die französische Regierung derzeit einen Plan, jüdische Auswanderer aus Deutschland in bestimmten Teilen des unter französischer Verwaltung stehenden syrischen Mandatsgebietes anzusiedeln. Der französischen Regierung liegt ein Memorandum vor, das detaillierte Angaben darüber enthält, wie Juden in Syrien, nahe der palästinensischen Grenze, in großem Maßstab angesiedelt werden könnten. Aus zuverlässiger syrischer Quelle erfährt die J. T.-A., daß syrische Notabein, unter ihnen einflußreiche Mitglieder der syrischen Regierung, es im Interesse des Landes für notwendig halten, daß die Tore Syriens jüdischer Einwanderung geöffnet werden, da man hofft, daß eine solche Syrien denselben wirtschaftlichen Aufschwung bringen werden, wie er jetzt in Palästina herrscht. Der französische High Commlssioner für Syrien, Comte de Martel, Ist, wie der J. T.-A. mitgeteilt wird, geneigt, für die Zulassung jüdischer Einwanderer nach Syrien besonders im Hinblick darauf einzutreten, daß Frankreich in Syrien jährlich für die Mandatsv rwaltung Millionen Franken ausgeben muß, während die Regierung des benachbarten Palästina außerordentlich hohe FinanzUberschüssc aufweist. Aus der Umgebung des High Commlssioner von Syrien wird berichtet, daß dieser der Meinung sei, die katastrophale Wirtschaftslage der syrischen Bevölkerung könnte von Grund auf geändert werden, wenn es in Syrien 100.000 Juden gäbe. Angesichts der in Syrien bestehenden Bereltschaft, Grund und Boden an Juden zu verkaufen, hat, so teilt die J. T.-A. weiter mit, die Zionistische Exekutive Verhandlungen mit syrischen Notabein betreffend Ankauf großer Landstrecken an der palästinensisch-syrischen Grenze eingeleitet. Mit diesen Verhandlungen stand auch der Besuch der Herren Dr. Welzmann und Shertok in Zusammen- Aus Warschau wird berichtet: Der englische Konsul in Warschau machte dem Warschauer Palästina-Amt soeben die Mitteilung, daß die Palästina-Regierung ihm eine Instruktion, betreffend etwa 400 Palästina-Einwanderungsbewerber der sogenannten Kapitalistenklasse, gesandt hat, des Inhalts, daß jeder Bewerber als Depositum an einer der bevollmächtigten Banken 1000 Pfund einzuzahlen habe, und erst, wenn das geschehen ist, seine Bewerbung um Zertifikat und Visum in Behandlung gezogen werden könne. Bisher war der Modus ein solcher, daß die Summe Beschränkung der Zahl der Aerzte in Palästina? Aus Jerusalem: Wie die J. T. A. erfährt, hat die Palästina-Regierung neue Vorschriften über die Zulassung zur ärztlichen Praxis in Palästina ausgearbeitet, die dahin gehen, daß in Zukunft nur noch palästinensischen Bürgern die Erlaubnis zur Ausübung der ärztlichen Praxis erteilt werden soll. Durch die neuen Bestimmungen soll dem Zustrom von A e r z t e n aus dem Ausland, der in letzter Zeit allzu großen Umfang angenommen hat, Einhalt geboten werden. Daß die Regierung sich mit der Frage des Aerzte- Ueberflusses in Palästina befasse und einschränkende Maßnahmen auf diesem Gebiete plane, war der J. T. A. schon im Dezember v. J. vom stellvertretenden Leiter des Gesundheitsdepartements der Palästina-Regierung, Hark n e s s, mitgeteilt worden. Harkness erklärte damals, daß von den 1043 Aerzten des Landes 882Juden seien. Fast sämtliche jüdischen Aerzte, die 1933 in Palästina Praxiserlaubnis erhalten haben, seien aus Deutschland eingewandert. Von Ende 1032 bis zum 30. November 1933 sei die Zahl der Aerzte, Zahnärzte und Pharmazeuten in Palästina um 500 gestiegen. Alle die'je Neueinwanderer seien Juden. hang, den die beiden vor kurzem dem syrischen High Commlssioner abgestattet haben. Es wurden bei dieser Gelegenheit Besprechungen über die Siedlungspläne mit syrischen Behörden geführt. Gleichzeitig wird jetzt von einer privaten Gruppe deutscher Juden eine Untersuchung über Siedlungsmöglichkeiten in einem an der Grenze gegen Irak liegenden großen syrischen Gebiet durchgeführt, das den Juden von den gegenwärtigen Eigentümern mit Zustimmung der Regierung zum Kauf angeboten wird. Nach den vorliegenden Meldungen handelt es sich um ein Gebiet, das zweimal so groß ist wie ganz Palästina und 50.000 Quadratkilometer fruchtbaren Bodens mit Seen und ausreichender Bewässerungsmöglichkeit umfaßt. Für den Fall, daß die Untersuchung günstig ausfällt, beabsichtigt die Gruppe, eine private Siedlungsgesellschaft zu gründen und eine entsprechende Aktion unter den deutschen Juden für die Besiedlung dieses Gebietes durchzuführen. Die Durchführung dieses Planes wäre von ganz umwälzender Bedeutung für das jüdische Volk. Syrien hat eine Bodenfiäche von rund 150.000 Quadratkilometer, ist also ungefähr siebenmal so groß wie das angrenzende Palästina. Es zählt im ganzen 2,1 Millionen Einwohner gegenüber Palästina mit 1,25 Millionen. Das heißt, daß dieses fruchtbare und auch in industrieller und kommerzieller Beziehung ungemein entwicklungsfähige Land einer jüdischen Einwanderung ganz gewaltige Möglichkeiten bietet. Ist doch aus den Zahlen zu ersehen, daß die Bevölkerungsdichte Syriens kaum ein Viertel derjenigen Palästinas beträgt. Die Besiedlung Syriens durch Juden bildete einen Teil des ursprünglichen zionistischen Planes. Die ersten zionistischen Organisationen, welche zu Theodor Herzls Zeiten gegründet wurden, trugen — auch in Wien — den Namen „Zion — Verein für die Kolonisierung Palästinas und Syriens". von 1000 Pfund erlegt wurde, wenn der Bewerber die G enehmlgung zur Einreise erhalten hat und unmittelbar vor der Einreise stand.. Die neue Verordnung erschwert ungeheuer die Einwanderung von Kapitalisten, indem sie solche zwingt, vorerst ihre Geschäfte in Polen zu liquidieren, um sich die notwendige Barsumme zu beschaffen, und erst dann sich in das ungewisse Abenteuer einer Visumsbewerbung einzulassen, deren Erledigung oft viele Monate dauert. In der polnischen Judenheit herrscht Entrüstung über diesen von der Palästina-Regierung geführten neuen Schlag gegen die Aliah. Der Palästina=Weinexport um 30 Prozent gestiegen Aus Jerusalem: In der Jahresversammlung deB Verbandes der palästinensischen Weinbauern wurde mitgeteilt, daß der Export von Palästina-Weinen sich in diesem Geschäftsjahr gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent erhöht hat, was hauptsächlich auf die Aufhebung der Prohibition in Amerika zurückzuführen ist. Aus Amerika laufen dringende Aufträge auf zehntausende Flaschen Wein bei den Kolonien ein. In Rischon le Zion und Umgebung wurden neue Weingärten angelegt, um der gesteigerten Nachfrage gewachsen zu sein. Auch der europäische Markt nimmt jetzt mehr Palästina-Wein als früher auf. Drei neue Tageszeitungen in Palästina? Aus Jerusalem: Prof. Josef Klausner hat die Hauptschriftleitung der neuen hebräischen Tageszeitung „Hajarden" übernommen, die als revisionistisches Organ vom 15. April an erscheinen wird. Demnächst soll auch die von Benzion Katz und M. Schwartz herausgegebene Wochenzeitung „H asm an" zu einer Tages* Zeitung ausgebaut; werden. Seite* P. O. B. 119, Telephone 963—964 Cable address: „ASHtfAIBANK" TEL AVIV TEL AVIV Ausführung sämtlicher Bankgeschäfte The Hadar Hacarmel P. O. B. 950, Telephone 344 Cable address: „ASHRAIBANK" HAIFA HAIFA Wer stört den zionistischen Frieden? Eine Aeußorung Prof. Brodetzkys Anschließend an die Tagung des zionistischen Aktionskomitees fand in Jerusalem eine Plenarsitzung1 der zionistischen Exekutive statt. Die der Exekutive nahestehende jiddische Tageszeitung „Hajnt" (Warschau) reproduziert eine Erklärung, welche das Londoner Exekutivmitglied Prof. Brodetzky bei dieser Gelegenheit abgegeben hat. Diese Erklärung, die sich auf den Frieden in der Zionistischen Organisation bezieht, lautet: „Die letzte Sitzung des Aktionskomitee« hat sich durch die Bemühungen für den Frieden ausgezeichnet, die seitens der Exekutive gemacht wurden: erstens, um die Beziehungen zwischen den Arbeitnehmern uuid Arbeitgebern und zwischen den verschiedenen Arbeitergruppen zu verbessern; zweitens, um das religiöse Problem zu regulieren; drittens um die Verbreiterung der zionistischen Exekutive zu ermöglichen. Es ist zu bedauern, daß die Bemühungen wegen der Erweiterung der zionistischen Exekutive zufolge der Forderungen gescheitert sind, die der „Misrachi" und andere Gruppen als Ultimatum in nicht wünschenswerter und lächerli eher Form gestellt haben." Daß Herr Prof. Brodetzky Forderungen der zionistischen Opposition, die an das Wesen des jüdischen Palästina-Aufbaus rühren, als „in nicht wünschenswerter und lächerlicher Form gestellt" bezeichnet, Ist zumindest eine vollständige Verkennung der Situation. Die zionistische Oeffentlichkeit kann schon allein aus dieser Erklärung ersehen, durch wessen Schuld und durch wessen Versagen die Befriedung in den zionistischen Reihen gescheitert ist. Die Londoner jüdische Tageszeitung „P o s t" meldet aus Jerusalem, daß die seit Jahren zwischen der trennungsorthodoxen „Aguda" und dem Waad Leumi (Jüd. Nationalrat) bestehenden Differenzen beigelegt worden seien. Das Blatt weiß auch zu berichten, daß die einzelnen Punkte des Abkommens demnächst veröffentlicht würden. Vorläufig erfährt man, daß Oberrabbiner Cook seitens der „Aguda" als Vorstand des religiösen Judentums Palästinas in allen Fragen betreffs der Außenwelt und der britischen Palästina-Verwaltung anerkannt werde, während gewisse Rechte der Führerschaft der Aguda verbleiben. „Der Friede in den Reihen des religiösen Judentums", schreibt das Blatt, „ist von großer Wichtigkeit, weil die Differenzen zwischen den beiden Gruppen eine ernste Schädigung des jüdischen Jischuws in Palästina mit sich brachten." Gleichzeitig teilt das Blatt mit, daß bei der Jerusalemer Sitzung des Akionskomitees die Führer der sozialistischen Histradruth eine Erklärung abgegeben haben, wonach sie in ihren Küchen die Kaschruth- Vorschriften einhalten und eine wissentliche Entweihung des Sabbats vermeiden werden. Durch, diese Erklärung hätten sie einen wichtigen Schritt zur Befriedigung der Forderungen des „M i s r a c h i" getan. Tatsächlich liegt seitens einer zionistischen Seite keinerlei Nachricht dieses Inhaltes vor. Zum erstenmal erfährt die Oeffentlichkeit vom Abschluß der Verhandlungen zwischen dem Misrachi und der Aguda in Palästina. Ebenso ist die Meldung, daß sich die klassenkämpferische areligiöse Arbeiterorganisation „Histadruth" zu religiösen Konzessionen geneigt gezeigt habe, eine Neuigkeit. Wir sind berechtigt, im Namen aller ernsten Zionisten zu fragen, ob hier ein beabsichtigtes Spiel hinter den Kulissen vorliegt oder ob die jüdische, am nationalen Frieden interessierte Oeffentlichkeit über gewisse Vorgänge in Palästina in Unkenntnis gehalten werden soll. Die Antwort darf nicht lange auf sich warten lassen. wmtammmmmmmmBmmmammmmmmmmmmm Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs (Gruppe Leopoldstadt), II., Untere Augartenstraße 26. Dienstag, den 17. d., präzise 20 Uhr Vortrag des Herrn Dr. med. M. Harnik: „Im Auto nach und durch Erez Israe 1". Dienstag, den 24. April, präzise 20 Uhr, Vortrag dea Herrn Dr. Viktor E. Fordes: „Aktuelle Jude»» Probleme". wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Unerhörte Ersdhwerug der PalästsnasWanderung Diesmal geht es gegen jüdische Kapitalisten Darf Wladimir Jabotinsky nadi Palässina? Die J. T. A. meldet aus Jerusalem: Hier verlautet, daß der High Commlssioner Sir Arthur Wauchope das Kolonienministerium in London telegraphisch verständigt hat, daß er nichts dagegen einzuwenden hat, wenn dem Führer der Zionlsten- Revisionisten Herrn Wladimir Jabotinsky ein Visum für die Einreise nach Palästina gegeben wird. In einer der von Jabotinsky verfaßten und von der Union der Zionisten-Revisionisten verbreiteten Petitionen, derjenigen, die für den König Georg von England bestimmt ist, weist Jabotinsky darauf hin, daß er selbst zu „einer der Kategorien jener Juden gehört, die gemäß den Gesetzen Palästinas von der Einwanderung in dieses Land ausgeschlossen sind". In der Petition heißt es dann weiter: „Ich bitte deshalb in aller Ehrfurcht, daß diese Gesetze so abgeändert werden, daß sie es mir ermöglichen, ein dauernder Bewohner des Landes des Jüdischen Nationalheims zu werden. Dieser mein Appell ist aber nur einer von vielen, die von Juden an Eure Majestät gerichtet werden würden, um eine Revision der ungerechten und unmenschlichen Gesetze, welche die Tore Palästinas jüdischen Pionieren verschließen, zu erwirken." Das Einreiseverbot, welches vor einigen Jahren gegen Jabotinsky verfügt wurde, ist ein Skandal, dessen Beseitigung dringend zu fordern ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.