Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 357 (17.4.1934)
- Date
- 1934-04-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 357 Ein PalästinavPiomer gestorben Aus Paris wird gemeldet: Nach kurzer Krankheit ist hier Youssef Navon Bey, Mitglied einer der prominentesten jüdischen Familien im alten ottomanischen Reich, im Alter von *2 Jahren gestorben. Youssef Navon Bey wurde 1852 in Jerusalem als Sproß einer der reichsten oephardischen Familien des Orients geboren. Lange vor der Schaffung der politischen zionistischen Bewegung durch Herzl trat Navon Bey für jüdische Kolonisation in Palästina ein und erhielt 1884 die bis dahin versagte Genehmigung zur Gründung der Kolonie Ekron bei Jaffa. Auch an der Gründung von Petach Tikwah und von R ischonle Zion war er hervorragend beteiligt. Er war es, der den Baron Moritz de Hirsch und die Alliance Israelite Universelle für die Kolonisation Palästinas zu interessieren wußte, auch unterstützte er die Bemühungen Leo Pinskers und T o m k i n s vom „Odessaer Komitee" für praktische Kolonisation in Palästina. Dank seinen Beziehungen zur ottomanischen Regierung gelang es ihm, ganz im stillen große Teilstrecken Bodens in Galiläa und J u d ä a zu kaufen. Vor den Toren Jerusalems legte er jüdische Siedlungen an und förderte den Bau der Gartenvorstädte. Von der ottomanischen Regierung erwirkte er die Erlaubnis zur Ansiedlung von 80 0.0 00 jüdischen Familien in Kleinasien; das Projekt, mit dem Baron Hirsch sympathisierte, hat aber nie praktische Bedeutung gewonnen. Er erbaute ferner die Eisenbahnlinie Jaffa — Jerusalem. Sein Name ist mit allen großen jüdischen sozialen Arbeiten dieser Epoche eng verbunden. Seit vielen Jahren lebte er in Paris. Navon Bey war ein intimer Freund des Sultans Abdul Hamid. _ Eine Sdialom AIejdiem«AusstfeIlung in Wilna Aus Wilna wird berichtet: Das hiesige Jüdisch-wissenschaftliche Institut hat soeben eine Schalom-Alejchem-Ausstellung eröffnet, die der Erinnerung an den größten jüdischen Volksdichter anläßlich seines 75. Geburtstages gewidmet Ist. Zur Ausstellung gelangten alle Ausgaben in Jiddisch (begonnen von seinen ersten Büchelchen, gedruckt im „Jüdischen Volksblatt" in Petersburg, bis zu den letzten aowjetrussischen Ausgaben) und in Hebräisch, ebenso in Polnisch, Russisch, Ukrainisch, Weißrussisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, Rumänisch, Holländisch, Ungarisch, Lettisch, Litauisch, Esperanto (von Dr. Zamenhof selbst übersetzt) und Japanisch. Eine spezielle Anthologie Schalom Alejchemscher Werke wurde von Osaka der Ausstellung zur Verfügung gestellt. Sehr reich ist die Abteilung von Zeitungsausschnitten in den verschiedensten Sprachen über Schalom Alejchem, von Plakaten und Theaterzetteln betreffend seine Bühnenwerke, Chrestomathien in Jiddisch und Hebräisch und auch eine Sammlung von Schularbeiten. In Glasvitrinen sind Originalbriefe, Bilder, Visitenkarten (darunter eine Visitenkarte als Rabbiner!), zwanzig Briefe von Mendele Mocher Sforim an Schalom Alejchem, Albtuns, Dokumente, Skulpturen, die Totenmaske,. Erinnerungen an von ihm besuchte Menschen untergebracht. In der Abteilung „Schumer's Mischpet" sind die Hauptwerke der jiddischen Schundliteratur aus den Fünfzigerjahren, die Schalom Alejchem so sehr bekämpft hat, zu sehen, und zwar unter der Spitzmarke „Erew Schalom Alejchem", darunter Ochsenfeld, Ettinger, Dyk u. a. Die Ausstellung wird von großen jüdischen Massen besucht und gibt Veranlassung zu erneuter Beschäftigung mit den Werken des unsterblichen Humoristen. Jüdische Musik Omanut, der Verein zur Förderung jüdischer Kunst in Zagreb (Jugoslawien), unterzieht sich u. a. der ebenso opfervollen wie verdienstvollen Aufgabe, jüdische Musikwerke zu verlegen, hauptsächlich solche, die den jüdischen Gesangvereinen als Material dienen können. Auf die Notwendigkeit solcher Unternehmungen kann nicht intensiv genug hingewiesen werden; in diesem Fall schon besonders deshalb, weil der Verein Omanut nicht gewerbsmäßig sich der wichtigen Aufgabe unterzieht. Die uns vorliegenden Ausgaben sind einKolnidre von Jehuda Kinor und Vier sephardische religiöse Volkslieder, aufgezeichnet von Aron M. Rot h m ü 11 e r. Kinor hat Kol nidre, das Lied aus der Liturgie des Jomkipur, auf der traditionellen Melodie aufgebaut, so wie er es bei den orthodoxen Juden gehört hat. Der intime Reiz der Musik ist durchwegs gewahrt. Aron M. Rothmüller hat sich als Komponist und Bewahrer jüdischen musikalischen Gutes bereits einen Namen gemacht. Die in Rede stehenden Volkslieder entstammen dem sephardischen Gottesdienst, sind aber in der vorliegenden Niederschrift für eine weltliche, konzertante Aufführung gedacht, weshalb in den Text nicht alle Strophen aufgenommen wurden. Mit seltener Feinfühligkeit hat Rothmüller, selbst ein Sänger von Rang, den mehretimmigen Satz fixiert, so daß ohne Kenntnis des sephardischen Liedcharakters die Interpretation der Lieder sinngemäß bewerkstelligt werden kann. Ohne Zweifel bedeuten die beiden Werke eine Bereicherung des jüdischen Chorgesanges. Sie dürften bald in öffentlichen Aufführungen erklingen. Der Verein Omanut in Zagreb hat unter Führung seines Präsidenten David Spitzer der jüdischen Kultur einen schätzenswerten Dienst erwiesen. or. Jüdische Kunststelle IL, Aspernbrückeng. 2, R-48-2-91, Büro: 9 bis halb 19 Uhr. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für die folgenden Theater zur Verfügung: Oper, Burgtheater, Akademietheater, Deutsches Volkstheater, Scala, Kammerspiele, Raimundtheater, Stadttheater, Moulln Rouge, Der liebe Augustin usw. Konzert Lotte Lehmann und Bruno Walter, noch wenige restliche Karten! Gr. Musikvereinssaal, am 17. April. —• Konzert Adolf Busch, Vormerkung schon Jetzt. _ Rezept für Eheglück 1 Es ist für viele Frauen meist nicht leicht, mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Haushaltungsbudget das Auslangen zu finden. Aber das muß gelernt werden. Denn, wenn die Frau mehr Geld braucht als ihr der Mann geben kann, entstehen Differenzen, die das harmonische Zusammenleben stören. Kluge und erfahrene Frauen wissen sich zu helfen, sie sparen durch günstigen Einkauf und sichern so den Frieden und das Glück ihrer Ehe. Alle, die rechnen müssen, kaufen daher alles zur Bekleidung für Mann, Frau und Kind sowie alles für die Wirtschaft in Wiens „Warenhaus der Sparsamen" ... bei Schiff mann. Jetzt bringt Schiffmann besondere Okkasionen in neuen Frühjahrsstoffen jeder Art aus Wolle und Seide, elegante moderne Mäntel, Kleider, Schuhe und Hüte in verläßlich guten Qualitäten zu ganz besonders billigen Preisen. Für jeden Geschmack sind aktuelle Schlager auf Lager. Darum: Sparsame — folget dem Ruf . . . Auf zu Schiffmann, Kauf bei Schiffmann, II., Taborstraße 48. Chajes-Realgymnasium, II., Castellezgasse 35. Anmeldungen zur Aufnahme in die erste Klasse werden nur bis Ende April täglich zwischen 11 und 1 Uhr in der Direktionskanzlei entgegengenommen. „Frauennotdienst"-Aktion der Gattin des Bundespräsidenten Leopoldine Miklas. Die Vertreterin der jüdischen Frauen in der Leitung dieser Aktion, Frau Sofie Löwenherz, wird am Mittwoch, den 18. April 1934, um 16.40 Uhr nachmittags im Radio Wien über die Aktion sprechen. Jüdische Frauen und Mädchen, welche bei dieser Aktion mitzuarbeiten wünschen, werden gebeten, sich bei der Fürsorge-Zentrale der isr. Kultusgeraeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, entweder schriftlich oder Telephonisch (U-25-5-85) anzumelden. Jüdischer Sport Zwei Prachtsiege der Hakoah in der Tschechoslowakei — In Mährisch-Ostrau 8:0 — I» Orlau 8 :3 Hakoah benützte das Spielverbot in Wien anläßlich des Länderkampfes Oesterreich gegen Ungarn zu einer kleinen Exkursion in die nahe Tschechoslowakei. Hakoah befand sich in Prachtform und begeisterte Mährisch- Ostrau und Orlau. Am ersten Tage trat Hakoah gegen ein Team von Mährisch-Ostrau an. Die jüdische Mannschaft lieferte ein Spiel, wie man es noch nie in Mährisch- Ostrau sah. Hakoah siegte schließlich 8 : 0, wobei Ehrlich 2 (4), Ehrlich 1 (2), Weißkopf und Zwiebel die Tore erzielten. Dem Spiel wohnten 4000 Zusehcr bei, die der Hakoah begeisterte Ovationen darbrachten. — In ebenso prächtiger Verfassung spielte Hakoah in Orlau. Vor 3000 Zusehern lieferte Hakoah ein Exhibitionsspiel. In der ersten Hälfte konnten die Einheimischen noch Widerstand leisten, in der zweiten Hälfte brachen sie völlig zusammen. In die Torehren teilten sich Ehrlich 2 (3), Reich (2), Zwiebel, Weißkopf und Ehrlich 1. Hockeymeisterschaft. Hakoahs erste Niederlage. Hakoah erlitt im Spiel gegen W. A. C. ihre erste Niederlage. Bei der jüdischen Mannschaft war wie in der Vorwoche ein kleiner Formrückgang zu bemerken. W. A. C. schoß 3 Tore, denen Hakoah nur eines von Weiß entgegensetzen konnte. Res. 3 : 2 für Hakoah. Blau-Weiß unterlag gegen Arminen 1:4. Wasscrballmeistersehaft. Hakoah gegen Evvask 3 4:3. Sämtliche Toro der Hakoah warf Meyer. HakoahsPlatz im Umbau Der geschäftsführende Vizepräsident Robert Glücksmann schreibt uns: Im Zuge des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums der Hakoah wird vom Klub der Hakoah-Freunde, der seinerzeit durch den Sturm unbrauchbar gewordene Plata vollständig renoviert. Das Spielfeld wird von der Firma S t i n g 1, die den Stadionplatz ausgebaut hat, vollständig neu angelegt. Ebenso die Sprunganlagen und Laufbahn. Der freiwillige Arbeitsdienst hat die Anlage der neu zu schaffenden Sitzplatzanlage übernommen und v/ird auf dorn Platz der ehemaligen Tribüne eine terrassenförmige Sitzplatzanlage für zweitausend Personen errichten. Dieser Platz ist der einzige, den die jüdische Jugend in Wien besitzt. Ich trete daher an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte heran, uns bei diesem Bau, der enormes Geld leostet, zu unterstützen und uns Holz, Blech, Zement, Baumaterial und Geld zu spenden. Materialspendcn werden sofort, abgeholt. Anregungen, welcher Art immor, worden gerne im, Klubheim der Hakoah, I., Wiesingerstraße 11, Telephon R-25-0-10, entgegengenommen. Auch freiwillig« Mitarbeiter beim Bau des Platzes mögen sich an obige Adresse melden. Eigentümer. Verleger, Herausgeber und Verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. - 6 XX» Universitätsatraße 6-«. Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G, Ignaz Steinmann, beido Wiea%