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Die neue Welt · 1934-04-13 · Heft 356 (13.4.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 356 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 356 DIE NEUE WEL1 Seite 5 Können Juden nach Sudamerika? Die Verhältnisse in Chile, Ecuador, Kolumbla Aus Santiago de Chile: Der Außenminister von Chile gibt amtlich den Wortlaut einer Erklärung bekannt, die er als Antwort auf Bitten, die Einwanderung deutscher Juden nach Chile zu erleichtern, abgegeben hat. Die Erklärung lautet: Die Regierung steht den verschiedenen an sie gelangten Gesuchen betreffend die Einwanderung deutscher Juden nach Chile mit großer Sympathie gegenüber. Die Regierung wartet Informationen und die Beantwortung von Anfragen zwecks Herausgabe eines detaillierten Koramuqu£s zu diesem Gegenstand ab. Von Spanien aus hat die Regierung das Ersuchen um Einwanderungserlaubnis für 2000 deutsche Juden erhalten. Obwohl die chilenische Regierung in Einwanderungsfragen keinen "Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden macht, hält sie doch eine Einwanderung solchen Ausmaßes mit Rücksicht auf die starke Arbeitslosigkeit im Lande nicht für wünschenswert. Die gegenwärtig in Chile lebenden 12.000 Juden stellen ein arbeitsames Bevölkerungselement dar, das sich den Landesverhältnissen gut angepaßt hat. * Aus Quito, der Hauptstadt der südamerikanischen Republik Ecuador, wird der J. T.-A. mitgeteilt: Die an Naturschätzen reiche, aber wirtschaftlich noch nicht entwickelte Republik Ecuador besitzt Möglichkeiten für Jüdische Einwanderung bestimmter Berufskategorien. Namentlich für Kleinindustrien besteht weiter Spielraum. Die jüdische Gemeinschaft in Ecuador ist die jüngste und darum kleinste in ganz Südamerika. Meist kommen die Juden nach Ecuador aus der benachbarten Republik Peru. Es wäre zu wünschen, daß die zuständigen jüdischen Institutionen Europas die Möglichkeiten einer jüdischen Einwanderung in Ecuador prüfen und zum besten ausnützen. * Aus Bogota (Kolumbia) wird der J. T.-A. gemeldet, daß eine gemischte jüdisch-kolumbianische Kommission unter der Leitung des bekannten Politikers David A. P a r d o die Möglichkeiten einer jüdischen Einwanderung nach Kolumbien studiert. Die Minister für auswärtige Angelegenheiten, Handel, Industrie und Landwirtschaft stehen dem Plan mit Sympathie gegenüber. Spanien naturalisiert die sephardisdten luden Aus Madrid: Der spanische Ministerpräsident, Senor Lerroux, erklärte den Vertretern der Presse, die Regierung werde Vorkehrung treffen, daß der dem Parlament vorliegende Antrag, sephardische Juden, Abkömmlinge derim 15. Jahrhundert aus Spanien vertriebenen Juden, die jetzt im Ausland leben und sich um die spanische Bürgerschaft bewerben, in Spanien zu naturalisieren, dringlich behandelt werde. Bombenanschlag gegen das Lokal von Revisionisten Warschau, 11. April. Im Klublokal der revisionistischen Jugendorganisation Menorah in der ostgalizischen Stadt Sasow explodierte am 8. April mitternachts eine Bombe. Das Klubgebäude wurde vollständig zerstört. Die Nachforschungen nach den Urhebern des Anschlags sind eingeleitet. Natürlicher Zuwachs der jüdischen Bevölkerung Roms um 12,5 Prozent Aus Rom; Die Vierteljahreszeitschrift „La Comunita Israelitica", amtliches Organ der Jüdischen Gemeinde Rom, bringt bemerkenswerte Ziffern über die Bevölkerungsbewegung in der Gemeinde. Danach ist die Jüdische Gemeinde Rom die e i nzige Judengemeinde Italiens, in der die Zahl der Geburten die der Todesfälle übersteigt. Im Jahre 1933 wurden in Rom 236 jüdische Kinder, davon 111 Knaben, geboren, während die Zahl der Todesfälle 159 betrug. 1932 standen 210 Geburten 147 Todesfällen gegenüber. Der natürliche Bevölkerungszuwachs unter den Juden Roms betrug 1933 12,5 Prozent. * Das jüdische Rom stellt solcherart nicht nur ein Unikum in Italien, sondern in ganz Mittel- und Westeuropa und Amerika dar. Denn überall übersteigt die Ziffer der Sterbefälle diejenigen der Geburten. Nicht selten um ein Vielfaches. Eine deutsch-jüdische Schule in Schweden Aus Stockholm: Eine Schule für jüdische Kinder aus Deutschland wird am 1. Mai auf einem Bauernhof in der Gemeinde Högseröd in der südschwedischen Provinz Schonen eröffnet. Unter der Leitung von Dr. Ludwig Posener hat eine Interessengemeinschaft vorläufig auf die Dauer eines Jahres das Gehöft mit Garten und einem größeren Stück Land gepachtet, um hier die Kinder nicht nur in den üblichen Schulfächern, sondern auch in Gartenarbeit und anderen praktischen Arbelten zu unterrichten. Es werden 50 bis 100 Kinder hier Aufnahme finden. PAG NÄCHSTE pALxsTINAR£IS£ ab Wien am 24. April 1934 //. Kl. Schift, UL Kl. D-Zug, IS Tage Verpflegung nur S 440.—, detto. jedoch I. KL Schiff S 560.-. Besuch aller Mittelnieerländer! Prospekte und Auskünfte: PAG, r. Gen. m. b, H„ Wien VI, Capistrangaue 2, Tel. B-2S-3-87 Die Höhensonne im eignen Heim strahlt unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Für beruflich Angestrengte bedeutet die kleine Höhensonne Urlaubsersatz und Nachurlaub. 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Alle Phasen eines Fieberzustandes haben diejenigen mitgemacht, die willens oder zwangsläufig in einen Komplex verwickelt wurden, welchen man die „Mordaffftre Arlosoroff" nennt. Vor 14 Tagen wurde nach achtmonatigen Verhandlungen die Voruntersuchung abgeschlossen und die Mordanklage erhoben. Montag, den 16. April, soll der Prozeß in Jaffa (nach jüngsten Meldungen in Jerusalem) stattfinden. Zweifellos wird der Prozeß selbst denselben breiten Raum In der Stimmung Palästinas einnehmen und von denselben schicksalhaften Bewegungen begleitet sein wie die Voruntersuchung und die Dinge ringsum. Wie man weiß, werden drei Angeklagte, Abraham Stawsky, Zwi Rosenblatt und Achi Me'ir, vor dem englischen Gericht stehen. Dr. Arlosoroff war als Mitglied der zionistischen Exekutive in Palästina Sozialist, Führer der Arbeiterpartei; die drei Angeklagten sind Revisionisten, Achi Me'ir einer der bekanntesten Ideologen der revisionistischen Bewegung und Redakteur INOPROGRAMME _DIESER WOCHE__ SCHWEDIN - KINO Vom 13. bis 19. April 1934: LACH-REKORD BUSTER KEATON Beginn wochentags: Vfi, 7, V«10 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr des palästinensischen Revisionistenorgans „Chasit Haam". Noch ruhte die irdische Hülle Dr. Arlosoroffs nicht im Grabe, noch sah die Kriminalbehörde auch nicht den Schatten einer Spur, als von selten der „Hlstadruth", der linken Arbeiterorganisation Palästinas, die Parole „Revisionisten haben Arlosoroff ermordet!" der jüdischen Gasse und der britischen Polizei ins Ohr gebrüllt wurde. Die jüdische Gasse wurde in Aufruhr versetzt, die britische Polizei in die bequeme Position, sich gewisse Forschungswege ersparen zu können. Von diesem Augenblick an war die Atmosphäre im Jüdischen Nationalheim vergiftet und auch in den außerpalästinensischen jüdischen Zentren faßte die Verleumdungskampagne der poale-zionistischen Wortführer Fuß. In solcher Stimmung schritt man zur Wahl zum 18. Zionistenkongreß, in solcher Stimmung konnte die mit allen Mitteln des Terrors, des brutalen Hasses und der wahrheitswidrigen Gerüchteraacherei arbeitende Linke den Kongreß majorisieren. Die aus dem Prager Zionistenkongreß hervorgegangene Exekutive, ein Instrument der klassenkämpferischen Linken, infizierte mit ihren Agitationsparolen einen großen Teil der zionistischen Organisation, so daß z. B. auch die bürgerlichen Allgemeinen Zionisten der Pro- Histadruth-Psychose erlagen und die Spalten ihrer Blätter der sozialistischen Kampagne öffneten. Die zionistische Exekutive, d. i. die Jewish Agenoy, engagierte vier Anwälte offiziell zur Vertretung der privaten Entschädigungsklage Frau Arlosoroffs (der Witwe des Ermordeten) gegen die Beschuldigten. In Wirklichkeit diente das Geld der zionistischen Organisation zur Unterstützung der britischen Anklagevertretung. Das heißt: Jüdisches, schwer gesammeltes Geld wurde seitens der zionistischen Exekutive dazu verwendet, der britischen Untersuchungsbehörde die Sammlung von Material gegen drei Zionisten zu erleichtern, zu deren Lasten bloß die Aussage einer nervösen und erregten Frau vorlag. Ja, die Hlstadruth setzte ein eigenes Büro ein, das sich mit der Beschaffung von Material gegen die drei beschuldigten Juden zu beschäftigen hatte, während die Freunde der völlig mittellosen Angeklagten eine Sammlung veranstalten mußten, um dem Verteidiger Horace Samuel aus London die Mittel gegen die Offensive der Linken zur Verfügung stellen zu können. Die Voruntersuchung begann in überreizter politischer Stimmung. Gleich nach den ersten Verhören aber setzte ein Umschwung der öffentlichen Meinung ein. Frau Arlosoroff behauptete, sie sei am Abend des 16. Juni am Strand von Tel-Awiw bei einem Spaziergang mit ihrem Mann von zwei Männern überfallen worden. Der Schuß des einen Mannes hätte ihren Gatten niedergestreckt. Vier Tage nach dem Mord will Frau Arlosoroff in Stawsky den einen, ein paar Wochen später in Rosenblatt den zweiten erkannt haben. Stawsky erklärte, in der Mordnacht in Jerusalem geweilt zu haben, Rosenblatt gab an, er sei in K f a r S a b a gewesen. Es begann nun der Kampf um das Alibi. Gleichzeitig aber erfuhr man, Frau Arlosoroff habe gleich nach dem Morde erklärt, der Mann, der den Schuß abgegeben habe, sei ein Araber gewesen. Benzion K a t z, der bekannte Schriftsteller, griff dieses Thema in einer Aufsatzreihe „Ich kann nicht schweigen" auf und gab nun die Richtung der wahren Täterschaft an. Zeugen bestätigten, daß Frau Arlosoroff anfangs den Täter als Araber mit 90 Prozent Sicherheit annonciert habe; es erschien der erste Polizeibeamte, der mit Frau Arlosoroff an dem verhängnisvollen Abend gesprochen hatte und dem gegenüber Frau Arlosoroff erklärt hatte, die Mörder seien Araber gewesen. Die erste Protokollaufnahme mit Frau Arlosoroff verschwand. Der die Anklage vertretende Polizeioffizier geriet in Verlegenheit. Die Sache fing an — nicht zu klappen. Man erfuhr von der Art und Weise, wie die einzige Tatzeugin, Frau Arlosoroff, Abraham Stawsky identifizierte, daß sie anfänglich jemand anderen m i t gleicher Sicherheit beschuldigt hatte. Der aber konnte sofort sein Alibi erbringen. Man erfuhr auch, daß sie das Protokoll, wonach sie Stawsky erkannt habe, erst nach einigen Tagen unterschrieb. Gleichzeitig gab ein vorbestraftes Individuum an, er habe Stawsky und Achi Me'ir etwa vier Stunden vor dem Mord im Hofe seiner Baracke gesehen. Hingegen bezeugen neun in Palästina bekannte Persönlichkeiten, daß sie Achi Meir zur fraglichen Zeit in Jerusalem begegnet sind. Der Name Achi Me'ir wird zum Signal für die Histadruth-Führer, die palästinensischen Revisionisten einer Verschwörung zu beschuldigen und sie bei der englischen Regierung zu denunzieren. Es ist die unrühmlichst bekannte Untersuchung gegen die sogenannten „Brith Birjoni m", derentwegen die Linke in Prag eine eigene Ausforschungskommission einsetzte. Die Kommission ist inzwischen in der Versenkung verschwunden. Der unendlich lange Zeugenaufmarsch brachte keine entscheidenden Resultate. Die Untersuchungsbehörde war auf Sand geraten. Ihre Belastungszeugen, Sachverständigen und diversen Organe fanden nirgends Sympathie, nur bei den Führern der Poale Zion, die immer noch foi'tfuhren, Stimmung gegen die Beschuldigten und für die Glaubhaftigkeit der Frau Arlosoroff zu machen. Das Spiel ging so lange, bis der neue Verteidiger Horace Samuel aus London erschien. Dieser ausgezeichnete Strafrechtler begnügte sich nämlich nicht damit, das Untersuchungsmaterial der Behörde einer kritischen Analyse zu unterziehen, die Lücken im Verfahren ans Licht zu bringen, die Unterlassungssünden der Polizeibeamten anzuprangern, sondern er forschte — zum großen Aerger auch der Histradruth-Führer — nach den wirklichen Mördern. Und es ka.m die große Wendung. Horace Samuel erklärte an einem Verhandlungstag, der Generalanwalt habe ihm bestätigt, daß ein Araber namens Abdul Medschid (der wegen Ermordung eines Barbiers in Haft sitzt) gestanden hätte, er habe zusammen mit seinem Freund Issa Darwisch Dr. Arlosoroff ermordet. Noch bevor das entsprechende Material vorlag, teilten die Linken in einer Schrift mit, Abdul Medschid habe der Polizei gegenüber sein Geständnis widerrufen und sei von den Angeklagten mit 1000 Pfund bestochen worden. Es stellte sich heraus, daß Medschid zehn Tage bei seinem Geständnis geblieben war und daß die Verteidigung davon erst erfuhr, als er das Geständnis bereits Bankgründung. In Jerusalem wurde die Bankfirma Jacob Japhet & Co. Ltd. mit einem Aktienkapital von LP. 31.000 gegründet. Inhaber sind die Herren: Jacob Japhet, früher Teilhaber der Firma Japhet, Sundheimer u. Co., Berlin, Dr. Alfred Feuchtwanger, Robert C. Loew4 (beide früher Speyer-Ellissen). Die Firma beschäftigt Sick mit allen Banktransaktionen.

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