Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 356 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 356 Englands Politik paralysiert die heroischen Leistungen der Juden Ein amerikanisches Urteil Der berühmte amerikanische Schriftsteller und . »ziologische Kritiker H. L. Mencken gehört In die j Reihe jener Persönlichkeiten, die jedesmal, wenn Ihnen i Menschenrecht und Kultur in Gefahr erscheint, das Wort j ergreifen. In der großen New - Yorker Zeitschrift »Nation" erscheinen seit Jahren Menckens kulturkritlsche Glossen, die zu den gelesensten geistigen Produkten der Vereinigten Staaten gehören. H. L. Mencken hat, wie jetzt bekannt wird, den Orient und u. a. auch Palästina besucht. Seine •charfen Augen und seine kritischen Intuitionen haben ihn sehen und erkennen lassen. Wie die J. T. A. mitteilt, erhebt Mencken in einem Aufsatz gegen die britische Regierung als die Mandatsmacht Palästinas die Anklage, „daß sie versucht, die Juden als Ausbeutungsobjekte zu benutzen". Die Juden, erklärt Mencken, leisten in Palästina Ungeheures. Sie sind Pioniere, wie die Welt sie noch nie gesehen hat. Aber leider werden die heroischen Anstrengungen des Zionismus durch die traditionelle Politik der Engländer zum Teil paralysiert. Mencken stellt das prosperierende jüdische Palästina dem in Armut, Hunger und Elend versinkenden Transjordanien entgegen: „Durch diese Gegensätze ist die politische Situation im Vorderen Orient beunruhigend, ja, ein Herd gefährlicher Verwicklungen geworden." Der berühmte Schriftsteller gibt damit der Forderung Raum, daß England im Interesse der Kultur sein Verwaltungsrogime in Palästina an sich und in bezug auf Transjordanien grundlegend umstellen muß. Der dankbare Herr Bürger? meisfer Aus Jerusalem wird berichtet: Der arabische Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, der seit Jahren keine Beziehungen zu den Juden unterhalten hat, stattete am 5. April dem Leiter der politischen Abteilung der zionistischen Exekutive einen Osterbesuch im Gebäude der Zionistischen Organisation ab. Dieser Akt des Jerusalemer Bürgermeisters hat hier viel Aufsehen erregt. * In dem Teile der zionistischen Presse, welcher hinter der jetzigen zionistischen Exekutive steht, also das Bejubeln aller Vorgänge in Palästina berufsmäßig betreibt, hat diese Nachricht helle Freude ausgelöst. In langen Artikeln wird der Besuch des Herrn Bürgermeisters als Beweis hingestellt, wie ersprießlich die geniale Arbeit der zionistischen Exekutive auf dem Gebiete der jüdisch-arabischen Verständigung ist. Mit verheißungsvollen Tiraden auf eine nun unfehlbar kommende schöne Zukunft, auf den bevorstehenden arabisch-jüdischen Liebesfrühling schließen die Auslassungen der Offiziösen. Die Freude am Besuche des Herrn Bürgermeisters erfährt aber eine Dämpfung, wenn man in der Vergangenheit dieses Mannes Nachschau hält und nach den Gründen dieser plötzlich erwachten Liebe zu den Juden und Zionisten forscht. Städtische Wahlen in Jerusalem stehen vor der Türe! Seinerzeit haben die Juden, deren Stimmen im Stadtrat den Ausschlag gaben, dem edlen Herrn aus dem adeligen Stamme der Nashashibi gegen seinen Blutsfeind und Konkurrenten aus dem Stamme der Hussein! zu seinem Bürgermeisterposten verholfen. Er hat sich dank bar erwiesen, auf ganz seltene Art. Er hat kurz nach Amtsantritt alle jüdischen Beamten davongejagt und jede Vergebung von Arbeiten an jüdische Gewerbetreibende, von Lieferungen an jüdische Bewerber eingestellt. Trotzdem die Majorität der Bevölkerung Jerusalems jüdisch ist. Er und seine Freunde haben es, notabene von der Regierung unterstützt, so arg antisemitisch getrieben, daß die jüdischen Stadträte keine Möglichkeit einer weiteren Arbeit mit dem „dankbaren" Herrn Nashashibi erblickten und ihre Mandate niederlegten. An die sieben Jahre wird Jerusalem ohne Juden verwaltet. Man hat sie aus der Gemeindestube hinausgeekelt. Nun nahen neue Wahlen und mit ihnen Herr Nashashibi. Er will eben wieder jüdische Stimmen haben. Er ist so gnädig, die eigenen Lumpereien in Vergessenheit zu hüllen, und macht Anstandsvisiten, dort, wo man ihm eigentlich die Türe nicht sehr weit aufmachen sollte. Hoffentlich werden die jüdischen Wahlen Jerusalems etwas weniger schrankenlose Begeisterung für den nun so herablassend tuenden Helden aus dem Stamme der Nashashibi an den Tag legen als die Journalisten der zionistischen Exekutive. Hoffentlich werden sie auareichende Garantien schaffen, wenn es gilt, mit ihm ein Bündnis zu schließen. Sein freundlicher Besuch garantiert nichts. SIEGM. KORNMEHL GROS5FLEISCHHAUERE! Zentrale: IX.. Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen Mir ^>>Flelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr <| Kultusgemeinde Wien Autocustellung kpstonlo* : IX. 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Es steht sozusagen im Schatten Palästinas, da es, wenn Palästinas Bestimmung in der Errichtung des jüdischen Nationalheims besteht, die Aufgabe hat, Palästina gegen die Ueberfälle seitens der beduinischen Stämme zu schützen. Der Emir Abdullah wurde von England als unabhängiger Herrscher Transjordaniens unter der Bedingung anerkannt, daß seine Regierung „eine konstitutionelle sei und der britischen Macht die Möglichkeit gebe, ihre internationalen Verpflichtungen in bezug auf dieses Territorium zu erfüllen". Zu diesem Zweck sitzt in Aman, der Hauptstadt Transjordanien, ein britischer Vertreter, der u. a. die Aufgabe hat, das Budget zu kontrollieren und dem Emir maßgebende Ratschläge in wichtigen Angelegenheiten zu geben. Die militärischen Kräfte des Landes stehen unter der Führung englischer Offiziere, und die Verteidigung Transjordaniens und Palästinas liegt in den Händen des englischen Militärs, dessen Zentrale sich in Jerusalem befindet. Die Administration Transjordaniens wird ausschließlich von Arabern und einigen englischen Fachleuten besorgt. Die ökonomische Lage verbesserte sich, die Einnahmen stiegen.' Aber in den letzten Jahren mußte man wegen der schlechten Ernte einen schweren Rückschlag verzeichnen. Die Verbesserung der Verkehrswege war eine Wohltat für das Land. Die Weinbauern, welche früher ihre Trauben auf den heimischen Märkten anbringen mußten, verkaufen sie jetzt in Haifa zu höheren Preisen. Die größte Wohltat aber, die Transjordanien von der Mandatsmacht empfangen hat, ist die Sicherung gegen beduinische Ueberfälle, die durch die Aufstellung einer besonderen WUstenpolizei erreicht worden ist. Das Hauptproblem Transjordaniens liegt in den Wirtschaftsbeziehungen zu Palästina. In Palästina wächst die Bevölkerung sehr schnell. Eine kurze Zeit noch wird der Raum für die hinzukommende Bevölkerung reichen, aber in einem gewissen Zeitpunkt wird ein Ueberfluß von Menschen vorhanden sein. Transjordanien kann dieses Problem lösen. Im Vergleich zu Palästina ist das Land leer. Es gibt hier viel guten Boden, der wenig bearbeitet ist und sehr rasch ertragreich gemacht werden kann. Durch die Investition von einigen Millionen Pfund kann man die Uberzähligen palästinensischen Menschen In Transjordanien ansiedeln und auf diese Weise dessen allgemeine Lage verbessern. Die englische Regierung wird sich über kurz oder lang mit dieser Frage beschäftigen müssen. * Wie man sieht, beginnt man jetzt in England selbst — die „Times" stehen ja der Regierung nahe — in maßgebenden Kreisen zu erkennen, wie kurzsichtig die Politik der britischen Regierung war, welche im Jahre 1922 in wortbrüchiger Art Transjordanien von Palästina abgetrennt und der jüdischen Kolonisation entzogen hat. Die Streiklage m Kfar Saba Aus Jerusalem: Nachdem mehr als 20 Angehörige der Histadruth, des Irgun, des Poel Haraisrachi und der Agudas Jlsroel, die vor den jüdischen Orangenplantagen in Kfar Saba, in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden, Streikposten standen, von der Polizei verhaftet wurden, hat sich die gesarate jüdische Bevölkerung aus der nächsten Umgebung von Kfar Saba freiwillig zusammengetan, um Streikposten vor den Plantagen zu stehen. Die Polizei schritt wiederum ein und verhaftete neun Personen. Frankreich auf der Levante-Messe Aus Tel-Awiw: Die Leitung der Tel-Awiwer Levante-Messe wurde verständigt, daß der Direktor des französischen Komitees für Auslandsausstellungen, M. M o s n i e r, die Leitung der französischen Abteilung auf der Levante-Messe übernehmen wird. In der französischen Ausstellung werden die berühmten Pariser Modehäuser und kosmetischen Institute, die pharmazeutische und medizinische Industrie sowie die Schwerindustrie vertreten sein. Zur Eröffnung der französischen Abteilung wird von Frankreich eine Handelsdelegation unter Führung des ehemaligen Ministers Senator Justin Godard nach Palästina entsandt. Ring der Allen Herren* Verbände Montag, den 16. April, um 8 Uhr abends findet Im Cafe AltesRathaus, I., Wlpplingorstraße, eine wichtige Besprechung Uber Standesfragen statt. Erscheinen aller A. H. im eigenen Interesse geboten. ECKSTEINS FAMILIEN-PENSION Rettauration, Kaffeehaus / Taglich S-Uhr-Tee SEMMERIMG ISSSVtÜtVSSSS"43 Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-21 Zur Beachtung! Wir bringen zur allgemeinen Kenntnis, daß wir unsere ehemalige Filiale, II., Fraterstraße 38, verkauft haben und die dort Jetzt zum Verkauf gelangenden Waren nicht von unserer Fabrik geliefert werden, und daß wir mit dem dortigen Botriebe In keinem wie Immer gearteten Zusammenhange stehen. Unsere Erzeugnisse bleiben wie bisher unter strengster ritueller Aufsicht und bieten wir vollste Garantie für die vollständige Einhaltung der Kaschruthvorschriften und Qualität. Pefyan & Co. Emheitsorgamsation der Judenstaat ler Deutschlands Aus Berlin teilt uns die „StaatszionlstischÄ Organisation" mit: In Deutschland gibt es in Zukunft nur eine staatszionistische Organisation. Sämtliche staatszionistischen Gruppen, die bisher in Deutschland bestanden (Staatszionistische Organisation, Verband der Zionisten-Revisionisten und Verband der Staatszionisten) haben sich in der Staatszionistischen Organisation vereinigt. Diese ist somit die Einheitsorganisation aller judenstaatlich eingestellten Zionisten Deutschlands. Die Organisation führt den Namen „Staatszionistische Union". An der Spitze steht der ehemalige Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde und Präsident der Jüdischen Volkspartei Dir. Georg K a r e s k i. Vizepräsident ist der ehemalige Vorsitzende der Staatszionistischen Organisation, Adolf Hirschfeld t. Dem Präsidium gehören ferner an: Die ehemaligen Vorsitzenden des Verbandes der Zionisten-Revisionisten Dr. Justus Schloß und Ernst Hamburger, der ehemalige Vorsitzende des Verbandes der Staatszionisten Rudolf Nathansohn, der Bundesleiter der Nationalen Jugend Herzlia (Betar), Willi W. C e g 1 a, der Leiter des Brith Haschomrim N. Scheinesohn und Louis Fließ. Das Zentralbüro befindet sich Berlin N 24, Oranienburgerstraße 12. .illllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllli. Zionistisches Jugendseminar Veranstaltet von der Judenstaatsjugend Dienstag, den 17. April 1934, findet um 8 Uhr abends im Heim, II., Untere Augarteustraße 88, ein Vortrag statt. Referent: Kultusvorsteher Ing. Eugen Buchbinder. MIIIIIIIIIIIIIIIIMIIilllllllllliilillllllilllllllllllilllllllllllllllilll' Ziomstenkrawall in einer griechischen Stadt — 17 Verletzte Aus Saloniki: In der Synagoge der Stadt Kostario hatte die revisionistische Ortsgruppe eine Versammlung zur Propagierung der Petitionsbewegung veranstaltet. Während der Versammlung kam es zwischen den Einberufern und Allgemeinen Zionisten zu heftigen Auseinandersetzungen, die in eine Schlägerei ausarteten. Der Kampf dauerte eine halbe Stunde, bis Polizei die feindlichen Lager trennte. Siebzehn Personen wurden verletzt, zwei von ihnen, Jakob Z a h a r i a und Chaim E 1 i a o u, so schwer, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Aus beiden Parteien wurden mehrere Personen, die von der Polizei als Rädelsführer der Unruhen betrachtet wurden, verhaftet. Ihre schönste Fahrt nach PALÄSTINA mit unserer Gesellschaflsreise zur Levantemesse! Pfingsten und das entzückende Erstlingsfest in Haifa a) am 14. April mit dem Luxusdampfer „Ausonia" Trlest—Haifa und zurück; b) am 2. Mai mit der „Vulcania" (24.000 Tonnen) Neapel—Haifa und zurück. Preise je nach der Kombination ab ö. S. 830.—. Für Einzelreisende Schiff- und Bahnkarten. Anmeldungen und Auskünfte: NORDISCHES REISEBÜRO (Palästina-Abteilung: Reiseleitung) N. M. Racker Wien, I., Seilergasse 3 (Ecke Graben- Stephansplatz), Telephon R-25-0-S2, lvcapekte und Offerte zur gefälligen Verfügung» Jederzeit genaue Inforaatlaata*